Phönixsendung am 10.02.2006, 21:45 Uhr
zur 2. Schiffsreise des "Hilfskomitees für die Deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V."
vom 21.10.05-30.10.05

"Besuch in der alten Heimat, mit Donauschwaben in der Vojvodina"



Empfang im Gemeindehaus von Kac (Quelle: PHOENIX/ ARD-Studio Wien)

"In meinem Haus warst und bist auch Du daheim!",
prostet der serbische Gastgeber Johann Fix zu. Der hatte als 16-jähriger seinen Heimatort Kac verlassen müssen.

Im Spätherbst 1944 waren die meisten Donauschwaben vor der Roten Armee und Partisanen aus der Vojvodina geflüchtet. Eine halbe Million zählte einst die deutschstämmige Minderheit in der Region. Rund 60.000 überlebten willkürliche Erschießungen, Hunger, Kälte und Krankheiten in jugoslawischen Nachkriegslagern nicht. Als "Volksverräter" und "fünfte Kolonne" der Wehrmacht wurden sie kollektiv vom kommunistischen Tito-Regime verantwortlich gemacht. Eine "ethnische Säuberung", die bis zum Ende des Milosevic-Regimes in Serbien ein Tabu-Thema war.

Nicht nur Gedenkkreuze in eingeebneten Internierungslagern dürfen jetzt aufgestellt werden. Serben und Donauschwaben kommen bei Versöhnungsgottesdiensten zusammen. Junge Historiker beider Seiten wollen nicht länger Schuldzuweisungen diskutieren, sondern versuchen, die gemeinsame Vergangenheit ideologiefrei aufzuarbeiten.

Bei den Heimatbesuchen hat sich ebenso Erstaunliches getan, wie die Reportage des ARD-Korrespondenten Peter Miroschnikoff anschaulich macht. Sein Team hat Heimatbesucher aus Baden-Württemberg und Österreich begleitet. Nicht nur die Familie Fix besucht oft das einstige Haus der Vorfahren. Selbst der Bürgermeister von der Radikalen Serbischen Partei in Kac ist mehr als gesprächsbereit. Er hätte nicht mal was dagegen, wenn Donauschwaben sich wieder in ihrer einstigen Heimatgemeinde ansiedeln würden. Erinnert wird daran, dass man einst in der multiethnischen Vojvodina nicht nur friedlich zusammenlebte. Zudem wird eingestanden, dass couragierte deutsche Mitbürger im Zweiten Weltkrieg bedrohte Serben geschützt und gerettet haben. Erstmals schildert ein Zeitzeuge vor der Kamera, wie er als Partisanenoffizier bei Kriegsende verlassene deutsche Häuser zuteilte. Viele heutige Besitzer waren selbst Flüchtlinge, die aus anderen jugoslawischen Landesteilen kamen und die Vojvodina "slawisch" machen sollten. Serbiens Außenminister sieht die Zeit gekommen, sich offiziell für Verbrechen an der deutschen Minderheit zu entschuldigen, auch wenn die Frage von Wiedergutmachungsforderungen strittig bleibt.

Film von Peter Miroschnikoff
Sendetermine: Fr, 10.02.06, 21:45 Uhr und Sa, 11.02.06, 09:30 Uhr
Weitere Sendetermine: "Schauplatz Europa" So, 23.04.06, 18:45 Uhr und 00:45 Uhr

Text und Foto: Walter Köhl, Böblingen

(Heinrich Stephan)