AKTUELLES - ARCHIV 1

Nachruf

Am Sonntag dem 28.Dezember 2008 erreichte uns die Nachricht vom Tod von
Dusan Knezevic aus Maglic

Seine in Österreich erworbenen Deutschkenntnisse ließen ihn mit Bulkeser Maglicbesuchern umgehend Kontakt aufnehmen und bei den Bulkesern zum bekanntesten Maglicer werden. Er ist es bis heute geblieben. Zusammen mit Milan Pilipovic hat Dusan Knezevic über ein Jahrzehnt Bulkeser in Maglic zu ihrer Zufriedenheit betreut und große Beliebtheit erlangt.
Mit dem Tode von Dusan Knezevic verlieren wir einen treuen und ehrlichen Freund und Gönner der Beziehungen von Maglic zu Bulkes. Aus vielen mit ihm ausgetauschten Email ließ er immer wieder seinen Herzenswunsch erkennen, den noch Lebenden der Bulkeser Erlebnisgeneration es zu ermöglichen, ein in Maglic an Bulkes erinnerndes Denkmal zu besuchen. Am 21. September 2008 durfte ich mit ihm die Einweihung des Gedenksteines an Bulkes und seine Bewohner auf unserem früheren Friedhof im heutigen Maglic erleben, womit sein Wunsch in Erfüllung ging.

Es war meine letzte Begegnung mit einem aufrichtigen Freund.
Wir trauern um den Verlust von Dusan Knezevic mit dem von Albert Schweizer
stammenden Zitat
"Was ein Menschen an Gutem
in die Welt hinausgibt,
geht nicht verloren."


In tiefer Trauer Heinrich Hoffmann
Bernie Sander
Heinrich Stephan







Nachruf eines Freundes,
Bernd Sander:
"Es kommt mir vor, als ob ich einen guten alten Freund verloren habe...
So jemand gibt es nur einmal..."
Dusan Knezevic + Maglic 27.12.2008



"Liebe Frau Knezevic, Sladjana, Dobrina und alle Dusan's Freunde in Maglic

Mein tiefstes Beileid zu dieser Trauerzeit fuer euch alle. Ich teile mit euch den Verlust von einem guten Freund.
Er nannte mich seinen Bruder und ich nannte ihn mein Bruder.
Vor genau 10 Jahren besuchte ich Maglic/Bulkes zum ersten Mal mit meiner Mutter und meiner Schwester. Der Erste der uns begegnete war Dusan und eine sofortige Freundschaft wurde geboren. Er war fuer mich die Haupt - Kontaktperson und wurde ein wertvoller Mitstreiter und Experte fuer mich und viele andere Bulkeser.
Ich besuchte Maglic mehrere Mal in den letzten Jahren und hatte viele wunderbare Erinnerungen mit meinem guten Freund Dusan.
In Gedanken mit euch ... Bernie
Bernie Sander"
Anmerkung:
Die Publikation dieses Nachrufes halte ich auch deshalb für richtig, weil darin zum Ausdruck kommt, dass Bernd Sander in Dusan eine Haupt- Kontaktperson und wertvollen Mitstreiter gefunden hat bei seinen frühen Versuchen vor 10 Jahren einen Weg der Verständigung und Aussöhnung mit den heutigen Menschen im ehemaligen Bulkes zu finden.
Dass dieser Weg inzwischen, was allgemein anzuerkennen ist, von jenen beschritten wird, die sich ihm und einigen gleichgesinnten Bulkesern damals in den Weg stellten, steht unausgesprochen zwischen den Zeilen des Nachrufs und wird somit in Erinnerung gerufen.
Darauf hinzuweisen ist bei dieser Gelegenheit der Wahrhaftigkeit wegen notwendig, damit es nicht völlig vergessen und verdrängt wird.

Heinrich Stephan





DNEVNIK - Novi Sad Chronik 26.09.2008

"Eine Neusatzer Geschichte - Die Deutschen unserer Stadt"


Eine Ausstellung als Beitrag zur Stadt, den man nicht vergessen kann.
Übersetzung aus dem Serbischen von Günther Haug, Oberursel, aufgrund eines DNEVNIK - Artikels, den Frau Gutekunst zur Verfügung stellte.
3.Nov.2008

Eine Ausstellung, welche die unterschiedlichen Segmente des privaten und gesellschaftlichen Lebens der Deutschen in (aus) Novi Sad dokumentiert, unter dem Titel " Eine Novi Sad ( Neusatzer) Geschichte - Die Deutschen unserer Stadt", ist gestern in der Sammlung auslaendischer (fremder) Kunst, Dunavska 9, eroeffnet worden. Das Ziel dieser Ausstellung ist sowohl das Leben der deutschen Gemeinschaft im Bereich der Stadt zu dokumentieren als auch das Kennenlernen der Neusatzer Deutscher Abstammung mit der Geschichte und Kultur ihrer deutschen Nachbarn.
Vorbereitungen fuer diese Ausstellung dauerten zwei Jahre und die Historikerin, Agnesch (Agnes?) Ozer hat Objekte und Unterlagen aus den Bestaenden des Stadtmuseums Novi Sad, des Vojvodina Museums und privaten Sammlungen der Neusatzer deutsch-ethnischen Familien ausgewertet.

Es sind noch 300 Deutsche uebriggeblieben
Anfang des 2. weltkriegs wohnten in Novi Sad 7000 Deutsche.
Heute erklaeren sich 301 Personen zur Zugehoerigkeit der
deutsch-ethnischen Gesellschaft. (Gruppe)
Die Ausstellung wurde vom Neusatzer Buergermeister, Igor Pavljicic eroeffnet.

- Es gibt nur wenige Staedte wie Novi Sad welche so ein reiches kulturelles Erbe besitzen. wir sollen stolz darauf sein. Wir bauen Bruecken nicht nur (smilslu=) im Sinne sondern auch zu den Voelkern, und wir sollen es als Vorteil nutzen, dass es in Novi Sad viele Religionen und Volksgruppen gibt, erklaerte Pavlicic. Die Ausstellung ist entstanden als Frucht (Folge) des langen Studiums und Forschung der ethnisch-deutschen Gesellschaft in Vojvodina.
Ab 1944 herrschte die Situation (das Phaenomen?), dass sich Deutsche selten als Deutsche erklaerten. (sich zum Deutschtum bekannten). Sogar noch heute ist deutsches Eigentum konfisziert. Persoenliche Erinnerungen deutscher Familien sind verschwunden. Deswegen mussten so viele Jahre vergehen bis wir heute im Stande sind was "deutsch" in der Geschichte der Stadt Novi Sad ist, zu identifizieren. So sehr beachtlich (bedeutend) ist der Beitrag der Deutschen in der Geschichte und der Entwicklung der Stadt und es ist sehr wichtig, dass wir das nicht vergessen duerfen. Es sind nun 10 Jahre seit Anfang des 21. Jahrhunderts vergangen und ich glaube, dass es an der Zeit ist, das wir dieses (die Ausstellung) machen und dass wir auch die Erforschung der gesellschaftlichen Geschichte anderer ethnischen Gruppen und deren Rolle in der Entwicklung Novi Sads vorrantreiben.
Der Eroeffnung der Ausstellung wohnte eine grosse Anzahl Deutscher bei, deren Familien sich vor langer Zeit im Gebiet der heutigen Vojvodina niedergelassen haben. Die Neusatzerin, Natascha Adamov, die der deutschen Familie Faht entstammt, erklaerte , dass waehrend des 2. Weltkriegs in Novi Sad eine Mischung der deutschen, serbischen und ungarischen Kultur existierte, dass dies aber nach der Kolonisation der Serben zerfallen ist.
Ich bin die Enkelin der deutschen Familie Faht welche sich in Novi Sad als Mueller betaetigt hat. (Mueller waren). Meine Ahnen waren ausserordentlich gebildete Leute und es ist interessant, dass mein Grossvater 5 Soehne hatte und alle haben Frauen aus anderen Nationalitaeten geheiratet und alle wohnten im selben Hof (Haus Anwesen) in harmonischer Gemeinschaft, sagte Frau Adamov.
Neben Bildern und Dokumenten welche die geschichtlichen Umstaende darstellen unter welchen die Deutschen in Novi Sad lebten, waren auch noch Moebelstuecke aus der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts ausgestellt.
Eine der populaersten Stilrichtungen aus dieser Zeit war Altdeutsch, und am heufigsten erschienen Gegenstaende mit den Zwiebelmuster-Motiven. Eine der aeltesten Familien der Stadt war die von Alexander Pajkert. (Peukert?)
Meine Familie hat sich 1701 in Vojvodina niedergelassen. So viel ich weiss sind wir eine der aeltesten deutschen Familien in der Stadt. Meine Ahnen kamen aus der Tschechei als Bauarbeiter, die damals in der Vojvodina sehr geschaetzt waren - erzaehlte Alexander, dessen Grossmutter und Vater auf einem Bild in der Ausstellung zu sehen sind.
B. Zaric
M. Lisica (Fuchs)

Heinrich Stephan








Erleichterung über Tadics Sieg


"Badische Neueste Nachrichten" Dienstag, 5.2.2008


Belgrad (BNN/dpa).
Die Serben haben bei der Präsidentenwahl für Europa entschieden. Der pro-europäische Amtsinhaber Boris Tadic (Foto: dpa) setzte sich in der Stichwahl deutlicher als erwartet gegen den ultra nationalistischen Tomislav Nikolic durch, der für ein enges Bündnis mit Russland eintrat. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission erhielt der 50-jährige Tadic 50,6 Prozent der Stimmen, Nikolic (55) kam auf 47,7 Prozent.
Der Wahlausgang wurde im Westen einhellig mit Erleichterung aufgenommen. Tadic steht in den nächsten Wochen allerdings vor schwierigen Problemen. Noch im Februar dürfte die abtrünnige südserbische Provinz Kosovo ihre Unabhängigkeit erklären. Und auch die Zukunft der Koalition zwischen der Tadic-Partei DS und der DSS von Regierungschef Vojislav Kostunica stand nach der Wahl in den Sternen. EU-Chefdiplomat Javier Solana und Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso begrüßten die Wiederwahl von Tadic. Auch in Deutschland stieß die Wiederwahl Tadics parteiübergreifend auf große Zustimmung.
Heinrich Stephan

2. SCHIFFSREISE


OKTOBER 2005
Reiseveranstalter: HILFSKOMITEE für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.
Vorsitzende: Hildegard Gutekunst und Herbert Schön, zur Homepage des Hilfskomitees





Heinrich Hoffmanns REISEBERICHT:


Fotos: Heinrich Hoffmann

"Meine Schiffsreise im Oktober 2005 nach Novi Sad und Bulkes

begann am 21.Oktober am Donau-Kai in Passau mit dem Einschiffen auf dem bulgarischen Kreuzfahrtschiff "Sofia". Reiseveranstalter war das "Hilfskomitee für die Deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V." Die zweite Friedensfahrt in die alte Heimat stand unter dem Motto "Dialog, Frieden und Versöhnung". Aus Deutschland, Österreich und Amerika reisten 181 Teilnehmer an, um an der 9 Tage dauernden Schiffsreise nach Novi Sad, in der Vojvodina im heutigen Serbien-Montenegro, teilzunehmen. Für mich war es eine Kreuzfahrt im doppelten Sinne des Wortes. Zum einen, die Reise als Kreuzfahrt an sich, zum anderen die Mission des Reiseveranstalters die Versöhnung mit der in unserer alten Heimat lebenden Bevölkerung zu unterstützen.
Zunächst stand das Kreuzfahrterlebnis auf dem Schiff im Vordergrund. Der ausgezeichnete Service der deutsch sprechenden Schiffsbesatzung und das vorzügliche kulinarische Angebot ließen in dem gut ausgestatteten Schiff schon bald Kreuzfahrtatmosphäre aufkommen. Gewöhnungsbedürftig waren die engen Kabinen und bei Nacht die Geräusche der Querruder, wenn das 113 m lange Schiff in den Schleusen manövrierte.
Für Abwechslung auf der langen Reise ohne Landgang sorgte das Programm der von dem Reiseveranstalter organisierten "Donau-Akademie". Großes Interesse fanden die Vorträge über die Geschichte der Donauschwaben und das von ihnen besiedelte Land. Die "Klausur" auf dem Schiff kam den überwiegend älteren Reiseteilnehmern sehr entgegen, um in Erinnerungen aus der Jugendzeit in der alten Heimat zu versinken. Den bevorstehenden Erlebnissen in der alten Heimat wurde entgegen gefiebert. Einige verbrachten die Zeit mit Karten- und Gesellschaftsspielen in der Piano Bar. Andere nutzten das gute Wetter, um vom Ober- oder Sonnendeck die abwechslungsreiche Uferlandschaft der Donau zu bewundern.










Schließlich, nach zweieinhalb Tagen und 970 km Schifffahrt, legte unser Schiff am Montag den 24. Oktober morgens um 9 Uhr in Novi Sad an. (Gegenüber, links im Bild, ragt die Festung Peterwardein hoch über die Donau hinaus.)


1. Tag in Novi Sad.
Bereits um 10 Uhr warteten die Busse am Kai, um uns, nach einer kurzen Stadtrundfahrt, zum Empfang des Präsidenten und Vizepräsidenten im Parlament der Vojvodina zu bringen. Kurzen Begrüßungsworten des Parlamentspräsidenten Bojan Goztres folgte eine Ansprach des Vizepräsident Sandor Egereszi. Mit ergreifenden Worten legte er das Bekenntnis ab, wonach der Vermögensentzug, die Vertreibung und die Tötung der Deutschen und anderer Volksgruppen Unrecht waren. Dieses Geständnis vom Vizepräsident der Vojvodina vor laufenden serbischen und deutschen Fernsehkameras zu hören, hat mich und andere unter Tränen tief bewegt. Eine späte Ehrenrettung nach 60 Jahren.
Der anschließende Umtrunk mit Säften, Kaffee und Slibowitz, sowie den zum Verzehr nach donauschwäbischen Rezepten gebackenen Strudel, waren der Abschluss des Empfanges. Ein unvergessenes Erlebnis.
Am Nachmittag lud Herr Dr. Lamers von der Konrad Adenauer Stiftung zum Historischen Konvent in das Museum der Vojvodina ein. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "60 Jahre nach Kriegsende, 6 Jahre Aufarbeitung". Sieben serbische und zwei donauschwäbische Historiker saßen am runden Tisch um die damaligen Vorgänge aus heutiger Sicht zu beurteilen. Die Referate wurden jeweilig simultan, in die andere Sprache übersetzt. Einer der sieben serbischen Historiker bestätigte, er erkundigte sich in deutschen Archiven, das an uns begangene Unrecht. Die Mehrzahl seiner Kollegen hielt sich in ihren Stellungnahmen auffallend zurück. Die Zurückhaltung wurde teilweise begründet mit erst seit kurzem möglichem Zugang zu serbischen Archiven. Für einen anderen serbischen Historiker ist das in der bisher erschienenen Literatur für das Massensterben in den Lagern gebrauchte Wort Genozid unangebracht. Nach seiner Auslegung bedeutet das Wort die Auslöschung eines Volksstammes. Die Aufzählung von Erschießungen der Juden während der deutschen Besatzungszeit in Jugoslawien, eines anderen Kollegen, klang wie eine Rechtfertigung des uns zugefügten Schicksals.
Der Vortrag des donauschwäbischen Historikers, Magister Josef Wolf vom Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen hingegen, stützte sich in seiner Sachlichkeit auf Unterlagen aus deutschen Archiven. Durch Kopfnicken erhielt er stellenweise die Zustimmung eines serbischen Kollegen.
Welch ein Kontrast, die Rede des Vizepräsidenten am Vormittag, mit dem abgelegten Geständnis des Unrechts und die Zweifel im Konvent ob es Unrecht war, bzw. ob es überhaupt eines gab. Die unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse und vor der Tür der EU um ihren Beitritt stehenden Politiker, sehen sich offensichtlich gezwungen der Wahrheit ins Auge zu schauen.
Alle Veranstaltungen des Tages mit offiziellem Charakter wurden von einem ARD-Fernsehteam begleitet. Einen ausführlichen Bericht wird der Sender Phönix zu einem noch nicht bekannten Termin senden.
Schon vor Antritt der Reise war die Frage gestellt, ob der Reiseteilnehmer die Absicht hat seinen Heimatort und sein Elternhaus zu besuchen. Daran gekoppelt waren die Maßnahmen die Heimatortsgemeinden zu verständigen und die Fahrt zu organisieren.

2. Tag in Novi Sad.
Am zweiten Tag in Novi Sad, am 25. Oktober, warteten um 8:30 Uhr oben am Kai zahlreiche Busse mit der Zielortbeschriftung um uns in die Heimatorte zu bringen. In den Bus nach Bački Maglić/Bulkes stiegen: Reinert Adam und seine Ehefrau s'Kerschner Lische, geborene Bauer HNr. 253a, jetzt wohnhaft in Holzmaden, Köhl Johann geboren 1933 HNr. 195 mit Ehefrau und verheirateter Tochter, jetzt wohnhaft in Niemegk bei Potsdam und ich, Heinrich Hoffmann HNr. 236/237, jetzt wohnhaft in Kirchheim/Teck. Der Kleinbus stand uns mit Fahrer den ganzen Tag zur Verfügung. In rasanter Fahrt ging es von Novi Sad nach Bački Maglić.




Auf dem Platz vor der Opština (Rathaus) wurden wir von Dušan Knezević und Milan Pilipović erwartet. Sie wussten von unserem Kommen, da wir am Vorabend Gäste von Dr. Lovre waren.

Die Personen sind von links:
Frau Köhl, Johann Köhl und Tochter Köhl; Radomir Zotović, Stellvertreter des Amtsvorstehers von Bački Petrovac, Bački Maglić ist ein Ortsteil von Bački Petrovac; Adam Reinert (verdeckt mit Kappe) und Elisabetha Reinert geb. Bauer; Maglićer Gemeinderat, Maglićer Bürger und Dušan Knezević.

Nachdem uns Saft gereicht wurde, erschien Herr Radomir Zotović, Stellvertreter des Amtsvorstehers von Bački Petrovac (Bački Maglić ist ein Ortsteil von Bački Petrovac) und begrüßte jeden mit Handschlag. In seiner Begleitung waren zwei Gemeinderäte und die allen Bulkesern aus dem Standesamt bekannte Vinca Marjanović. In der in serbischer Sprache gehaltenen Begrüßungsansprache, von Adam Reinert ins Deutsche übersetzt, betonte Herr Zotović ein gutes Verhältnis zu den Bulkesern anzustreben. Der einzige, jedoch seit längerem unterbrochene Kontakt zu einem Bulkeser war der zu Bernie Sander, einem in Kanada geborenen Sohn Bulkeser Eltern. Ich verwies an Franz Jung, als der für Bulkeser Interessen zuständigen Bezugsperson. In der weiteren Folge seiner Ausführungen kündigte er das Vorhaben der Gemeinde Bački Maglić an, den äußeren Zustand der Kirche zu verschönern und auf dem Gelände des ehemaligen Bulkeser Friedhofes eine Parkanlage anzulegen. In diese Parkanlage sollen Grabsteine vom ehemaligen Bulkeser Friedhof aufgestellt werden. Zu der von Herrn Zotović für die Sanierung der Werbaser Kirche von Heinrich Stephan unterstellten Geldspende stellte ich richtig, dass dieser als Architekt den Sanierungsplan erstellt hat, jedoch keine Geldspende erbracht hat. Die Gelegenheit nutzend wies ich darauf hin, dass finanzielle Beihilfen nur für im Eigentum der Evangelischen Kirche gehörende Bauten gewährt werden. In Werbas steht die einzige noch im evangelischen Besitz befindliche Kirche in der Vojvodina. Herr Zotović überraschte uns mit seiner Kenntnis, dass der Bulkeser Heimatausschuss die Absicht hat nächstes Jahr mit dem Bus nach Bački Maglić zu kommen. Er bot an, die jetzigen Bewohner vom Kommen der früheren Hausbesitzer zu informieren um einen ungehinderten Zugang zu erleichtern. Dazu benötigt die Gemeinde jedoch die früheren Bulkeser Haus Nr. der nach Bački Maglić kommenden Bulkeser.





Der harmonisch verlaufene Empfang klang aus mit der Einladung zum Mittagessen. Vor dem Mittagessen fand eine Ortsrundfahrt und ein von Herrn Zotović angeregter Fototermin statt.


In der Opština bei dem Empfang von links: Dušan Knezević; Adam Reinert und Elisabetha Reinert geb. Baur; Heinrich Hoffmann; Vinca Marjanović, Maglićer Gemeinderat, Radomir Zotvić und Maglićer Gemeinderat; Tochter Köhl, Ehefrau Köhl und Johann Köhl; Maglićer Bürger.


Harmonisch und gelungen war der Empfang auch darum, weil die ausgezeichneten serbisch Kenntnissen von Lischen und Adam Reinert die sprachliche Verständigung lückenlos möglich gemacht hat.
Die Ortsrundfahrt führte uns zu der Besichtigung des Freibades, dem ganzen Stolz der Maglićer. Der nächste Halt der Rundfahrt war der Bahnhof. Neben Adam Reinert stehend, zeigte ich auf den Schuppen und seine Laderampe. Über diese Rampe, sagte ich zu ihm, sind die Bulkeser in Schotterwaggons geladen und nach Jarek deportiert worden. Er übersetzte es dem hinter uns stehenden Pilipović. Dieser reagierte erregt mit dem Hinweis, dass in Bihač die Bevölkerung von deutschen Soldaten zusammen getrieben und erschossen wurde. Nach der Bahnhofsbesichtigung besuchten wir unsere Elternhäuser. Der obligatorische Begrüßungstrunk mit Raki war uns sicher.
Gegen 15 Uhr trafen wir uns zum Mittagessen im einzigen Restaurant von Bački Maglić, dem ehemaligen Pfarrhaus. Nach einem ausgiebigen Essen mit Wein, wurden wir unvermittelt in einen Nebenraum gebeten und saßen zu unserer Überraschung, erneut Herrn Zotović gegenüber. Offenbar fühlte sich Herr Zotović in unserer Gegenwart wohl. Einer seiner beiden Gäste stellte sich als ehemaliger Minister für Minderheiten vor. Belanglose Themen, wie das Wissen aus vergangenen Zeiten vom Beckmess- und Paradeiseinkochen aber auch über den baulich vernachlässigte Zustand mancher Häuser, ließen die Zeit schnell vergehen. Auf Anregung von Lische legten wir Bares zusammen und übergaben in einem verschlossenen Umschlag den Betrag von 135,- € als Spende für den Kindergarten in Bački Maglić.





Mit einem "Auf Wiedersehen mit dem Bus im nächsten Jahr" verabschiedete sich unser Gastgeber Herr Zotović. Gegen 17 Uhr fuhren wir zurück in unser schwimmendes Hotel am Donauufer in Novi Sad.


Auf dem Oberdeck des Schiffes, die Bulkeser Reiseteilnehmer von links:
Heinrich Hoffmann; Elisabetha Reinert geb. Bauer und Adam Reinert; Tochter Köhl, Johann Köhl und Ehefrau Köhl.

Ein denkwürdiger, um nicht zu sagen ein historischer Tag in Bački Maglić. War es doch die erste offizielle Begegnung zwischen deutschen Bewohnern der ehemaligen Gemeinde Bulkes mit Vertretern der Gemeindeverwaltung des heutigen Bački Maglić.
Der ereignisreiche zweite Tag klang mit einem bunten Folklore-Abend der "Volkstanz und Folklore Gruppe Kać" auf dem Schiff aus.

3. Tag in Novi Sad.
Am dritten und letzten Tag in Novi Sad, am 26. Oktober, standen Besichtigungen auf dem Programm. Nach Sremski Karlovica und der Wallfahrtskirche "Maria Schnee" am Vormittag, war das nachmittägliche Ziel die ehemalige Festung Perterwardein. Unter der Erde hatte die besterhaltene Festung Europas Platz für 30000 Soldaten. Der nächste Programmpunkt war die Vernissage mit Bildern des Donauschwäbischen Malers Prof. Robert Hammerstiel. Danach versammelten sich die Reiseteilnehmer katholischen und evangelischen Glaubens um mit der orthodoxen Glaubensgemeinschaft in der Kathedrale von Novi Sad dem gemeinsamen ökumenischen Gebetsgottesdienst beizuwohnen.
Um 3 Uhr in der Frühe des darauf folgenden Tages legte die "Sofia" vom Kai des Donauufers in Novi Sad zur Heimfahrt nach Passau ab.
Nach dem Muster der Anreise verlief auch die Rückreise. Ohne Landgang von Novi Sad bis Passau. Genügend Zeit sich von den Strapazen an Land zu erholen. Genügend Zeit, die Erlebnisse der Tage in Novi Sad und den Heimatortsgemeinden zu analysieren.
Am Samstag den 29. Oktober, dem letzten Tag auf der Rückreise auf der Donau, begann mit der Einladung des Kapitäns zum Kapitänscocktail um 19 Uhr das Abschiednehmen von lieb gewonnenen Gastgebern. Das anschließende Abschiedsessen, empfohlen war elegante Abendgarderobe, bildete mit sechs Gängen den kulinarischen Höhepunkt der ausgezeichneten Bordküche. Als besonderes Abschiedsgeschenk der Besatzung, verbunden mit der Hoffnung auf ein Wiederkommen, waren ihre Darbietungen der Bulgarischen Folklore.

Die Aufzählung der Judenmorde der Vojvodina und das Erlebnis am Bahnhof in Bački Maglić bestärken mich in der Vermutung, dass die Eliminierung unseres Volksstammes mit dem Leid des serbischen Volkes unter deutscher Besatzung als Rechtfertigung in die serbische Geschichtsschreibung eingegangen ist. Umso wichtiger scheint mir der Dialog mit der Bevölkerung zur Wahrheitsfindung zu sein. Ist die Versöhnung mit einem Volk möglich, solange große Teile das uns zugefügte Unrecht für rechtens hält!
Wie lange kann es sich ein aussterbender Volksstamm leisten, wegen Uneinigkeit in der Gesprächsbereitschaft auf seine Ehrenrettung und die seiner getöteten Angehörigen zu warten.
Hat Eigensinn Vorrang vor historischer Verantwortung!
Dick sind die zu bohrenden Bretter auf dem Stapel der Versöhnung, auf beiden Seiten. Kac ist nicht überall.
Großes Lob und Anerkennung für den gelungenen Ablauf der hoffentlich nicht letzten Schiffsreise nach Novi Sad. Vielen Dank den "Kapitänen und Offizieren" der Organisation: Hildegard Gutekunst, Herbert Schön, Walter und Christa Köhl. Ziehen Sie die Option für eine dritte Fahrt rechtzeitig und halten Sie das Schiff auf Kurs, trotz störender Geräusche der Querruderer.

In Dankbarkeit, "Leichtmatrose" Heinrich Hoffmann.
Kirchheim/Teck, den 28. November 2005 "

E-Mail-Kontakte:
Mail an den Autor: HeinrichHoffmann@t-online.de


Anlage:

Kirchheim/Teck, 11. Nov. 2005
Brief an den Bürgermeister Stellvertreter in Maglic.
Betreff: Einladung ehemaliger Buljkeser Bürger in Maglic.

"Sehr geehrter Herr Radomir Zotovic,
für den ersten offiziellen Empfang ehemaliger Einwohner der Gemeinde Buljkes, von Ihnen dem stellvertretenden Bürgermeister in der Gemeinde Maglic, darf ich mich im Namen aller Buljkeser Teilnehmer herzlich bedanken. Die Ausführungen in Ihrer Ansprache haben bei uns offene Ohren und viel Wohlwollen gefunden. Wir begrüßen Ihr Vorhaben, mit den Bürgern des ehemaligen Buljkes ein gutes Verhältnis anzustreben und hoffen, dass weitere Begegnungen wie wir sie erleben durften folgen werden.
Mit freundlichen Grüssen, Heinrich Hoffmann."

HEINRICH HOFFMANN, Pfaffenhalde 31, 73230 Kirchheim/Teck, Tel 07021/55235
E-Mail: HeinrichHoffmann@t-online.de
Bulkeser Homepage: http://www.bulkes.de





Nov.2005
Brandenburger Zeitung

Aufgebrochen zum Dialog für Frieden und Versöhnung
Heinrich Georgs Bericht über die 2.Schiffsreise nach Novi Sad und Altker

Nach 61 Jahren den Geburtsort wiedergesehen.
Das "Hilfskomitee für die Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V." organisierte vom 21.10.-30.10.05 eine Donauschiffsreise mit dem bulgarischen Schiff "Sofia" von Passau bis Novisad.
Frau Gutekunst und Herr Schön haben mit sehr viel Fleiß und Klugheit sowie diplomatischem Geschick diese Reise so vorbereitet, dass es ein voller Erfolg wurde. Für die Logistik war das Ehepaar Walter und Christa Köhl verantwortlich und für die Bordakademie die Historiker Josef Wolf und Dr. Senz, beide Dozenten an der UNI Tübingen. Die täglichen Andachten wurden von Herrn Pfarrer Dr. Wagner gestaltet.

230 Donauschwaben waren aufgebrochen zum Dialog für Frieden und Versöhnung.
Nach der abendländischen Moralvorstellung endet die Schuld mit dem Täter. Schuld kann nicht auf Kinder und Enkel übertragen werden; aber die Verantwortung bleibt. Dies gilt für jede Seite. Aus diesem Grund sind Gutwillige auf Gutwillige zugegangen, damit die Kinder und Enkel dasselbe ohne jede Befangenheit tun können.


Unsere Mission fand großes öffentliches Interessen, überall waren Fernsehstationen und Pressevertreter anwesend. Schon am Ankunftstag wurden wir im Parlamentsgebäude der Vojvodina in Novisad vom Präsidenten persönlich begrüßt und sehr gut bewirtet mit aller Sorten Strudel - wie daheim - Kaffee und Slivovic.
Sehr nahe gingen die Worte des 2. Parlamentspräsidenten. In der Vergangenheit wäre vielen unschuldigen Menschen der Minderheiten Unrecht getan worden. Er richtete auch den Blick in die Zukunft zur gemeinsamen Gestaltung Europas, auch Serbien gehört zu Europa.
Würdevoll erfolgte die Auszeichnung von Herrn Robert Lahr. Herr Lahr kam frühzeitig zurück in seine Heimatgemeinde Kucura und übergab Bedürftigen Dinge, die er gesammelt hatte.
Fast ständig war dann auch Herr Kratzer vom Auswärtigen Amt bei uns.

Am zweiten Tag

erfolgte eine Rundfahrt. Von unserem Schiff, das gegenüber der Festung Peterwardein lag, ging es nach Kamenica. Wir sahen die Häuser, aus welchen ab der Kriege von 1990 ca. 300 000 Menschen weggezogen und andere wieder eingezogen sind.
In Karlowitz sahen wir das erste und größte serbische Priesterseminar.
1716 konnte "Prinz Eugen" von der Festung Peterwardein aus die Türken endgültig besiegen. Nach dem Friedensvertrag von Karlovitz mussten die Türken den Balkan fast vollständig räumen. Die Verhandlungen erfolgten erstmalig am runden Tisch. Die wunderschöne Kirche "Maria Weiß" konnten wir auch besichtigen. Nach der Schlacht gegen die Türken wurde die Kirche errichtet. Der Sage nach soll es während der Schlacht plötzlich geschneit haben, das habe die Türken sehr verwirrt.

Nachmittags erfolgte erstmalig eine historische Konferenz unter der Schirmherrschaft der Konrad Adenauer- Stiftung. Die Leitung hatte der Direktor Herr Lammers. Die Diskussion der Historiker und Akademiker hatte zum Ziel, zu einem gemeinsamen Bild der Geschichte zu kommen, damit an Schulen gleiches gelehrt wird. Hier ist eine Fortsetzung noch notwendig. Die serbische Seite legte dar, dass noch nicht alle Staatsarchive von 1941-45 zugänglich sind. Sehr versöhnend waren die Worte der Tübinger Historiker Wolf und Dr. Senz. Es gibt die Charta der Heimatvertriebenen - Verzicht auf Rache und Vergeltung. Bei Einzelfragen gibt es schon ausbaufähige Anfänge. So zum Beispiel einen Bischofsaustausch, serbische Kindergärtnerinnen sind zeitweilig in Deutschland, Studenten- und Schüleraustausch.
Am dritten Tag war es dann soweit,

es ging in die Geburtsorte. Hierzu gab es Ortschaften, die an einer Strecke lagen und in einem größeren Bus zusammengefasst wurden und in dem ein Dolmetscher war. Bald war ich Sprecher der zweitstärksten Ortsdelegation von 21 Personen.
Es gab schon ein komisches Kribbeln im Bauch, als wir am Ortseingangsschild Zmajevo (Altker) vorbei in den Ort hineinfuhren. Vor dem recht wuchtigen Gemeindeamt wurden wir von einer serbischen Delegation und vom 1. und 2. Bürgermeister empfangen, - und Schnaps gab es auch.


Meine Übungen in zwei Singvereinen kam uns zugute. Wir sangen für unsere Gastgeber "Lang, lang ist's her..."
Das noch sehr gute Standesamtsbuch konnte ich einsehen, - siehe da, ich fand meinen Namen, Geburtsdatum und Taufdatum. Alle, die es wollten, bekamen eine Geburtsurkunde.
Dann ging es zum Kindergarten. Die Kinder, das ist die Zukunft. Es war alles sehr ordentlich und wohl geordnet. Auf einmal musste ich von 4-5 Kindern zugleich die Händchen drücken.



FRIEDHOFSBESUCH:

"Vor dem ehemaligen Friedhof wurde inzwischen ein Gedenkstein errichtet. Wir legten Blumen und Kerzen nieder. Pfarrer Falkenstein, der Neffe des letzten deutsch-evangelischen Pfarrers, sprach einige Worte des Gedenkens..."
Bildmitte in heller Kleidung: Frau Wagner, Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Altker; rechts halb verdeckt: Zweiter Bürgermeister von Zmajevo.


Von dort aus zerstreute sich die Gesellschaft, jeder wollte sein ehemaliges Hauss finden. Der Ort ist flächenmäßig sehr groß. Ein Serbe namens Drago (seine Mutter ist Deutsche) lud meine Tante, eine Großkusine und mich in den PKW ein und wir fuhren zunächst zum Haus meiner Tante. In dem Haus wohnen jetzt Serben. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen. Im Haus meiner Großkusine wohnen jetzt Serben aus Bihac/Bosnien. Hier wurden wir sehr herzlich aufgenommen und bedient.
Mittag gab es in der ehemaligen Gaststätte und Weinhandlung Richter. In jungen Jahren war hier mein Vater Kellner und Weinhändler. Mein Bruder konnte seine Erinnerungen darlegen, er ging mit dem Sohn zur Schule.

Danach fuhren der stellvertrende Bürgermeister, Frau Wagner, die HOG-Vorsitzende von Altker, und ich zu weiteren Personen im Ort. Das restliche umfangreiche Essen gaben wir den bedürftigen Bewohnern des ehemaligen Hauses von Frau Wagner.
Eine Geldspende übergaben wir dem örtlichen Tischtennisverein, der uns stolz berichtete, dass sie als relativ kleiner Ort in der höchsten Spielklasse mitspielen.
Dem serbischen Pfarrer übergaben wir Weihrauch und Holzkohle auch mit der Bitte, dem katholischen Pfarrer was zu geben. Er zeigte uns dann die Kirche und übergab uns kleine Geschenke.
Voller Eindrücke ging es dann wieder nach Novi Sad.
Natürlich kam auf dem Schiff die Kultur nicht zu kurz. An einem Abend trat eine serbische Tanz und Gesangsgruppe auf. Ein Abend wurde sehr gut von der bulgarischen Besatzung gestaltet. Ein Abend war für Maritimes vorbehaltem. In Begleitung der Band konnte ich zwei Shantys darbieten.
Zum Abschluss gab es in Novisad in der serbischen Kirche erstmalig ein gemeinsames Gebet mit dem serbischen Bischof und dem deutschen Pfarrer Wagner. Heinrich Georg (geb.in Altker/Zmajevo)
Jonnisburger Anlage 32
D-14772 Brandenburg

Dankbrief:
Lieber Herr Schön!
Möchte mich noch einmal für die sehr gut organisierte Donauschiffsreise in die alte Heimat bedanken. Das haben Sie mit Ihrem Stab sehr gut hinbekommen. Es war durchweg ein großer Erfolg. Grüßen Sie bitte auch Frau Gutekunst und das Ehepaar Walter Köhl.
Wir haben hier ja auch schon Treffen mit unseren östlichen Nachbarn vom Bund der Vertriebenen organisiert. Mit großem Erfolg mit Litauern und Ungarn, selbst mit Polen ging es schon ganz gut. Schwierig ist es schon mit den Tschechen. Wer aber mit den Serben einen derartigen durchgängigen Erfolg erreicht, der muss mit viel Fleiß, Klugheit und Diplomatie gehandelt haben. Nochmals vielen Dank dafür. Möge Euch Kraft gegeben sein, dies auch weiter durchzustehen.
Sende einen Zeitungsartikel (s.oben) von der örtlichen Brandenburger Presse mit, den ich hier zur Veröffentlichung brachte. Meinen Artikel hat man leider gekürzt und zwei Fehler reingebracht, aber er ist wohl doch noch ganz gut geworden. In dieser Woche, so hat man mir versprochen, kommt noch ein Artikel in einer Zeitung, die man im ganzen Land Brandenburg lesen kann.
Nochmals vielen Dank
und allerbeste Grüße
Heinrich Georg.

Ein Wiedersehen
wünscht Ihnen und Ihrer Familie Heinrich Georg und Frau Monika.
Beste Grüße auch an das Ehepaar Walter Köhl und Frau Gutekunst!




Dez. 2005
DER BOTE "Donaureise in die alte Heimat"

Helga Kosakowski geb. Nehr



Das Hilfskomitee für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e. V. führte seine zweite Donaureise in die Vojvodina im Oktober 2005 für alle Donauschwaben und deren Angehörige durch. Von Passau ging es bis Neusatz und zurück.



Foto: Walter Köhl


Während der Fahrt auf der Donau wurden Informationen zur Geschichte der Donauschwaben, Gedankenaustausch und Unterhaltung geboten. Das Programm in der Vojvodina war wie die gesamte Reise perfekt organisiert, alles Vorhersehbare war vorbereitet. Für die "Fußkranken", zu denen ich gehöre, war bestens gesorgt, so dass sie an den Veranstaltungen in Neusatz teilnehmen konnten, wenn sie das wollten. Ich glaube im Sinne aller zu sprechen, wenn ich sage, es war eine rundum gelungene und sehr schöne Reise mit Gleichgesinnten, bei denen schnell eine gewisse Gemeinsamkeit vorhanden war. Auf dem Schiff wurden wir verwöhnt, und auch das Wetter meinte es gut mit uns. Allen Organisatoren möchte ich für ihre ausgezeichnete Arbeit und die damit verbundene Mühe sehr herzlich danken.

Für mich war Anlass und Höhepunkt der Reise der Besuch der einzelnen Heimatorte während unseres dreitägigen Aufenthalts in Neusatz. Da mein Mann (gebürtiger Westfale) und ich die einzigen Besucher für Rudolfsgnad waren, schildere ich diesen Tag.

Mein Geburtsort ist Werschetz. Im Alter von knapp zwei Jahren kam ich mit meinen Familienangehörigen über das Kathreinfelder Lager ins Lager Rudolfsgnad. Nach Auflösung des Lagers und der danach folgenden Zwangsverpflichtung waren wir bis zur Ausreise in die Bundesrepublik im August 1953 dort. Dort verbrachte ich die wesentlichen Jahre meiner Kindheit. ich habe nur Erinnerungen an Rudolfsgnad. Aus diesem Grund wollte ich es besuchen.

Mit dem Bus ging es von Neusatz über Titel nach Rudolfsgnad. Vorher waren in einzelnen Heimatorten schon Besucher ausgestiegen. Da ich kein Serbisch spreche, hatte ich zunächst Bedenken, ob wir diesen Tag für uns sinnvoll gestalten könnten. Doch es sollte besser kommen, als ich erwartet hatte. Die Dolmetscherin, die unseren Bus begleitete, bot sich an mit uns zu gehen. Damit war das Sprachproblem gelöst. Gegen 10 Uhr kamen wir in Rudolfsgnad an und wurden vom Vertreter der Gemeinde, Herrn Stojkovic, begrüßt, der vorher über unseren Besuch unterrichtet worden war. Er war freundlich und hilfsbereit und fragte nach unseren Wünschen. Nachdem ich geäußert hatte, was ich gern sehen würde, ging es los.

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Foto: Walter Köhl






Als erstes besuchten wir die Teletschka. Unter den 9.000 deutschen Toten dort ruhen vier meiner Familienangehörigen. Schon von weitem sieht man das große Kreuz der Gedenkstätte, das auf einer Betonplatte steht. Am Rand der Platte sind Wildrosen gepflanzt, das Umfeld ist gemäht. Bänke rechts und links geben die Möglichkeit zum Verweilen und stillen Gedenken. An Stelen sind Gedenktafeln einzelner Personen und Heimatortsgemeinden zu finden. Hier können über die Gemeinde Knicanin weitere persönliche Daten angebracht werden.

Danach fuhr uns Herr Stojkovic zum Friedhof. Hier liegt mein Urgroßvater im Massengrab begraben. Ich hatte genaue Erinnerungen an den Friedhof und die zerstörte Kapelle, weil wir nach Auflösung des Lagers oft den Friedhof besuchten.
Uber den neuen serbischen Teil gelangten wir in den alten deutschen und standen vor der wieder aufgebauten und schön gestalteten Kapelle. Ich trug mich in das dort ausliegende Besucherbuch ein und erstand Ansichtskarten von der Kapelle und der Teletschka. Links hinter der Kapelle auf dem Massengrab (hier liegen 3.000 deutsche Personen) befindet sich eine Gedenktafel. Das Umfeld ist gemäht. Der Hauptweg vom Eingang des Friedhofs bis zum Massengrab sowie der Querweg vor der Kapelle sind frei geschnitten und begehbar. Die zumeist noch aufrecht stehenden Steine im alten Teil sind zugewachsen. Zerstört wurde hier nichts.


Das nächste Ziel war die Schule, in der ich lesen und schreiben lernte. Weiter ging es zum Frank'schen Wirtshaus und in die Theisgasse, in der wir wohnten. Das Haus steht nicht mehr, ebenso die gesamte Häuserzeile zum Damm hin. Nach diesem Rundgang lud Herr Stojkovic uns zu sich ein, und seine Frau bewirtete uns mit Getränken. Auch ließ er es sich nicht nehmen, uns in ein Titeler Restaurant zum Essen zu führen. Er begleitete uns und wartete bis zur Abfahrt des Busses, nachdem er uns u. a. mit den Worten verabschiedet hatte: "Kommen Sie nächstes Jahr wieder."
Die Aufnahme in Rudolfsgnad war herzlich und freundschaftlich. Dank der Initiative des Herrn Lorenz Baron konnten die Gedenkstätten auf den Massengräbern errichtet werden. Wir haben so die Möglichkeit, von unseren Toten dort endgültig Abschied zu nehmen. Laut Auskunft von Herrn Stojkovic kommen jährlich etwa 50 Personen nach Rudolfsgnad.

Mein Mann und ich haben Rudolfsgnad im September 1988 privat besucht. Damals war die Teletschka ein verwildertes Stück Brachland. Der Friedhof war so zugewachsen, dass man ihn nicht betreten konnte und er als solcher auch nicht zu erkennen war. Aus dem Frank'schen Wirtshaus ist inzwischen ein Bürgerhaus geworden. Die Schule ist renoviert und befindet sich von außen in einem guten Zustand. Am Gemeindehaus werden z. Zt. Arbeiten durchgeführt. Mehrere Ruinen sind beseitigt und neue Häuser gebaut bzw. alte umgebaut worden. Leerstehende Häuser sind dem Verfall preisgegeben. Heute weist in Rudolfsgnad nichts mehr auf die ehemaligen deutschen Bewohner hin. Ausnahme sind die beiden Gedenkstätten.





Ich habe versucht, diesen Bericht sachlich zu halten. Gefühlsmäßig werde ich wohl noch einige Zeit brauchen, um alle Eindrücke zu verarbeiten und die Wirklichkeit als unumstößlich hinzunehmen.



Foto:Walter Köhl

Zu weiteren Bildern........ Zur Phönixsendung über die 2. Schiffsreise


Weitere Reise-Notizen und Presse-Artikel

Dezember 2005
DER BOTE: "Stimmen der anderen"

In den serbischen Zeitungen war während und nach dem Besuch der Donauschwaben, die mit dem Schiff gekommen waren, auch vieles zu lesen, was die Leser der jeweiligen Zeitung meinen. Ein Bericht, der in der DNEVNIK vom 8. November erschien, beschreibt in besonders schöner Weise die multikulturelle Gesellschaft der Vojvodina, in der Serben, Deutsche, Magyaren, Ruthenen etc. gelebt haben, die geboren wurden, weinten und trauerten, glücklich waren und starben. Der Verfasser meinte, dass es natürlich auch Streit gegeben habe, dass aber die gegenseitige Hochachtung auch da gewesen wäre. Dass man drei Sprachen nebeneinander und miteinander gesprochen habe. Er beschreibt, dass die Vojvodina durchtränkt sei von Schweiß, Blut und Gebeinen, von allen, die dort gewohnt hätten. Dass man immer ein Vojvodinaer bleiben würde, wenn man ein echter Vojvodinaer sei, denn, so meint er am Schluss, die Vojvodina macht Beute mit Liebe! Wenn doch die Menschen auf solche Beutezüge aus wären.
h.g.




Februar 2006
Rezension "Die Nebengasse"

Über den Schinderplatz und uns
Dragi Bugarcic: "Die Nebengasse" , Bücherei Bugarcic, Werschetz, 2006.

Die Nebengasse" ist der elfte Roman von Dragi Bugarcic. Obwohl man den Eindruck hat, es handle sich um einen Roman in leichter Struktur pointiert eingefangener Augenblicke verschiedener Zeitabläufe, so hält Bugarcic die Erzählung doch fest in der Hand. Die Fragmentierung ist nur eine für den Leser vorbereitete Falle, um ihn vielleicht dazu zu führen die Qual zu begreifen, die man empfindet, wenn man über das redet, worüber man ein halbes Jahrhundert geschwiegen hat. Der Autor hat den Slalom als eine Reisemöglichkeit durch die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Zeit gewählt. In denselben Gässchen, in derselben Nebengasse, am Bach, der zum Ozean führt, aber auch durch die Matrikel, dem Buch aller Bücher, in der alle Erzählungen dieser Welt erzählt wurden, ereignen sich Verbrechen und Kinderspiele. Die erdachten Monologe der Katze Tarka, die Fantasien des Knaben Helmut, die Dialoge der Helden in den Comics, die für Helmut realistischer sind, als für die Menschen aus seiner Nebengasse, wechseln ab mit den mühsam aufgedeckten Verbrechen, von denen alle wissen, aber keiner imstande ist darüber zu reden. Wie die Schläge einer Ramme tauchen Segmente, wissenschaftlich und neutral erzählter Geschichten auf von der Ansiedlung der Deutschen in der Wojwodina und W. Dieselbe Erzählung beginnt der Autor mehrmals, um dem Thema, nach Art von Proust, jedes Mal ein neues Instrument hinzuzufügen, um die Kakophonie des tödlichen Maschinengewehrfeuers zu erreichen. Die Fakten trübt emotional nur der Satz: "Den Ersten der Tod, den Zweiten die Not und den Dritten das Brot" - in dem die Deutschen in einer gerafften Form über die Erfahrungen der Ansiedlergenerationen in der sumpfigen, durch Krankheiten belasteten und durch den großen Fluss durchschnittenen, Ebene sprechen.
"Die Nebengasse" ist eine Erzählung über Verbrechen, die an den Bewohnern der Stadt W., am klar erkennbaren Ende des Krieges, begangen wurden. Wie in einem Thriller werden im Roman die wesentlichen Fragen nach den Opfern, den Henkern, wer die Kette der Verbrechen in Gang setzte, wie sich das Verbrechen ereignete und wie es möglich war, das die Verbrechen ein halbes Jahrhundert lang mit dem Schleier des Schweigens verdeckt wurde, beantwortet.
Zunächst fühlt man das Frösteln, hört den dumpfen Donner der Katjuscha und schwerer Wagen, dann verschwinden allmählich Menschen, hinter denen eine unerträgliche Leere und Ohnmacht zurückbleiben. Danach saufen und vergewaltigen die Sieger. In der Nebengasse, in einem deutschen Haus, tötet ein junger Mann einen russischen Major, um seine Schwester vor dem Vergewaltiger zu schützen. Das ist die Ursache. Das wirkliche Verbrechen ist die blinde Rache - die Exekution aller Bewohner der Straße. Zu den Mauern der eigenen Häuser gewandt, werden die Bewohner der Nebengasse von Kugeln der Maschinengewehre durchsiebt. Einen ganzen Tag und eine Nacht lang werden ihre Leiber mit Bauernwagen und Spediteuren zum Schinderplatz, einem Hundefriedhof unterhalb des Werschetzer Berges, gefahren. Auf dem Marktplatz der Stadt, vor den Augen aller Einwohner der Stadt, werden ihre Nachbarn die Spuren ihrer letzten Blutstropfen hinterlassen - Blutstropfen, die den Weg ihrer letzten Fahrt durch die Stadt nachzeichnen. Nachdem nur eine dünne Schicht Erde die Leiber bedeckte und die Erde unter der Last des Zerfalls schnell zu atmen begann, wurde die Stadt zur Geisel der begangenen Verbrechen.
Die Mittellosen und das Gesindel, die die Toten verscharrt haben, werden sich bis an ihr Lebensende mit Alkohol betäuben, unfähig das Geschehene zu erklären und den Sinn der eigenen weiteren Existenz zu finden. Das Schweigen wird zur Realität, neben den immer gegenwärtigen Drohungen und dem immer gegenwärtigen Staatssicherheitsdienst.
Einige Kinder werden in der Ferne, in Österreich, in Flüchtlingslagern aufwachsen und ihr Leben in Wien verbringen, darauf wartend, ihrer alten Heimatstadt zu sagen, was sie ihnen angetan hat. Die Liebe des Haupthelden "Der Nebengasse" zu Werschetz ist eine Brücke, eine Chance und eine ausgestreckte Hand von einem, den wir nicht beschützten. Die Kinderspiele im Staub der Nebengasse und am Bach Mesic und die Kühle in Onkels Bibliothek sind Balsam für die Heilung der Wunden.
Die Narben dieser Wunden in den Opfern, aber auch in den Henkern und anderen, denn in dieser Erzählung ist keiner unschuldig, nimmt der Künstler unfehlbar wahr. Und deshalb ist der Autor kein alles sehende Auge, das richtet und alles im Voraus weiß, sondern ein Akteur der Erzählung, die auch heute weiter geht und deren Ende auch weiterhin ungewiss ist. Er hat selber gespürt wie "das Ministerium der Wahrheit" funktioniert. Er wurde mit dem Schweigen, als einzigen Garanten fürs Dasein konfrontiert und brach es. Es gibt keine Kunst, aber auch kein Leben ohne Vergehen.
Nadežda Radovic

Übersetzt: Stefan Barth






Januar 2006
Zwei bemerkenswerte serbische Interviews zu aktuellen Themen der deutsch-serbischen Annäherung
Aufgezeichnet: Nadežda Radovic
Übersetzt: Stefan Barth

1.
Interview mit Tamaš Korhec,

stellvertretender Vorsitzender und Provinzsekretär für Vorschriften, Verwaltung und nationale Minderheiten im Exekutivrat der AP Wojwodina

"Die Wojwodina wird bestehen, solange ihr reiches Sprach- und Kulturerbe leben."


Was sind die Grundpfeiler der Politik der Regierung, dessen stellvertretender Vorsitzender sie sind, in Bezug auf die Frage der Donauschwaben?

Die Frage der Donauschwaben müssen wir im Kontext der ganzen Politik des Exekutivrates des Parlaments der Autonomen Provinz (AP) Wojwodina sehen. Die Hauptmerkmale dieser Politik, seit den Veränderungen im Jahr 2000, sind die multikulturelle Entwicklung und Schutz der Vielfalt. In Hinblick darauf, dass ich schon die zweite Legislaturperiode in der Regierung der Wojwodina arbeite, kann ich mit Sicherheit bestätigen, dass die Regierung bestrebt ist den institutionalisierten Schutz der Vielfalt in der Wojwodina zu entwickeln und die Voraussetzungen für die rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, die die volle Gleichberechtigung der Bürgerinnen und Bürger, ohne Rücksicht auf ihre nationale, ethnische und religiöse Zugehörigkeit, garantieren. In dieser Zeit sind die Dotierung und die Hilfe für die Fortentwicklung des Kulturerbes und der Vielfalt in der Wojwodina erhöht worden, weil uns bei unserer Arbeit von Anfang an bewusst war, dass die Wojwodina ein einzigartiges Gebiet in Europa sei, wo sich schon seit Jahrhunderten viele Kulturen und Sprachen verwoben haben und es eine andere Tradition des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, Nationalität und Religionszugehörigkeit gibt. Diese unterschiedlichen Kulturen haben nicht nur nebeneinander bestanden, sondern haben sich auch gegenseitig durchdrungen und stark beeinflusst. Das Gebiet der Wojwodina haben drei große Kulturgemeinschaften bedeutend gekennzeichnet. Neben der ungarischen, serbischen und deutschen Kulturhinterlassenschaft, gibt es noch Spuren von zehn größeren Kulturgemeinschaften, die ihre Kulturidentität entwickelt haben. Diese Besonderheit der Wojwodina betrachteten wir als einen außergewöhnlichen Vorteil, im Unterschied zur Politik wie sie in den neunziger Jahren in Serbien und der Wojwodina vorherrschte. Wir müssen nicht nur die Vielfalt bewahren und weiter entwickeln, sondern müssen auch die Fehler korrigieren, die von der Regierung im Laufe der neunziger Jahre, in politischer und normativ- institutioneller Hinsicht, gemacht wurden. In normativ-institutioneller Hinsicht hatte die Wojwodina eine ausgeprägt aktive Rolle gespielt. Eine beachtliche Zahl normativer Beschlüsse, die vom Parlament der AP Wojwodina gefasst wurden, ist gerade mit dem Schutz der Vielfalt auf dem Gebiet der Wojwodina verbunden, beginnend mit dem Beschluss über die amtliche Sprachregelung, bis zu dem Beschluss über die Einführung mehrsprachiger Formulare und den Aufnahmeprüfungen in der Muttersprache an der Novisader Universität. Der institutionelle Rahmen wurde erheblich erweitert. Z.B. wurde ein Wochenblatt in der Roma Sprache und kroatischen Sprache gebildet. Genauso wurde es in der bunjewazer und ukrainischen Sprache gemacht. Alle diese Organe, genau so wie jene, die bereits vorhanden waren, bekommen erheblich mehr Mittel und Dotierungen von der Provinz. Es wurde ein professionelles rumänisches, slowakisches und russinisches Theater gegründet. Es wurden neue ungarische Gymnasien eröffnet. Mit einem Wort, wir haben eine Reihe neuer Institutionen geschaffen, die zu einer Entwicklung der Vielfalt und Eigentümlichkeit führen.


Was hat die Regierung der Wojwodina konkret für die deutsche Minderheit getan?

In Bezug auf die Donauschwaben, auf unsere Schwaben, wurden sowohl symbolische als auch praktische Schritte getan. Davon abgesehen, dass wir ganz beachtlich einige Aktivitäten der deutschen Vereine, die es glücklicherweise mehr gibt als früher, unterstützen und finanzieren, haben wir im Parlament der Wojwodina eine Resolution über die Ablehnung der Kollektivschuld verabschiedet. Diese Resolution ist ein Meilenstein, weil zum ersten Mal ein staatliches Organ anerkannt hat, dass viele Bürger dieses Landes aufgrund einer Kollektivschuld bestraft wurden. Damit hat die neue Regierung der Wojwodina klar zum Ausdruck gebracht, dass die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv keine Grundlage sein kann für irgendeine Schuld. Es ist uns bewusst, dass die deutsche Volksgemeinschaft den größten Schaden erleiden musste, weil die "Kollektivschuld" öffentlich verkündet wurde. Der größte Teil dieser Gemeinschaft ist aus unserem Raum verschwunden. Die Resolution hat neue politische Grundlagen für eine neue Politik gegenüber der deutschen Volksgemeinschaft geschaffen. Das gilt auch gegenüber anderen Gemeinschaften, auf die man einige Maßnahmen der "Kollektivschuld" angewendet hatte.
Aus diesem Grund hat das Parlament eine ernsthafte Forschungsarbeit initiiert, um festzustellen, was sich alles zwischen den Jahren 1941 und 1948 ereignet hatte. In dieser Zeit wurden die Menschenrechte in diesem Gebiet von verschiedenen Regierungen massiv verletzt. Ich meine, dass die Feststellung der ganzen historischen Wahrheit eine wichtige Voraussetzung für neue Chancen im Zusammenleben bedeutet. So haben wir die Mauer des Schweigens, mit der der Leidensweg unserer Deutschen in den Jahren zwischen 1944 bis 1948 tabuisiert war, durchbrochen. Das erste Mal haben die amtlichen Staatsorgane der Wojwodina an der Festlegung der Jahrestage der Opfer unserer Deutschen, zusammen mit den Vertretern der Donauschwaben, teilgenommen. Auf eine symbolische Art und Weise zeigen wir so, dass unschuldige Menschen umkamen und, dass wir bereit sind das Problem des Leidensweges unserer Deutschen aus einer anderen Sicht zu betrachten.
In dem Prozess der Zusammenführung der Donauländer spielen auch einzelne Donauschwaben eine bedeutende Rolle, die in immer größerer Anzahl die Wojwodina besuchen. Es ist ein Prozess in Gang gekommen, in dem das schwarz-weiße Bild über den Zweiten Weltkrieg und den Ereignissen nach dem Krieg sich immer mehr ändert. Die Regierung der Wojwodina spielte hier eine Vorreiterrolle. Alle übrigen Regierungsorgane in unserem Land waren dabei Assistenten oder haben die Initiativen aus der Wojwodina sporadisch unterstützt.


Kann man die historische Ungerechtigkeit, die einer großen Zahl von Menschen der einst größten nationalen Minderheit des Königreichs Jugoslawien zugefügt wurde, korrigieren?

Eine historische Ungerechtigkeit kann man nur auf symbolischer Ebene korrigieren. Das bezieht sich auf Auschwitz und Hiroschima, sowie auf die Opfer unserer Deutschen. Leider kann man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Das was wir tun können ist, klar zu sagen was mit unseren Deutschen geschehen war und ihre Verdienste für die Entwicklung der Wojwodina anzuerkennen. Wir wünschen, dass allen Wojwodinern bewusst wird, was uns die Donauschwaben hinterlassen haben. Ein Teil dieses Kulturerbes beeinflusst auch heute unser tägliches Leben in der Provinz. Wenn wir ein Glas Bier trinken, das verbindet uns mit unseren Deutschen, mit denen die Kultur der Hopfenanpflanzung, das Bierbrauen und der Biergenuss in die Provinz kam. Vieles davon brachten die Deutschen uns in die Wojwodina.
Man muss die Pflege der deutschen Kultur fortsetzen. Das Erlernen der deutschen Sprache vom Kindergarten bis zur Universität wird Chancen für die Nachfolgegenerationen eröffnen. Auch ohne die Deutschen hat die deutsche Kultur in der Wojwodina eine Chance. Die Leitidee muss dabei sein, dass wir versuchen das deutsche Erbe und die Verbindungen, die wir zu unseren Deutschen haben, für das Wohl der Wojwodina zu nutzen. Wir müssen das Bewusstsein stärken, dass die Wojwodina solange existieren wird, solange ihr reiches sprachliches und kulturelles Erbe lebt. Wenn das verschwindet, und viele wünschten sich das in den neunziger Jahren, wird es eine Wojwodina nicht mehr geben. Zum Glück hat es sich gezeigt, dass das Erbe der Wojwodina beständiger war, als der Traum der Nationalisten. Nicht einmal der starke politische Wille und Hysterie, die in den neunziger Jahren herrschte, konnten den Geist der Wojwodina zugrunde richten. Immer mehr Menschen in der Wojwodina werden sich dessen bewusst, sogar unter denen, die Gegner dieser Ideen waren.


Es bleibt die schmerzhafte Frage: Wie soll das Problem des enteigneten Vermögens der deutschen Bürger auf der Grundlage der "Kollektivschuld" gelöst werden? Gehört diese Frage überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Provinzregierung?

Wir haben einen vollständigen Gesetzentwurf über die Lösung der vermögensrechtlichen Fragen und Entschädigung auch der Menschen, die ihr Vermögen wegen der "Kollektivschuld" verloren haben, vor zwei Jahren an die Organe der Republik geschickt. Die Wojwodina hat ihre Aussage dazu gemacht und hat sich für eine redistributive Gerechtigkeit entschieden, d.h. für die Zurückgabe des enteigneten Vermögens oder Entschädigung. Aber, wir müssen realistisch sein, nicht nur in Hinsicht auf die deutsche Gemeinschaft, sondern auch in Hinsicht aller Bürger, die einen Schaden erlitten haben. Wir haben zwei Kernprobleme. Erstens, es gibt viel mehr Menschen, die an dem enteigneten Vermögen partizipieren, als diejenigen denen es enteignet wurde. Das erzeugt eine ungünstige Situation für das Wirken der Politiker, denn sie müssen jemanden etwas wegnehmen, um die Ungerechtigkeit zu korrigieren oder sie müssen aus Steuern entschädigen. Man darf einfach nicht übersehen, dass die Nationalisierung ein Prozess war, bei dem man einer kleineren Anzahl Menschen wegnahm und einer größeren Anzahl Menschen zuteilte. Deshalb ist die Umkehrung dieses Prozesses ausgesprochen unpopulär. Man kann den Menschen erklären, dass die Gerechtigkeit das erfordert, aber wenn die Gerechtigkeit ihnen in die Tasche greift, werden sie sich empören.
Das zweite Problem ist unsere Armut. Wenn sich unsere Wirtschaft dynamisch entwickeln würde, wenn wir große Reserven hätten, dann könnten wir den Prozess der Entschädigung ohne ein soziales Trauma beginnen. Aber in einem Land mit 30% Arbeitslosen, in dem auch die Beschäftigten wenig verdienen, kann die Rückgabe des Vermögens an wohlhabende Menschen äußerst unpopulär werden. Meine Familie hatte durch die Nationalisierung viel verloren, denn meine Vorfahren waren reiche Leute. Unabhängig davon, dass es auch gegen meine persönlichen Interessen ist, so bin ich mir der möglichen sozialen Folgen und Erschütterungen bewusst. Aber, in diesen Prozess muss man natürlich einsteigen. Es freut mich, dass die Erfassung des enteigneten Vermögens begonnen hat. Jeder Deutsche soll die Zusammenstellung seines Vermögens, das im enteignet wurde, einreichen. Der Staat muss auf jeden Fall guten Willen zeigen, die Ungerechtigkeit zu korrigieren. Es ist eine zweite Frage, ob der Staat in der Lage sein wird die Menschen, denen das Vermögen ungerechter Weise enteignet wurde, ganz zu entschädigen. Aber er ist verpflichtet diesen Prozess zu beginnen. Das bezieht sich auch auf unsere Deutschen. Viele Staaten, die heute Mitglieder in der Europäischen Union sind, haben das nur teilweise gemacht, insbesondere in Bezug auf Deutsche.


Weiß man denn genau, was Tito und Brandt im Jahr 1973 vereinbart haben?

Das Kommunique ist ziemlich allgemein und formal. Ich glaube nicht, dass es einen Staatsakt gibt, in dem sich Deutschland im Namen der Deutschen vom Recht der Entschädigung lossagte. Das konnte Deutschland nicht tun. Keiner hätte ein Recht, so etwas zu unterschreiben.


In Deutschland haben unsere Deutschen, die die Staatsbürgerschaft angenommen haben, eine Entschädigung bekommen, die aber nicht den Wert des Vermögens, das sie verloren haben, hatte.

Es hatte aber nicht jeder etwas bekommen. Und viele unserer Deutschen sind nicht nach Deutschland ausgewandert, sondern blieben in Österreich, gingen nach USA, Australien, Kanada…Einige blieben hier. Nach einigen Angaben, jedoch nicht nach der Volkszählung, gibt es in unserem Land zwischen zwanzig und dreißig tausend Deutsche. In Gebieten mit überwiegend ungarischer Bevölkerung sind sie mehrheitlich zu Magyaren assimiliert und in Gebieten mit überwiegend kroatischer Bevölkerung zu Kroaten. Sie flüchteten in diese zwei Volksgruppen, um den Folgen der "Kollektivschuld" zu entgehen. Das konnten sie in ethnisch gemischten Gebieten tun. In ethnisch reinen Gebieten oder dort wo überwiegend deutsche Bevölkerung lebte, hatten sie keine Möglichkeit sich zu verbergen. In den Gebieten wie Apatin, Hodschag, Rudolfgnad, Indjia sind die Deutschen massenhaft umgekommen.
Wenn die Wojwodina in der Lage sein wird ehrlich zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Rückkehr deutscher Kultur und der deutschen Sprache in diesen Raum wünscht und das Bewusstsein über das reiche deutsche Zivilisations- und Kulturerbe stärkt, so wird die Wojwodina eine Perspektive für das ganze Land eröffnen und uns in die Europäische Union führen. Unsere Deutschen sind uns auf diesem Wege die sicherste Stütze.




2.
Interview mit Professor Dr. Dragoljub Živkovic,

Vorsitzender des Enquete Ausschusses für die Wahrheitsfindung über die Ereignisse in der Wojwodina in der Zeit von 1941 bis 1948

"Dank der Leidenschaft der Mörder ihre Spuren zu hinterlassen."


Das Parlament der AP (Autonome Provinz) Wojwodina hat im Jahr 2001 den Enquete Ausschuss, für die Erforschung der Gewalttaten an der Bevölkerung in der Wojwodina von 1941 bis 1945, gegründet. Während der Untersuchungen stellte man jedoch fest, dass die Bevölkerung der Wojwodina fast in gleicher Zahl in der Zeit zwischen 1945 bis 1948 umgekommen war, sagte Professor Dr. Dragoljub Živkovic, Vorsitzender des Enquete Ausschusses, der Zeitung "Danas" ("Heute"). In dem Enquete Ausschuss arbeiteten 13 Mitarbeiter und zusätzlich noch dreißig Fachleute, aus Museen und Archiven sowie aus einigen bedeutenden Institutionen, mit. Wir konnten auch eine Zusammenarbeit mit dem Museum der Donauschwaben in Ulm, mit den Ungarn in Segedin und Budapest und mit Fachleuten aus Zagreb verwirklichen. Eine gute Zusammenarbeit hatten wir auch mit dem Institut für Völkermord in Belgrad und mit dem Institut für die Geschichte der Gegenwart. Die größte Unterstützung haben wir vom Museum Wojwodina und von dem Archiv Wojwodina bekommen. Nach vier Jahren hatten wir rund 80% der Geländeuntersuchungen abgeschlossen. Nicht ganz abgeschlossen ist die Bearbeitung der Daten für die Lager Batschki Jarak (Jarek) und Molin. Auch die Geländeuntersuchungen auf dem Gebiet Bela Crkva (Weißkirchen) und Pantschewo müssen noch abgeschlossen werden. Als das Mandat des Parlaments der AP Wojwodina, das den Enquete Ausschuss gründete, auslief, wurden die Untersuchungen im Rahmen der Wojwodiner Akademie der Wissenschaft und Kunst mit Unterstützung des Sekretariats für Wissenschaft und Technologie der Exekutive des Parlaments fortgesetzt. Wenn die Exekutive der Wojwodina die notwendigen Mittel bewilligt, würde man die Arbeiten bis August 2006 abschließen können. Danach könnte man alle Ergebnisse der Untersuchungen veröffentlichen. In dem ersten Sammelwerk würden wir die Namen sämtlicher Opfer (Opfer nach allen soziodemographischen Merkmalen - Nationalität, Religionszugehörigkeit, Lebensalter…) und die analytischen Texte der Historiker veröffentlichen. Das Sammelwerk wird in die deutsche und ungarische Sprache übersetzt werden.
Das Grundprinzip der Arbeit des Enquete Ausschusses war, alle Gewalttaten als Ganzes zu untersuchen. Wir wollten uns keineswegs nur mit den Gewalttaten an den Angehörigen einer Bevölkerungsgruppe oder Religion befassen. Es ist das erste Mal, dass solche Untersuchungen auf diese Art und Weise in unserem Land durchgeführt werden. Viele Forscher und Schriftsteller schrieben über die Gewalttaten an Juden, Serben oder Deutschen… Wir gingen davon aus, dass die Wahrheit nur im Ganzen enthalten sei. Verbrechen bleibt Verbrechen. Das Verbrechen ist nicht kleiner oder größer, wenn das Opfer ein Serbe, Jude, Deutscher, Slowake oder Ungar sei… Das Verbrechen als solches muss man verurteilen, ohne Rücksicht darauf, von welcher Seite es begangen wurde. Insbesondere muss gegen Verbrechen gekämpft werden, die im Namen höherer Ziele begangen wurden ("Nationalinteressen", "Patriotismus"…).


Welche Entdeckungen würden sie besonders apostrophieren?

Diese Untersuchungen unterscheiden sich vor allem sehr von allen bisher veröffentlichten Untersuchungen. Wir haben eine große Anzahl bisher veröffentlichter Untersuchungen gesammelt. Bisher gab es ziemlich pauschale Schätzungen über die Zahl der Todesopfer. Wir haben die Opfer namentlich belegt, so dass es keine Diskussionen darüber gibt, ob ein Name an mehreren Stellen geführt wird. Im Enqueteverzeichnis wird außer dem Namen des Opfers auch das Geburtsdatum, Tatort und der Vollstrecker festgehalten… Bis jetzt haben wir die Zahl von 110.000 Opfern aus der Wojwodina ermittelt. Alle bisherigen Untersuchungen gingen von der Zahl von 70.000 Opfern aus. Wir haben auch große Unterschiede in Hinsicht auf Behauptungen über die Zahl der Opfer einzelner Bevölkerungsgruppen festgestellt. Es ist wichtig zu sagen, dass man bei diesen Untersuchungen keine Opfer von Menschen, die Waffen getragen haben versteht, d.h. sie gehörten keinen Militärformationen an. Es geht hauptsächlich um Kinder, Frauen, alten Menschen und jungen Menschen, die keine Waffe tragen wollten. Leider sind die überwiegende Anzahl der Opfer vollkommen unschuldige Menschen.
Unsere Idee war, mit diesen Untersuchungen die Botschaft zu übermitteln, dass niemand das Recht hat einen Krieg zu führen, um unschuldige Menschen umzubringen oder ihr Vermögen weg zu nehmen. Man muss in die Menschen das Bewusstsein einpflanzen, dass man Plündern nie legalisieren wird und dass es sich nicht auszahlt. Wenn man das weltweit als Regel einführen würde, gäbe es viel weniger Kriege. Aus dem Material, das wir gesammelt haben, wird mehr als deutlich, dass Plündern ein allgegenwärtiges Motiv sei Menschen umzubringen.


Begegnet man der Arbeit ihres Enquete Ausschusses mit Unverständnis?

Unsere Arbeit trifft auf Unverständnis gerade deshalb, weil wir nicht bereit waren "Leute unter Waffen", diejenigen die aus irgendeinem Grund bei Militäreinheiten waren, aufzunehmen und zu den Opfern zu zählen. Genauer gesagt, wir wollten keine Erfassungskommission für irgendeine Armee sein. Den unschuldigen Opfern widmete man keine besondere Sorgfalt, noch sind sie sorgfältig registriert worden. Doch genau das wollten wir tun. Diejenigen, die töteten oder liquidierten wurden oft verherrlicht, zu Helden erklärt, ausgezeichnet und belohnt, während man die unschuldigen Opfer ohne Ehrfurcht, vergessen und als Kollateralschäden betrachtet hatte. Über die 110.000 Opfer ging man hinweg, als hätte es sie nie gegeben. Es ist unglaublich, wie die Mächtigen, insbesondere die Militärs, über Zivilopfer hinweggehen, als handele es sich um weniger wertvolle Wesen, nur deshalb, weil sie keine Waffe besitzen und keine Bedrohung für andere darstellen. Ich bin geneigt an das Phänomen des Irrsinns des Krieges zu glauben. Es genügt, auf jemanden mit dem Finger zu zeigen, ihn als Gegner zu bezeichnen und der Mensch wird zum Opfer.


Wie haben sie die Gewalttaten in der Zeit von 1945 bis 1948 untersucht?

Wir haben die Bücher aus allen Lagern bekommen.


Das heißt, diese Bücher existieren. Wo waren sie bisher?

Sie waren in Museen, Archiven, Gerichten und Privatsammlungen versteckt. Keiner hatte es gewagt, sie den Forschern zur Einsicht zu geben. Doch, als das Parlament der AP Wojwodina diese Untersuchungen erlaubte, brachten uns die Leute die Dokumente. Es ist unglaublich, wie viele Daten sich in privaten Archiven befinden. Viele haben uns gebeten die Dokumente, die sie brachten, zu nutzen, aber ihren Namen nicht zu erwähnen. Die Menschen haben immer noch Angst.
Ein besonderes Problem sind die lokalen Kriterien. Z.B. lange haben wir gebraucht um die Daten über das Lager Jarek (Backi Jarak) zu bekommen. Eine einzige Person, in deren Schrank im Parlament sich die Bücher befinden, wollte sie uns nicht zur Einsicht geben. Nach großen Anstrengungen haben wir sie vor zehn Tagen bekommen. Ein großes Problem stellen auch die Daten über das Lager Molin dar. Dieser Ort ist von der Landkarte der Wojwodina verschwunden, er existiert nicht mehr, aber wir wissen, dass Dokumente existieren.


Gibt es einen Überraschungsfaktor bei der Arbeit die sie schon seit mehreren Jahren machen

Ein Rätsel bleibt mir die Leidenschaft der Täter, Spuren zu hinterlassen und zu notieren, wen sie umgebracht haben. Manchmal ist das mit so einer Sorgfalt geschehen, dass diese Tatsache die Neugier erweckt. Einige Zeit galt die Regel, wer am meisten "Gegner" liquidierte, wurde befördert, ausgezeichnet. Da liegt der Hund begraben. Die Täter wurden belohnt und die Statistik war Zeuge ihres Eifers. Wir fanden z.B. einen Brief eines Deutschen an seine Vorgesetzten, in dem er eifrig über die tägliche Liquidierung von fünfzig bis hundert Menschen auf dem Weg bei Bavanischte informierte. Das bedeutet, dass die Tötungsmaschinerie geplant war. Nichts geschah ad hoc oder zufällig. Alles war geplant, die Auszeichnungen, Beförderungen und Anerkennung der Exekutoren inbegriffen. Es gibt zahlreiche Zeugnisse, die belegen, dass die verübten Verbrechen, wie eine regelmäßige Arbeit, kaltblütig, rational und ohne irgendwelche Gewissensbisse verrichtet wurden. Viele Leute sind aufgrund verübter Verbrechen zu Ministern ernannt oder im Dienst befördert worden.


Auf welche Verbrechen beziehen sich diese Behauptungen?

Das begleitet alle verübten Verbrechen. Es gibt keine größeren Unterschiede. Von 1941 bis 1944 gab es in der Wojwodina drei Regierungen: Die Regierung des ungarischen Staates in der Batschka, der NDH (Unabhängiger Staat Kroatien) herrschte in Syrmium (Srem) und das Banat war Deutsch. Die größten Verbrechen verübte der NDH. Sogar die Deutschen vertrieben eine Anzahl von Exekutoren aus Syrmium und haben so eine Anzahl Serben vor der Tötungsmaschinerie des NDH gerettet. Die Deutschen haben alles ihrem Interesse unterworfen, da die Wojwodina als große Kornkammer für die Ostfront benötigt wurde. Im Banat wurde von unseren Deutschen die SS-Einheit "Prinz Eugen" gegründet. Diese Einheit kämpfte während des gesamten Krieges. 1941 bestand die Einheit fast ausschließlich aus Freiwilligen. Erst 1943, als das Dritte Reich Niederlagen an der Ostfront hinnehmen musste, wurde diese Einheit mit mobilisierten Deutschen aufgefüllt. Dann musste eine große Anzahl der Deutschen unter Druck in den Krieg ziehen.
Um sichere Zahlen nennen zu können, haben wir die statistischen Angaben über die Einwohner nach Ortschaften analysiert. Wir hatten eine Volkszählung aus den Jahren 1921, 1931, 1948 und 1953. Die Wojwodina war in der untersuchten Zeit ein Gebiet, auf dem sich große Migrationen abspielten. Im Laufe des Krieges wurden zwischen vierzig bis fünfzig Tausend Ungarn aus Ungarn angesiedelt. Deshalb wurde eine so große Anzahl Serben vertrieben. Dann wurden von 1945 - 1946 genau so viele Kolonisten angesiedelt, wie Deutsche vertrieben wurden. Es handelte sich nach unseren bisherigen Feststellungen um 220 bis 250 Tausend Menschen. Die deutschen Häuser wurden nach der Quote aufgeteilt, die schon 1943 von AVNOJ festgelegt war - aus welcher Republik, welche Nationalität, von wo nach wo gehen musste.


Wer war der Autor dieser Pläne?

Nach vorhandenen Dokumenten wurde AVNOJ von Tito geleitet. Die Spitze der Kommunistischen Partei stand hinter diesen Plänen. Wir kennen auch genau die Einheiten, die die Aufgabe hatten, an bestimmten Stellen Menschen in Lagern zu internieren. Das weiß man genau. Für die Feststellung der deutschen Opfer war für dem Enquete Ausschuss die Tatsache ein Problem, dass viele internierten Deutschen in einem Ort geboren und im anderen Ort interniert waren und während der Lagerzeit das Lager mehrmals wechselten. So erschien derselbe Namen mehrmals. Aus diesem Grund gibt es Unstimmigkeiten in den Zahlen, die auf allen Versammlungen vom Vorsitzenden des Deutschen Vereins Donau in Novi Sad Andreas Bürgermeier benutzt werden und unseren Ergebnissen. Z.B. stimmen unsere Ergebnisse über die Anzahl der Lagerinsassen in Jarek nicht überein. Hier ist die Unstimmigkeit am drastischsten, weil Herr Bürgermeier mit einer Zahl von 27.000 hantiert, wir kamen auf eine Zahl von 5.500. Es war zwar ein großes Lager und zugleich ein Durchgangslager. Aber nicht einmal nach dem Zweiten Weltkrieg war es einfacher, die Zahl der Opfer im größten Lager dieser Zeit, in Jasenovac festzustellen. Dem Vorsitzenden der Staatskommission für die Ermittlung der Zahl der Opfer im Lager Jasenovac Dušan Nedeljkovic war es nicht gelungen, ein relatives Verzeichnis der Opfer zu erstellen. Genau so erging es auch der Wojwodina Kommission, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit diesem Lager befasste.
Das Problem der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg war, dass sie von keiner Seite Schutz bekamen. Es ist ergreifend, wie alle unsere Deutschen leiden mussten. Diejenigen, die in den Lagern in ihren Heimatdörfern blieben, waren oft Gegenstand der Ausbeutung und der Misshandlungen ihrer ehemaligen Diener. Ein Deutscher in Mramorak war Arzt und wurde 1945 nicht umgebracht, weil er der einzige Arzt im Dorf war. Als 1948 ein anderer Arzt, ein Serbe in das Dorf kam, brachte man den Deutschen um, obwohl es auch heute noch Leute gibt, die berichten, dass er ein Mensch war, der sich seinem Arztberuf widmete und wie viele Menschen er gerettet hatte.


Unlängst haben sie in der Akademie der Wissenschaft und Kunst bei der Auseinandersetzung über das Schicksal der Donauschwaben gesagt, dass die Anzahl der Lager in der Wojwodina von 1941 bis 1945 genauso groß war, wie in der Zeit von 1945 bis 1948. Eigentlich haben sie bestätigt, dass die neue Regierung eine Funktionsweise übernommen hatte, die eine gleiche Anzahl von Lagern erforderte.

Genau so. Zweiundsiebzig Lager gab es während des Zweiten Weltkrieges und auf die gleiche Anzahl sind wir bei Untersuchungen für die Zeit von 1944 bis 1948 gekommen. Der Unterschied lag nur darin, wer interniert war. Aber die Behandlung der Menschen im Lager, die Epidemien, Krankheiten, die Art zu sterben waren gleich.


Aus welchen Bevölkerungsgruppen gibt es die meisten Opfer?

Die meisten Opfer waren natürlich unter der größten Bevölkerungsgruppe, den Serben. Sie litten während des Zweiten Weltkrieges und auch in der Zeit von 1944-1948 als Tschetnik, Verräter, Angehörige der Fünften Kolonne, Reiche, unehrliche Intelligenz… Auf unzählige Arten liquidierte man die, von denen man annahm, sie könnten der aktuellen Regierung gefährlich werden. Alleine auf dem Goli Otok ("Nackte Insel" in der Adria A.d.Ü.) kamen 40.000 Menschen um. Es waren alles Serben und Montenegriner. Unter der Tortur der neuen Regierung flüchteten einige hundert Tausend Serben außer Landes.
Heute stellt sich mir die Frage, auf welchen Fundamenten entstand das neue Jugoslawien. In der Schule haben sie uns gelehrt, sie sei auf den Fundamenten der Brüderlichkeit und Einigkeit entstanden… Das waren alles Floskeln, unter denen man die politischen Verbrechen verbarg. Das, was sich bei uns in den neunziger Jahren ereignete, spross aus den Fundamenten dieser Schöpfung. Das, was verschwiegen und mythologisiert wurde, führte zu allen Konflikten, sowohl zu nationalen, wie ethnischen, religiösen und zwischen den Generationen.
Nach der Anzahl der Opfer kommen nach den Serben die Deutschen. Ich kann noch keine Daten bringen, solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind.
Wenn die Deutschen nicht das erlebt hätten, was sie erlebt haben, wenn sie die gleiche Behandlung erfahren hätten, wie die Serben im neuen Jugoslawien, so frage ich mich, ob es ihnen besser oder schlechter ergangen wäre. Sie wären bestimmt Opfer im Konflikt mit der Art des Denkens geworden, die von der neuen Regierung aufgezwungen wurde und die in einem Gegensatz stand zu den Werten, die sich innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft entwickelt hatten. Obwohl die Deutschen zu den Menschen gehörten, die grundsätzlich die Regierung respektierten (z.B. haben sie bis 1941 massiv beim serbischen Militär im Königreich Jugoslawien gedient - ich verfüge über 120 Bilder von Deutschen, mit einer "Schajkascha" auf dem Kopf, in der Uniform des serbischen Militärs) hätten sie die Arbeit der neuen Regierung nicht akzeptiert und wären deshalb zu Opfern geworden.


Wenn man eine ethnische Gemeinschaft prozentual betrachtet, so kamen am meisten Juden um, insgesamt 97%.


Zeigt das Parlament der Republik Serbien ein Interesse an der Arbeit des Enquete Ausschusses und der eventuellen Ausweitung seiner Arbeit auf das Gebiet ganz Serbiens?

Die heutigen Grenzen der Wojwodina decken sich nicht mit den Grenzen der Wojwodina in der Zeit, die wir untersuchen. Einige Teile der einstigen Wojwodina gehören heute zu Serbien, aber die Republik Serbien zeigt keinerlei Interesse an der Feststellung der Opferzahl. In den fünf Jahren unserer Arbeit wurde mir nie eine Gelegenheit gegeben im TV Belgrad oder Radio Belgrad zu sprechen, noch hat das Blatt "Politika" irgendetwas über unsere Arbeit geschrieben.


Was erwarten sie als Ergebnis der Arbeit bei diesen Untersuchungen?

Ich wünsche mir, dass unsere Untersuchungen dazu beitragen das Vertrauen wiederzugewinnen. Erst wenn man die Wahrheit ausspricht, die Verbrechen zugibt, kann das Vertrauen zu den Menschen wiederkehren. Solange man Verbrecher in eigener nationaler "Herde" versteckt, kann man kein Vertrauen unter den Völkern und Menschen aufbauen. Deshalb habe ich auch die Ungarn und Deutsche gebeten an den Untersuchungen teilzunehmen und die Ergebnisse gemeinsam zu unterzeichnen.
Es stimmt mich traurig, dass viele junge Menschen mit dem Nationalismus gestillt wurden und sich benehmen, als hätten sie in ihrem Leben die Menschen anderer Nationalität nur über die Kimme betrachtet. Das ist ein schlechtes Pfand für die Zukunft.





Dezember 2005
DER BOTE

Mit kleinen Schritten hin zur Versöhnung Auf der Titelseite von MAGYAR SZO, Novi Sad/Ujvidek,


25. Oktober 2005, schrieb
Gizella Stanyo Toth,
übersetzt von Ria Schneider:

Der zweite bedeutende Besuch der vormals in der Vojvodma beheimateten Deutschen.
Erstes Gespräch der Geschichtsforscher am Runden Tisch.


Zum zweiten Mal wurde gestern im Landtagsgebäude der Provinzhauptstadt Ujvidek eine Gruppe von ca. 200 Nachkommen der Donauschwaben begrüßt, die von Passau per Schiff hier eingetroffen sind. Im vergangenen Jahr war für diese einstmals in der Vojvodina lebenden Deutschen zum ersten Mal ein Besuch in der Heimat ermöglicht worden, da wo ihnen am Ende des Zweiten Weltkriegs so viel Leid geschah: Vertreibung, bis 1948 in Konzentrationslager gesperrt, der Kollektivschuld bezichtigt, ihres Eigentums beraubt, was sich auch auf ihre Kinder so wie ihre Nachkommen erstreckt hat. Gleichwohl sind unter diesen Menschen genau wie im vorigen Jahr, auch wieder solche, die bis aus Amerika angereist sind. Sie alle möchten auf jede nur mögliche Art ihren Beitrag dazu leisten, dass ein beiderseitiges Versöhnungsprogramm begonnen werden kann.

Die Bereitschaft der Vojvodina und der Stadt Ujvidek, sich Europa zuzuwenden, wird sichtbar durch den offiziellen Empfang im Landesparlament, mit dem ganz offiziell das dreitägige Programm der Donauschwaben in der Vojvodina begann. In Zukunft wird es einer gemeinsamen Anstrengung bedürfen, dass sich die Vojvodina der europäischen Gemeinschaft als Musterregion darstellt ."Die Donau als verbindender Fluss unserer Völker und Nationen, steht sinnbildlich für eine der Brücken, die uns zu Europa hinführt", sagte der Präsident des Landesparlaments, Bojan Kostres(ch), in seiner Begrüßungsrede zu den Gästen ..‚ "Die Beschlüsse der kürzlich in Ujvidek abgehaltenen 2. europäischen Konferenz machen deutlich, dass wir gemeinsam dafür sorgen müssen, damit die Donau tatsächlich zu einer europäischen Hauptstraße werden kann."

Noch vor fünf Jahren durfte man in der Vojvodina über die wahren Geschehnisse an den Uberlebenden nicht sprechen, bei den Machthabern war es ein Tabuthema, daran erinnerte Sändor Egeresi, der Vizepräsident des Parlaments in seiner Rede, als er die Heimatbesucher als ehemalige Mitbürger begrüßte. Ein Teil von ihnen verließ vor 60 Jahren ihr Zuhause in der Vojvodina. Nach dem Machtwechsel im Februar 2003 wurde die in den AVNOJ-Beschlüssen erklärte kollektive Schuld ebenso getilgt, wie auch eine Enquetekommission aufgestellt, die der Wahrheitsfindung der Geschehnisse zwischen 1941 bis 1945 dienen soll, wie auch weitere Historiker-Konferenzen anberaumt sind. Die begonnene Arbeit müsste jedoch auf Landesebene institutionell fortgeführt werden.

"Diesen wichtigen offiziellen Empfang als normale Praxis zu sehen, das sollten wir auf beiden Seiten begreifen lernen. Es wäre gut und ein Stück wünschenswerte Normalität, dass die dafür wichtigen Organe ohne Verzögerung ihre gemeinsamen Projekte verwirklichen können und zwar auf allen Ebenen, z. B. beim Jugendaustausch der kirchl.-ökumenischen Organisationen", sagten u. a. Herbert Schön und Hildegard Gutekunst, die beiden Vorsitzenden des deutschen Evangelischen Hilfskomitees.

Kleine Schritte können wir in jedem Augenblick gehen, zu einer besseren, humaneren Welt, in der wir unsere Kinder in echtem Frieden und einem toleranten Umfeld aufziehen können. Es genügt nicht, eine multiethnische Region zu schaffen, wenn die dort lebenden Menschen nicht ausreichend die Sprache ihrer Nachbarn sprechen und nicht deren Kultur kennen. Eine Tatsache ist auch, dass die Deutschen in der Vojvodina ihre eigene Muttersprache nicht mehr sprechen. Um das zu ändern, begann man versuchsweise einige deutsche Kindergärten in der Vojvodina einzurichten. Gegenwärtig sind acht Kindergärtnerinnen zur Fortbildung in Deutschland.

Eine besondere Anerkennung widmete die Landesregierung gestern Robert Lahr. der über mehr als 10 Jahre Hilfe für die Menschen in der Vojvodina brachte, vor allem den Bedürftigen, den Kranken und den Geflüchteten. Daran erinnerte Sändor Egeresi, als er Robert Lahr eine Dankesurkunde übergab und dazu vermerkte, dass dieser 5-jährig mit den Eltern aus seinem Heimatdorf Kutzura flüchten musste. Beim Empfang anwesend war auch May Manken, Kulturattache der Deutschen Botschaft in Belgrad, Karen Kuhrst, verantwortlich und befasst mit der humanitären Hilfe aus Deutschland und Peter Kratzer, der neue Programmkoordinator.

Die 60 Jahre in der Vojvodina nach dem Zweiten Weltkrieg, das war das Thema des ersten Runden-TischGesprächs. an dem Historiker aus Deutschland, Serbien und Montenegro gestern Nachmittag im Vojvodina Museum teilnahmen. Bemerkenswert war schon die Tatsache, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung, gemeinsam mit der deutschen Evangel. Landeskirche und dem Vojvodina-Museum dieses erste Zusammentreffen organisiert hat: ein Versöhnungsprogramm soll Wahrheit und die Genauigkeit in den zu führenden Diskurs einbringen. "In Zukunft werden weitere Dialoge auf noch offene Fragen nötig sein, führte u. a. der Gastgeber des Runden-Tisch-Gesprächs, Dr. Ranko Koncar, Hochschulprofessor und Direktor des Museums aus. Diese Absicht unterstützte auch Dr. Bernhard Lamers, der Leiter des Belgrader Büros der K.-Adenauer-Stiftung. Er erinnerte z. B. daran, dass zum Jahresende die derzeitigen Regierungsvertreter und kirchlichen Würdenträger des Landes in Deutschland zu Gast sind. Ihre Beiträge zum Thema brachten der Historiker Josef Wolf, Mitarbeiter beim Donauschwäbischen Institut, Dr. lngomar Senz, Historiker und Publizist, der Historiker Dr. Branko Bes(ch)lin, Dr. Alexander Kasas(ch), Dr. Zoran Janjetovic, Mitarbeiter am zeitgenöss. Geschichtl. Insjitut, Jovan Mirkovic, Mitarbeiter des Museums für Genozidopfer, Jovica Lukovic, Historiker und Deli Andor.

Die Beteiligten betonten übereinstimmend, dass man in der "näheren" Geschichtsschreibung um Einigung bemüht sein müsse. Es gibt keine eigene Wahrheit für Belgrad, für die Vojvodina, keine serbische Wahrheit, wie auch keine spezielle deutsche Wahrheit!

Die Basis für eine wirkliche Versöhnung kann nur eine gemeinsame Wahrheit sein, die sowohl von den früher in der Vojvodina beheimateten Deutschen, wie auch von den heute bei uns lebenden Deutschen akzeptiert werden kann.

Laut Programm werden die Gäste heute ihr früheres Zuhause und ihre Friedhöfe in den verschiedenen Ortschaften der Vojvodina aufsuchen.




Die Deutsche Welle berichtete am 9.11.2005:


Vertriebene Donauschwaben besuchen die Vojvodma - Eine Reise zu den Wurzeln auf einem Donauschiff.
Rund 200 Donauschwabefen verbrachten diese Woche drei Tage in der Vojvodina. Dort besuchten sie ihre alte Heimat. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie aus Jugoslawien vertrieben worden.

Beim Empfang im Vojvodina-Parlament erklärte der Präsident des Provinz-Parlaments, Bojan Kostres, seinen Gästen: "Ich bin erfreut, dass in der Vojvodina die Zeit gekommen ist und die Bedingungen dafür geschaffen wurden, dass viele Menschen, die aus der Vojvodina stammen, hier geboren sind, nun die Gelegenheit erhalten, die Vojvodina zu besuchen und zu sehen, wie es heute hier ist. Sie können ihre Geburtsorte und Häuser, in denen sie aufgewachsen sind, besuchen und sehen, wie sich die Vojvodina verändert hat."

Vertreter der Vojvodina-Regierung sicherten zu, dass sie alles unternehmen würden, damit alle unschuldigen Opfer unter den Donauschwaben, Ungarn, Serben und Angehörigen weiterer nationaler Minderheiten rehabilitiert würden. Bojan Kostres bedankte sich bei einem Vertreter der Donauschwaben, Robert Lahr, der in Kucura bei Vrbas geboren wurde. Als er fünf Jahre alt war, wurde er mit seiner Familie von dort vertrieben. Ungeachtet dessen engagierte sich Lahr in den vergangenen zehn Jahren für seine alte Heimat und sammelte humanitäre Hilfe für die arme Bevölkerung seines Geburtsortes. Lahr erzählte der Deutschen Welle Erinnerungen aus seiner frühesten Kindheit: "Ich erinnere mich ans Spielen auf der Straße, zusammen mit den Nachbarskindern. ich erinnere mich an die Liebe und Fürsorge meiner Mutter, den schönen Ort Kucura, wo wir lebten. Ich erinnere mich, dass mich meine Eltern immer zum Kindergarten bringen mussten. Denn wenn sie mich allein gehen ließen, kam ich dort nie an, und sie fanden mich am anderen Ende des Dorfes."

Im Rahmen des Besuchs ist auch eine Diskussion am Runden Tisch mit Historikern organisiert worden unter dem Titel "60 Jahre nach dem Zweiten Weltkriegi Dabei tauschten deutsche und serbische Historiker ihre Erfahrungen und Standpunkte über die Ereignisse in der Vojvodina unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Ranko Koncar, Historiker und Direktor des Vojvodina Museums, sagte, die Vertreibung der Deutschen habe die Vojvodina "historisch und gesellschaftlich verarmt".

Josef Wolf vom Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen sagte, in Deutschland habe erst nach der Wiedervereinigung eine freiere und andere Diskussion über den Weltkrieg begonnen, beziehungsweise darüber, dass Deutschland unmittelbar nach dem Krieg 13 Millionen vertriebener und flüchtiger Landsleute aus ganz Europa aufnehmen musste.

"Die Deutschen haben das Recht, über ihr Leid nach dem Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Allerdings nur unter der Prämisse, dass der ursächliche Zusammenhang klargestellt wird. Das heißt, es darf niemals vergessen werden, dass die Vertreibungen das Ergebnis dessen sind, was Deutschland mit dem Zweiten Weltkrieg initiiert hatte."

Den Besuch der Donauschwaben in der Vojvodina, die nach Novi Sad mit dem Schiff gekommen sind, organisierte die deutsche Evangelische Kirche und Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Stiftung unterstützte das Diskussionsforum der Historiker. Angeregt wurde für die Zukunft eine ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen, die in vielerlei Hinsicht dazu beitragen könne, die Beziehungen zu normalisieren.



Austausch mit Deutschland

In einem Gespräch, das der Vorsitzende des Hilfskomitees, Herbert Schön, mit dem Kulturbeauftragten für die Vojvodina, Peter Kratzer, führte, berichtete Kratzer von einer Konferenz der Erzieherinnen, die aus Baden zurückgekommen waren. Dazu eingeladen hatte die zuständige Direktorin Erdei Lenka sowie Melanie Mikes. Anwesend waren auch Dušanka Manić und eine Redakteurin der Zeitung DANAS, die viele kluge Fragen gestellt hätte. Die Besprechung wurde auf den Nenner gebracht: "Was brauchen wir zur Fortbildung am dringendsten?"

Peter Kratzer hat inzwischen Kontakt zur Kulturstiftung aufgenommen und die Unterstützung des Hilfskomitee-Erzieherinnen-Modells empfohlen: die Erzieherinnen müssten eigene Spracherfahrungen machen (in den Kindergärten und den Familien); das Hilfskomitee sei hier der richtige und verlässliche Partner und Mittler; das Handeln des Hilfskomitees in Baden und in der Vojvodina hätte deutlich gezeigt, dass es ein eingespieltes und kompetentes Team hätte. Eine "pädagogische Kiste" für jeden Kindergarten, der Deutsch als 2. Sprache lehre, gehöre auch dazu. Frau Mikes und die zuständigen Erzieherinnen hätten schon eine Wunschliste zusammengestellt. Herbert Schön bot an, diese Liste vom Diakonischen Werk in Karlsruhe prüfen und ergänzen zu lassen. Auch berichtete er, dass beim Abschlussgespräch in Karlsruhe eine Fortführung im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen sei, auch dass die Erzieherinnen ein kleines Team von Spracherziehern in der Vojvodina begrüßen würden. Diese Fachleute sollten als kompetente Muttersprachler ein Seminar von einer Woche zentral abhalten und danach dezentral in die Kindergärten kommen.

Kratzer erzählte, dass es in Subotica ab Frühjahr 2006 einen zweizügigen "Serbischen Kindergarten mit deutscher Unterrichtssprache" geben werde. Nach einem Raum werde noch gesucht. In der örtlichen Presse werde die Stadt für den Kindergarten werben, die Finanzierung würde die Kulturstiftung und ein bad.-württ. Wirtschaftsfond übernehmen. Der Kindergarten in Subotica werde nicht im Wettbewerb mit den anderen Zweisprachen-Kindergärten stehen, dies seien zwei völlig selbstständige Aufgaben und Ziele. Schön erwähnte, dass das Hilfskomitee hier auch mitarbeiten würde, z. B. bei der Suche nach zweisprachigen Kindergärtnerinnen, z. B. aus dem Kreis der Jugo.-Gastarbeiter der zweiten oder dritten Generation.

Gerade der schwächste Mensch darf die größte Hoffnung
auf die größten Gnaden haben, weil sich Gott
dem Elend der Menschen anpasst.
Therese von Lisieux



Artikel vom 29.12.05
Nikola Vlahovic:
Polemik: " Nicht gerade wie Serben, aber sie stehlen"


Herr Seder erwidert wie folgt, deutsche Kurzfassung :

Auf Grundlage serbischer Gesetze und richtiger Anwendung der Informationsmittel bittet er um Veröffentlichung seiner Erwiderung in Sachen humanitärer Hilfe für deutsche Bürger der Vojvodina auf dem Beiblatt für Stammleser. Ursprung der
Erläuterung der Prinzipien der humanitären Hilfe: Sie hilft überall - auch in Serbien - den Ärmsten der Armen., Kranken und Alten aber auch anderen, alle sind arm und außerstande, mit eigener Arbeit für ein besseres Leben zu sorgen, höchstens fürs elementare Überleben. Hum. Hilfe bedeutet uneigennütziges Engagement einiger, häufig aber einer einzigen Person.
Der Deutsche Robert Lahr, geb. in Kutzura, setzt sich dafür ein, dass im deutschen Haushaltsplan Mittel für hum. Hilfe abgezweigt werden und organisiert diese Hilfe für Vojvodina-Deutsche, die zu den chronisch Ärmsten gehören. Sie sind materiell schlechter gestellt und über 60 Jahre alt. Diese Armut ist die Folge erster Tage nach Weltkrieg II,, als der neue soz. Staat ihnen das gesamte Vermögen entriss. Lahrs Eltern wurden ebenfalls enteignet , er selbst geriet als 4-jähriges Kind ins Lager. Mit 1 % Anteil an dieser Hilfe ist Herr Lahr selbst Sponsor. Diese hum. Hilfe verrichtet er freiwillig und mit vollem Engagement seit einigen Jahren, obwohl er schon in der Mitte seines 7. Jahrzehnts steht.
Dafür erhielt er viele Anerkennungen. Er ist Träger der höchsten Auszeichnung der deutschen Regierung für hum. Aktivitäten, eigenhändig vom deutschen Innenminister im Rahmen einer nur zu diesem Zweck stattgefundenen Feierstunde überreicht. H. Lahr ist auch Träger von Auszeichnungen des serbischen Gesundheitsministeriums und des Parlaments der Vojvodina.
Die Gestaltung und Verteilung der hum. Hilfe erfolgt nach strengen Regeln des Spenders. Grundsätzlich muss die Ware qualitativ in Ordnung sein, egal ob in Deutschland oder in Serbien besorgt. Den größeren Anteil der Sachspenden kann man auch auf serbischen Märkten erwerben. Seder als Organisator der Spendenverteilung in Karlowitz weiss, wovon er spricht. Das wissen auch andere, die bemüht sind, die Arbeit regulär zu erledigen, damit die Sachspenden auch den richtigen Empfänger erreichen. Genau so wissen das einige Dutzend Karlowitzer als Spendenempfänger. Nur diejenigen wissen es nicht , die von gutem Glauben beseelt Möglichkeiten des Diebstahls wittern oder andere Unregelmäßigkeiten beseitigen möchten. Deshalb verwundert der negative TABLOID - Artikel, in dem H. Lahr und seine Arbeit - getragen von gutem Willen - offen beschuldigt werden, schlechte und verdorbene Ware zu liefern und dass Beteiligte an den Aktionen bei der Verteilung illegal für sich eigene Vorteile verschaffen. Man sorgt sich sogar darüber, dass der deutsche Staat im Zusammenhang mit hum. Hilfe "ausgeraubt" wird. Das wissen offensichtlich die Textschreiber - unerfahren und unbedarft im Journalismus, nicht, dass so etwas in einem seriösen und gut organisiertem Staat wie Deutschland nicht so leicht passieren kann. Solch ein Staat kontrolliert alle Quellen (wörtlich "Wasserhähne") möglicher Abflüsse von Steuermitteln und auch Steuererklärungen. Die Aktion Lahr wurde ebenso im Herbst kontrolliert. Ein deutscher Regierungsvertreter besuchte die Vojvodina und hat sich bei Verteilern und Nutzniessern genauestens nach dem korrekten Ablauf der Dinge erkundigt und dadurch auch die Rolle von Herrn Lahr unter die Lupe genommen. Unser Staat hätte auch diese Kontrollen durchführen können - hat aber nicht - , um festzustellen , ob einige der an der Verteilung Beteiligten ihre Funktion für eigene Vorteilsnahmen missbrauchen.
Verfasser solcher Nachrichten sind sich dessen nicht einmal bewusst, dass hum. Hilfe, woher sie auch kommen mag und wohin sie gerät, eine - wenn auch kleine - Erleichterung für unseren nicht gerade gut gestellten Staat bedeutet. Dass die Erzeuger solcher Falschmeldungen keine Ahnung haben, könnte man noch durchgehen lassen, aber das verantwortliche Journalisten und Redakteure so etwas in die Welt setzen, bleibt eine Frage ohne Antwort ( oder "da bleibt man ohne Worte"). Anstatt sich für diese Geste des guten Willens bei H. Lahr zu bedanken und anzuerkennen, dass diese Hilfe für unseren Staat und für unsere Esstische effektiv ist, wird er des Missbrauchs der hum. Hilfe und des Diebstahl am deutschen Staatsbudget beschuldigt.
Stjepan Seder, Vors. der Deutschen Vereinigung für gutnachbarliche Beziehungen KARLOWITZ
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim




3.11.2005
dnevnik2/DNEVNIK online 8. November 2005
Thema des Tages: Ein Unrecht kann nicht durch ein anderes behoben werden
Aus dem Serbischen übersetzt von Helmut Bischof, Neckargemünd


WAS, WENN DER STAAT EIN GESETZ ÜBER DIE DENATIONALISATION (ENTSTAATLICHUNG) ERBRINGT, DAS AUCH DAS DEUTSCHE VERMÖGEN UMFASSEN WÜRDE?

Im Gefüge aller gegenwärtigen Erzählungen über Denationalisation ruft die meisten Kontroversen die Meldung hervor, daß auch jenes Vermögen zurückerstattet werden müsse, das am Ende des Zweiten Weltkrieges von den einheimischen Deutschen konfisziert wurde, den Volksdeutschen. Das Kriegsende brachte nämlich einschneidende Änderungen in vermögensrechtlichen Beziehungen in Jugoslawien, die auch an den Vojvodinaer Deutschen nicht vorbeigingen.

Das AVNOJ-Präsidium hat am 21. November 1944 den Beschluß gefaßt, nach welchem in staatliches Eigentum übergehen: sämtlicher Besitz (bewegliche und unbewegliche Güter) des Deutschen Reiches und seiner Staatsbürger, der sich auf dem Territorium Jugoslawiens befindet, sämtlicher Besitz von Personen deutscher Volkszugehörigkeit, außer den Deutschen, die in der Reihen der NOV (Volksbefreiungsarmee) und der POJ (Partisanenverbände Jugoslawiens) gekämpft haben, sämtlicher Besitz von Kriegsverbrechern und ihrer Helfershelfer, ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit...

Und es handelt sich um wirklich große Besitztümer. Auf Grund des erwähnten Beschlusses des AVNOJ wurden in Jugoslawien 97.490 deutsche Grundbesitze konfisziert, die insgesamt 637.939 Hektar umfaßten, beziehungsweise in der Vojvodina gingen 68.035 Besitztümer mit 389.256 Hektar in den sogenannten Bodenfonds für Agrarreform und Kolonisation über.

"Mit dem Beschluß des AVNOJ wurde die Frage des deutschen Vermögens in Jugoslawien zur Gänze ohne Kompromiß gelöst. Man hat nämlich keinen Unterschied zwischen deutschem staatlichen und privatem Vermögen gemacht, denn die einheimischen Deutschen, damalige jugoslawische Staatsbürger, wurden völlig mit den Deutschen aus dem Reich gleichgestellt und zu Feinden der jugoslawischen Völker erklärt. Der AVNOJ-Beschluß stellte in dieser Hinsicht eine Konfiskation des Vermögens im weitesten Sinne des Wortes dar, bzw. die Enteignung von feindlichem Eigentum ohne Entschädigung zugunsten des Staates", so weist Prof. Dr. Nikola Gaćeša in seinem Buch "Agrarreform und Kolonisation in Jugoslawien 1945-1948" hin. Und dies ist nur ein Teil der Geschichte, denn man darf den anderen nicht vergessen - zwischen 1945 und 1948 war die Vojvodina Endstation einer großen Zahl von "Eisenbahnzügen ohne Fahrplan". Es wird geschätzt, daß innerhalb von nicht ganz vier Jahren nördlich von Save und Donau mehr als 225.000 Menschen aus Drvar, Glamoč, Prozor, Gacko, Duvno und Trebinje angesiedelt wurden...

Sie zogen hauptsächlich in einstige deutsche Häuser ein, und als Kolonisten bekamen sie Boden, der zum größten Teil den Volksdeutschen weggenommen worden war (denn nahezu 60 Prozent des gesamten Bodenfonds für Agrarreform und Kolonisation in der Voj- vodina bestanden gerade aus deutschem Besitz).

Und was jetzt, was wenn der Staat ein Gesetz über die Denationalisation erbringt, das auch diesen Besitz umfaßt? "Es wird niemand von den Leuten, die in deutschen Häusern wohnen, auf die Straße geworfen. Der Staat hat ihnen das gegeben, und der Staat muß auch die wirklichen Besitzer entschädigen. Die Kolonisten tragen keinerlei Schuld für das Unrecht, das den Deutschen angetan wurde, denn sie wurden oft auch gegen ihren Willen hier in der Vojvodina angesiedelt. Wir wollen altes Unrecht nicht damit beheben, daß wir ein neues Unrecht schaffen", dies sind die Worte von Rudolf Weiss, dem Vorsitzenden des Deutschen Volksverbandes.

DER VORSITZENDE DES DEUTSCHEN VEREINS "DONAU", ANDREAS BÜRGERMAYER, BESTEHT DARAUF, DASS AUCH DIE VOLKSDEUTSCHEN VON DEM GESETZ UBER DIE RESTITUTION UMFASST WERDEN

Allen weggenommenen Besitz zurückerstatten
Der Verein der Deutschen "Donau" aus Novi Sed setzt sich für die Rückgabe des gesamten Vermögens der Donauschwaben ein, das auf Grund der Beschlüsse des AVNOJ-Präsidiums vom November 1944 konfisziert wurde. Der Vorsitzende dieses Vereins, Andreas Bürgermayer, hebt für den DNEVNIK hervor, daß die Lösung der Restitutionsfrage sehr wichtig sei, nicht wegen eventueller Forderungen zur Aufnahme unseres Landes in die Europäische Union, sondern wegen der Behebung des Unrechtes, das den Dcnauschwaben nach Ende des Zweiten Weltkrieges angetan wurde.

Unser Verein legte dem Parlament Serbiens einen offiziellen Antrag vor, daß das Gesetz über Restitution auch den kompletten konfiszierten Besitz der Donauschwaben umfassen soll. Ebenso wollen wir, daß die zeitliche Grenze, die die Restitution umfassen sollte, nicht 1945 sein müsse, sondern bereits 1944, denn es gibt zahlreiche Zeugenaussagen, daß bereits damals die Konfiskation von Eigentum begann - sagte Bürgermayer. Er präzisierte, daß das Vermögen all jenen zurückerstattet werden sollte, für die bezeugt wurde, daß sie nicht gegen das Gesetz verstoßen haben.

Bürgermayer sagt, daß er keine Kenntnis darüber hätte, daß die Rückgabe des Vermögens an die Donauschwaben Bedingung für den Eintritt in die Europäische Union sei, auch konnte er nicht bestätigen, daß Kroatien mit der Zustimmung zur Restitution sich die Unterstützung Osterreichs und Deutschlands gesichert hätte, "grünes Licht" für den Beginn der Gespräche über die EU-Mitglied- schaft zu bekommen. In diese Länder ist übrigens die Hälfte der etwa 500.000 Donauschwaben geflüchtet, die in dieser Zahl im Königreich Jugoslawien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges lebten.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Frage der Restitution dem Land zur Bedingung für die EU-Mitgliedschaft gestellt wird, aber wir sind nicht der Ansicht, daß das zu tun nötig sei, nur um bestimmte Bedingungen zu erfüllen, sondern um Unrecht wieder gutzumachen. Denn man darf nicht vergessen, daß der Besitz den Donauschwaben nur wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit weggenommen wurde, erklärt der Vorsitzende der "Donau".

Passive Haltung
Am Anfang, bei der Besetzung Jugoslawiens, waren praktisch alle Deutschen stolz, denn es schien, als sei Hitler unbesiegbar, und auch die Propaganda war außerordentlich stark und wirksam. "Es ist wahr, daß bis zum Ende des Krieges die Zahl der aktiv engagierten Volksdeutschen in militärischen und halbmilitärischen Formationen ständig zunahm, jedoch immer mehr durch Zwangsrekrutierungen. Ein Teil von ihnen begriff, daß die nazistische Ideologie nichts Gutes bringen kann. "Trotzdem, die passive Einstellung gegenüber den Kommunisten wie auch gegenüber den bekannten Nazis bleibt ein Charakteristikum des Volksdeutschen Widerstandes vom Anfang bis zum Ende", bewertet es der kroatische Historiker Magister Vladimir Gajger in der Studie "Das Schicksal der Donaudeutschen im ehemaligen Jugoslawien". Nach den Angaben, die Dr. Josip Mirnić in seinem Buch "Die Deutschen in der Batschka im Zweiten Weltkrieg" anführt, haben sich den Einheiten der SS, der Wehrmacht und der übrigen militärischen Kräfte Deutschlands in der Batschka bis 1943 etwa 90 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 18 und 35 Jahren angeschlossen, um dann nach der Mobilisierung 1944 praktisch alle Männer bis zu 50 Jahren in eine der deutschen Militärformationen einzureihen.

Die Gipfelkonferenz in Potsdam
Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des faschistischen Deutschlands wurde in Potsdam die Zusammenkunft der Repräsentanten der führenden Mächte der Anti-Hitler-Koalition abgehalten. Eine der Schlußresolutionen dieses Gipfels, abgehalten vom 17. Juli bis 2. August 1945, war die Haltung gegenüber der deutschen Minderheit in den östlichen und südöstlichen europäischen Ländern. Denn die Regierungen der USA, der UdSSR und Großbritanniens haben anerkannt, die Aussiedlung nach Deutschland der deutschen Bevölkerung oder eines Teils von ihr, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn verblieben ist, vorzunehmen, und auf Grund dieser Einstellung erbrachte der tschechische Präsident Eduard Benesch das Dekret über die Aussiedlung von etwa 2,5 Millionen Deutschen aus dem Sudetenland. Im übrigen, daß Jugoslawien in Potsdam offiziell nicht erwähnt wurde, wurde damit erklärt, daß dies eine praktische Bestätigung dafür sei, daß die Aussiedlung der Deutschen aus diesen Gebieten bereits eine abgeschlossene Sache ist. Und gerade diese sogenannten Potsdamer Beschlüsse stellen das erste Hindernis dar für die Verwirklichung der Vorhaben der Nachkommen der Volksdeutschen, ihnen das weggenommene Vermögen zurückzuerstatten.

Versuchsballon
Die Forderungen bestimmter Gruppierungen und Vereinigungen von Vojvodina-Deutschen (zumal jener über die ganze Welt verstreuten) für die Rückkehr zum "Grundbesitzstand" von 1941 betrachten manche hiesige Historikerkreise als unrealistisch. Zu der Frage, ob den Nachkommen deutscher Juden der Besitz nach den Grundbüchern von 1933 zurückerstattet wurde, erinnern sie auch an die Tatsache, daß mit dem Gelangen von Dr. Sepp Janko an die Spitze des Kulturbundes ein massenhafter Kauf von Grundbesitz in der Vojvodina mit Geldern des Dritten Reiches begann. Im übrigen rührt auch aus diesen Kreisen die These her, daß die Forderung nach Rückgabe des Vermögens, das den Volksdeutschen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens weggenommen wurde, eine Art Versuchsballon sei, zur "Schaffung eines Präzendenzfalls in schwachen Staaten", der es ermöglichen würde, danach die Fragen des Vermögens der Deutschen im Sudetenland, in Schlesien, entlang von Oder und Neiße, aufzuwerfen...

DER HISTORIKER DR. ZORAN JANJETOVIĆ BEHAUPTET, DASS TITO UND BRANDT UBER DAS VOLKSDEUTSCHE VERMÖGEN UBERHAUPT NICHT VERHANDELT HABEN

Es gibt keine "Brioni-Formel"
- Es gab kein geheimes Aufrechnen der Ansprüche zwischen Tito und Brandt, nach welchem Jugoslawien auf Entschädigung und Deutschland auf die Rechte auf das volksdeutsche Vermögen verzichtet hätte - betont für unser Blatt der Historiker Dr. Zoran Janjetović. - Auf Grund der geöffneten Archive, und geöffnet haben sie sowohl die deutsche als auch unsere Seite, ist es mehr als klar, daß es keinerlei gesondertes Memorandum gab, nach welchem diese Frage angeblich "aufgerechnet" und dazu ein Schlußpunkt gesetzt wurde. Ob es eine mündliche Absprache zwischen Tito und Brandt gab, darüber kann nur gemutmaßt werden. Das einzige was sicher ist, ist, daß es geschriebene Dokumente über die "Aufrechnung" der Schulden nicht gibt.

Unser Gesprächspartner betont, daß er im Verlauf der Untersuchung, die dieser Tage in Buchform gegossen wird, darüber wie es 1974 zum Abschluß des Übereinkommens zwischen Deutschland und der SFRJ (Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) über Kapitalhilfe kam, Gelegenheit hatte, alle relevanten Materialien zu bekommen und daß er auf ihrer Grundlage zu dem Schluß kam, daß weder während der Verhandlung die Rede vom volksdeutschen Vermögen war, noch daß irgendein Geheimprotokoll existierte, das das Abkommen selbst begleitet hätte.
Weder von dem einen noch von dem anderen gibt es im Archivmaterial irgendeine Spur, noch nicht mal andeutungsweise. Die deutsche Seite beschloß, trotz Drucks von Volksdeutschen Vereinigungen, das Argument von deren Vermögen nicht zu nutzen, weil sie schätzte, daß ihr das diplomatisch auf der Weltszene mehr Schaden gebracht hätte, als es ihr in den Verhandlungen mit unserem Staat genutzt hätte - erklärt Janjetović.

Niemand hat Reparationen bekommen
- Das Abkommen Tito-Brandt muß den Historikern überlassen bleiben, denn sie allein können es wissenschaftlich aufarbeiten und bewerten. Damit wird gleichzeitig auch die politische Manipulation darüber aufhören, daß es irgendwelche Aufrechnungen und geheime Absprachen gegeben hätte. Ebenso muß man wissen, daß kein einziger Staat Kriegsreparationen von Deutschland bekommen hat, wovon hier auch geredet wird. Reparationen fallen einfach in die Domäne von Friedensabkommen,und weil ein solches mit Deutschland kein einziger Staat abgeschlossen hat, hat auch niemand darauf alte Ansprüche. Das einzige das getan wurde, war die Verkündung der Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland, aber das bedeutet noch immer nicht die Unterzeichung des Friedens- abkommens. Darum hat es jetzt keinen Sinn, zu dieser Frage zurückzukehren, das könnte nur zu kontraproduktiven Folgen führen -hebt Dr. Janjetović hervor.

Von 197o bis 1974, als das Problem endgültig gelöst wurde, wurde über die günstigsten Umstände für den Erhalt von einigen wenigen Geldern im Namen der Entschädigung und vieler Gelder mehr als Kredit verhandelt.
Eine große Summe war für Deutschland aus finanziellen und politischen Gründen unannehmbar, und besonders wenn man sie im Zeichen der Entschädigung für die Opfer des Nazismus gewährt hätte. Willy Brandt hat anläßlich seines Jugoslawien-Besuchs mit seinen Gastgebern, zuerst mit dem Präsidenten des BV (Bundesvollzugsausschuß), Džemal Bjedić, und danach mit Tito auf Brioni, auch über Entschädigung verhandelt. Tito hat betont, daß das Angebot von 100 Millionen als Entschädigung und 3oo Millionen als Kapitalhilfe unannehmbar und beleidigend sei, während Brandt seine Bereitschaft ausdrückte, eine Lösung zur Uberwindung des Erbes der Vergangenheit zu suchen.

Die beiden Staatsmänner waren sich einig, daß eine solche Lösung gefunden werden könne bei der Entwicklung beiderseitiger wertvoller Zusammenarbeit der beiden Länder. Zu konkreten Verhandlungen kam es im Laufe des Oktober und November 1973. Im November einigten sich der deutsche Minister Bahr und der jugoslawische Botschafter Budimir Lončar auf eine Summe von 700 Millionen Mark. Es blieb die Frage der Bestimmung offen, denn beide Seiten konnten sich nicht darüber einigen, ob die Hilfe an konkrete Projekte gebunden sein wird oder nicht. Abschließend hat in der ersten Februarhälfte 1974 Jugoslawien zugestimmt, daß die Hilfe aus zwei Teilen bestehen soll, von denen eines an ein bestimmtes Projekt gebunden sein soll, und zwar an den Ausbau des Stromnetzes dazu gehört auch Krško - und das zweite zur Anschaffung von Industriegiitern aus Deutschland.

Nach zusätzlichen Gesprächen am 24. Mai 1974 wurde das Protokoll unterzeichnet mit dem die technischen Fragen gelöst wurden, und nach den Gesprachen haben die beiden Delegationen am 18. Juni das Abkommen paraphiert. Der endgültige Text wurde vereinbart und am 1o. Dezember 1974 unterzeichnet, er sah eine Kapitalhilfe in Höhe von 700 Millionen Mark vor, die auf 30 Jahre zu 2 Prozent Zinsen gewährt wurde. Eine Entschädigung wurde mit keinem Wort erwähnt, weder im Abkommen noch in der jugoslawischen Presse. Auf diese Weise wurde das Problem der Entschädigung von der Tagesordnung bei beiderseitigem Nachgeben abgesetzt: Deutschland stimmte zu, die Summe, die es gewährt, zu erhöhen, und Jugoslawien verzichtete darauf, sie unter dem Namen der Entschädigung für die Opfer des Nazismus zu kassieren - betont Dr. Janjetović.

Auf die Frage, was mit den Opfern sei, antwortet Dr. Janjetović, daß diese in den ganzen Gesprächen vergessen wurden, sobald ernsthaft über Summen verhandelt wurde. Die Opfer waren nur ein Vorwand für den Erhalt von Geldern, die für die Aufrechterhaltung der sozialistischen Wirtschaft und des Systems genutzt wurden.

Für die Volksdeutschen ist es heute viel wichtiger, die AVNOJ- Beschlüsse über ihre Kollektivschuld aufzuheben, als ihnen das weggenommene Vermögen physisch zurückzuerstatten. Es kommen neue Generationen, und von denen, die einst in diesen Gebieten lebten, gibt es immer weniger unter den Lebenden. Für die neuen Generationen ist es nicht so wichtig, von wo ihre Eltern stammen und wo sie lebten. Darum verweisen sie auf den Anspruch auf "das Recht zum Besuch der Heimat", im Wissen, daß sie, wenn sie wollen, die Heimat besuchen können, aus der ihre Eltern kamen.

Ferner muß auch das gesagt werden, daß Deutschland ein Gesetz erbracht hat, nach welchem die Volksdeutschen, auch aus diesen Gebieten, eine Entschädigung bekommen haben, so daß ein erneutes Aufwerfen der Frage ihres Vermögens auch dies umfassen müßte. Unser Parlament müßte, und das wäre meiner Ansicht nach das einfachste, einen Beschluß zur Aufhebung der AVNOJ-Beschlüsse er- bringen, und damit zu dieser Frage einen Schlußpunkt setzen. Jene Angehorigen des deutschen Volkes, die auch nach dem Krieg hiergeblieben sind und hier leben, sollten die Frage der Entschädigung für das weggenommene Vermögen so lösen wie auch alle übrigen Bürger dieses Staates. Im übrigen hat kein europäisches Land, vor allem Tschechien und Polen, niemals an die Rückgabe des deutschen Vermögens auch nur gedacht, geschweige denn daß sie das gesetzlich geregelt hätten. Für sie war das auch kein Hindernis, in die EU aufgenommen zu werden - schließt Dr. Janjetović.

Von Maria Theresia
Die historischen Quellen führen an, daß die planmäßige Ansiedlung von Deutschen in diesen Gebieten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann (als es nach der Vertreibung der Türken galt, das wirtschaftlich zerstörte und bevölkerungsarme Panno- nische Tiefland "aufzufüllen"), obschon die größten Ansiedlungswellen zur Zeit der Herrschaft von Maria Theresia und Joseph dem Zweiten ankamen. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges befand sich die zahlenmäßig bedeutendste Gruppe von Jugoslawiendeutschen im Banat, der Batschka und der Baranja. So waren im Banat die deutschen Ansiedlungen zwischen Großbetschkerek (Zrenjanin), der rumänisch-jugoslawischen Grenze und um Groß-Kikinda im nördlichen Teil des Banats gruppiert; in der Batschka vor allem im südöstlichen Teil um Bačka Palanka, Novi Sed (Neusatz), Odžaci (Hodschag), Kula, Apatin und Sombor, und im relativ kleinen Teil der jugoslawischen Baranja um Popovača und Beli Manastir.

Es waren ihrer eine halbe Million
Nach der ersten Volkszählung im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen aus dem Jahre 1921 benutzten das Deutsche als Muttersprache 505.790 Einwohner. Zehn Jahre später waren nach diesem Kriterium 499.969 Einwohner verzeichnet, von denen im Banat das Deutsche als Muttersprache 120.450 Personen nutzten (davon 1.874 deutsche Juden), in der Batschka handelte es sich um 173.058 Personen (3.282 Juden) und in Srem um 49.345 Personen (539 Juden). Es gibt jedoch Meinungen, daß die Ergebnisse der Volkszählung von 1921 und 1931. nicht maßgebend sind für die Schätzung der tatsächlichen Zahl der einheimischen Deutschen, weil sich angeblich ein Teil von ihnen aus verschiedenen Gründen, besonders aus wirtschaftlichen und politischen, als Serben, Slowenen, Kroaten oder auch Ungarn erklärten... Auf solcher Grundlage basiert die Behauptung einzelner deutscher Autoren, daß es am Vorabend des Krieges in Jugoslawien 600.000, ja sogar 700.000 - 750.000 Volksdeutsche gab, jedoch gelten in hiesigen Historikerkreisen solche Schätzungen, gelinde gesagt, als tendenziös.

Der Nachkriegs-Leidensweg
In den sogenannten "Bonner Dokumenten" wird die Vermutung angeführt, daß bei Beendigung des Krieges in Jugoslawien 5.777 Deutsche erschossen wurden, die keiner militärischen oder halb- militärischen Formation angehörten, daß ihrer 2.631 bei der Flucht starben, daß ihrer 5.683 auf dem Transport gestorben oder verschollen sind, ferner daß nach dem Einzug der Roten Armee in die Sowjetunion verschickt wurden und größtenteil nicht zurückkehrten weitere 4.500 bis 5.000, daß 48.027 Deutsche in verschiedenen Internierungslagern und bei Zwangsarbeit in Jugoslawien starben, sowie auch daß ihrer 6.400 einfach verschwunden sind. Die Mehrheit deutscher Historiker und Dernographen neigt zu noch radikaleren "Zählungen der Zahlen", und so hat ein gewisser Josef Beer behauptet, daß in jugoslawischen Lagern 135.000 Volksdeutsche "verschwanden". Im übrigen registrierte die erste Nachkriegs-Volkszählung aus dem Jahre 1948 55.337 Angehürige der deutschen Minderheit im neuen jugoslawischen Staat, während nach jener aus dem Jahre 1981 diese Zahl auf ganze 8.712 absank.

Autoren:
Lj. Malešević, M. Stajić,
D. Kolunžija und D. Urošević









2.11.2005
DNEVNIK Novisad


Schajkascher Schwaben besuchten ihren Geburtsort Begegnungen alter, guter Freunde

Schajkasch: Unter den Donauschwaben, die im Rahmen der Organisation der deutsch-evangelischen Kirche ihre Geburtsorte in der Vojvodina besucht haben, gab es 8 Reiseteilnehmer gebürtig aus Schajkasch, die diese Reise zur Begehung ihres Geburtsortes ausgenutzt haben. Das ist der 2. organisierte Besuch der Schajkascher Deutschen seit ihrem Exodus im Jahre 1944 , wie schon im Vorjahre angeführt von Frau Hildegard Gutekunst. Die Gäste wurden im Namen der Ortsgemeinschaft vom Ratspräsidenten Miladin Djuric als Gastgeber empfangen. Für die Mehrzahl war dies die erste Begegnung mit ehemaligen Nachbarn, Freunden und Bekannten nach mehr als 60 Jahren und besonders glücklich waren jene, die ihr Geburtshaus finden und besuchen konnten. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass die Begegnungen bis zu Tränen rührten. Das Besuchsprogramm schloss auch die Begehung des schwäbischen Friedhofs ein. Dieser war in einem etwas besseren Zustand als im Vorjahr, aber immer noch weit entfernt von einem zufrieden stellenden Bild. Es besteht die Absicht, den Friedhof wieder in Ordnung zu bringen, aber das größte Hindernis stellt der Geldmangel dar. Die Gäste haben sofort ca. 180,- € gesammelt und das Geld zur Erhaltung des Friedhofs zur Verfügung gestellt. Beim Rundgang durch Schajkasch mit ihren Einheimischen haben die Gäste das Haus in der Eisenbahnergasse aufgesucht, in dem der deutsch-evangelische Pfarrer lebte. Das Haus verblieb im tadellosen Zustand und es wird als das "typische schwäbische Haus" bezeichnet. Es gab auch individuelle Besuche, weil viele Schajkascher Deutsche bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen für die Gastarbeiter aus Schajkasch behilflich waren. Die Zusammenkunft wurde fortgesetzt Im Restaurant "Goldene Krone" , in dem den Gästen ein Mittagessen bereitet wurde. Ehrengäste dabei waren der Pope Dusan und seine Frau - die "Popadija"- Jelena Blizanac.


Es wurden auch ansehnliche Geschenke ausgetauscht. Die Gäste erhielten 2 Gemälde Schajkascher Kunstmaler mit ttypischen Motiven der Vojvodina zur Erinnerung an die alte Heimat. Frau Hildegard hat sich für die Aufnahme bedankt und dabei mit Nachdruck ihre Hoffnung auf bessere Zeiten zum Ausdruck gebracht, bei denen häufigere Besuche stattfinden mögen. N. Turajlic
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim







26.10.2005
Auch dieses Jahr hat eine Gruppe evangelischer Christen aus Deutschland im Rahmen der 2. Schiffsreise mit Pastor Dr. Manfred Wagner an der Spitze die Eparchie (Bischoftum) Batschka besucht

Mittwoch, den 26.10. d. J.
angesichts des Feiertages der Mutter Paraskeva hat der Batschkaer Weihbischof, Herr Dr. Irinej, den feierlichen Abendgottesdienst in der Konzilkirche in Neusatz/Novi Sad zelebriert. Am Ende des heiligen Gottesdienstes hat der Bischof sein christliches Willkommen an die ca. 200 Besucher unter der Führung des evangelischen Pfarrers Dr. Manfred Wagner gerichtet und mit freundlichen Worten begrüßt. Laut Herrn Wagner haben sie die Gastreise angetreten, um ihre Wohnorte zu besuchen, in denen einst Donauschwaben gelebt haben. Die Mehrzahl ist direkt hier geboren oder es sind Nachkommen von hier stammenden Schwaben, die zum ersten Mal in die Heimat ihrer Vorfahren gekommen sind.

Bischof Irinej betonte bei dieser Gelegenheit, dass dies der einzige Weg sei, um schlechte und schmerzliche Erinnerungen aus der Vergangenheit zu überwinden, an denen es weder unserem noch dem deutschen Volk oder irgend jemandem auf dieser Erde mangelt. So mögen wir uns gegenseitig besuchen und gemeinsam unsere christliche Liebe teilen.

Pastor Wagner hat sich für den Willkommensgruß bedankt und sagte, dass ihre Ankunft in den letzten beiden Jahren, immer im Oktober, schon zur schönen Tradition geworden ist. Dabei betonte er, dass sie diesmal alle mit grosser Freude und Dankbarkeit die Reise angetreten haben. Unter anderem sagte Herr Wagner, dass die Grußworte aus sie heilsam gewirkt haben und sie sich durch die Herzlichkeit des Empfangs als Christen unter ihren christlichen Brüdern und Schwestern fühlen. Er betonte, dass wir vor Gott alle gleich sind und wir alle an einen Herrn Jesus Christus glauben. Er bedankte sich noch einmal für den herzlichen Empfang in christlicher Liebe.

Das war eine rührende und angenehme Begegnung unter Christen, neben gegenseitigen Unterschieden verbunden im Evangelium Christi, wobei jede Seite aufeinander angewiesen ist in gemeinsamer Hoffnung auf ein schöneres und besseres Morgen.

Diakon Branislav Mrkic
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim





13.9.2005
MITROVAČKE NOVINE

Indjija (India) - Deutsche:

Am vorigen Donnerstag sind ehemalige India`er Bewohner deutscher Abstammung, die zum Ende des 2. Weltkrieges ihre Heimat verlassen haben, in die Gemeinde India angereist. Beim viertägigen Besuch wurde für die Gäste ein Rundgang durch den Ort, der Besuch der deutschen Friedhöfe, der katholischen Kirche und des Heimatvereins sowie eine Donaufahrt von Cortanovac bis Alt- Slankamen organisiert.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim







25. August 2005
POLITIKA Beograd

Erinnerung an die verfolgten Deutschen Rudolfsgnad - Auf dem Gedenkfriedhof in Rudolfsgnad wurde gestern eine Versammlung zum Gedenken und zur Erinnerung an die deutsche Bevölkerung abgehalten, die im Sammellager dieses Ortes von 1944 - 1948 schwer gelitten hat, Nach inoffiziellen Schätzungen sind in diesem grössten Sammellager im Banat nach dem Rückzug der deutschen Wehrmacht rund 12.000 Deutsche, zum grössten Teil Alte, aber auch Frauen und Kinder, umgekommen. Etwa 3.000 Opfer sind auf dem Friedhof in Knicanin, dem Vorkriegs- Rudolfsgnad, während mehr als 9.000 Tote auf dem Gebiet der Teletschka und an an der Theiß beerdigt. Beide Flächen sind zu einem Gedenkkomplex umgewandelt worden. Ab 2001 betreut die Gesellschaft für Serbisch-deutsche Zusammenarbeit und Pflege kulturhistorischer Denkmäler, die von serbischen und ehemaligen deutschen - heute in Deutschland lebenden - Einwohnern von Knicanin/Rudolfsgnad gegründet wurde, den Gedenkkomplex und organisiert jedes Jahr Besuche und Kranzniederlegungen. Dj. Dj.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim









Kindergärtnerinnen aus der Vojvodina/Serbien zu Besuch in Baden

Vorweg eine eilige Transport-Suchanfrage:
In Oftersheim sind 7 Kartons mit Spielsachen für Bajmok bei der Rückreise der Kindergärtnerinnen stehen geblieben,
weil sie im Linienbus aus Platzmangel nicht mitgenopmmen werden konnten.
Falls irgendjemand eine Transportmöglichkeit weiß,
würden sich viele kleine und große Menschen darüber freuen.
Bajmok muß nicht das Lieferziel sein. Die Kartons werden an jedem Ort der Vojvodina abgeholt.
Zuständig für Rückfragen und Vorschläge ist:
Herbert Schön, Queichheimer Hauptstr. 145 A, 76829 Landau, Tel. 06341/950898, Fax 06341/950799


2.11.05
Reisebericht von Milica Gagić über:

Kindergarten-Erzieherinnen aus der Vojvodina zum Praktikum vom 16.Oktober bis 5.November 2005 in Nordbaden auf Einladung des Diakonischen Werkes Baden und des Hilfskomitees der deutschen Evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Rechts im Bild:
Milica Gagic in der gelben Jacke neben Ingeborg Stephan vor dem Karlsruher Schloß mit der Römerausstellung.

Acht Kindergarten-Erzieherinnen aus der Vojvodina (Serbien), genau aus Novi Sad, Sombor, Bajmok und Indijia weilten auf Einladung des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche Baden und des Hilfskomitees der deutschen Evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien - nach einer Schnupperwoche in Kindergärten von Karlsruhe Ende Juni - vom 16.10-5.11.05 zu einem Praktikum in Kindergärten bzw. Kindertagesstätten in Karlsruhe (2), Reilingen (1), Oftersheim (2), Bretten (2) und Rheinstetten-Mörsch( 1).

Sie reisten mit einem Linien-Bus an und wurden von den Familien Springmann, Hopf ‚ Stephan, Wagner, Herze-Stroh und Jünger-Stroh aufgenommen. Zu Begrüßung waren auch die Familien Ballreich, Fix, Lasi und Schön (alle früher Katsch) gekommen.

Das dreiwöchige Praktikum hatte folgende Ziele:
- Fortbildung in der deutschen Sprache. für Kindergärten,
- Verwendung deutscher Kinderlieder, Erzählungen, Bewegungs-und Kreisspiele,
- freundschaftliche Beziehungen zu deutschen Erzieherinnen,
- und nicht zuletzt - herzliche Verbindungen mit donauschwäbischen Familien in Baden.

Die Erzieherinnen aus der Vojvodina lernten das Deutsch, das heute von den Vorschul-Kindern benutzt wird. Sie wiederum brauchen diese bedeutsame Erfahrung zur Vermittlung von Deutsch als zweite Sprache. Es konnten viele Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt werden, denn ab vier Jahren lernen Vojvodina-Kinder in mehr als 20 Kindertagestätten Deutsch. Einfach und spielerisch, in Bewegung und Spiel. Auf diese Weise ist es möglich, Kinder schon sehr früh in ein deutschsprachiges Umfeld einzubetten, das dann in der Grundschule fortgesetzt wird.

Die deutsche Sprache in Gegenwart und Geschichte bildet in der Vojvodina einen wichtigen Grundstein, da Deutsch - zweite Sprache in den europäischen Staaten ist.

Die Erzieherinnen lehren den Kindern seit über zweieinhalb Jahren Deutsch - ohne dafür ein zusätzliches Gehalt zu kriegen. Sie tun es aus freien Stücken, mit viel Liebe und Leidenschaft. Die Unterstützung des Diakonischen Werkes und des Hilfskomitees wird als Geschenk empfunden, das man nie vergisst. Es ist eine Herausforderung und Motivation für die weitere Arbeit.

Am meisten hat uns die Gastfreundschaft der donauschwäbischen Familien beeindruckt. Sie war voller Kindheitserinnerungen aus der alten Heimat. Die Fragen und Erzählungen nahmen kein Ende. Die Gastgeber-Familien - in drei Fällen badische, in fünf donauschwäbische, haben den Erzieherinnen die Sehenswürdigkeiten der Umgebung gezeigt. Auch diese Besichtigungen - von Straßburg bis Heidelberg - halfen die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern. Die beiden Erzieherinnen aus Indjija wurden - ein Beispiel - von der donauschwäbischen Heimatortsgemeinschaft unter ihrem Vorsitzenden Adam Kraft zu einem Besuch eingeladen. Sie haben drei Tage eines verlängerten Wochenendes in Zuffenhausen, Stuttgart und Sindelfingen verbracht. Darüber wird sicherlich ausführlich im Indija-Rundbrief berichtet.

Am Tag vor dem Abschied hat eine Abschlußbesprechung in der Diakonie stattgefunden. Hier wurden die guten Eindrücke und Erfahrungen vorgetragen und Vorschläge für die weitere Fortbildung und den Austausch mit deutschen Erzieherinnen gemacht. Anschließend wurde - weil die Zeit zu kurz war - der Dialog beim gemeinsamen Mittagessen mit dem Hilfskomitee-Vorsitzenden Schön im "Traditionslokal Sokrates" fortgesetzt.

Am letzten Tag verabschiedeten wir uns von unseren herzlichen Gastgebern in der Hoffnung, dass wir uns in der Vojvodina wiedersehen würden. Wir sind abgereist mit vielen Geschenken und Bilderbüchern und Spielzeug für die Kinder in unseren Kindergärten, insbesondere für den in Bajmok.

Wir Kindergärtnerinnen sind dankbar für alles und wünschen der Diakonie Baden, dem Hilfskomitee, den Gastfamilien und den Kolleginnen in den Kindertagesstätten eine gute Zeit.

Milica Gagić, Indija, 24.11.05
(Sprecherin der Erzieherinnen aus der Vojvodina)

Der Bericht wurde in deutscher Sprache verfaßt und von Herrn Schön an wenigen Stellen redigiert.



Diese Briefmarke drückt aus, was
sich das Land am sehnlichsten wünscht.




Frau Jelovac besichtigt mit Frau Stephan den Karlsruher Schloßgarten:







16.Oktober bis 5.November 2005

Kindergärtnerin Tatjana Đurđev praktizierte im Kindergarten Johann-Friedrich Oberlin in Reilingen. 7 weitere Erzieherinnen waren in der gleichen Zeit in Kindergärten von Rheinstetten-Mörsch, Oftersheim und Karlsruhe tätig.


Aus früheren Hausnachbarn europäische Nachbarn machen
Kirche

Aus früheren Hausnachbarn europäische Nachbarn machen

Immer wenn Tanja zu einem Märchenbuch greift oder dazu einlädt, mit ihr zu singen, wird es in der Spatzengruppe des Reilinger Friedrich-Oberlin-Kindergartens lebendig. Die Buben und Mädchen drängen sich um die junge Frau, jeder hofft, einen Platz genau neben ihr zu bekommen. Langsam, fast bedächtig spricht sie mit den Kindern, die aufmerksam ihren Worten lauschen – und dies trotz einer ungewohnten sprachlichen Einfärbung. Tanja kommt aus Serbien und hospitiert derzeit im Oberlin-Kindergarten. Praktikantinnen sind in dieser Einrichtung eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dass aber eine 28-jährige Erzieherin aus der Vojvodina für vier Wochen zu Gast ist, ist auch für Reilinger Verhältnisse eine Besonderheit.
Die Vojvodina ist eine Teilrepublik, die einst zu Jugoslawien gehörte, seit einigen Jahren aber ein Teil des neu entstandenen Staates Serbien ist. Geprägt wird die Vojvodina durch 20 verschiedene Volksgruppen, die in den Regionen Banat, Batschka und Srem leben. Gesprochen werden dort sieben Sprachen, darunter Ungarisch, Slowakisch und Deutsch. Noch heute erinnern „typisch deutsche“ Städte und Dörfer an die Kolonisation durch die Donauschwaben. Im 18. Jahrhundert waren viele Pfälzer, Hessen, Schwaben und Bayern von Ulm aus auf der Donau in die neuen Siedlungsgebiete im pannonischen Raum des habsburgischen Kaiserreichs gekommen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten die Deutschen so die Kultur, für über 500 000 Menschen blieb Deutsch die Muttersprache. Mit Ende des zweiten Weltkriegs folgte jedoch die Vertreibung der Donauschwaben, deutschen Traditionen wurden unterdrückt, die deutsche Sprache mit einem Tabu belegt.
Inzwischen macht sich aber auch in diesen Teilen des einstigen Vielvölkerstaates Jugoslawien eine Liberalisierung bemerkbar. Gerade von der jungen Generation wird die historische Vergangenheit bewusst aufgearbeitet. In 15 Gemeinden der Vojvodina haben Erzieherinnen, Eltern sowie die Träger der staatlichen Kinderhorts und Kindergärten sogar beschlossen, Deutsch als zweite Sprache in der Kinderfrüherziehung zu lehren. Um den Erzieherinnen dieser Einrichtungen die Gelegenheit zu geben, sich intensiv mit der deutschen Sprache und der Arbeit in deutschen Kindergärten vertraut zu machen, besuchen derzeit acht Erzieherinnen auf Einladung des Hilfskomitees der deutschen Evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien und mit Unterstützung des Diakonischen Werks der evangelischen Landeskirche in Baden verschiedene Kindergärten in der Region zwischen Mannheim und Karlsruhe. Für Andrea Ballreich, der Sekretärin von Bürgermeister Walter Klein, keine Frage, sich als aktives Mitglied des Hilfskomitees (ihre Familie stammt aus Novi Sad, dem ehemaligen Neusatz in der Batschka und wurde nach der Vertreibung in Hockenheim heimisch) dafür einzusetzen, auch in der Spargelgemeinde einen Praktikumsplatz bereitzustellen. Für Pfarrer Wilhelm Nauber von der evangelischen Kirchengemeinde keine Frage, diesem Wunsch nach Rücksprache mit der Kindergartenleitung sofort zuzustimmen.
Nach zwei Wochen fühlt sich Tanja Durdev (sie hat wie alle Erzieherinnen in Serbien ein abgeschlossenes Studium als Grundschullehrerin) in Reilingen bereits wie zuhause. Dank ihrer guten Deutschkenntnisse fiel der erste Kontakt nicht schwer. Besonders angetan ist sie aber von der Reilinger Bevölkerung: „Die Menschen sind hier unglaublich offen, hilfreich und voll spontaner Herzlichkeit.“
Im Oberlin-Kindergarten habe sie sich sofort wohl gefühlt, die Kinder hätten sie mit offenen Armen empfangen, die Kolleginnen nicht minder freundlich. Mit leuchtenden Augen erzählt Tanja Durdev aber auch von ihrer Gastmutter Gertrud Hopf und der Metzgerei Ehehalt, wo sie täglich zur Mittagszeit verpflegt wird. Und mit Andrea Ballreich, Gertrud Hopf sowie der Leiterin der Spatzengruppe, Marlies Nitsche, habe sie bereits soviel vom deutschen Leben und den Sehenswürdigkeiten der Region kennenlernen dürfen, wie sie zuvor eigentlich nie erwartet hätte. „Selbst zum Reilinger Kerwetanz wurde ich eingeladen.“
Trotz dieser vielen positiven Erfahrungen ist es der jungen Frau aber am wichtigsten, so viel als möglich von der Arbeit im Kindergarten mitzubekommen. Auch wenn viele Punkte mit ihrer Tätigkeit in Novi Sad übereinstimmen würden, sei sie begierig, vor allem Spiele, Kinderlieder, Tänze und Geschichten kennenzulernen. „Mein Notizbuch ist inzwischen voll mit neuen Ideen und Anregungen“, erklärt sie und strahlt ganz besonders, wenn sie von der Kassette mit Kinderliedern berichtet, die die Reilinger Buben und Mädchen in der Spatzengruppe des Oberlin-Kindergartens eigens für sie besungen hätten. „Das ist nicht nur eine schöne Erinnerung an die Zeit in Reilingen, sondern für mich auch eine wertvolle Hilfe für meine zukünftige Arbeit zu Hause.“ Und ein bisschen stolz ist Tanja Durdev aber auch darauf, den Kindern in Novi Sad die deutsche Sprache und Kultur näher bringen zu können.
Aber auch hier in Deutschland die negativen Eindrücke nach den Kriegsjahren unter Milosevics zu relativieren. „Dies alles ist ein ganz wichtiger Beitrag, die noch bestehenden Vorurteile unter den Völkern abzubauen, und so den Weg zu einem gemeinsamen und friedlichen Europa zu ebnen.“ Und für Andrea Ballreich in Erinnerung an die donauschwäbische Vergangenheit ihrer und vieler anderer Familien die einmalige Chance, „aus unseren früheren Hausnachbarn nunmehr europäische Nachbarn zu machen.“

Quelle: Webseite der Gemeinde Reilingen



Juni/Juli 2005
Zwei Kindergärtnerinnen, MILICA GAGIC und KLARA VLAJANKOV - zusammen mit 6 weiteren Erzieherinnern aus der Vojvodina/Serbien - "schnupperten" eine Woche im Kindergarten REGENBOGEN in Mörsch


Die deutsche Sprache ist in Serbien wieder im Kommen:

(hos). "Man muss wirklich ein Zauberer sein", sagt Milica GAGIC über ihre Arbeit in einer Kindertagesstätte in Indjija in der Vojvodina. Wenn wenig Spielzeug da ist und die Gruppen groß sind, müssen sich die Erzieherinnen eben etwas einfallen lassen, stimmt Klara VLAJANKOV aus Sombor zu. Zusammen mit weiteren sechs Erzieherinnen
(s. Farbdfoto unten)

aus der Region in Serbien sind die beiden bis zum heutigen Freitag zu Gast im Badischen, um zu erkunden, wie in hiesigen Kindergärten die deutsche Sprache vermittelt wird. In der Vojvodina wird Mehrsprachigkeit schon im Kindergarten groß geschrieben, auch Englisch können die Kinder dort bereits lernen. Und das Interesse an Deutsch wächst wieder in der Gegend, wo bis zur Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkrieges viele Donauschwaben lebten. Eine Station im einwöchigen Besuchsprogramm war der Kindergarten Regenbogen in Mörsch.
"Der Stil der Arbeit ist ähnlich wie bei uns", meint Milica GAGIC. Die Ausstattung und die räumliche Situation seien in Deutschland indes besser. Der Krieg während der Milosevic-Jahre hinterließ seine Spuren in ihrem Land. Pädagogisch sind die Erzieherinnen bestens ausgebildet, in Serbien ist sogar ein Hochschulstudium für diesen Beruf notwendig. Eltern können ihre Sprösslinge den ganzen Tag betreuen lassen.
Die Betreuung beginnt schon mit einer Krippe für die Kleinsten. Zu der Reise eingeladen hat das

"Hilfskomitee für die Deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien"
um den Vorsitzenden Herbert SCHÖN mit Unterstützung des Diakonischen Werkes Baden.

Der Besuch dient dem Dialog. Sprachförderung im Kindesalter ist hier ebenfalls ein großes Thema. Die Diakonie vermittelte die Kontakte zu Einrichtungen in Rheinstetten, Karlsruhe und Pforzheim.
In der Heimat von Milica GAGIC und Klara VLAJANKOV ist Mehrsprachigkeit der Normalfall.

"Die Vojvodina ist wie ein kleines Europa, nur ohne Sterne", sagt GAGIC.

In den Regionen Banat, Batschka und Srem leben 20 Volksgruppen. Es gibt sieben Sprachen, darunter Ungarisch, Slowakisch und Deutsch. Aus den Kindergärten war Deutsch aber lange verschwunden.

Auf Initiative der LINGUISTIN MELANIE MIKES aus Novi Sad

hat sich das seit zwei Jahren geändert. GAGIC und Vlajankov haben Deutsch in der Schule gelernt, beherrschen es und empfanden das Projekt als Herausforderung.

"20 Minuten jeden Tag sprechen wir kein Wort Serbisch. Die Kinder sollen Deutsch lernen, wie man die Muttersprache lernt, auf spielerische Art die Wörter entdecken", sagt Klara VLAJANKOV.

Dies kommt an, auch das Interesse der Eltern ist da. Fast jeder habe Verwandte, die Deutsch sprechen. Außerdem kehrten vermehrt Gastarbeiterfamilien zurück. Mit positiven Eindrücken und einem selbst gedrehten Film reist die Gruppe ab. Für einige Frauen war es eine Schnupperwoche, sie kommen im Oktober für ein vierwöchiges Praktikum wieder. (Quelle: BNN/Ettlinger Beilage vom 1. Juli 2005; Zeitungs-Foto: hos)







Obere Reihe: Fr.KÖHL, Fr. MARAVIC, Fr. Becker, Fr. MILOJICA, Hr.SCHÖN, Fr. JELOVAC, Fr. STEPHAN, Hr. STEPHAN, Fr. GAGIC,
Fr. GUTEKUNST
Untere Reihe: Fr. FERKOVIC, Fr. VLAJANKOV, Fr. Slavica NINKOV-GREGORIN,
Fr. DURDEV, Hr. Dr. SCHÜSSLER, Hr. SCHÜSSLER, Hr. KÖHL




Gruppenbild zum Abschied



Oben von links nach rechts:
Milica Gagić aus Inđia
Vera Jelovac aus Novi Karlovci
Heinrich Stephan aus Karlsruhe
Klara Vlajankov aus Sombor
Ingeborg Stephan aus Karlsruhe
Herbert Schön aus Landau
Christa Köhl aus Böblingen
Hildegard Gutekunst aus Reutlingen; Herr Vranić
Anna Maravić aus Bajmok und
Sibila Ferković aus Bajmok

Unten von links nach rechts:
Tatjana Đurđev aus Novi Sad
Rajka Milojica aus Novi Sad
und
Slavica Ninkov-Gregorin aus
Novi Sad




Fotos: Walter Köhl









Peter Degen +17.Mai 2006
NACHRUF

Wir gedenken

† Peter Degen

der am 17. Mai 2006 unseren Kontaktkreis Bulkes - Maglic für immer verlassen hat. Peter Degen wurde 1922 in Bulkes im Hause seiner Eltern, Haus Nr. 6, geboren. Im Bulkeser Sprachgebrauch wohnte er in der "Ersten Gasse". Die Bulkeser nannten ihn "Wend'l Peter". Ein in Bulkes für alle Nachkommen des Ansiedlers Wendel Degen verwendeter Rufname.

Begegnung mit Peter

Wir haben Peter in der Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Bulkeser Kirche, im heutigen Backi Maglic, im Jahre 1998 kennen und schätzen gelernt. Mit großem Eifer setzte sich Peter in der von Bernie Sander mit Maglicer Bürgern angeregten Initiative zur Sanierung der Bulkeser Kirche ein. Federführend übernahm er in einer Anschreibeaktion den Aufruf an alle Bulkeser, um der Initiative zum Erfolg zu verhelfen. Über den Zustand der Kirche anlässlich seiner Maglicreise 1982 schreibt er in seinen Lebenserinnerungen:

"Von Silbasch aus sahen wir zwei Kirchtürme, den von Gajdobra und unseren - mir war, als ob er auf mich gewartet hätte, wie eh und je, wenn ich aus der Ferne nach Hause kam, schien er zu sagen: Auch du kommst endlich wieder… Die Kirche hat uns am meisten Leid getan. Sie wurde von den Partisanen als Lagerraum benutzt, es waren Zwischendecken eingezogen und die Trecker fuhren ein und aus. Als wir aus dem Dorf fuhren, mochten wir uns gar nicht nach ihr umsehen. Das hat mich dazu bewegt, beim nächsten Bulkeser Treffen den Vorschlag zu machen, Geld zu sammeln, um die Kirche vor dem endgültigen Verfall zu retten. Ich dachte mir, ihre bauliche Substanz, das Werk unserer Ansiedler als Denkmal zu erhalten."

Beide Male scheiterten die Bemühungen, unsere Kirche zu erhalten.
Im Herbst des Jahres 2000 veröffentlichte Peter einen Aufruf im "Donauschwaben" zu einer Busreise nach unserem Bulkes dem heutigen Backi Maglic. Nach seinen intensiven Vorbereitungen, wobei ihm seine im serbisch/slowakischen Gymnasium in Petrovac erworbene Serbischkenntnisse zustatten kamen, fuhren im April 2001 9 Personen in ihren Pkw nach Backi Maglic und von dort am 1. Mai 2001 weiter nach Jarek zum Besuch der Massengräber, in denen unsere Angehörigen liegen.
Für mich war es, 56 Jahren nach meiner Vertreibung, das erste Wiedersehen mit meinem Geburtsort. Die bei diesem Besuch entstandene Kontakte mit Maglicer Bürgern haben sich in der Folge, dank Peters intensiver Pflege, zu einem ständigen Kontaktkreis Bulkes - Maglic entwickelt.
Als wir uns im Dezember 2003 zusammenfanden, um eine Bulkeser Homepage in drei Sprachen ins Internet zu stellen, hat Peter anfangs die serbische Übersetzung übernommen.
Die Anekdote "Der Richter und die Revolution" im Kapitel GESCHICHTE/Die Blütezeit wurde uns von Peter aus dem Nachlass seines Großvaters überliefert. Aus seinem Leben gegriffen, ist die im gleichen Kapitel beschriebene Problemlösung beim Ablegen der Matura 1941 im neuen ungarischen Staat, - obwohl der Unterricht in serbischer Sprache abgehalten wurde.
Groß ist die Lücke, die mit seinem Tod in unserem kleinen Kreis entstanden ist. Wir werden sie nicht schließen können. Die Wahrung, Erhaltung und Weitergabe der Erinnerungen an das uns zum Mythos gewordenen Bulkes hat mit dem Tod von Peter Degen einen großen Förderer verloren.

"Menschen treten in unser Leben und begleiten uns eine Weile,
einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen ihre Spuren
in unseren Herzen."

Heinrich Hoffmann, Heinrich Stephan, Friederich Glas, Bernie Sander.








TODESANZEIGE

"Befehl dem Herrn deine Wege
und hoffe auf ihn;
er wird's wohl machen.
Psalm 37.5
Wir nehmen Abschied von unserem lieben Vater. Schwiegervater Opa, Uropa und Lebensgefährten

Peter Degen

* 20. Dezember 1922 + 17. Mai 2006
In stiller Trauer
im Namen aller Angehörigen

Peter Degen jun.
Gertrud Sonnack

Gartenstr. 54 D-21218 Seevetal - Emmelndorf
Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Dienstag, dem 30. Mai 2006 um 14.00 Uhr in der Friedhofskapelle Hittfeld statt.
Anstatt freundlich zugedachter Kränze und Blumen bitten wir um eine Spende für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge eV. Postbank Franfurt. Kto-Nr. 43 00 603 BLZ 500 100 60. Kennwort: Peter Degen."

(Heinrich Stephan)







1. Schiffsreise 2004













OKTOBER 2004
"Historische Rückreise nach 60 Jahren FLUCHT und VERTREIBUNG"
von 200 Donauschwaben mit dem Schiff von Passau nach Neusatz/Novi Sad und zurück
vom 22. bis 31.10.2004.

Reiseveranstalter: HILFSKOMITEE für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.
Vorsitzende: Hildegard Gutekunst und Herbert Schön


Reise-Notizen in Wort und Bild

Dankgottesdienst am letzten Tag auf dem Schiff, 31.10.04



"Für DIALOG, FRIEDEN und VERSÖHNUNG,
unter diesem Motto stand unsere Reise",

sagte zu Beginn des
letzten Gottesdienstes auf dem Schiff
während der Rückfahrt zwischen Wien und Passau

Manfred Wagner,
Prälaturpfarrer und Partnerschaftsbeauftragter
für Osteuropa der
Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung.

Für den Gottesdienst wählte er aus dem
Psalm 51:
"...ein geängstetes, zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verachten."





Erster Tag, 22.10.04

Morgens, vor unserer Abfahrt, stand dieser Artikel in der Tageszeitung "Badische Neueste Nachrichten":

"Beendigung des gegenseitigen Verschweigens"
Evangelische Kirche organisiert "Wiedersehensfahrt" der Donauschwaben in ehemalige Heimat

Sie kamen aus dem Elsaß und Lothringen, der Pfalz und der Kurpfalz, aus Hessen, Baden und Württemberg und hatten ein gemeinsames Ziel: Der Not, den Seuchen der Leibeigenschaft und dem Konfessionszwang ihrer Fürsten entfliehen und in der Ferne eine neue Heimat aufbauen - unabhängig, nur dem Kaiser untertan.
Es ist ein bewegender Teil der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts - das Schicksal der so genannten Donauschwaben. Im 18. Jahrhundert verließen sie ihre Heimat, nicht wissend, was sie in der pannonischen Ebene an der mittleren Donau im heutigen Ungarn, Rumänien und ehemaligen Jugoslawien erwarten würde. Angeworben von den Herrschern der habsurgischen Donaumonarchie brachten sie es als tüchtige Bauern und Handwerker bald zu bescheidenem Wohlstand und machten ihr Siedlungsgebiet zur Kornkammer Europas. Wurden anfangs nur katholische Auswanderer geduldet, so genehmigte Joseph II. als erster die Ansiedlung auch von Protestanten.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für die Donauschwaben ein schreckliches Schicksal. Angesichts der sich abzeichnenden deutschen Niederlage, waren sie "schutzlos dem Aggressionspotenzial der Heimatvölker" ausgesetzt, heißt es in einer Dokumentation über das Schicksal der Donauschwaben. Im 0ktober 1944 flüchtete der Großteil aus der "Kolonisten-Heimat" in Jugoslawien. Etwa 300 000 von einer halben Million gelang die Flucht mit Pferd und Wagen, 200 000 wurden vom Tito-Regime als rechtlos erklärt. Etwa 60 000 Kinder, Frauen und Alte kamen in den für sie errichteten Lagern elend um.
Die anderen wurden als Flüchtlinge mehrheitlich im Südwesten Deutschlands seßhaft und bauten das Nachkriegsdeutschland tatkräftig wieder mit auf. Nahezu 60 Jahre dauerte der offizielle Stillstand zwischen den Donauschwaben und ihrem ehemaligen Staatsland Jugoslawien. Nur vereinzelte private Kontakte wurden zwischen den ehemaligen serbischen und deutschen Nachbarn aufrecht erhalten. Erst nach dem Ende des jugoslawischen Bürgerkriegs und der Absetzung von Milosevic gab es eine Neuorientierung.
Im Oktober jährt sich nun zum 60. Mal der Exodus der Deutschen. Heute brechen rund 200 Donauschwaben mit ihren Nachfahren zu einer "Wiedersehensfahrt in die Jugendheimat" auf. Das Hilfskomitee der deutschen evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien hatte zu der Fahrt eingeladen, die ganz im Zeichen der Versöhnung steht. Mit dem Schiff geht es in drei Tagen auf der Donau von Passau nach Neusatz (Novi Sad), wo ein ökumenischer Gottesdienst, ein historisch-politischer Dialog im Parlament und vieles mehr die gegenseitigen Ängste und Vorbehalte zwischen Deutschen und Serben abbauen sollen. Auch "Heimfahrten" in die ehemaligen Geburtsorte sind organisiert. Die "Beendigung des gegenseitigen Verschweigens, der offene Dialog und die Schaffung einer Perspektive für die junge Generation" sind das Hauptanliegen der Reise."
Ulrich Schweizer






SWR Studio Landau:

Die Reporterin Helga GNÄGY (im Bild rechts beim Gespräch mit Ingeborg Stephan, geb.Sander), befragte Reiseteilnehmer über ihre Erfahrungen bei Kriegsende 1944/45 in der Batschka.
Das Interview wurde ab 22.10.04 - während der Schiffsreise - vom SDR1 und SWR4/Baden Radio (Frequenz 97 UKW/FM) mehrfach ausgestrahlt.

Frau Gnägy:
Vor 60 Jahren machten sich unzählige Flüchtlingstrupps aus dem Südosten Europas auf, in Richtung Deutschland.
Hunderttausende der sogenannten "Donauschwaben" verloren ihre Heimat, als die russische Front in den Balkan vorrückte. Über gut 200 Jahre lebten die Donaudeutschen im heutigen Serbien, in Ungarn und Rumänien. Damals von der deutsch- österreichischen Krone gerufen, machten sich Bauern und Handwerker aus Schwaben, der Pfalz und dem Elsass auf, um diesen verwüsteten Landstrich neu aufzubauen. 1944 mussten die Nachkommen dieser Siedler dann alles hinter sich lassen und wieder ganz von vorne anfangen.
Herbert Schön war 1944 gerade mal fünf Jahre alt - die Flucht aus Jugoslawien war für das Kind erst mal ein großes Abenteuer. Vieles, was er unterwegs erleben musste, kann er aber bis heute nicht vergessen.
Herbert Schön:
Dass in einem Flüchtlingslager, wo wir und andere Trecks zusammengepfercht übernachtetet, ein neuer Trupp von Menschen hereinkam und eine junge Frau zu schreien begann, -- sie hatte ihr Baby ausgewickelt und das war erfroren!

Frau Gnägy:
Für die Familie war die Flucht eine Odyssee. Über viele Stationen erreichten die Schöns die österreichisch- slowenischen Grenze. Hoffnung flammte auf - Hoffnung, wieder nach Jugoslawien, in ihr Heimatdorf Katsch zurückkehren zu können. Doch es kam anders:
Herbert Schön:
Nach einigen Tagen kam die schreckliche Nachricht, die englische Militärverwaltung wird uns nicht den Grenzübertritt erlauben. Denn inzwischen waren einige Züge über die Grenze gefahren, sind auf der jugoslawischen Seite gestoppt worden, Hab und Gut wurde ihnen geplündert und die Menschen wurden auf schlimmste Weise umgebracht.

Frau Gnägy:
Also ging es für die Schöns wieder zurück. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Oberfranken erreichten sie schließlich die Südpfalz. Dort durften sie bleiben und konnten sich in der Region, aus der ihre Ahnen einst ausgewandert waren, eine neue Existenz aufbauen.
Herbert Schön:
Mein Vater hatte uns drei Söhne gefragt, ob wir lieber Bauern werden wollen. Und als wir ihm nein sagten, wir wollen nicht, sagte er, ich werde alles tun für eure Ausbildung. Was ihr im Kopf habt, das wird man euch niemals wegnehmen können, wie man mir, meine Existenz und meine Sicherheit genommen hat.

Frau Gnägy:
Ein anderes Schicksal ist das von Ingeborg und Heinrich Stephan. Beide stammen ebenfalls aus der Wojwodina, aus dem ausschließlich von Donauschwaben bewohnten Dorf Bulkes. Als die Flüchtlingswelle auch dort losrollte, sah der damals 16-jährige Heinrich Stephan darin seine Chance:
Heinrich Stephan:
Ich hatte ohnedies vor, nach Deutschland zu gehen, für meine weitere Ausbildung. Und wollte eigentlich legal ausreisen mit einem Reisepass, - aber die Ungarn haben mir keinen Pass gegeben. Als nun die Russen kamen, dachte ich, Gott sei Dank kommen wir nun endlich aus diesem "Nest" fort.

Frau Gnägy:
Mit Pferdewagen und nur wenig Hab und Gut machten sich die Stephans auf den gefährlichen Weg, zunächst Richtung Schlesien.
Heinrich Stephan:
Also, - von dem gefährlichen Weg und den ganz schlimmen Dingen, über die ich jetzt immer wieder lese: Wagen ist kaputtgegangen, Pferde sind scheu geworden und über die Fähre in die Donau gesprungen, - oder es gab Tieffliegerangriffe, - habe ich nichts erlebt.
Ich verdanke es vielleicht unserem Treckführer, der so klug war und immer Wege gesucht hat, die ungefährlich waren.

Frau Gnägy:
Über viele Umwege landete er nach Kriegsende in Karlsruhe, wo er studieren und Architekt werden konnte.
Seiner Frau Ingeborg erging es anders. Die Familie des damals 9-jährigen Mädchens entschloss sich 1944 gegen die Flucht und blieb in Bulkes.
Ingeborg Stephan:
Meine Mutter wollte nicht so gern flüchten. Und dann hat man eben gedacht, wir haben niemand etwas getan, also wird uns auch niemand was tun.

Frau Gnägy:
Doch dem war nicht so. Die Russen hatten das kleine Dorf zwar weitgehend verschont. Aber dann kamen Titos Partisanen. Ingeborg Stephans Vater - der Gemeindearzt - wurde sofort umgebracht.
Ingeborg Stephan:
Mein Vater musste nach Palanka in ein Lager. Dort wurden der Pfarrer, der Apotheker, der Lehrer und mein Vater, der Arzt war, in der ersten Nacht herausgeholt. Den Pfarrer haben sie wieder zurückgeschickt. Mein Vater, der Apotheker und der Lehrer sind aber in der gleichen Nacht umgebracht worden.

Frau Gnägy:
Die Mutter kam in ein Arbeitslager, das damals neunjährige Mädchen wurde zusammen mit der Oma und dem Bruder in ein anderes Lager (nach Jarek) verschleppt. Nicht viele Menschen überlebten diese Zeit - Ingeborg Stephan hatte Glück. Nach dem Krieg fand sie mit Mutter und Bruder eine neue Heimat im Schwäbischen.
Inzwischen war sie mit ihrem Mann schon viermal im ehemaligem Jugoslawien und versucht, die für sie so schreckliche Zeit Schritt für Schritt aufzuarbeiten.
Ingeborg Stephan:
Als wir dahin kamen, das erste Mal, wurde gleich Kaffee gekocht und Slivovic angeboten.
Sie waren eigentlich immer sehr freundlich und - trotzdem, wegen dieser schrecklichen Zeit, die war, habe ich auch Angsgefühle, - manchmal, wenn ich dort bin.

Nachmittags um 17:00 Uhr machte die "Sofia"

"Leinen los"

An der Schiffsanlegestelle in Passau: einsteigen und abfahren.




Zweiter Tag, 23.10.04

Schwimmwesten werden für den Notfall anprobiert (links),
dann geht's vorbei an Bratislava/Preßburg (rechts): 280 000 EW, Hauptstadt der Slowakei, Universitätsstadt. GESCHICHTE: Römische Grenzfestung Posonium, im 4.Jhd. germanisch Brzaulaspurc/Preßburg, 846-870 entstand unter Herzog Rstislaw das slawische Bratislawa, 1536 Hauptstadt und Krönungsstadt Ungarns, bis 1918 sind Wien und Preßburg in Österreich-Ungarn Schwesterstädte. Die Preßburger Burg, hoch oben auf dem Berg, wurde 1683 erfolgreich gegen die Türken gehalten, sie war unter anderem auch Residenz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, eines der Schwiegersöhne Maria Theresias (1740-1780), welcher die weltberühmte Albertina in Wien begründete. Q: Helmut Bischof




Dritter Tag, 24.10.04

Begrüßung zugestiegener prominenter Reisegäste durch Herrn SCHÖN.

Im Bild von links nach rechts:

Dr. Nenad STEFANOVIĆ, Chefredakteur der "POLITIKA" und Autor des Buches "Jedan Svet na Dunavu"/"Ein Volk an der Donau" und Prof. Dr. Zoran ŽILETIĆ, ehem. Vorsitzender der Belgrader Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit und Dialog-Aktivist.
Dies sind zwei mitreisende serbische Vorreiter für die serbisch-deutsche Verständigung und Aussöhnung, die von Herrn SCHÖN, Organisator und Manager der Schiffsreise, vorgestellt werden.
Darunter sitzend: Herr LAHR, Initiator der Humanitären Hungerhilfe für "Donauschwaben" in der Woiwodina.




Vierter Tag, 25.10.04

Ankunft in Kamenica gegenüber von Novi Sad

Vormittags: Besichtigung des barocken Stadtzentrums von Sremski Karlovci.


Nachmittags: Besichtigung des Stadtzentrums von Neusatz.


Abends:

Empfang auf dem Schiff für Vertreter der Regierung und des Parlaments der Vojvodina.

Linkes Bild, von links nach rechts:
Sandor EGERESI, Vizepräsident des Parlaments der "Autonomen Republik Vojvodina",
Ernst MEINHARDT, Redakteur der DEUTSCHEN WELLE "DW-radio" Berlin,
Herbert SCHÖN und Hildegard GUTEKUNST, Vorsitzende des Hilfskomitees für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.
Rechtes Bild: Sandor Egeresi bei seiner Begrüßungsansprache.

Ansprachen:

Herbert SCHÖN:

"...Wir sind gekommen, nicht um altes Unrecht mit neuem Unrecht zu vergelten.
Wir sind gekommen, um alte Wunden heilen zu lassen. Daher, egal wo sich unsere Donauschwaben bewegen, wo sie hinkommen, sie kommen in Frieden und Freundschaft und als alte Woiwodiner und - leider als gewordene Europäer.
Wir wünschen, dass dieser Anfang, den wir hier mit einem Schiff gemacht haben, regelrecht einen Donautourismus auslösen wird..."

Sandor EGERESI:

"...Ich begrüße Sie herzlich im Namen der Regierung und des Parlaments der Autonomen Republik Vojvodina und persönlich. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt und Erlebnisse in der ehemaligen Heimat. Vielleicht ist es nicht der beste Moment, ich möchte jedoch die Wichtigkeit dieses Besuches betonen.
Es ist 60 Jahre, dass Sie Ihre Heimat gegen Ihren Willen verlassen mussten. Ihren Besuch nehmen wir als symbolische Geste von Versöhnung, Vertrauen und Frieden für alle zukünftigen Generationen und für unsere Kinder an.
Nochmal herzlich willkommen."


Über die Ankunft des Schiffes berichtete anderntags die Neusatzer Zeitung "DNEVNIK":

Donauschwaben in der alten Heimat
Für Dialog, Frieden und Versöhnung


Unter dem Motto "Für Dialog, Frieden und Versöhnung" hat gestern das Luxusschiff "Sofia" am Neusatzer Donauufer angelegt. 60 Jahre, nachdem sie zusammen mit ihren Angehörigen ihre Heimat verloren haben, sind ca. 200 Donauschwaben an Land gegangen. Viele von ihnen sind in verschiedenen Dörfern der Vojvodina geboren, sie sprechen noch Serbisch mit typischem lokalen Akzent "lalinski", während einige gekommen sind, um die alte Heimat ihrer Altvorderen zu sehen.
(Bemerkung des Übersetzers: Die Serben der Vojvodina werden "Lala" genannt, daher die Akzent- und Dialektbezeichnung "lalinski".)
Unter den Gästen befindet sich auch Robert Lahr, ein in Kucura geborener Deutscher, der schon seit 40 Jahren humanitäre Hilfe in Deutschland organisiert und den bedürftigsten Menschen in der Provinz Vojvodina Hilfsgüter zukommen lässt.
"Das ist ein Beweis, dass die Donau uns nicht trennt, sondern in der Tat verbindet. Es sind 60 Jahre vergangen, dass unsere Mitbürger diese Region unfreiwillig verlassen haben. Ihre Ankunft sehen wir als Symbol der Versöhnung für uns und unsere künftige Generation." sagte der stellvertr. Vorsitzende des regionalen Parlaments der Vojvodina, Sandor Egeresi, den donauschwäbischen Gästen. Er wünschte den Reiseteilnehmern einen angenehmen Aufenthalt und schöne Stunden in der ehemaligen Heimat.
Die Donauschwaben halten sich bis Donnerstag hier auf und schon gestern haben sie damit begonnen, sich in der Stadt umzusehen, die sich seit Verlassen der alten Heimat wesentlich verändert hat.
Das emotionalste Ereignis erwartet man heute, wenn die ehemaligen Geschädigten und heute als liebe Gäste von Neusatz und der Vojvodina in ihre Heimatdörfer fahren und bei einem ganztägigen Besuch ihre alten Geburts- und Wohnhäuser besichtigen werden.
Am Mittwoch findet ein ökumenischer Gottesdienst in einer der Neusatzer orthodoxen Kirchen statt.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim
Quelle: DNEVNIK (Tageszeitung von Novi-Sad/Neusatz)




Fünfter Tag, 26.10.04

Geburtsorte-Besuch


Am Morgen stand dieser Artikel in der ungarischen Tageszeitung:

"Magyar Szo" ("Ungarisches Wort")


Neusatz, Dienstag, 26. Oktober 2004
Aus dem Ungarischen übersetzt von Helmut Bischof
Für Dialog, für Versöhnung

Eine Gruppe von Deutschen, die einst hier lebten und ihre Nachkommen zu Besuch in der Vojvodina - Sandor Egeresi begrüßte auf dem Schiff "Sofia" die Gäste
Eine größere Gruppe von Deutschen, die einst hier lebten und ihre Nachkommen, kam nach 60 Jahren gestern zum ersten Mal nach Hause zu Besuch, in ihre ehemalige Heimat, die Vojvodina. Die zu einem dreitägigen freundschaftlichen Besuch eingetroffenen Gäste begrüßte auf dem bei Kamenica ankernden Schiff "Sofia" Sandor Egeresi, der Vizepräsident des Provinzparlaments. Das Programm ihres Aufenthalts hier dient Wegen, die zur Versöhnung führen und der Entwicklung der serbisch-deutschen Freundschaft. Unter der Last des Erbes der Vergangenheit kann auf Grund des Geschehenen nur das gegenseitige Sich-in-die-Augen-Sehen, die völlige Aufdeckung der Wahrheit, die Dinge lösen. Man muß die während der Diktatur, der Zeit der politischen Willkürherrschaft, der ersten Jahre der Nachkriegszeit erlittenen Vergeltungen aufhellen. Dies muß man tun um jedes Opfers willen, um ihrer Angehörigen willen, um der jetzigen und der kommenden Generationen willen.
Das Provinzparlament wird auch weiterhin den demokratischen Änderungen gegenüber offen sein, damit der Mensch, die Werte der Bürgermitte, zur Geltung kommen und in der Vojvodina allen ethnischen, sprachlichen und konfessionellen Gemeinschaften gesetzlich die Gewähr gegeben ist zur vollen Entfaltung, das Recht und die Möglichkeit auf Entwicklung, damit unser Gebiet das wahre Heim eines jeden Bürgers sein könne.






Text zum Foto aus "Magyar Szo":


Eine Gruppe der einst in der Vojvodina lebenden Deutschen und ihre Nachkommen im Museum der Vojvodina



Damit dieses Ziel verwirklicht werden kann, muß man die in der Vergangenheit begangenen Fehler restlos feststellen und man muß alles auf sich nehmen was geschehen ist, daß Ähnliches sich nie mehr wiederholen könne. Der jetzige Besuch der Donaudeutschen und ihrer Nachkommen ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Versöhnung im Zuge der allgemeinen Normalisierung des politischen und gesellschaftlichen Lebens in der Vojvodina.
Für Dialog, für Frieden, für Versöhnung, unter dieser Bezeichnung organisierten die Gäste ihr Vojvodina-Programm. Gestern besuchten sie das Museum der Vojvodina und besichtigten die Sehenswürdigkeiten von Neusatz. Abends empfingen sie auf dem Schiff die weltlichen und kirchlichen Spitzen und Würdenträger. Heute besuchen sie in mehreren Gruppen Werbaß, Altker (Zmajevo), Kutzura, Tscherwenka, Siwatz, Sombor, Jarek, Titel, Schajkaschsentiwan, Budisava, Futok, Tscheb (Celarevo), Krtschedin, Pasua, Semlin und Belgrad. Mittwoch wird für sie ein Empfang im Provinzparlament gegeben. Nach den Plänen werden Gäste und Gastgeber auch an einem ökumenischen Gottesdienst in Neusatz teilnehmen.
(Anmerkung des Ubersetzers: Im letzten Absatz wurden von der Redaktion die ungarischen Ortsnamen verwendet, daher an deren Stelle die Ortsnamen wie sie bei den Deutschen, den Donauschwaben gebräuchlich sind.)

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Katsch-Besuch


Begrüßung durch Bürgermeister Jozo Čičak in Kać



Über den Besuch der Katscher und Werbasser
in ihren Geburtsorten stand folgender Bericht
anderntags in der Neusatzer Zeitung

"DNEVNIK" ("Tageszeitung")


Seltene Gäste in Katsch und Werbass
Verjagte Deutsche besuchten ihre ehemaligen Häuser

Die stärkste Gruppe der im Jahre 1944 verjagten Donauschwaben hat gestern Katsch besucht und die ehemaligen Nachbarn angetroffen. Wir sind alle von hier und mancher kommt zum ersten Mal. Wir haben von den Leuten, die in meinem Geburtshaus wohnen, eine Einladung erhalten, sie zu besuchen.Ich weiß nicht, wie der Mann heißt; das Haus steht in der zweiten Reihe in Nähe der Kirche Sveti Sava (Heiliger Sava)- sagt Djurika Gevek Schön, der mit Tochter Eva Katsch besuchte.
Mein Haus habe ich nicht besucht, weil es nicht mehr das meine ist - erläutert Martin Schön, während seine Schwester Mathilde den Wunsch äußerte, dies zu tun und hofft, dass ihr das ermöglicht würde.
Ich komme nicht zum ersten Male, aber noch nie war es so schön wie heute. Meine Großmutter wurde hier bestattet, aber ihr Grab habe ich nicht gefunden. Das hat mich schwer erschüttert. Ich bin in Neusatz geboren - sagt Jakob Heinz, der als 14-jähriger mit dem Zuge die Heimat verliess.
Auch früher habe ich mich mit Nachbarn getroffen und für sie habe ich diesmal viele Bücher aus der damaligen Zeit bereitgestellt. Die haben in ihrem Wohnort ein Heimatmuseum und die für sie gesammelten Gegenstände werden ihnen hilfreich sein. Ich habe auch einige Wertstücke aus der inzwischen abgerissenen Kirche sehr zur Freude der Besucher aufbewahrt - sagt Vasa Cosic und ergänzt, dass ihn Nachbar Franz Lasi (wörtlich - ung.- Ferenc) besonders erfreut habe.

Ähnlich war es gestern in Werbass und Umgebung (Altker, Kisker und Kutzura), wo etwa 50 Deutsche ihre ehemaligen Häuser besucht haben. Die ex-Werbasser haben die evangelische und reformierte Kirche, den alten Friedhof und die neue gemeinsame Grabstätte der Deutschen auf dem neuen Friedhof besucht, wohin die Gebeine vom alten (verwahrlosten Gräbern) umgebettet werden.
Herbert Hajnc(Heintz,76) hat Werbass am 8. Oktober 1944 im Alter von 16 Jahren verlassen. Seine Großeltern und Eltern hinterliessen ein größeres Haus in der Svetozar-Markovic-Straße, Landbesitz sowie Immobilien in Neusatz und Budapest im benachbarten Ungarn.
Etwa 80 % der Deutschen haben Werbass verlassen. Ich habe Werbass öfters besucht und komme immer gerne hierher sagt der vitale Deutsche, der selbst nach 60 Jahren nicht vergessen hat, kyrillisch zu lesen und zu schreiben, weil - wie er ausführte - sein Vater immer betonte, wenn man etwas erreichen möchte hierzulande, müsse man die Landessprache gut beherrschen. Herbert ist Abonnent der Werbasser Lokalzeitung GLAS, aus der er häufig Artikel übersetzt, die für die Werbasser in Deutschland und Übersee von Interesse sind.
Die einheimische Bevölkerung, die in den ehemaligen deutschen Häusern wohnt, hat die Türen für die unverhofften Gäste geöffnet.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/ Neusatz, heute Rüsselsheim
Quelle: DNEVNIK (Tageszeitung von Novi-Sad/Neusatz)


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Bulkes-Besuch

Außer den oben im ungarischen "Magyar Szo" genannten 16 Orten wurde auch das ehemalige Bulkes besucht, allerdings ohne offizelle Anmeldung im Rathaus und nur von 3 Personen. Es handelte sich auch nur um einen privaten Besuche bei einigen serbischen Bewohnern, zu denen seit Jahren freundschaftliche Kontakte bestehen.
(Einzelheiten für Bulkeser Besucher dieser Webseite:
Linkes Bild: Kullmanns ehemaliges Haus, gehörte Martha Müllers Großeltern bis 1945 und ist heute noch im Besitz des serbischen Staates, da es für Käufer wegen seiner Größe zu teuer ist. Es steht in der früheren Zweiten Gasse HNr. 81 (heute heißt sie Cirtano Ul.) und ist eines der wenigen Häuser des früheren rein deutschen Dorfes, das in Architektur und Konstruktion noch im Originalzustand erhalten ist, - abgesehen von den bautechnischen Schäden.
Eine Urenkelin der ehemaligen Kullmann-Eigentümer, Henrietta Kullmann geb. in Zrenjanin, lebt in Belgrad und hat dort eine Apotheke - wie ihr Großvater vor dem Zweiten Weltkrieg in Kullmanns Haus. Der Eingang zur Apotheke war über Eck.
Unten rechtes Bild: In Stephans Haus, das völlig umgebaut ist und von der serbischen Familie Milos Quero nach dem Abzug der Griechen vom Staat erworben und völlig umbebaut wurde wurde.
Unten im rechten Bild von links nach rechts: Henrietta Kullmann, Ingeborg Stephan und Andja Quero.)


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Altker/Zmajevo-Besuch



Die Gruppe aus Altker mit Angehörigen





Empfang im Rathaus/Gemeindehaus durch den Bürgermeister von Zmajevo und seinen Stellvertreter, Herrn Pösutdragan;

Frau Rosi Wagner dankte im Namen der Altkerer für das herzliche Willkommen und die freundliche Einladung zum Mittagessen.






Im Kindergarten: Die 20 Altkerer überreichten im Kindergarten eine Spende von 460 Euro. Strahlende Kinder dankten mit einem fröhlichen Lied




Nach dem Besuch der Häuser - im Bilde das ehemalige große Geschäft von Heinrich Bolz - des Friedhofs und einem Spaziergang durch das Dorf holte uns der Bus wieder ab. Frohes Winken, Wehmut,
...es war eine Mischung von Gefühlen beim Abschied.



Stunden zuvor hatten Theissmanns eine schöne Begegnung mit dem serbisch orthodoxen Pope:

"Vor vielen Jahren, als wir unser Altker, weiß Gott nicht freiwillig, längst verlassen hatten, geschah in Altker Anrührendes.
1947 wurde unsere evangelische Kirche dem Erdboden gleich gemacht. Niemand von uns war da, um sich schützend vor das Gebäude zu stellen, das uns so viel bedeutete.
Niemand? Nein, es war anders: der serbisch orthodoxe Pope, wie wir in Altker geboren, demonstrierte am Morgen vor dem Abriss für den Erhalt unserer Kirche: "Das könnt ihr nicht machen, das ist ein Gotteshaus!" Es war für ihn bestimmt nicht ungefährlich, und dennoch hat er es getan. Er konnte zwar den Abriss nicht verhindern, aber er hat es versucht!!
Als ich vor Jahren von dieser Begebenheit hörte, hat sie mich sehr angerührt! Ich hatte die Geschichte fast vergessen - aber nur fast! Als ich jetzt im Oktober 2004 mit dem Hilfskomitee und 200 Donauschwaben eine Reise in die alte Heimat machte, holte sie mich auf sonderbare Weise wieder ein. Kurz vor der Busfahrt in die Heimatorte gab mir Frau Gutekunst, fast im Vorbeigehen, ein Paket mit den Worten: "Das ist Weihrauch, er wird in der Orthodoxen Kirche dringend gebraucht und ist in Serbien schwer zu bekommen und sehr teuer. Sie überlegten doch, was man als Geschenk in den Heimatort mitnehmen könnte. Bezahlen können Sie heute Abend oder zurückgeben, wenn er nicht gebraucht wird!"
Ich ging zu Herrn Heintz, der sehr gut serbisch kann und ließ mir sagen, wie Weihrauch auf serbisch heißt. In letzter Minute erreichte ich den Bus. Erst als ich im Bus saß, wurde mir bewusst, was für eine Möglichkeit sich hier für mich ergab, Dank abzustatten, für die gute Tat des Altkerer Popen vor 57 Jahren.
Mein Mann und ich gingen in Altker zur orthodoxen Kirche, leider war zunächst niemand da, dem wir unser Geschenk hätten überreichen können. Gerade als wir wieder gehen wollten, kam der junge Pope, der wahrscheinlich von der guten Tat seines Vorvorgängers gar nichts weiß. Ich hielt ihm unser Geschenk entgegen, sagte alles, was ich bei Herrn Heintz gelernt hatte, fügte noch hinzu, dass ich in Zmajevo (Altker) geboren bin und jetzt aus Deutschland komme. Er bedankte sich sehr, mehr mit Gesten, als mit Worten, denn sein Deutsch war ungefähr so gut wie mein Serbisch. Er zeigte uns seine Kirche, nahm uns mit in die Sakristei und schenkte uns eine Christus- und eine Marienikone.
Obwohl wir sehr protestantisch geprägt sind, haben die beiden Ikonen in unserer Wohnung einen Ehrenplatz bekommen!"
27.1.05

Paola Theissmann









Sechster Tag, 27.10.04

Vormittags: Besichtigung von Peterwardein.

Nachmittags: Ökumenischer Gottesdienst in der serbisch-orthodoxen Kirche zu Novi Sad, an dem die hohe Geistlichkeit der christlichen Konfessionen teilnahmen.

Ein Dankschreiben

AK Orthodoxe Kirchen, Alteburgstr. 97, 72762 Reutlingen


Seiner Eminenz
Bischof Irinej Mirko Bulović
(rechts im Bild)



Backa Eparhia
Vladicanski dvor
Gimnazijska 2
21000 Novi Sad
Serbien und Montenegro
Aktenzeichen 2004-11-26

Hochverehrte Eminenz,
in Jesus Christus geliebter Bruder!

"DU bist der Gott, der Wunder tut!"

Mit diesem Wort aus Psalm 77,15 (westliche Zählung) grüße ich Sie sehr herzlich. Mit großer Dankbarkeit blicke ich zurück auf das gemeinsame Gebet in Ihrer Kathedrale am Mittwoch, den 27. Oktober, dem Tag der Heiligen Parascheva. Für Ihre außergewöhnlich freundlichen und liebenswürdigen Worte danke ich Ihnen sehr herzlich! Sie haben die Herzen der Menschen erreicht, sowohl Ihrer Gäste aus Deutschland als auch diejenigen Ihrer Gemeinde aus Novi Sad. Mit Ihren Worten haben Sie den Wunsch der Menschen nach versöhnter und friedlicher Gemeinschaft erfüllt und die aufgewühlten Herzen getröstet. Somit sind Sie ein Bischof für uns alle geworden, die wir an jenem Tag in Ihrer Kathedrale versammelt waren. Das haben viele als ein Wunder empfunden. Besonders ist es denjenigen so ergangen, die als Knaben das Serbische Gymnasium in Novi Sad besuchten und somit Ihre Kathedrale und Ihren damaligen Vorgänger im Amt gut kannten. Sie konnten sich eine so liebevolle Aufnahme Ihrerseits und eine geistliche Ansprache eines evangelischen Geistlichen in Ihrer Kathedrale nicht vorstellen. Was sie jetzt erlebten, bekannten sie als ein Wunder. Dafür danke ich unserem himmlischen Vater, von dem wir gemeinsam bekennen, dass ER Wunder tut.

Gerne möchte ich an das Wort erinnern, dass mich bei meiner Ansprache leitete. Es sind die Worte aus Psalm 51,19 (westliche Zählung - der vierte Bußpsalm):

"Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott , nicht verachten".

Mit diesem Wort im Gedächtnis können wir uns der Vergangenheit erinnern und gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Für die Zukunft erhoffen sich die Nachkommen der Donauschwaben in Deutschland Ihren Rat hinsichtlich der künftigen

Verwendung der ehemaligen deutschen Kirchen und die Gestaltung der verödeten Friedhöfe. Die Verantwortlichen des Hilfskomitees sind, das wurde mir immer wieder versichert, an einer freundschaftlichen und liebevollen Gemeinschaft mit Ihnen und Ihrer Kirche mit allen Ihren Gemeinden interessiert. Mit dieser Voraussetzung kann ein Weg für eine friedvolle Gestaltung der Verbindungen zwischen unseren Völkern und Kirchen gefunden werden.

Grüßen Sie alle Priester und Diakone sehr herzlich, die an dem gemeinsamen Gebet teilgenommen haben, grüßen Sie alle Ihre Mitarbeiter in Ihrer Residenz, die Brüder und Schwestern, sowie ganz besonders auch den verehrten Abt des Klosters Kovil und meinen verehrten und geliebten Freund und Bruder in Christo Andreas Cilerdic.

Sehr herzliche Grüße senden Ihnen in großer Dankbarkeit auch die beiden Vorsitzenden des Hilfskomitees, Frau Hildegard Gutekunst und Herr Herbert Schön.

In der Liebe Christ verbunden grüßt Sie in herzlicher Liebe und mit Segenswünschen
Ihr
Manfred WAGNER




Abends:

Banovina: Empfang im Parlament der Vojvodina

Begrüßung durch den Vizepräsidenten Sandor EGERESI:

"...Wir haben bisher nicht die Möglichkeit gehabt, eine so große Gruppe von Donauschwaben herzlich willkommen zu heißen, besonders in dieser Anzahl wie heute...
Die tragischen Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg hatten zur Folge, dass sehr viele unserer deutschen Mitbürger gewaltsam verdammt wurden und diese Gegend verlassen haben...."

Der Geschäftsträger der Deutschen Botschaft in Belgrad, Herr BAIKER, führte u.a. aus:

"...Sie sind jetzt schon ein paar Tage in der Woiwodina gewesen. Heute Nacht macht Ihr Schiff die Leinen los und Sie kehren zurück nach Deutschland...Sie sind auf der Donau gekommen genau wie Ihre Vorfahren, als Maria Theresia/Joseph II. Sie gerufen hat, um nach den Türkenkriegen das verwüstete Land wieder aufzubauen...Die Lage der Minderheiten und die Annäherung Serbiens an die EU stehen hier auf der Tagesordnung...sehr gute Minderheitengesetze sind seit zwei Jahren in Kraft...seither bekennen sich ca. 4000 Bürger zu ihrer deutschen Herkunft...davon leben 90% in der Woiwodina...sie haben sich in 9 Vereinen - darunter einer in Belgrad - zusammengeschlossen...Leider sind sie untereinander so zerstritten, dass sie sich auf keinen Vertreter im Nationalrat einigen konnten...schlimmste Verbrechen der deutsche Besatzer sind der Terrorisierung der Donauschwaben vorausgegangen, woran die Gedenkstätten in Gakovo und anderen Orten erinnern...Deutschland hat die Errichtung des deutschen Zentrums in Subotica mit 170 000 EURO unterstützt...es soll ein Ort für alle Volksgruppen werden...Der EU-Gipfel hat auch für Serbien-Montenegro (S-M) eine Beitrittsperspektive eröffnet. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabgkommen wird vorbereitet. Die Schnelligkeit des Abschlusses hängt von folgenden Voraussetzungen ab: Kooparativer Umgang S-M mit dem Haager Tribunal und toleranter Umgang mit den Minderheiten. Sobald diese Ziele erreicht sind, wird Deutschland S-M wirtschaftlich nach Kräften unterstützen..."




Der Präsident des Parlaments, Herr ČANAK, sagte u.a.

"Meine Damen und Herren, liebe Freunde, ich begrüße Sie im Namen des Bundesparlaments der Vojvodina...

Im Parlament sind in den letzten 4 Jahren bisher verbotene Themen eröffnet und öffentlich diskutiert worden...das Schweigen über die Donauschwaben Jugoslawiens wurde beendet...ein derzeit wichtiges Ziel der demokratischen Parteien ist es, extrem-nationalistische Strömungen zu verhindern..."




Herr SCHÖN fasste zusammen:

"...als ich vor 5 Jahren in Kač war, bekam ich meine Geburtsurkunde und einen Raki dazu.... Seither sind viele Kontakte auf privater und öffentlicher Ebenene - wie nun auch auf der Ebene der evangelischen Kirche - eingereichtet worden,...mit vielen Küssen beim Kommen und Tränen beim Gehen.
Ich war 5 Jahre alt bei der Flucht und habe kein Problem über unser Schicksal zu reden...
Wir, die Vertriebenengeneration, haben uns in Deutschland zwar wirtschaftlich erholt, jedoch nicht seelisch...
Die Erinnerung an die Schrecken des Krieges bestehen wohl auf beiden Seiten, wenn auch wir dazu neigen, unser Schicksal als schlimmer zu sehen... die jungen Leute sind da unbefangener...
Wir wollen nicht auf altes Unrecht neues Unrecht setzen... wir wollen Wunden auf beiden Seiten schließen...
Wir sind als Christen gekommen, um mit Christen und Europäern zusammen zu kommen."














Banovina-Rückblick um 58 Jahre auf 1946:

(Die Banovina wurde 1935 erbaut und ist heute noch im Originalzustand gut erhalten, Architekt: Jovanović)



Ein kleines Mädchen vor der Banovina 1946:

Ingeborg Sander, 11 Jahre alt, "arbeitete" (fing Ratten und wurde dafür in der kommunistischen Presse abgebildet und gelobt) auf dem Dobanocki-Puszta (der serbische Eigentümer ist 1941 von den Ungarn erschossen worden) bei Srbobran und wurde von einem mitfühlenden Partisanenoffizier (es gab mitunter auch gute Partisanen!) auf seiner Dienstreise mit nach Novi Sad genommen, damit sie nach über einem Jahr der Trennung ihre Mutter wieder sehen konnte.
Da die "blinde Passagierin" nur Bulkeserdeutsch sprach, durfte sie unterwegs, sobald andere Partisanen in der Nähe waren, nicht den Mund aufmachen, oder hätte sie sich als Svabica verraten und er, der Partisan am Steuer des Wagens, wäre von seinen eigenen Leuten bestraft worden.
Bei dieser Gelegenheit entstand dieses Erinnerungsfoto.

















Siebenter, 28.10.04

"Leinen los" für die Rückreise






Chor der Passagiere bei der täglichen Morgenandacht Pfarrer Wagners




Im Mittelpunkt einer seiner Predigten stand die von ihm geförderte Annäherung der Heimatortsgemeinschaft Miletitsch zum ehemaligen Heimatort Miletić










Vortrag von Robert Lahr/Eggenfelden

Generalbevollmächtigter der Fa Daimler-Benz i.R., Bereich Unimog, Osteuropa:

"Humanitäre Hungerhilfe für Donauschwaben, Entstehung, Durchführung, Erfolg."

Zu diesem Thema werden hier seine Ausführungen aus dem Rundbrief, den er zum Weihnachtsfest 2004 als Dank für die gewährte Lebenshilfe in die Heimat unserer Ahnen verteilt hat:

"...Da machten sich auch auf 7 Lastwagen - beladen mit 168.000kg Medikamenten, Kleidung und Lebensmittel im Oktober 2004.
Sie fuhren in die alte Heimat - Batschka und Banat und Srem, um auch den bedürftigen Donauschwaben etwas Licht und Wärme zu Weihnachten als Lebenshilfe in ihre Stuben zu bringen. Wenn dann dort in 2500 Haushalten unserer Landsleute die Gaben der Nächstenliebe - Not und Leid - etwas lindern, dann haben auch wir das Knie gebeugt vor dem Kind in der Krippe - welches für uns alle. als Erlöser auf die Weft gekommen ist. Dann haben einige warmherzige Landsleute, Geschäftsfreunde, Lebensmittelfirmen, Pharmazieunternehmen, Banken, Versicherungen und das Innenministerium Bonn, Abt. Vt, sowie viele andere, den Gedanken von Weihnachten und seinen Sinn begriffen. Weihnachten will, nach altväterweise, nicht im Rausch hoher Festlichkeit begangen werden. Je mehr man diese Tage besinnlich und innerlich erlebt, umso weihevoller sind sie.
Denken wir hierbei nur an die Hirten auf dem Felde von Bethlehem. Auch dort ist das Glück zuerst zu den Armen gekommen, zu den Anspruchslosen, zu den Bescheidenen. Denn wahres Glück, das wissen wir Älteren ja nur zu genau, liegt nicht im strahlenden nach außen hin, es muß uns weit mehr innerüch erfüllen, dann macht es uns wirklich froh. Wird Weihnachten sein wie immer?

Stille Nacht - Heilige Nacht - Weihnacht

Ich wünsche Ihnen, auch im Namen der Donauschwaben in der alten Heimat, frohe Festtage, Gottes reichen Segen, Friede auf Erden, allen Menschen die guten Willens sind, Gesundheit sowie Wohlergehen im neuen Jahr und Danke für die gewährte Lebenshilfe in die Heimat unserer Ahnen.
Mit weihnachtlichen Grüßen
gez. Robert Lahr


Ihr Landsmann Robert Lahr aus Kuczura Sonderbeauftragter
"Humanitäre Hilfe Donauschwaben" Im ev. Luth. Pfarramt,
Landshuter Str. 52, 84307 Eggenfelden

Im übrigen: Für eine Spende ist es niemals
zu früh und auch niemals zu spät.
Konto 33860 Humanitäre Hilfe " Donauschwaben"
bei der Sparkasse Rottal-Inn, BLZ 74351430

Auslandsüberweisungen unter IBAN DE96 7435 1430 0000 0338 60!!








Vortrag von Dr. Zoran JANJETOVIĆ


Historiker des INSTITUTS FÜR NEUERE GESCHICHTE SERBIENS, Belgrad Fach: Nationale Minderheiten in Jugoslawien 1918- 1948 Thema: Donauschwaben und Serben - ein Überblick.

"Zoran Janjetovic:

Die Donauschwaben und Serben - ein Überblick ihrer Beziehungen

Zu ersten Kontakten zwischen Deutschen und Serben kam es Ende des XII. Jahrhunderts als Friedrich Barbarossa mit seinen Kreuzrittern durch Serbien zog und in Niš den damaligen serbischen Herrscher Stefan Nemanja traf. Bald danach finden wir sächsische Bergleute in serbischen und bosnischen Bergwerken. Während der Frühneuzeit gab es zeitweilige Berührungen vor allem durch kaiserliche Diplomaten oder deutsche Kaufleute die durch Serbien ins Osmanische Reich reisten. Nach der türkischen Eroberung kamen auch die geflüchteten Serben, die die kaiserliche Militärgrenze in Kroatien besiedelten, in Kontakt mit deutschen Beamten und Offizieren. Diese Kontakte waren nicht immer erfreulich und haben teilweise schlechte Erinnerungen bei den Serben hinterlassen. Sie waren aber Kontakte mit Einzelpersonen, die ja die staatliche Macht vertraten.

Zu den ersten Kontakten zwischen "einfachen Leuten" der zwei Völker kam es in größerem Umfang erst bei der Ansiedlung der Donauschwaben in das kurz davor befreite Südungarn, das später als die Vojvodina bekannt wurde. Die Deutschen wurden als Bauern und Handwerker angesiedelt, um die Wirtschaftskraft der neuangegliederten Gebiete zu steigern. Sie waren nicht die einzigen Kollonisten, die ins Gebiet kamen, und auch die Mehrheit der Serben ist erst kurz vor ihnen dort aus Serbien und Kosovo eingewandert.
Die Begegnung war nicht unbedingt freundlich. Als ältere Bevölkerung, mussten die Serben oft Häuser für die Kolonisten bauen, die Felder vorbereiten oder die Angekommenen in ihre Häuser aufnehmen. Aus mehreren Orten wurden die Serben ausgesiedelt, um für die Deutschen Platz zu machen. All dies hat gewisse Missstimmung hervorgerufen. Zugleich muss man auch sagen, dass die Sachen trotzdem nicht so schlimm waren: die Serben waren sowieso ziemlich beweglich und oft Halb-Nomaden. Ihre Häuser waren einfach und billig. Außerdem, sowohl für sie, als auch für ihre Felder und ihre Arbeit bekamen sie Entschädigung oder Ersatz.

Wahrscheinlich entstanden ernstere Konflikte aus unterschiedlichen Lebensweisen der Einheimischen und Ankömmlingen. Die Serben (und Rumänen) trieben vor allem extensive Viehzucht; die Deutschen waren überwiegend Ackerbauer. Die Serben brauchten viel Land für ihre Herden und oft achteten sie nicht auf die Saaten der Schwaben. Überdies, im Banat existierte eine starke serbische Vieh-Großhändlerlobby, die manchmal die Kolonisation der fremden Bauern zu stoppen vermochte. Letztendlich waren die Interesse des Hofes maßgebend: die Viehzüchter mussten almählich zurücktreten, und zwar nicht nur buchstäblich. Im Kontakt mit den Donauschwaben, gingen nach und nach auch die Serben überwiegend auf den Ackerbau über. Dies war auch eines der Ziele der Herrscher, die den Ertrag aus der Landwirtschaft erhöhen wollten: die Rolle der Deutschen war nicht nur, den Boden zu kultivieren, sondern auch den "Nationalisten" (wie man Serben und Rumänen zu nennen pflegte), die neuste landwirtschaftliche Technik zu vermitteln. Dies beweist, dass die Obrigkeiten nicht die Schwächung oder gar Eliminierung der einheimischen Bevölkerung vor Augen hatten, sondern dass sie eher an eine Symbiose im Interesse des Staates dachten.
Und zu dieser Symbiose kam es tatsächlich in vielen Orten und auf verschiedenen Ebenen. Vielleicht ist das beste Beispiel dafür die sogenannten "Kolonistenhäuser" (s.Stampfhaustyp). Ihr Prototyp stammte von den Serben, die in Südungarn einen Typ der niedrigen Halb-Erdhütte (s.Serbisches Dorf in Syrmien 17.jhd.) mit einem Vordach bewohnten.



Man kann aber sagen, dass in den meisten Dingen die Deutschen die Lehrer und die anderen Nationalitäten (darunter auch Serben) Schüler waren. Man darf aber auch nicht vergessen, dass letztendlich die kaiserliche Obrigkeit über alles entschied: die Deutschen waren dort ein nützliches Bindeglied, das die entwicklerischen Absichten des absolutistischen Staates an Ort und Stelle realisieren und die Massen der "Nationalisten" in die richtige zivilisatorische Bahn bringen konnte.
Damit kommen wir zur wichtigen Frage, die in nationalistischen Historiographien (vor allem in serbischer und ungarischer) oft aufgegriffen worden war. Es handelt sich um die Beschuldigung, dass der Wiener Hof mit der Ansiedlung der Donauschwaben die Serben bzw. Magyaren zahlenmäßig und wirtschaftlich schwächen, oder sogar germanisieren wollte. Dies stimmt nicht. Vor allem, im XVIII Jh. dachte man nicht "national" wie heutzutage. Außerdem wurden nicht nur Deutsche angesiedelt und viele nicht-deutsche Landbesitzer kolonisierten tüchtige deutsche Bauern auf ihren Ländereien. Die Ziele der Ansiedlung waren wirtschaftlich und teilweise strategisch: man wollte die Grenzgebiete gegenüber der Türkei wirtschaftlich und militärisch stärken. In Erfüllung dieser Aufgabe kamen den verschiedenen Völkerschaften verschiedene Rollen zu: die Serben wurden als Soldaten bevorzugt, die Deutschen und Slowaken als Ackerbauer. Darum wurden manchmal die Serben aus Ackerbaudörfern zu Gunsten der Deutschen ausgesiedelt, und manchmal die Deutschen aus den Dörfern in der Militärgrenze zu Gunsten der Serben. Das längere Nebeneinander und oft Miteinander, die Änderung der Lebensweise der Serben, die Interventionen der Behörden, und die Schwierigkeiten des täglichen Lebens (Hunger, Pest, Türkeneinfälle) haben almählich für friedliche Beziehungen gesorgt.
Die Beziehungen blieben fast ungestört bis zur Revolution 1848. Damals kam es zur unterschiedlichen Einschätzung der Situation, die aus verschiedenen Weltanschaungen entstanden war. Die Serben waren national bewusster als die Donauschwaben, die aus unterschiedlichen Gegenden stammend, teilweise unterschiedliche Dialekte sprechend und in zwei Kirchen gespalten, ihr Nationalbewusstsein erst aufzubauen hatten. Die Serben waren sich gleich der Gefahr bewusst, die der magyarische Nationalismus für die anderen Völker Ungarns darstellte. Die Deutschen nicht: sie waren hauptsächlich an dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Emporkommen interessiert, und national noch nicht wach. Sie hörten sich nur die liberalen Ideen der Magyaren an, die die Erfüllung ihrer Wünsche zu verwirklichen versprachen. Zugleich waren die Serben nicht nur national bewusst, sondern manchmal auch intolerant und gewalttätig, und teilweise (wenn es um die lokale Führung und Einheit ging) undiszipliniert und nicht im Stande für die Ordnung auf dem Territorium, das sie kontrollierten, zu sorgen. Darum sympathisierten die Donauschwaben eher positiv mit den Magyaren, - obwohl stets auf ihr Hab und Gut, Ruhe und Ordnung bedacht. Nur wenn sie dazu gezwungen wurden, nahmen sie an den Kämpfen aktiv teil. (So z.B. in Weißkirchen, wo sie die Stadt gegen den serbischen Angriff verteidigten, - was sich die Magyaren als Ruhmestat in ihre Militärgeschichte einbuchten.) So wurden in mehreren Ortschaften die Beziehungen durch die stürmischen revolutionären Ereignisse gestört.
Die ungarische Revolution war für die Donauschwaben auch wichtig wegen der ersten Manifestation ihres politischen Reifens. Nach der Niederwerfung der Revolution sammelten sich die donauschwäbische Vertreter der Banater Gemeinden und verabschiedeten die (jetzt berühmte) Bogaroscher Petition, in der sie, dem serbischen Beispiel folgend oder den serbischen Bestrebungen nach einer autonomen Wojwodschaft entgegentretend, die Autonomie des Bants verlangten. Daraus ist nichts geworden (wie aus der serbischen Wojwodschaft), aber das Beispiel zeigte, dass, obwohl im materiellen Bereich die Schwaben auf die Serben einwirkten, im politischen Bereich die Situation umgekehr war. Sie wird sich wiederholen am Ende des Jahrhunderts, als serbische und rumänische Nationalkämpfer das Vorbild, für die freilich viel weniger zahlreichen, donauschwäbischen nationalen Erwacher waren.
Unter dem Absolutismus gestalteten sich die Beziehungen kühler als vorher. Deutsch wurde zur Amtssprache und die auf deutsch amtierende Beamten (gewöhnlich polnischer, tschechischer oder slowenischer Herkunft) wie das absolutistische Regime, erweckten anti-deutsche Sentimente unter der nicht-deutschen Bevölkerung. Die Fehler einer deutschsprachigen Bürokratie wurden der deutschen Bevölkerung angelastet. In den 1850-er Jahren, kam es zur seltsamen Annäherung zwischen Serben und Magyaren, die allerdings nur so lange dauerte wie die Magyaren daran interessiert waren. (Sobald sich ihre Autonomie am Horizont abzeichnete, zeigten sie den Serben den Rücken.) Die donauschwäbische Bevölkerung konnte sich aber leichter mit dem Absolutismus abfinden: sie hatte fast keine nationalen oder politischen Bestrebungen und das Regime ermöglichte eine friedliche (und ganz wesentliche) Wirtschaftsentwicklung, jetzt ohne Hindernisse des alten feudalen Systems. In dieser Epoche konnte ein Teil der Donauschwaben ihren wirtschaftlichen Vorsprung anderen Nationalitäten gegenüber vergrößern, was zu nationalen Spannungen in der Zukunft führte.
In 1867 wurde der österreich-ungarische Ausgleich geschlossen. Wie mit dem Absolutismus, und zwar aus gleichen Gründen, konnten sich die Donauschwaben leichter abfinden als die Serben oder Rumänen, die ihre Nationalität bedroht sahen. Dies zeigte sich auch anlässlich der Abschaffung der Militärgrenze die jahrhundertelang einem Teil der Bevölkerung einen Sonderstatus garantierte: die Deutschen, die teilweise in den Grenzorten lebten, begrüßten die Einverleibung in Ungarn weil sie bessere Wirtschaftschancen darin erblickten, während die Serben (und Rumänen) dagegen waren, um ihre Nationalität bangend. Die Abschaffung der Grenze wurde aber als ein Geschäft zwischen dem Herrscher und der magyarische Elite vollzogen: die Bevölkerung wurde nicht befragt, so dass die politische und nationale Leidenschaft nicht aufflackern konnte.
Die Entwicklung unter dem Dualismus streute aber den Samen für künftige Spannungen aus. Aus verschiedenen Gründen, entfalteten die Donauschwaben ihre Wirtschaft erfolgreicher als die Serben und andere Nationalitäten, ihr Landbesitz ausdehnend zum Nachteil des Landbesitzes anderer Nationalitäten. (Dies war besonders auffällig in Slawonien und teilweise in Syrmium, wo die ruinierten slawischen Bauern ihr Land spottbillig an die deutschen Ansiedler verkauften.) Dies erzeugte soziallen Neid und Hass, was leicht als national umgedeutet werden konnte. Andererseits, leisteten die Deutschen, zum Unterschied von Serben und Rumänen, fast keinen Widerstand gegen die immer stärkeren Magyarsierungstendenzen. In vielen Orten ließen sie ihre Schulen magyarisieren, die reichen donauschwäbischen Bauern schickten ihre Söhne in die magyarischen Schulen und an magyarische Universitäten. Die deutschen Aufsteiger traten in die Reihen der ungarischen Bürokratie und Intelligenz ein, ihr eigenes Volk vergessend oder sogar verfolgend. Die breiten Massen der Donauschwaben sind durch magyarisierte Schulen, Kirchen, gesellschaftlichen Einfluß, aber auch durch Jahrzehnte des verhältnissmäßigen Wohlstands, stark ungarnfreundlich geworden. Die Serben dagegen, führten einen immer zäheren Kampf, um ihren Besitz und ihre Nationalität zu erhalten. Im Wirtschaftskampf waren die Deutschen ihre größten Nebenbuhler, im politischen die Magyaren.
Da die Serben und Rumänen in Südungarn so national aktiv waren, ist es kein Wunder, dass die ersten donauschwäbischen nationalen Erwecker in diesen ethnisch gemischten Gebieten erschienen. Das Zusammenleben mit den Serben (und Rumänen) ermöglichte in einer Gegend, in der die Magyaren nur eine Minderheit der Gesammtbevölkerung ausmachten, mit national, aber auch wirtschaftlich vorhandenem (Klein)Bürgertum, das Entstehen der donauschwäbischen Nationalbewegung in Ungarn Ende des 19. Jahrhunderts. Zugegebenermaßen, sie war nie sehr stark: die breite Masse der Donauschwaben blieb nach wie vor ungarnfreundlich und apolitisch. Aber das erscheinen einer kleinen Gruppe nationalbewußter Intelektuellen, hatte große Folgen für die Zukunft. Es ist auch wichtig zu betonen, dass diese Leute nicht nur das serbische und rumänische Beispiel nachahmten, sondern dass sie auch in mehreren Fällen mit serbischen und rumänischen Führern zusammenarbeiteten und mit ihnen freundliche Kontakte hatten. (Es gab mehrere Meetings, bei denen die donauschwäbischen Vertreter neben serbischen, rumänischen oder slowakischen auftraten; manche deutsche Führer wurden mit serbischen oder rumänischen befreundet, was besonders auf der lokalen Ebene wichtig war.)
Der Erste Weltkrieg drohte wieder die ruhige nachbarliche Beziehung zu stören: die Serben wurden als Unruhestifter bezichtet und oft verfolgt. Die Donauschwaben dagegen sympathisierten mit ihrem Herrscher und dem "ungarischen Vaterland". Obwohl es Fälle gab, wo donauschwäbische Beamten die Serben misshandelten, oder wo sich die Deutschen als illoyal gegenüber ihren serbischen Nachbarn zeigten, waren solche Fälle verhältnismäßig selten. Es gab ja auch die umgekehrten Beispiele, wo Deutsche Serben in Schutz genommen haben, was ermöglichte, dass die freundschaftlichen Netzwerke den Krieg überlebten und nachher eine Rolle spielten.
Im Herbst 1918 ging die Habsburgermonarchie zugrunde. Die Serben erwarteten die Vereinigung mit Serbien, und machten auch Vorbereitungen dafür. Die Mehrheit der Donauschwaben, dagegen, wollte eher bei Ungarn bleiben: die Jahrzehnte der Magyarisierung, der Glanz des tausendjährigen Stephansreiches und der ungarischen Elite waren dabei maßgebend. Vielleicht war dies einer der Gründe, dass es (zum Unterschied von den Ortschaften anderer Nationalität - vor allem aber der Serben und Rumänen) in den Umbruchstagen in fast keinem deutschen Dorf zu Plünderungen gekommen worden ist. War dies nur Ordnungs- und Besitzliebe oder eine politische Einstellung? Es ist schwer zu sagen, weil nicht nur Serben und Rumänen, sondern auch arme Magyaren an Plünderungen teilgenommen hatten. Die Opfer dagegen waren vor allem Juden, aber auch die reichen Deutschen und Magyaren. Konnte man daraus den Schluss ziehen, es handelte sich um eine Art Nationalabrechnung als Folge der sehr schlechten ethnischen Beziehungen? Ich glaube nicht. Obwohl die Situation ziemlich chaotisch war, ist es unmöglich, die Habgier als Hauptbeweggrund zu leugnen. In verschiedenen Orten wurden Nationalgarden gebildet, die für Ruhe und Ordnung Sorge tragen sollten, die teilweise national gemischt, und teilweise einheitlich national waren, die aber oft über die ethnischen Grenzen hinweg, zusammenarbeiteten, wenn es um die Erhaltung der Ordnung ging. Außerdem, wenn es sich um eine nationale Rache handelte, wurden die Magyaren, und zwar alle, als Hauptzielscheibe angesehen. Dies war aber nicht der Fall.
Die nationalen Ziele der Serben und der Mehrheit der Donauschwaben waren also in 1918 divergierend. Obwohl die Serben, mit der Hilfe der serbischen Armee die Macht an sich gerissen hatten, war es die Friedenskonferenz, die die eigentlichen Grenzen gezogen hatte. Dies und gewisse Erleichterungen auf dem Gebiet des Schulwesens, ermöglichten den Donauschwaben sich mit dem neuen Staat abzufinden. Sie waren sowieso überwiegend an der Wirtschaft interessiert, obwohl der Erste Weltkrieg ihr Nationalbewusstsein teilweise erweckt hatte.
Im neuen Staat übernahmen die Serben die Rolle der Deutschen im Habsburgerreich: sie waren nicht immer so federführend als die andere Nationalitäten das vernahmen, aber wegen der Rolle in der Bürokratie, Armee und wegen des Herrscherhauses, wurden sie für alles Schlechte im Staat verantwortlich gemacht. Und da vieles nicht in Ordnung war, war es leicht den Serben die Schuld zuzuschreiben, besonders da sich manche Hitzköpfe ihre neugewonnene nationale Freiheit zu intensiv auszuleben trachteten, die Rechte und Empfindlichkeiten anderer missachtend.
Jugoslawien war kein Rechtsstaat und die ganze Bevölkerung musste darunter leiden, und die nationalen Minderheiten ganz besonders. Die Situation der Minderheiten war aber sehr unterschiedlich, und so unterschiedlich war auch manchmal die Situation einer gleichen Minderheit in verschiedenen Landesteilen. Die Deutschen waren in dieser Sonderlage: ihre Lebensbedingungen waren viel schlechter in Slowenien oder sogar Slawonien, als in der Vojvodina. Der Grund lag nicht in etwa größerer Toleranz der Serben, sondern in objektiven Umständen die dort vorherrschten. Erstens, hatten die Serben und sogar Slawen, keine Mehrheit in der Provinz. Zweitens, die Magyaren, und nicht die Deutschen wurden dort (zum Unterschied von Slowenien) als Hauptgefahr betrachtet.Am Anfang wollte man andere Nationalitäten von den Magyaren trennen. Darum bekamen die Donauschwaben in den ersten Nachkriegsjahren deutsche Schulen, bzw. Klassen; darum konnten sie ihren

"Schwäbisch-Deutschen-Kulturbund"



gründen, mit allen anderen Organisationen, die aus ihm hervorgewachsen waren. Die Gunst der Behörden dauerte aber nicht lange, und bald mussten die Donauschwaben vieles über sich ergehen lassen. Ihre Lage blieb aber besser als im Vor- oder Nachkriegsungarn, wenn man die politischen Einflußmöglichkeiten und das Schulwesen betrachtet. Auch der Kulturbund konnte, trotz der Hindernisse, eine verhältnismäßig starke, und durchaus wichtige Tätigkeit entfalten. Die Wirtschaft konnte unter den schweren Nachkriegsbedingungen nicht so florieren wie vor dem Krieg, aber so war die Situation allgemein. Die Donauschwaben verloren durch die Agrarreform wenig als Enzelbesitzer/Bauern und ihre Gemeinden auch nicht allzu viel. Aber die armen Donauschwaben haben durch die Agrarreform nichts gewonnen, während sie ihr Brot verloren, das sie vorher auf den Großgrundbesitzen verdienten. Als Volksgruppe, konnten sie sich trotz allem, wirtschaftlich behaupten, und sogar etwas Land von Andersnationalen kaufen. Ihre Lage war also nicht unerträglich, obwohl sie viel zu wünschen übrig ließ.
Das wichtigste Ergebnis des Lebens in Jugoslawien war das almähliche nationale Erwachen, besonders der jüngeren Generationen, die keine ungarische Ausbildung genossen und keine persönliche Erfahrung mit dem Leben unter der Stephanskrone gemacht hatte. Dies wurde aber dadurch gefährlich, da es sich zur gleichen Zeit ereignete, als der Nazi-Einfluß in Deutschland und Österreich wuchs. Die jungen Intelektuellen, die an deutschen und österreichischen Hochschulen studierten, brachten NS-Gedankengut nach Jugoslawien und versuchten es zu benutzen, um die alte Minderheitenführer, die sie als uneffektiv und korrupt betrachteten, zu beseitigen und die Lage der Volksgruppe mit stärkerer Anlehnung an Deutschland zu verbessern. In diesem innerdeutschen Kampf lavierten die jugoslawischen Behörden, um die deutsche Minderheit zu schwächen und das immer mächtiger werdende Hitler-Reich nicht zu ärgern. Die manchmal provozierenden Manifestationen des neuen Geistes störten aber die interethnische Beziehungen.
Bis zur Radikalisierung der allgemeinen deutschen Innen- und Außenpolitik, die zum Krieg führen sollte, konnten die jungen Intelektuellen nicht den Sieg davontragen. Erst mit der Unterstützung aus dem Reich 1938/39, konnten sie ans Ruder kommen: Deutschland führte zwar eine friedliche und freundliche Politik gegenüber Jugoslawien, wollte aber die deutsche Minderheit im Lande (wie überall in Europa) unter seiner Kontrolle haben.
Es stellt sich die Frage, ob die Deutschen in Jugoslawien, und besonders die Donauschwaben in der Vojvodina, eigentlich nazifiziert worden waren. Es gibt keine festen Beweise, aber man kann mit ziemlich großer Sicherheit vermuten, dass die Antwort negativ ausfallen muß. Die einfachen und praktischen Bauern waren schlecht geeignet als Konsumenten einer abstrusen Ideologie, die über Rassenwahn und Ähnliches faselte. Die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage war ganz anders als in Deutschland (es gab mehr Bauern als Stadtbewohner, ein großer Teil der Donauschwaben war nach wie vor ungarnfreundlich, die Massen waren noch immer ziemlich religiös, die Reicheren waren konservativ und friedlich usw.) Die äußere Gleichschaltung der volksdeutschen Organisationen und die Schreibweise ihrer Presse provozierten aber die nationalgesinnten (aber auch die links-orientierten) Serben. Darum war die Situation in den letzten Vorkriegsjahren gespannt, obwohl überwiegend ruhig.
Zum deutschen Angriff auf Jugoslawien kam es wegen der Gründe, die nichts mit den Donauschwaben zu tun hatten. Auch die Rolle der Volksdeutschen war im Aprilkrieg bei weitem nicht so bedeutend wie die kommunistische Historiographie es nachträglich zu malen versuchte. Es gab fast keine Ausschreitungen gegen die Deutschen (über die die deutsche Propaganda berichtete), und die bewaffneten deutschen Gruppen hatten nur hie und da offensive Aktionen unternommen. Man konnte aber nicht leugnen, dass die Donauschwaben mit Begeisterung die deutschen Soldaten begrüßten: dies war die Folge des zugenommenen Nationalbewusstseins, das von der deutschen Propaganda und vor allem von den außenpolitischen Erfolgen Deutschlands genährt worden war.
Nach der Niederlage Jugoslawiens, wurde die Vojvodina verteilt: Syrmium wurde an Kroatien gegeben, die Batschka mit Ungarn wiedervereinigt und das Banat blieb beim okupierten Serbien als autonomes Gebiet, in dem die volksdeutschen Führer die Hauptrolle spielten. In Syrmien konnten die Deutschen mit den Kroaten die Macht teilen. Sie benutzten dies oft, um den verfolgten Serben zu helfen. In der Batschka, waren sie fast ebenso machtlos wie die Serben, obwohl sie mit Enthusiasmus den deutsche Kriegseinsatz unterstützten - besonders in den ersten Kriegsjahren. Im Banat trugen sie die größte Verantwortung, was manchmal zum Amtsmissbrauch führte. Sie waren dort bevorzugt, aber die Serben konnten trotzdem Beamtenposten bekleiden. Außerdem, hatten die Deutschen auch die größten Verpflichtungen.
Die wichtigste war ja der Militärdienst. Wie freiwillig man ihn leistete, ist eine große Frage. In der Batschka konnte man beobachten, wie die Begeisterung almählich abflaute, bzw. man konnte schon am Anfang sehen, dass viele "Freiwillige" eigentlich ganz irdische Motive hatten. Ähnlich war es vermutlich anderswo. Die Kriegsverbrechen, die die volksdeutsche Einheit hie und da begangen hatte, wurden nach dem Krieg übertrieben und mit den Verbrechen der anderen verschmolzen, während die Verbrechen anderer Kriegsparteien verschwiegen wurden. Das Verhalten der Donauschwaben war eigentlich nur ein Vorwand, um der deutschen Volksgruppe ledig zu werden.
Die Träger der Idee der Eliminierung der deutschen Minderheit waren nationalistische Politiker, und zwar nicht nur serbische. (Es scheint, dass unter den "bürgerlichen" Politikern die slowenischen eigentlich wichtiger als die serbischen waren; teilweise weil sie Kontakte zu den Kommunisten hergestellt hatten.) Die Vollstrecker aber waren die Kommunisten, die lange auch die deutsche Bevölkerung für sich gewinnen wollten. Wann die Entscheidung darüber getroffen wurde, wissen wir nicht ganz genau. Wir wissen auch nicht, wer die Hauptbefürworter so einer "Lösung" waren. Allerdings, es steht fest, dass die Entscheidung in höchsten Kreisen der kommunistischer Führung getroffen wurde, und zwar für ganz Jugoslawien, unter Teilnahme kommunistischer Führer verschiedener Nationalitäten - darunter auch serbischer.
An den Verbrechen, Plünderungen, Erschießungen und Misshandlungen im Herbst 1944 und während der Lagerzeit bis 1948 haben ja manche Serben eine schmachvolle Rolle gespielt und dadurch mehrfach manche böse Taten mancher Donauschwaben aus der Kriegszeit vergolten. Es gab auch solche Serben (und Andersnationale), die ihren ehemaligen Nachbarn helfen wollten. Da dies damals schwer und sogar gefährlich war, ist es schwer zu sagen, wieviele Serben mit den Donauschwaben während ihres Leidensweges sympatisierten. Die neue kommunistische Regierung aber benutzte das donauschwäbische Vermögen, um die Loyalität der überwiegend serbischen Kolonisten (zum gößten Teil Partisanen aus Bosnien, der Herzegowina und Montenegro) zu erkaufen, die wenig oder nichts über die Leute in deren Häuser sie gekommen sind, wussten. Erst in den 1990-er Jahren begannen ihre Nachkommen Interesse für das Thema zu zeigen. Auch die ehemaligen Nachbarn dürfen jetzt freier über die zweihundertjährigen Beziehungen der Serben und Donauschwaben diskutieren. Wenn es ein Trost sein kann, der kommunistische Mythos vom "bösen Schwaben" wird heutzutage schneller demontiert als mancher andere. Gleichzeitig, muss man auch zugeben, dass das Thema Donauschwaben für die Mehrheit der serbischen Bevölkerung in der Vojvodina auch nicht sehr interessant ist: der tägliche Kampf ums Überleben und die bewegte Geschichte seit 1948 haben das Schicksal der Donauschwaben in der öffentlichen Diskussion weitgehend zurückgedrängt. Auch die nationale Radikalisierung eines Teiles der Bevölkerung trägt nicht dazu bei, dass ihm mehr Aufmerksamkeit in den Medien gewidmet wird."

Anmerkung:
Nach einer vorausgegangenen Anfrage hat Herr Janjetovic mit folgender E-Mail der Veröffentlichung seines Vortrages zugestimmt:
"Sehr geehrter Herr Stephan,
vielen Dank für Ihre Mail. Ich schicke Ihnen gerne den Text meines Vortrags. Meine einzige Bitte wäre, ihn vor der Veröffentlichung auf der HP, grammatisch zu verbessern, wo es nötig ist. Als Historiker bin ich immer froh, wenn ich ein breiteres Publikum ansprechen kann, da ich finde, dass die Arbeit eines Historikers nur dann ihren wahren Sinn hat: Keine Wissenschaft kann wegen ein paar Fachleuten existieren. Und wenn die Geschichtsschreibung zur Versöhnung und zum besseren Verständnis der Völker beitragen kann, bin ich besonders zufrieden.
Ich wünsche Ihnen alles Gute im Neuen Jahr und hoffentlich noch einige Reisen in die alte Heimat.
Mit freundlichen Grüßen
Zoran Janjetovic "




Achter Tag, 29.10.04

Dr. Bernhard LAMERS, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Außenstelle Belgrad/Serbien Montenegro (SM)
www.kas-bg.org
Als Thema seines Referates - auf der Rückreise zwischen Budapest und Komarom - wählte er:

"Perspektiven für Serbien und Montenegro aus der Sicht Deutschlands"



Im Bild von links nach rechts:
Dr. Bernhard Lamers, Herbert Schön und Hildegard Gutekunst


Die KAS leistet mit ihrer Arbeit in Belgrad einen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zu Deutschland.
Zu dieser politischen Tätigkeit gehört die Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im ehemaligen Jugoslawien. Die KAS unterhält von der Zentrale in Belgrad ausgehend Außenstellen in Zagreb, Sarajewo und Skoplje und ist in diesen Ländern/Regionen DIALOG - Partner der Europäischen Volksparteien (EVP).
Siehe EXKURS: Parteienlandschaft und Wahllisten
Die Demokratische Partei DSS, Vors. Vojislav KOSTUNICA, die Mitte-rechts, konservativ, national orientiert ist, Beobachterstatus bei der EVP hat und von der KAS unterstützt wird. Ministerpräsident ist derzeit Miroljub LABUS von der G17 Plus, die auch Beobachterstatus bei der EVP hat und als Zentrumspartei wirtschaftsliberal orientiert ist.
Dann gibt es noch die Demokratische Partei Serbiens DS, deren Vorsitz seit der Ermordung von Zoran DJINDJIC verwaist ist. Stv. Vorsitzender und Verteidigunsminister ist Boris TADIC. Diese Mitte-links-Partei hat Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationalen, deren DIALOG-Partner analog der KAS die Friedrich-Ebert-Stiftung ist und von dieser unterstützt wird.
Ministerpräsident LABUS wurde von der KAS nach Deutschland eingeladen zu Gesprächen mit Außenminister FISCHER und Wirtschaftsminister CLEMENT.
Vor den letzte Wahlen in Serbien waren Vertreter der G17 PLUs-Partei zum politischen Training bei der KAS in Deutschland. Ebenso befand sich auf Initiative der KAS eine überparteiliche Delegation aus Serbien zu einer Informationsveranstaltung in Deutschland. Thema: "Wie kann die Arbeit der Geheimdienste besser kontrolliert werden?"
Solche Zusammenarbeit (Schulungen/Infos) mit serbischen Politikern nimmt von Woche zu Woche zu. Es ist ein holperiger Weg mit vielen offengelegten Wunden im 5. Jahr der Demokratisierung, der Transformation vom Kommunismus zur Demokratie. In diesem Prozeß der Annäherung an unsere demokratischen Verhältnisse spielen die Kirchen (z.B. das Hilfskomitee für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.) und die verschiedenen Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle.
Offene Fragen: Religionsunterricht in den Schulen Serbiens; Vergangenheitsbewältigung im Sinne von Gustav HEINEMANNs These von "Verantwortung und Scham"; Serben reden über ihre Verdrängung aus dem Kosovo, aber nicht darüber, was 1945 mit den Donauschwaben geschah; serbische orthodoxe Kirche zerfällt in viele Richtungen.
Finanzielle und organisatorische Unterstützungsprojekte der KAS: Tagung der evangelischen und der Orthodoxen Kirchen in Deutschland: "Symposion über den Weg der Orthodoxie in Europa" mit Beteiligung von Frau LAMERS, der früheren Kulusministerin von Mecklenburg-Vorpommern.
Unterstützung des Ministeriums für ethnische Minderheiten zur Anerkennung eines Toleranzdokuments, das die Rechte der Minderheiten von Srebrenica über Skoplje bis Novi Sad gewährleistet.
Im Kosovo wurde ein Treffen rivalisierender Gruppen organisiert, um das weitere Zusammenleben zu regeln.
Für Montenegro wurde eine Parlamentarierberatung in Partnerschaft mit Mecklenburg - Vorpommern eingerichtet.
Es gibt Richterschulungen und Seminare zum Thema Frauen und Politik. Im gleichen Sinne sind im Kosovo viele internationale Organisation für die dort lebenden Serben, Türken und Albaner tätig.
Eine ethnisch gemischte Bürgermeisterdelegation wurde für November nach Deutschland eingeladen zur Fortbildung hinsichtlich kommunalpolitischer Themen.
Dies alles geschieht zur Vorbereitung Serbiens und Montenegros auf ihrem voraussichtlich getrennten Weg nach Europa.
Das kostet zwar einiges, aber bei weitem nicht soviel wie die Friedensmission unserer Bundeswehr im Kosovo: 1 Milliarde EURO pro Jahr!
[Erhard Busek, EU-Beauftragter: Europäische Staaten und Organisationen haben in den letzten 5 Jahren 25 Milliarden EURO in Südosteuropa für die Kriegsfolgenbeseitigung und die militärische Friedensmission investiert.]
Angesichts von 60-70% Arbeitslosigkeit in SM geht es darum nationalistische Strömungen, die erfahrungsgemäss im Bürgerkrieg enden, rechtzeitig mit friedlichen Mitteln zu verhindern.


Bereits lange vor der Konrad-Adenauer- und der Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich ein großer Deutscher für Serbien interessiert: Johann Wolfgang von Goethe wollte serbisch lernen, um den Kosovo-Zyklus im Original zu lesen. (Rechts im Bild: Goethe in der Campagna, das klassische Porträt von Heinrich Wilhelm Tischbein aus dem Jahr 1787, - als in Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Kischker, Sekitsch, Siwatz, Schowe, Bulkes und Jarek noch fleißig angesiedelt wurde.)


Die KAS hat mit den in Serbien lebenden Donauschwaben keinen Kontakt. Die Donauschwaben sind eine von 35 ethnischen Gruppen in der Vojvodina.
[Keine Stellungnahme der KAS gab es zu den von der Landsmannschaft der Donauschwaben seit Jahren erhobenen Vorbedingungen für die Aufnahme eines offiziellen Dialoges mit serbischen Regierungsvertretern:
Entschuldigung für Verbrechen,
Rücknahme des AVNOJ-Beschlusses und
Entschädigung für die Vermögensverluste.]



EXKURS: Parteienlandschaft und Wahllisten (Quelle: KAS/AUSLANDS-INFORMATIONEN 4/04)
Im Dez.2003 waren 274 Parteien registriert, davon gehörten 28 dem Parlamment an. Zu den vorgezogenen Wahlen am 28. Dez.03 traten 19 Parteien an.
Kurzportrait von 6 Parteien, die den Einzug geschafft haben:
SRS - Radikale Partei Serbiens
Vorsi.: Vojislav Seselj (z.Zt. in Den Haag vor Gericht), Stellv.: Tomislav Nikolic
Progr.: konservativ-nationalistisch, patriotische Rechtspartei, will Fortbestand der Union Serbien-Montenegro, lehnt den intern. Gerichtshof in Den Haag ab, volle Souverenität SM inklusive Kosovo...Slogan: Radikalno bolje (Radikal besser), 27,6%.
DSS - Demokratische Partei Serbiens
(Beobachterstatus bei der EVP)
Vorsi.: Vojislav Kostunica
Progr.: Mitte-Rechts-Partei, für Fortbestand der Union Serbien-Montenegro und für Mitgliedschaft in der EU, kritisch gegenüber Arbeit des intern. Gerichtshofs in Den Haag, Beibehaltung der Grenzen, einschl. Kosovo, Regionalisierung der Provinzen...Slogan: Rec je rec (Ein Wort ist ein Wort), 17,7%.
DS - Demokratische Partei Serbiens
(Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationale)
Vorsi.: Seit der Ermordung von Zoran Djindjic verwaist, Stv.: Boris Tadic
Progr.: Mitte-Links-Partei, für EU-Integration und NATO-Beitritt, für Bundesstaat Serbien-Montenegro, will mit intern. Gerichtshof zusammenarbeiten, pragmatische Haltung in Kosovofrage...Slogan: Buducnost odmah (Zukunft sofort), 12,6%.
G17 Plus
(Beobachterstatus bei der EVP)
Vorsi.: Miroljub Labus
Progr.: Zentrumspartei, wirtschaftsliberal, schnelle Integration Serbiens in EU, Auflösung von Serbien-Montenegro und Einbindung in euro-atlantisches Bündnis, Abspaltung des Kosovo wird nicht ausgeschlossen, will Zusammenarbeit mit intern. Gerichtshof in Den Haag, Steuersenkung, Freihandel...Slogan: Srbija na 1. mestu (Serbien an 1. Stelle), 11,5%.
SPO Serbische Erneuerungsbewegung
Vorsi.: Vuk Draskovic
Progr.: Mitte-Rechts, monarchistisch, will Rechtsstaatlichkeit, freie Marktwirtschaft, Erneuerung von regionalen und internationalen Beziehungen, Integration in die EU als parlamentarische Monarchie, bekennt sich zur kritischen Kooperation mit dem intern. Gerichtshof in Den Haag, über Fortbestand von SM und den Status von Kosovo soll demokratisch entschieden werden... NS-Neues Serbien
Vorsi.: Velimir Ilic
Progr.: Mitte-Rechts, monarchistisch, will absoluten Bruch mit der fünf Jahrzehnte währenden kommunistischen Herrschaft und all ihren Auswirkungen (!), Ziel: parlamentarische Monarchie und EU-Beitritt, NS bekennt sich zu kritischer Kooperation mit dem intern. Gerichtshof in Den Haag, Staatenbund SM und Kosovofrage vertreten NS und SPO deckungsgleiche Ansichten,...
Listenverbindung von SPO/NS hat 7,7% erreicht
SPS/Sozialistische Partei Serbiens
Vorsi.: Slobodan Milosevic, Stellv.: Ivica Dacic, Stellv. politischer Parteileiter: Dragan Andjelkovic
Progr.: autoritär-sozialistisch/national kommunistisch, intern. Gerichtshof in Den Haag wird als Instrument der Siegermächte betrachtet, will Fortbestand der Union SM, ist laut Programm für die EU Integration, inklusive Kosovo soll die Integrität Serbiens erhalten bleiben, möchte den andauernden Privatisierungsprozeß revidieren,...Slogan: Prva ljubav zaborava nema (die erste Liebe vergisst man nicht), 7,6%.
Resümee:
Die neue serbische Regierung unter der Leitung von Vojislav KOSTUNICA/DSS als Premierminister ist ein Minderheitenkabinett, da eine Koalition mit der zweitstärksten Demokratischen Partei Serbiens/DS wegen unüberbrückbarer Spannungen der beiden Reformparteien nicht zustande kam. Nun stützt sich die Minderheitenregierung auf die 22 Stimmen von Milosevic's Sozialistischer Partei Serbiens/SPS, während die Demokratische Reformpartei Serbiens/DS zusammen mit der stärksten Fraktion der Radikalen Partei Serbiens/SRS in der Opposition ist.
Damit stehen Serbien und Europa vor einem Dilemma. Der Westen, insbesondere Javier Solana, forderte immer wieder eindringlich eine serbische Regierung, die sich ausschließlich aus Reformparteien ohne die Beteiligung der SPS oder der SRS zusammensetzt. Zwar ist die SPS nicht in der Regierung vertreten, aber die Regierung kann ohne die parlamentarische Unterstützung der Sozialisten Milosevic's nicht regieren.





Neunter Tag, 30.10.04

Heimreise letzter Tag, höchste Zeit für Erinnerungsfotos:




Helmut Bischof (links im Bild) mit seiner Tischgruppe



ERGEBNIS der Schiffs-Reise in die Batschka/Vojvodina

Was Zeitungen in Belgrad und Karlsruhe berichteten:

"POLITIKA" Belgrad, 7.11.2004


Interviews mit Nenad STEFANOVIC, Herausgeber des Buches "Ein Volk an der Donau" (Jedan svet na Dunavu)

Donauschwaben besuchen die Vojvodina Versöhnung bei "Tamburica"-Klängen

Die Überlebenden der Lagerfolter oder die vor dem Einmarsch der Roten Armee ihre Heimat verlassenden Deutschen sind auf gleichem Wege wie ihre Ahnen in die Vojvodina gekommen.

Unter dem Slogan "Für Dialog, Frieden und Versöhnung" hat das Schiff "MS Sofia" mit 200 Donauschwaben an Bord am provisorischen Zollhafen Sremska Kamenica (Kamenitz) angelegt. Das ist der erste "Massen"-Besuch ehemaliger Bürger Jugoslawiens in ihrem Geburtsland, der seine Bedeutung dadurch unterstreicht, dass er im Einvernehmen mit dem Exekutivausschuß der Autonomen Provinz Vojvodina und einigen Kommunalverwaltungen von Ort- schaften zustande kam, wo die Deutschen gelebt haben.
Nebel und eisiger Wind über der Donau decken sich nicht mit der Stimmungs- kulisse an Bord, wo die gut aufgelegten Donauschwaben ihr Abendessen ein- nehmen, wobei sie den Darbietungen des "Betyaren"-Ensembles "Kunst und Kultur" aus Katsch folgen.
Es herrscht eine sentimentale Atmosphäre an Bord, die Erinnerungen an die Kindheit in der Vojvodina wachruft. Der angenehme Tamburica-Klang öffnet die Seiten des Lebens. Während die bulgarischen Kellner bedienen und bei jeder Darreichung nicht vergessen "Bitteschön" zu sagen, unterhalte ich mich mit Herbert HEINTZ aus Rüsselsheim bei Frankfurt/Main.
Herr HEINTZ, Jahrgang 1928, geboren in Werbass, aber mit seinen Eltern in Neusatz lebend, hat die serbische Grundschule "Svetozar Miletic" besucht und spricht deshalb gut Serbisch ohne jeglichen Akzent, weder schwäbischen noch den der "Jenseitigen" (Bem. des Übersetzers: Precanski - jenseitig - oder lalinski sind belächelte Akzente der Vojvodinaer Bevölkerung), also reines Schulserbisch konserviert aus Zeiten des Königreichs Jugo- slawien. Der 2. Weltkrieg hat seine Schulzeit im Gymnasium "König ALEXANDER der I." unterbrochen. Er besuchte darauf das Deutsche Gymnasium in Wer- bass, um am 8.10.1944 mit der gesamten Verwandtschaft die Heimat zu verlassen. Sie haben in Neusatz in einem 4-geschossigen Wohnhaus gelebt, in der Straße Vladike Platona in unmittelbarer Nähe der Banovina. Dieses Haus war das Ergebnis einer unermüdlichen Arbeit seines Vaters, von Beruf Bauingenieur, den auch sein Sohn danach in Deutschland ergriffen hat. Ich frage ihn direkt, ob die Serben die Rückkehr der Deutschen befürchten müßten. Er winkt ab: "Das sind Gerüchte, die man auch in Polen und Tschechien zu hören bekommt, alles nicht ernst zu nehmen. Niemand will zurückkehren, höchstens als Tourist. Ich habe Jugoslawien mindestens 10mal als Tourist besucht, u.a. ein orthodoxes Kloster in Cetinje/Montenegro. Ein junger Mönch wollte mir nicht glauben, dass ich Deutscher bin." Er ist Abonnent der Werbasser Lokalzeitung GLAS, aus der er gelegentlich wichtige Artikel für die donauschwäbische Heimatpresse übersetzt. Sowohl in Deutschland als auch in Exjugoslawien pflegt er gute Kontakte zu Serben (und Kroaten). Nur einmal hatte er einen unerfreulichen Disput nach dem NATO-Bombardement (auf die Neusatzer Brücken), aber dieser Umstand war der jeweiligen Propaganda zuzuschreiben.
"Freundschaften bleiben" sagt Herr Heintz und setzt in guter Absicht fort: "Ich wünsche mir, dass sich die politische Situation in Serbien bessert, damit das Volk angenehmer leben kann, nach all dem, was ihm die Geschichte zugefügt hat".

Annäherung zweier Dörfer

Das bulgarische Schiff gehört zur Luxusklasse mit allen Annehmlichkeiten. Die Passagiere haben es genossen, 6 Tage auf der Donau zu verbringen, die erforderlich sind für die Hin- und Rückreise Passau -Neusatz - Passau. Dazu kamen noch 3 Tage Aufenthalt auf Land (Neusatz und Heimatorte). Die Reise betrug 650,- €/Person. Das reichliche und gut schmeckende Essen zeugt von einem angemessenen Preis.
Von der geistigen Ebene der Reise spricht der evangelische Pfarrer aus Reuttlingen, Manfred WAGNER. Er arbeitet schon 4 Jahre lang an der Annäherung zweier Dörfer, Srpski Miletic/Vojvodina und Schönaich/BW, wo viele Deutsche, gebürtig aus Miletic, leben. Die Beziehungen haben 60 Jahre lang auf Eis gelegen, sind dann aber dank zweier Kirchen wieder aufgenommen worden.
"Nach Miletic bin ich dank des Batschkaer Fürstbischofs IRINEJ gekommen, ohne seinen Segen und Verständnis wäre es nicht zur Annäherung gekommen" sagt Wagner und setzt fort, dass das Ziel der gegenseitigen Kontakte eine gute Beziehung zwischen den Jungen sei. "Der Jugend gehört die Zukunft." Nächstes Jahr kommt eine Jugendgruppe von Miletic nach Schönaich in der Absicht, nicht den Kontakt zu verlieren.
Mit dem Schiff ist auch der in Serbien häufig weilende Gast Robert LAHR - gebürtig aus Kutzura - angereist. Herr Lahr ist der Hauptorganisator humanitärer Hilfe, die regelmäßig 2500 Familien in Serbien zugute kommt. Die Bedingungen für die Annahmeberechtigung sind ziemlich klar: Donau- schwäbische Familien, Mischehen mit Deutschen, Juden mit Deutsch als 1. Umgangssprache, Alter über 60 Jahre und Bedürftigkeit. Ein Hilfspaket wiegt 50 kg und beinhaltet konservierte Lebensmittel, Oel, Zucker, Hygieneartikel und Textilien.
Angesiedelt vor 3 Jahrhunderten

Herr LAHR ist genau, die Zahlen kennt er auswendig, belegt sie mit Dokumenten. Er ist ein Mensch, dessen Bilanzen stimmen, alles in allem sehr zuverlässig. Eine Sendung humanitärer Hilfe beläuft sich auf 200.000,-€ einschl. Transportkosten. Die Sponsoren setzen sich aus staatlichen Instanzen und Großfirmen wie Nestle, Knorr und Henkel zu- sammen. "Der letzte Konvoi mit Hilfsgütern" mußte 3 Wochen auf seine Abfertigung an der Grenze warten. Die Papiere waren vollkommen in Ordnung, auf Hilfsgüter wird keine Zollgebühr erhoben, aber wir mussten auf verschiedene Kommissionen und Inspekteure warten, um die Ladung überprüft zu bekommen.
Die Donauschwaben sind vor 3 Jahrhunderten in der Vojvodina angesiedelt worden, hauptsächlich auf Flößen (Ulmer Schachteln) in Ulm eingeschifft und in Apatin ausgeladen. Ihr Schicksal im Donaugebiet ist besiegelt worden durch die AVNOJ-Beschlüsse (3. Sitzung am 11.11.44), als sie kollektiv der vom Nazi-Regime begangenen Verbrechen auf dem Gebiet von Gesamtjugoslawien für schuldig erklärt wurden. Man entriss ihnen die bürgerlichen Rechte, das bewegliche und unbewegliche Vermögen wurde enteignet. Tausende von Zivilisten litten durch Hunger und Krankheit in improvisierten Lagern. So wie unser bekannter Germanist, Prof.Dr. Zoran ZILETIC, sagt: "Ein Krieg hat eine 250 Jahre währende Land(Ackerbau)-Zivilisation verschlungen zwischen Horgosch und Gardosch."
Die Überlebenden der Lagerhölle und die rechtzeitig vor dem Einmarsch der Roten Armee die Heimat verlassenden Deutschen sind auf gleichem Wege wie ihre Ahnen diesmal als Besucher in die Vojvodina gekommen. Ihrer Ansicht nach ist es an der Zeit, dass die Donau ein Fluss für Verständigung und Zusammenarbeit werden müßte.
Nenad Stefanovic
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim>
Quelle: "POLITIKA" vom 7.11.04






"BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN" Karlsruhe, 9.11.2004

Kreis Karlsruhe/Novi Sad. Der ergreifendste Moment war für Werner SCHÜSSLER der ökumenische Gottesdienst in der orthodoxen serbischen Kirche im ehemaligen Neusatz dem heutigen Novi Sad: "Dort hat der serbische Bischof seine Ansprache wegen unseres Besuchs sogar teilweise in Deutsch gehalten, ebenso wie die Liturgie", erzählt der Karlsruher. Und als eine Serbin ihn aufforderte, doch am Abendmahl teilzunehmen, war für SCHÜSSLER endgültig klar, dass die Deutschen in ihrer ehemaligen Heimat willkommen waren.
Knapp 200 Donauschwaben zum großen Teil noch aus der "Erlebnisgeneration" ‚ aber auch Kinder und Enkel hatten sich zu einer "Friedensfahrt" in ihre alten Siedlungsgebiete in der Vojvodina im heutigen Serbien aufgemacht, um so Organisator Herbert SCHÖN, "in Frieden von der Jugendheimat Abschied zu nehmen" (wir berichteten}. Dass dies gerade für die Älteren nicht einfach war, wusste auch das "Hilfskomitee für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien", das die Reise auf die Beine gestellt hatte. Zu schrecklich sind noch immer viele Erinnerungen an das unermessliche Leid bei der Vertreibung der Donauschwaben, zu viele Angehörige verloren damals ihr Leben.

"Ich war sehr positiv überrascht, wie gastfreundlich wir aufgenommen wurden", erzählt SCHÜSSLER, der gemeinsam mit seinem Bruder und der über 80-jährigen Mutter dabei war. Auf beiden Seiten - bei Deutschen wie Serben - sei nichts von Rachegefühlen oder ähnlichem zu spüren gewesen. "Wir wurden sogar mit Kirchengeläut und Kinderchören empfangen", bestätigt SCHÖN. Die Besucher hatte er im Vorfeld bei den serbischen Behörden und in den alten Heimatgemeinden angekündigt - "um jegliches Misstrauen von vornherein zu unterbinden", sagt er. Schließlich hatten radikale serbische Parteien bei den kurz vorher stattgetundenen Provinz- und Gemeinderatswahlen gegen die Donauschwaben gehetzt: "Die Schwaben kommen und wollen ihre Häuser zurück, hieß es da", sagt SCHÖN. Die Versöhnungsgesten und der gemeinsame Blick nach vorn - geplant sind Schüleraustauschprogramme. Deutsch als Fremdsprache im Kindergarten und europäische Jugendlager - bewiesen jedoch das Gegenteil.

Doch auch der Blick zurück und die Aufarbeitung der Vergangenheit sind kein Tabu mehr. So hat eine von serbischer Seite eingesetzte "Wahrheitskommission" zur Aufklärung der Geschichte zwischen 1944 und 1948 vor vier Wochen ihren Abschlussbericht vorgelegt. In dem wurden die Verbrechen an den Donauschwaben klar benannt "und nicht diplomatisch verklausuliert", sagt SCHÖN. Der will im Oktober 2005 die Fahrt wegen der großen Nachfrage wiederholen.
Von unserem Redaktionsmitglied Ulrich Schweizer





"MAGYAR SZO" Novi Sad 4./5. Dezember 2004

Treffen mit der Heimat

Vielerlei Gedanken bewegten die 200 unlängst auf dem bulgarischen Luxus dampfer "MS Sofia" Anreisenden von Ulm (besser Passau) bis Neusatz. Manche kamen zum ersten Male nach 60 Jahren wieder ins ehemalige Haus, in ihre Urheimat, die Vojvodina. Wie einzelne Reisende, die Leiter der Diakonie und des Hilfskomitees sowie deren Arbeitskollegen berichteten, haben 3 Generationen diese unvergeßliche Reise unternommen. Es gab Familien, die mit Großeltern, Eltern und Kindern angereist sind. Die Jüngsten sind schon in Deutschland, Amerika oder Kanada geboren. Nach Ankündigung der Schiffsreise sind auch Anmeldungen aus Übersee eingegangen, sagten Hildegard Gutekunst, Herbert Schön, die Vorstände des Hilfskomitees, und Manfred Wagner, evangelischer Prälaturpfarrer und Partnerschaftsbeauftragter für Osteuropa der Evang. Landeskirche in Württemberg - Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung. Am letzten Tage ihres Aufenthaltes in Neusatz und der Vojvodina haben sich die meisten darüber gefreut, das Wiedersehen mit der alten Heimat gewagt zu haben; es gab aber auch solche, die den Besuch im letzten Augenblick auf eine künftige Reisegelegenheit aufgeschoben haben. Manche blieben auf dem Schiff, ohne die ehemalige Wohnstätte aufzusuchen, um nicht mit den immer noch im Gedächtnis gebliebenen Nachkriegsereignissen konfrontiert zu werden. Die Mehrheit hat sich aber den organisierten Bus- bzw. Pkwfahrten in die Heimatorte angeschlossen. Die angekündigten Besucher wurden überall erwartet und sind zu einem erneuten Besuch eingeladen worden. Der herzliche Empfang wurde mit Freude vernommen, aber man beklagte den trostlosen Zustand der deutschen Friedhöfe. Diese müßten mit gemeinsamen Kräften wider instandgesetzt werden, zusammen mit den örtlichen Selbstverwaltungen und der Provinzregierung.
Schon am 1. Abend auf dem Schiff ist uns der Klang mehrerer Sprachen aufgefallen. An einzelnen Tischen wurde man auf Ungarisch oder Serbisch angesprochen, früher war das eine Selbstverständlichkeit. Man sprach in der Vojvodina 3, 4 sogar 5 Sprachen. Auf dem Wege nach Neusatz wurde die Erinnerung an die guten alten und friedlichen Zeiten aufgefrischt. Manche haben sich nach 60 Jahren zum ersten Male wiedergetroffen. Auf dem Schiff war auch Ria Schneider, Ballettlehrerin aus Köln, mit Tochter Sabine, Musiklehrerin. Viele erinnerten sich an Rias Vater, Zahnarzt Dr. Matthias Ackermann, bei dem sie in Behandlung waren. Vorher in Parabutsch (heute Ratkovo), dann ab 1934 hatte er seine Praxis im 1. Stock des Tanurdzić-Palais. Nach der Mutter, Annemarie Ackermann, haben viele sowohl auf dem Schiff als auch in Neusatz nachgefragt, ob sie 1954 - 64 als Abgeordnete im Deutschen Bundestag für Menschenrechte sowie für Rechte der Ausländer, der Frauen und der Behinderten gekämpft hätte. Hierbei hat Ria nur bescheiden geschmunzelt und zustimmend genickt. Vom internen Familienleben, auch von den schwersten Zeiten, hat sie ruhig und mit der Vergangenheit versöhnt gesprochen. Sie war sehr stolz darauf, Petöfis Gedicht "Vereitelter Vorsatz" (Füstbe ment terv) fehlerfrei auswendig vorgetragen zu haben. In der Familie wurde neben Deutsch auch Serbisch und Ungarisch gesprochen. Die Familie ist 1934 von Parabutsch nach Neusatz umgezogen. Ihr Bruder Otto war 4, Ria 2 Jahre alt. Damals haben sie begonnen, ihr eingeschossiges Haus in der Polit Desančić Gasse (sie heißt noch heute so) zu bauen. Herbert ist 1936, Schwester Friederike 1940 auch hier geboren und Haro 1944 auf der Flucht. Im letzten Augenblick hat sich die Familie zur Flucht entschlossen, obwohl sich niemand irgendeiner Schuld bewußt war, erzählten die Eltern später. Mutter hat den Pferdewagen gelenkt. Von Parabutsch durch Ungarn bis Wien. 40 Pferdewagen haben die Flucht angetreten. Vater und der 14-jährige Bruder Otto haben sich - mit Hilfe des Roten Kreuzes - uns angeschlossen. Das Schicksal hat uns vielfach herausgefordert. In Österreich haben sie uns zurückgewiesen, bis 1945 waren wir in Kúnszentmiklós. Hier ging ich auch in die ungarische Schule. In den Sommerferien versuchten wir erneut über Ödenburg (Sopron) in den Westen zu gelangen. Diesmal klappte es. Wir waren lange im Lager in Linz. Danach hat sich alles langsam eingependelt. Wir haben Familien gegründet, die 3. Generation wächst heran. Ich habe Tochter, Sohn und 3 Enkel.
Ob ich zufrieden bin? Bezüglich meiner Lebensauffassung, meines Credos und meines Glaubens, ja. Im allgemeinen gehe ich liebe- und verständnisvoll auf die Menschen zu.
Frau Schneider hält für Augenblicke inne, weil es Dinge gäbe, an die man den Glauben und vielleicht sogar deren Zauber verliert, wenn man darüber spricht. Tags darauf treffen wir uns zum vereinbarten Zeitpunkt im ehemaligen Wohnhaus. Die heutigen Besitzer haben in den 90er Jahren das Haus erworben. Das Treffen war vertraut freundschaftlich . Ria verheimlicht nicht ihre Freude darüber, dass gute Menschen jetzt das Haus bewohnen und es gut pflegen. Das Haus hat viel Unbill erlitten, es gab auch viele Mieterwechsel. Vom Mobiliar ist nichts mehr vorhanden, aber der Parkettboden ist der alte geblieben. Ria sagt lächelnd, die Wohnung strahle ein gemütliches Ambiente aus. Dabei schaut sie in die Ecke, wo das Klavier stand und in die andere Nische, einst der Platz für einen ovalen Tisch.
Mit dieser - noch zu Hause handgearbeiteten - leichten Tischdecke, die sie der Hausherrin, Frau Maria Stojšić, als Geschenk überreicht, war der Ovaltisch bedeckt. Ich meine, wenn auch der Tisch verschwunden ist, gehört diese Tischdecke in dieses Haus.
Wir schauen uns noch Haus und Garten an und vereinbaren ein Treffen für den Nachmittag, um nach Popovica, zum Standort des Wochenendhauses zu fahren. Mangels genauer Adresse haben wir das Haus nicht gefunden, aber die neuen Freunde wollen das in Kürze bewerkstelligen. Auf dem Rückweg zum Schiff unterhielten sich Ria und Maria schon wie altbekannte Freundinnen. Beim Abschied wurde ein längerer Besuchsaufenthalt vereinbart. Maria übergab eine Kalocsaer Tischdecke als Gegengeschenk. Mit kleinen Geschenken und vielen Erlebnissen sind auch die übrigen Reiseteilnehmer aufs Schiff zurückgekehrt. Ottilie Lang fuhr mit Taxi nach Beška und als sie auf dem Rückweg hört, dass ich von Feketić (lt. O. Lang Schwarzenberg!) stamme, fragt sie, ob mir die Familie Lackmann bekannt sei. Ich antwortete, dass ich nur mit der Familie des Ziegeleibesitzers Kinkel Anfang der 70er Jahre Kontakt hatte. Ich versprach aber beim Abschied, mich bis zum nächsten Besuch um das Schicksal der Fam. Lackmann zu kümmern.

Übersetzt aus dem Ungarischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim; Quelle: STANYÓ TÓTH Gizella,
"MAGYAR SZO" 4./5. Dezember 2004





Nach der Rückkehr:
Dank der Donauschwaben

An Herrn
Egeresi Sándor, Vizepräsident des Parlaments der Vojvodina

Für Frieden, für Versöhnung
Das Dankschreiben der ehemals in der Vojvodina lebenden Deutschen
an das Provinzparlament, an die Vojvodinaer Bevölkerung

Auf der Donau sind wir gekommen - wie einst unsere Ahnen - , um nach 60 Jahren Unbill unsere ehemaligen Nachbarn zu finden und um sich nach langem Schweigen friedlich zu unterhalten, im Interesse des Friedens. Genau wie die menschliche Seele hat auch die Volksseele durch schweres Schicksal gelitten. In der neuen Geschichte trifft es uns gemeinsam. Es kann sein, dass uns eben deshalb das Schicksal mit den tief mitfühlenden Menschen zusammengeführt hat, die gesagt haben: "Wenn sie auch gehen mußten, in unseren Herzen sind sie bei uns geblieben". Nach so langer Zeit haben viele kaum geglaubt, dass dies möglich sei. Als aber nach dem Anklopfen die Türen geöffnet wurden, flossen die Tränen und erklangen die Begrüßungslieder; auch die Skeptiker haben begriffen, dass wir gern gesehene Gäste sind.
Unsere Bitte und Botschaft sind einfach: Dialog, Frieden und Versöhnung. Wir wollen das uns zugefügte Unrecht nicht mit einem zweiten Unrecht vergelten. Daher beten wir dafür, dass die den Opfern zugefügten Wunden heilen und vernarben. Wir hoffen, unserer Jugend im gemeinsamen Europa Fortkommen und Heimat sichern zu können. Wir Donauschwaben tun all dies, weil wir Sie schätzen, Ihr Land lieben und unterstützen. Wir grüßen die Menschen in der Vojvodina und wünschen ein gutes Zusammenleben und Verständigung in guten wie in schlechten Zeiten.


Im Namen der Donauschwaben
Hildegard Gutekunst Herbert Schön
Vorsitzende des Hilfskomitees

Übersetzt aus dem Ungarischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim; Quelle: STANYÓ TÓTH Gizella,
"MAGYAR SZO" 4./5. Dezember 2004

(Heinrich Stephan)



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