Herbert Heintz

Freund, Partner und Mitgestalter dieser Webseite und der BULKESER HOMEPAGE für serbische und ungarische Übersetzungen ist am 20. August 2007 in Rüsselsheim gestorben.

Todesanzeige seiner Familie


Nachruf seiner Tochter Bettina Alff
bei der Trauerfeier in Kelkheim am 28. August 2007

"Lieber Papa,

nun ist er also gekommen: der Zeitpunkt, Abschied zu nehmen - im Scherz oftmals lange vorher von Dir angekündigt. Du hast immer damit kokettiert, dass Du nicht mehr lange zu leben hättest, "auf den Schab" müsstest, wie es bei Euch Volksdeutschen heißt. Und nun ist es so schnell und überraschend geschehen. Bei allem Schmerz sind wir dankbar, dass Du nicht lange leiden musstest und Dir ein Tod vergönnt war, wie ihn sich im Grunde jeder Mensch wünscht: bis zum Schluss mitten im Leben - und dass wir uns noch von Dir verabschieden konnten. Tröstlich ist für uns, dass Du ein erfülltes und interessantes Leben hattest, das Du genau nach Deinen Vorstellungen gelebt hast - an der Seite einer Frau, die stark und gefestigt genug war, das so mit zu tragen.
Obwohl Du Deinen Interessen immer sehr nachgegangen bist, hast Du Deine Familie sehr geliebt, das hast Du uns immer gezeigt. Sofort warst Du zur Stelle, wenn wir Dich brauchten, als Baby- und Hundesitter, als Nachhilfelehrer für Deine Enkel in Französisch und Mathematik. Wir konnten uns immer auf Dich verlassen, Du hast aktiv an unserem Leben teilgenommen, warst allem gegenüber aufgeschlossen, hast Dich mit allem auseinander gesetzt. Du warst sehr jung geblieben und bis zuletzt noch unheimlich flexibel. Materielle Dinge, Besitz und Äußerlichkeiten haben Dir nie etwas bedeutet. Dargestellt hast Du etwas durch Deinen Intellekt, Dein Wissen und Deinen Humor. Oft hast Du Dir einen Spaß daraus gemacht, uns aufzuregen, indem Du in uralten, ausgebesserten Kleidungsstücken erschienen bist. Du konntest über Dich selber lachen und hast vieles von der humorvollen Seite gesehen. Erfreut hat Dich Geselligkeit. Du hast es genossen, wenn Du erzählen und durch Deine Anekdoten belustigen konntest.
Ein großes Allgemeinwissen, beruflichen Erfolg als Ingenieur, der durch Kompetenz, nicht mit Ellenbogen überzeugte, hattest Du vorzuweisen. Deine Leidenschaft galt den Sprachen: Du besaßt ein immenses Sprachtalent und beherrschtest sechs Fremdsprachen fließend. Es war Dir eine Freude, sie bei jeder Gelegenheit anzuwenden.
Ohne jeden Dünkel bist Du auf die Menschen zugegangen, egal, in welcher Position oder welcher Herkunft sie waren. Dein Interesse an anderen Menschen und Kulturen zieht sich wie ein roter Faden durch Dein Leben: Berufsbedingte Auslandsaufenthalte in Europa und Übersee, nach der Pensionierung dann unzählige Reisen - oft ohne Komfort mit den sog. "Drei - A -Reisen" (zur Erläuterung: Arm, Alt und Anspruchslos), geradezu rastlos. Bis zuletzt hast Du viele Bekanntschaften gepflegt und warst engagiert bei Deiner Heimatzeitung und Deiner Studentenverbindung.
Auch wenn sich unser Kontakt auf Besuche und Telefonate beschränkte, warst Du für uns eine Instanz und ein wichtiger Rückhalt. Was mit Deinem Wesen, Deinem Geist und Humor gestorben ist, bedeutet einen immensen Verlust für uns alle. Unsere Familie hat ihren Pfeffer, ihr Paprika verloren - so hat Mama es ausgedrückt - und die Kinder ihren "coolen" Opa, der in vielen Dingen Vorbild für sie ist. Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass Du in uns weiterlebst - das eine oder andere Deiner Talente ist bei Deinen Enkeln zu erkennen - und dass Du nach einem intensiven und oftmals aufreibenden Leben nun zur Ruhe kommen kannst.
Du wirst uns sehr fehlen."



Erinnerung und große Dankbarkeit bewegen uns beim Abschied von
Herbert Heintz

Als die Nachricht von Herberts Tod eintraf,
war ich überrascht, bestürzt und konnte es nicht glauben, - sprachlose Trauer befiel uns in Karlsruhe.
Es war nicht für möglich zu halten.
Herbert erschien stets so vital - verglichen mit Gleichaltrigen - gesund und voller Tatendrang und Reiseplänen. Vor allem war er geistig ständig auf voller Höhe und an seinem körperlichen Befinden sah man keine Beeinträchtigungen, sodass es keinen Anlaß gab über Krankheiten mit ihm zu reden, - wie es in unserer Altersklasse weit verbreitet ist.

Mit ihm verband mich eine besondere partnerschaftliche Freundschaft bei unseren gleichgerichteten bescheidenen Bemühungen zur Aussöhnung mit den heutigen Bewohnern unserer ehemaligen Heimat in Serbien:

Gräben zuschütten, keine Revanche.

Mit dieser Einstellung, auf die sein AH-Präsident von der Cimbria bei der Trauerfeier hinwies, lagen wir seit Jahren richtig.
Das bestätigen heute die vom BdV ausgesandten positiven Signale Richtung Serbien ("Mitteilungen" 15. Juni 2007 Seite 10).
So stand er mir bei der Bearbeitung zweier Webseiten am nächsten. Was sich aber erst durch die verschiedenen Schülertreffen in Deutschland und durch unsere übereinstimmenden Ansichten über die notwendigen Schritte zur deutsch-serbischen Vergangenheitsbewältigung ergab.
Das versöhnliche, relativ unbefangene Zugehen auf die einfachen serbischen Bewohner unserer früheren Heimat machte uns keine Probleme. Vielleicht weil wir beide psychisch heil - und nicht traumatisiert durch das miterlebte Sterben nächster Angehöriger in Titos Hungerlager - nach geglückter Flucht im freien Teil der Welt Unterschlupf fanden.
In Neusatz war er eine Klasse über mir. Von damals habe ich ihn noch als guten Fußballspieler in Erinnerung.
Nach dem Krieg begegnete er mir zufällig in einer Karlsruher Straßenbahn. Damals studierte er bereits in der Technischen Hochschule FRIDERICIANA, während ich mich noch im Zweiten Bildungsweg herumschlug. Ich schaute zu ihm auf und war überaus beeindruckt von seiner Intelligenz, seiner Strebsamkeit und seinem Werdegang von der Neusatzer Bürgerschule ins Werbasser Gymnasium, dann in Karlsruhe ins Helmholtz-Gymnasium, wo er das Abitur für seinen Hochschulzugang machte.
Es war ein erfolgreicher Weg, der mir damals unerreichbar schien.

Seinen Vater verlor er früh.
Am Ende der gemeinsamen Flucht starb er in Bayern an den Folgen einer Schußverletzung aus dem 1. Weltkrieg. Nun mußte sich Herbert in Deutschland alleine durchbeißen.
Aber die allgemeine Richtung hatte ihm sein Vater bereits im jugoslawischen Neusatz aufgezeigt:
"Wenn du in diesem Land vorankommen willst, mußt du die serbische Sprache beherrschen."
Und folgerichtig schickte er ihn nach der Grundschule nicht nach Werbass ins deutsche Gymnasium - obwohl ihm dies als Dipl. Bauingenieur und Bauunternehmr finanziell leicht gefallen wäre - sondern in das Novisader serbische Gymnasium. Hier bekam er das grundlegende Sprachgefühl für das hohe Serbisch, wodurch bei serbischen Gesprächspartnern oft der Eindruck entstand, dass er ein Serbe sei und kein Donauschwabe.
Sein Talent für Fremdsprachen verband er mit einer unermüdlichen Wissbegier: Übungsseminare im Ausland und abendliche Sprachkurse in Rüsselsheim waren seine Leidenschaft bis zuletzt.
1941, mit Beginn der kurzen ungarischen Besatzungszeit, wechselte er in die Deutsche Bürgerschule Neusatz und kam nun in vertieften Kontakt mit der ungarischen Sprache, die ihm in Neusatz mit seinen vielen Ungarn bereits in Ansätzen vertraut war.
Für Französisch engagierte sein Vater eine Privatlehrerin.
Englisch und sogar Arabisch kamen hinzu, als ihm seine Firma die Projektleitung für ein großes Bauprojekt in Persien anvertraute, - wo die jüngste Tochter geboren wurde.

Meine Hinwendung zu Herbert Heintz entwickelte sich nach und nach durch die Absolvententreffen der Neusatzer Deutschen Bürgerschule.
Der intensive Meinungsaustausch folgte dann in vielen Briefen, E-Mails, Telefonaten, Geprächen bei gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen Bus-Fahrten und der ersten Schiffsreise 2004 in die Batschka im Rahmen der Aussöhnungsbemühungen des Hilfskomitees unserer Evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Hierbei spielte er mit seinen serbischen und ungarischen Sprachkenntnissen eine zentrale Rolle in der Kommunikation zwischen uns Donauschwaben, den Serben und Ungarn. Und zwar nicht nur durch simultane Übersetzungen bei den Empfängen, sondern auch durch die nachfolgende Aufarbeitung der serbischen und ungarischen Zeitungsberichte und Kommentare zur weiteren Verbreitung im "BOTEN" des "Hilfskomitees für die deutsche Evangelische Landeskirche im ehemaligen Jugoslawien e.V." (Frau Gutekunst und Herr Schön), in den "Mitteilungen" der Landsmannschaft (Herr Supritz und Herr Wack) und nicht zuletzt in unserer Bulkeser Homepage und in meiner Bulkeser Ahnenforschungs-Homepage.
Das wird es nun alles nicht mehr geben. Tröstlich jedoch mit einem Hoffnungsschimmer liest sich das für die Todesanzeige ausgesuchte Leitmotiv eines alten Weisen.

Seiner Ehefrau Ellen mit ihren Kindern und Enkelkindern gilt unser tiefes Mitgefühl.
Heinrich Stephan





Die Kaćer Gedenkstätte ist fertig gestellt und wurde am 20. Juni feierlich eingeweiht.
Der "Katscher Nachtkrapp" Nr.71 vom August 2007 berichtet darüber:


Die Kaćer Gedenkstätte ist fertig gestellt.
Sie wurde am 20. Juni 2007 feierlich eingeweiht
mit dem Losungswort:
"In te domine speravi. Non confundar in aetermum."
"In dich Herr vertraue ich. Ich gehenicht zu Schanden."
Foto Walter Köhl







Schon jetzt kann gesagt werden, dass diese Gedenkstätte gestalterisch angelehnt an klassische Vorbilder und inhaltlich durch die Verwendung steinerner Zeugnisse (originale Grabsteine des zerfallenen deutschen Friedhofs) ein gelungenes Beispiel für ein Denkmal zur bleibenden Erinnerung an die deutsche Besiedlung in Katsch darstellt.
Darüber hinaus gewährleistet die rundum steinerne Bauweise eine auf lange Sicht angelegte weitgehend kostenfreie bauliche Unterhaltung für die Ortsverwaltung.
Dieser Gesichtspunkt sollte im Hinblick auf das wirtschaftlich darnieder liegende Land für die Akzeptanz solcher Bauwerke durch die Bevölkerung nicht unterschätzt werden.
Heinrich Stephan



Katscher gestalten aus ihrem zerstörten "Kerchhof" eine Gedenkstätte

Die etwa 1000 deutschen Katscher verließen im Oktober 1944 ihren Heimatort in der Batschka in einem großen Treck. In den folgenden Umbruch-Monaten und -Jahren wurde ihre evangelische Kirche geschleift, die Familiengruften geplündert und die meisten Grabsteine gestohlen. Zurück blieb ein buschüberwuchertes Gräberruinen-Feld.

Nach der offiziellen Kontaktaufnahme der Heimatortsgemeinschaft Katsch mit der Gemeindeverwaltung und dem Kulturverein Stevan Mokranjac im Oktober 2000 entwickelten sich Schritt für Schritt freundliche und freundschaftliche Verbindungen, die von beiden Seiten mit viel Respekt und Vertrauen ausgestattet waren. Sie sind es bis heute. Im September 2002 kam eine Jugendgruppe mit 55 Musikern, Tänzern und Betreuern nach Oftersheim/Baden, dem Vereinssitz der Katscher. In Anwesenheit der Gäste aus der alten Heimat wurde das Katscher "Denk-Mal" auf dem Friedhof von Oftersheim offiziell eingeweiht. Damals sagte Paja Dobanovački, der Sprecher der Reisegruppe "Ihr habt Eure Heimat verloren. Wir haben Euch verloren. Ein schlimmes Schicksal für alle."

Im Laufe der Entwicklung reisten die Katscher 2004, 2005 und 2006, als größte Gemeindegruppe auf dem Donau-Kreuzfahrt-Schiff "MS Sofia" nach Neusatz/ Novi Sad. Beim Friedhofsbesuch in Kać erläuterte der HOG-Vorsitzende Schön seinen Landsleuten die Gedenkstätten-Pläne, die seit 2003 der Gemeinde zur Genehmigung vorlagen. Es ging darum, um die einzig erhaltene Familiengruft mit Obelisk die verbliebenen Grabsteine zu gruppieren und mit einer umlaufenden Mauer einzugrenzen.

Als die Pläne des damaligen Studenten und heutigen Diplom-Designers Alexander Zach endlich genehmigt waren, wechselte im Gemeinderat Kać die Mehrheit von demokratisch in radikal. Der Genehmigungsweg begann von neuem. Diesmal machte das Friedhofsamt Novi Sad, wozu Kać heute gehört, kleine und große Probleme. Diese konnten nach und nach in sachlichen Gesprächen ausgeräumt werden: Keine Umbettungen, Einverständnis der Nachfahren, dass Grabsteine versetzt werden, alles auf eigene Kosten usw. Schließlich war der Weg frei. Eine Sammlung in der Ortsgemeinschaft hatte das Ziel "aus einer großen Wüste eine kleine Oase zu machen." Einen "Fried-Hof" in der ersten Heimat, nachdem das "Denk-Mal" in der zweiten schon stand.

Walter Kohl erstellte die Arbeitspläne: die Draufsicht-Zeichnung und detaillierte Querschnittzeichnungen vom umlaufenden Streifenfundament mit Mauer. Anhand dieser Zeichnungen ermittelte er die Arbeitsstunden und den Bedarf von Baustoffen und Werkzeugen. Diese technischen Unterlagen schickten wir der Gemeinde Kać und unserem Schwabenfreund Ivan Medurić. Die eingeholten spezifischen Preise für Lohn und Baumaterialien waren die Grundlage unserer Kostenkalkulation. Wir sahen bald, dass unser Spendengeld für unser Projekt nicht ausreichen würde. Die nicht kalkulierbaren Unbekannten blieben ein Restrisiko.
Ivan Medurić stellte eine kleine Arbeitsgruppe aus einem Maurermeister und zwei Gehilfen zusammen, die nach Arbeitstagen entlohnt werden sollen. "Doglohn" uf schwowisch.

Weitere ehemalige serbische Nachbarn und heutige Freunde boten Hilfe und Unterstützung an. So vermittelte Paja Dobanovački, dass die drei deutschen Gäste - das Ehepaar Christa und Walter Kohl sowie Herbert Schön - im noblen Gästehaus der Metallbau-Firma Unimet übernachten konnten. Außerdem stellte der Inhaber Kunovac, der einen Betrieb in Schweden, einen in Kać hat, einen großen Bagger samt Fahrer nach Bedarf zur Verfügung. Weitere Geräte stellte Ivan Medurić bereit, so z. B. den Stromgenerator für die Beton-Mischmaschine. Zudem stand das Ehepaar Medurić abwechselnd als Dolmetscher im Dauereinsatz. (Die beiden Katscher waren bei der Flucht fünf und sechs Jahre alt, ihre Serbischkenntnisse doch minimal.)

Eine erste Überraschung war, als Maurermeister Dejan Slavalica darauf bestand, dass die gesamte Humusschicht im abgesteckten Feld 10 mal 10m abgetragen werden muss. "Die lebt. Darauf kann man nichts Dauerhaftes bauen!" Und nun erlebten die drei Katscher Schwaben wovon die Vorfahren so gut wirtschaften konnten. 70 - 80 cm dick war die lockere fruchtbare Erde. Dann erst kam die feste Lehmschicht, der Baugrund. Mit Bagger und Schaufeln war diese Arbeit bald erledigt. Danach wurden die Fundamente für die umlaufende Mauer gelegt. Der Bagger musste an die Stellen im Gestrüpp geleitet werden, wo Grabsteine noch zu erkennen oder aber zu vermuten waren. Mit wehen Herzen und gedrückter Stimmung wurde diese Sammlung mehrere Tage fortgesetzt und mit dem mageren Ergebnis von 21 Steinen abgeschlossen. Der Baggerfahrer Branko Šteković war ein aus Kroatien vertriebener Serbe. Er verstand uns sehr gut, wozu die ungewöhnliche Arbeit führen sollte. Er hat seinen Heimatfriedhof auch verloren. Mit größter Behutsamkeit umfuhr er jeden noch zu erkennenden Grabhügel, um vorsichtig Erde solange weg zu heben, bis feststand, ob die sichtbare Ecke zu einem ganzen Grabstein gehört oder nur zu einem Trümmerteil.




Die Grabsteine wurden an einer Stelle zusammengetragen, registriert und von Christa Köhl nach optischen Gesichtspunkten geordnet: was passt zusammen, wie sieht es im Ensemble in der Fläche mit dem Obelisken, der umlaufenden Mauer und den übrigen Grabsteinen aus, wie hoch ragen die einzelnen Grabsteine über die Mauer? Es wurde mit viel Engagement ausgesucht und in der Fläche gedanklich eingeordnet.

Ihre Idee drei "Dreier-Gruppen" zu bilden, die hinten, seitlich links und rechts angeordnet werden, dazwischen flankiert von einzelnen Grabsteinen, war der Durchbruch und die Lösung. Die Anspannung auf all diese Fragen wich erst, als alle Grabsteine an ihrem vorgesehenen Platz provisorisch standen und kleine Umsetzungen entsprechend der Gesamtoptik durchgeführt waren. Erst dann konnte eingeschalt und betoniert werden. Danach wurden alle Grabsteine von Lehm und Algen mit einer Wurzelbürste und viel Wasser gereinigt.

Die große erhaltene Gruft mit dem 4,5 m hohen Obelisk musste begutachtet, saniert und auf Dauer gesichert werden. Die Stufen des Obelisken wiesen große Spalten auf und waren verschoben. Erst nach dem Freilegen des Fundaments von der Humusschicht, sahen wir das Ausmaß der durchzuführenden Sanierung. Ca. 8 - 12 cm dicke Strauch- und Baumwurzeln waren in das Backsteinfundament der Treppenauflagen hineingewachsen und hatten dieses gesprengt und auseinander geschoben und damit auch die darüber befindlichen Treppen des Obelisken. Selbst die obere Abdeckplatte war hiervon betroffen. In mühevoller Handarbeit hat Herbert Schön das Wurzelwerk im Backstein-Fundament einzeln herausgespitzt und die Schlitze zwischen den Treppensteinen von Erde, Steinen und Ästen frei gearbeitet. Das Betonfundament für die Mauer diente als Widerlager, um mittels Handwinde und 10 x 10 cm dicken Holzbalken, die auch als Hebel dienten, die einzelnen Treppensteine unter zu Hilfenahme von Holzkeilen und gleichzeitiger Abstützung der Gegenseite, Schritt für Schritt in ihre ursprüngliche Lage zurück zu schieben. Danach wurde der Sockel des Obelisken in einem umlaufenden Eisen armierten Betonsockel von 30 cm Breite und 40 cm Tiefe eingegossen, in der die untere Stufenreihe 8 cm tief hineinragt.

Drei Mauerseiten, wovon die vordere einen offenen Eingang von 5 m Breite aufweist, wurden in Kniehöhe betoniert, die Rückmauer aus alten Grabumrandungen aufgebaut. Mit der Verwendung vor allem von altem Friedhofsbaumaterial sollte die Leistung und Würde der Vorfahren und der von ihnen beauftragten Handwerker geehrt werden.

Gerade als das ganze Werk erste Gestalt annahm und zu gelingen verhieß, musste Herbert Schön wegen der schweren Erkrankung eines Familienmitgliedes den Heimflug antreten. Das Ehepaar Köhl machte mit Unterstützung der serbischen Freunde allein weiter. Aus Deutschland organisierte Herbert Schön mit Unterstützung von Hildegard Gutekunst/ Hilfskomitee die Einweihungsfeier.
Die Juni-Hitze und plötzliche Wolkenbrüche erschwerten die Arbeit von Anfang an. Eine Freude war es, dass von Anbeginn interessierte Besucher aus Kać kamen, Serben und Ungarn, mit guten Wünschen, trotz ungenügender Verständigung. Brot, Wurst, Saft und Wein wurden uns zur Stärkung auf die Baustelle gebracht. Und Journalisten vom Lokalblatt Kaćke novine und der großen Zeitung Dnevnik berichteten positiv und ohne Zurückhaltung von der späten Friedhofskultur der Donauschwaben.

Am vierzehnten Arbeitstag, dem letzten Tag vor der Fertigstellung, wurde die Innenfläche der Gedenkstätte in zwei Schichten mit Schotter per Bagger aufgefüllt. Die unterste mit ungewaschenem Schotter, die mittlere mit grobem gewaschenem Schotter, jeweils manuell verteilt und gestampft. Zuletzt wurde eine 5 cm dicke graphitfarbene Donausplitt-Schicht manuell aufgetragen und mit einem Brett glatt gezogen. Die Arbeit war beendet, das Werk gelungen, die vielen Einheimischen, die zur Einweihung gekommen waren, lobten voller Anerkennung und Ehrfurcht die Rettung der alten aufgelösten deutschen Gräberstätte.

Die Segnung und Einweihung des Klein-Friedhofs von Kać nahmen vier Pfarrer dreier Konfessionen in größter Eintracht vor. Aus Belgrad war der evangelisch-deutsche Pfarrer Schupp gekommen. Er betreut dort die deutschsprachigen evangelischen Geschäftsleute und Diplomaten. Die katholisch-ungarische Gemeinde von Kać vertrat Pfarrer Robert und die serbisch-othodoxe Kirche die Popen Branislav und Đorđe. Besonders anrührend waren die gesungenen Liturgie-Anteile des katholischen und der orthodoxen Geistlichen. Die Provinzregierung der Vojvodina war mit Frau Manić vom Minderheitenministerium vertreten, die Gemeinde Kać durch Bürgermeister Lakić.


Walter Köhl dankte in seiner Ansprache allen Helfern und Unterstützern. Den Katscher draußen und den Kader drinnen. Er schloss mit der Ermahnung: "Auch Tote und ihr Platz können den nachfolgenden Generationen eine Botschaft vermitteln: Die Verstorbenen vieler Kulturen und Zeiten liegen hier in Gottes Frieden nebeneinander - und mahnen die Lebenden mit dem Frieden und dem guten Nebeneinander schon rechtzeitig zu Lebzeiten zu beginnen. Gestern, heute, morgen."

Aus zahlreichen Gesprächen vor Ort und am Telefon wurde den Katschern angedeutet, dass ihre Friedhofs-Gedenkstätte eine Signalwirkung an andere Gemeinden in der Vojvodina auslösen dürfte. Überall dort, wo es verlassene und verwüstete deutsche Friedhöfe gäbe, deren Zustand keiner europäischen Toten-Kultur entsprächen. Diese Einschätzung ehrt die Katscher, überfordert sie vielleicht aber als Vorbild. Ihr gutes Verhältnis zu den heutigen Einwohnern von Kać beruht auf der Erinnerung, dass die Vorfahren ähnlich gut mit allen serbischen und ungarischen Nachbarn ausgekommen sind und dem persönlichen menschlichen Einsatz von heute. Aus früheren Dorf-Nachbarn sind nunmehr europäische Nachbarn geworden.
Herbert Schön




Ansprache Walter Köhls zur Einweihung der Friedhofsgedenkstätte Katsch, Kac, Batschka am 20. Juni 2007

Sehr geehrter Herr Pfarrer Schupp, sehr geehrter Herr Pfarrer Djordje, sehr geehrter Herr Pfarrer Branislav, sehr geehrter Herr Pfarrer Robert, sehr geehrter Herr Lakic, sehr geehrte Frau Manić, sehr geehrter Herr Lonšar, sehr geehrte Damen und Herren von der Presse, liebe Freunde und Nachbarn aus Kać,

nach 200 Jahren gemeinsamer Geschichte und 60 Jahren politischer Eiszeit haben die schwäbischen Katscher ihren alten Friedhof aufgegeben, die verbliebenen Grabsteine gesammelt und zu einer würdigen Gedenkstätte zusammengetragen. Mit den Gemeinderatsvorsitzenden, früher Cicak und heute Lakic, wurde vereinbart, dass die freie Fläche geordnet und von der Verwaltung zur neuen Belegung zur Verfügung steht. Dieser bescheidene Totengedenk-Platz ist ein weiterer Schritt aufeinander zu. Wir haben ein EKG-Gerät für die Ambulanz gestiftet, von der Gemeinde wurde an der Stelle, wo unsere ehemalige deutsche ev. Kirche stand, eine Gedenktafel angebracht und im Kirchhof der orthodoxen Kirche liegt eine Eingangstreppe unserer ev. Kirche. In der ungarischen katholischen Kirche hängt unsere letzte kleine Glocke und unser Marmor-Taufbecken steht im Eingang des Sportheims. Seit Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen den schwäbischen Katschern draußen und den Kacern drinnen. Das entspricht einer schönen Tradition in Europa: Verbindungen über die Geschichte und Grenzen hinweg.

Vorab noch eine Information in eigener Sache. Unser Katscher Mitstreiter Herbert Schön fehlt heute, weil er zu seiner schwer erkrankten Frau zurückkehren musste.

Zurück zum Anlass dieses Tages: Unser Ziel war es, soviel altes Material wie möglich zu verwenden. Wir wollten nichts Neues bauen. Mit den alten Grabsteinen und -Umfassungen wollten wir die Leistung der deutschen Familien und der Handwerker ehren.

Jetzt aber ist Zeit zu danken. Eine Reihe von Menschen hat uns selbstlos geholfen. Allein hätten wir das Werk nicht in drei Wochen geschaffen. Das Ehepaar Medurić hat mit Organisation, Werkzeugen, Übersetzungen viel Mühe auf sich genommen. Die Firma Unimet stellte uns den großen Bagger nach Bedarf zur Verfügung. Dem Ehepaar Kunovac fühlen wir uns sehr verpflichtet. Paja Dobanovački stellte die Verbindung zur Firma Unimet her. Für unser leibliches Wohl sorgten Jagoda Medurić und Ivanka Ninkov. Danken möchten wir auch den Familien Dobanovački, Marie, Botoški und Jovanović aus Kovilj für die Einladungen. Gefreut haben wir uns auch über alle Besucher an der Arbeitsstelle, die mit uns über alte Zeiten sprachen. Sie kannten unsere Eltern als gute und hilfreiche Nachbarn. Diese Menschen gaben uns das Gefühl, dass wir noch eine erste kulturelle Heimat haben. Zur Erinnerung: Herbert Schön war 5 Jahre alt, ich 6, als wir mit unseren Familien fliehen mussten. Nach neun Generationen Arbeit, Zivilisation, Kultur und Nachbarschaft. Jetzt kommen wir als europäische Nachbarn in friedlicher und freundlicher Absicht. Und um die gute Heimatluft zu atmen.

Meister Dejan Slavalica, seine zwei Gesellen Dane Plavšić und Dragoslav Plavšić und dem Baggerführer Branko Števkovicć. Sie waren gelegentlich verzweifelt, weil wegen des ungewohnten Materials das Abstimmen und die Maße immer wieder neu festgelegt werden mussten. Trotz guter Vorplanung, trotz gutem Willen von allen Seiten. Für sie und uns war das eine einmalige Baustelle. Eine Arbeit, eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Wir danken für Geschick, Fleiß und Kraft.

Die Gedenkstätte ist noch nicht ganz fertig. An diese Stelle auf dem Obelisk werden wir wieder eine Tafel anbringen. Den Text stimmen wir mit den Freunden und Zuständigen in Kać ab. Aber heute schon entspricht diese Gedenkstätte ganz normalen europäischen Zivilisations- und Kultur-Ansprüchen. Nicht mehr und nicht weniger. Niemand soll sich durch diese 100 qm gestört oder herausgefordert fühlen. Es geht um sichtbare Toleranz über viel Leid hinweg. Wer seine Heimat verloren hat, versteht uns wohl besonders gut. Da die Friedhofshalle fertig gestellt wird, hierfür haben wir auch einen namhaften Betrag gespendet, wird dieses kleine Monument, zusammen mit dem eingeebneten Platz ein ansehnliches Ensemble bilden. Die Vereinbarungen und die Fertigstellung der Gedenkstätte werden von vielen Gemeinden in der Vojvodina und Donauschwaben in der Welt mit Interesse verfolgt. Wir haben gemeinsam ein Modell geschaffen.

Auch Tote und ihr Platz können den nachfolgenden Generationen eine Botschaft vermitteln: Die Verstorbenen vieler Kulturen und Zeiten liegen hier in Gottes Frieden nebeneinander und mahnen uns Lebende, mit dem Frieden und dem guten Miteinander schon rechtzeitig zu Lebzeiten zu beginnen. Gestern, heute, morgen.

Ich danke für Ihre Geduld und Ihr Interesse.

Herbert Schön und Walter Köhl
für die Heimatortsgemeinschaft Katsch,
Oftersheim, Baden-Württemberg
(Abdruck aus "Der Bote" September 2007, Fortsetzung im nächsten "Boten")

Heinrich Stephan








Die Mramoraker Gedenkstätte ist fertig gestellt und wurde am 7.September 2007 feierlich eingeweiht.
Andreas Ellinger berichtet in der "SÜDWEST PRESSE / NECKAR-CHRONIK" vom 10.September 2007 darüber:

(Zur Verfügung gestellt von Diakon Erich Schurr, Bad Liebenzell)


Beerdigung - nach 63 Jahren

Donauschwaben aus Mramorak erwiesen 110 ermordeten Landsleuten die letzte Ehre.
Rechts im Bild:

Peter Zimmermann, Stadtrat in Horb,

nahm das Projekt federführend in die Hand. Er führte unzählige Gespräche, reiste sieben Mal nach Bavaniste und investierte außer seiner Zeit auch viel Geld.




BAVANISTE/HORB. Mindestens 110 Deutsche sind am 10. Oktober 1944 auf der "Schinderwiese" in Bavaniste von serbischen Partisanen ermordet worden. Um an ihr Schicksal zu erinnern, hat die Heimatortsgemeinschaft Mramorak - unter Vorsitz von Peter Zimmermann aus Bildechingen - am Samstag eine Gedenkstätte eingeweiht.

Der Reisebus holperte über eine lückenhaft gepflasterte Straße in Bavaniste. Und mit dem Ruckeln verstärkte sich das flaue Gefühl in der Magengegend, das die rund 50 Mitglieder der Heimat-Ortsgemeinschaft Mramorak schon seit Stunden, Tagen oder noch länger spürten. Der Weg führte sie zu einer Trauerfeier - auf einem Acker zwischen wuchernden Wiesen und verdorrten Maispflanzen.
Diese Strecke nahmen vor fast genau 63 Jahren auch die Pferdewagen, auf denen gefesselte Män-Ortsgemeinschaft Mramorak schon seit Stunden, lagen oder noch länger spürten. Der Weg führte sie zu einer Trauerfeier - auf einem Acker zwischen wuchernden Wiesen und verdorrten Maispflanzen. Diese Strecke nahmen vor fast genau 63 Jahren auch die Pferdewagen, auf denen gefesselte Männer und Frauen in den Tod fuhren. Nach Recherchen der Heimatortsgemeinschaft waren es mindestens 110 Landsleute, von denen fast alle aus Mramorak stammten - der Jüngste 19 Jahre alt, der Alteste 74. Auch Frauen mit Anfang 20 waren unter ihnen: Den Erzählungen nach haben serbische Partisanen sie vergewaltigt.
Der Raum, in dem die Gefangenen am 9. Oktober 1944 eingesperrt worden sind, war hernach bis an die Decke mit Blut verspritzt, wie ein Augenzeuge berichtet. Eine damals 13-Jährige schildert, wie sie ihren Vater kaum mehr erkannte, als sie ihn noch einmal kurz erblickte - so sehr hätten ihn die Misshandlungen entstellt. Einer anderen Deutschen aus Mramorak hat ihre Mutter berichtet, dass sie ihren Vater mit aufgeschlitzten Beinen und Armen gesehen habe - im ersten Augenblick habe sie nur an seiner Stimme bemerkt, dass es ihr Mann ist. Nach Berichten dieser Mutter hatten die serbischen Partisanen manchen Männern die Geschlechtsteile abgeschnitten und Salz in die Wunden gestreut.
Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft haben bei einer ihrer Reisen nach Mramorak einen Mann getroffen, der als Zwölfjähriger ein Zeuge der Massen-Hinrichtung geworden ist. Die Donauschwaben sollen am 10. Oktober 1944 noch gezwungen worden sein, auf allen Vieren zu krabbeln und wie Schweine zu grunzen. Dann haben die Partisanen sie ermordet - wobei die meisten wohl erschossen worden sind. Anderen soll die Kehle durchgeschnitten worden sein. Die Täter haben ihre Opfer auf einem Acker verscharrt, der in Bavaniste bis vor kurzem noch als Ablageplatz für tote Tiere genutzt wurde.
Dieses Verbrechen gilt als Vergeltungsakt - für was, da gibt es unter den Mitgliedern der Heimat-ortsgemeinschaft unterschiedliche Erklärungen. Es könnte beispielsweise Rache für den Mord an drei Serben gewesen sein, die ein deutsches Kriegsgericht vor Ort zum Tode verurteilt hatte. Auch ihrer hat die Heimatortsgemeinschaft bei einer der Mramorak-Fahrten gedacht.
Eine andere Version besagt, die Partisanen hätten sich für einen Serben rächen wollen, der nachts vom deutschen "Heimatschutz" in Mramorak erschossen worden ist, als er sich nach der Sperrstunde noch auf der Straße aufhielt. 100 Tote für einen eigenen Toten - diese Gleichung hatte offenbar die deutsche Wehrmacht aufgestellt.
Eine dritte Erklärung für die Grausamkeit der Partisanen ist, dass viele Donauschwaben in der Waffen-SS-Division "Prinz Eugen" gekämpft haben - drei Prozent aller Deutschen in der Region sollten deshalb umgebracht werden, wie eine Quelle besagt. In Mramorak würde diese Rechnung aufgehen: 105 der 3500 Deutschen starben -die anderen fünf Opfer stammten aus Bavaniste.
Die Toten sind Verwandte und Bekannte von Mitgliedern der Heimatortsgemeinschaft Mramorak. Unter den Opfern ist beispielsweise der Bruder des Großvaters von Peter Zimmermann aus Bildechingen - und jener hieß übrigens wie ein weiterer Mann im Massengrab ebenfalls Peter Zimmermann.
Die Nachfahren wollten den Ermordeten eine "würdige Ruhestätte" schaffen, nachdem es aufgrund der toten Tiere beim ersten Besuch in Bavaniste "zum Himmel gestunken" hatte. Unter anderem die Gemeinde Bavaniste, die Kreisstadt Kovin und die Deutsch-Serbische Gesellschaft unterstützten das Vorhaben tatkräftig und finanziell.
Peter Zimmermann, der in Horb Stadtrat ist, nahm das Projekt federführend in die Hand. Er führte unzählige Gespräche, reiste sieben Mal nach Bavaniste und investierte außer seiner Zeit auch viel Geld. Dafür dankten ihm seine Landsleute in den vergangenen Tagen - sogar von einem Lebenswerk war die Rede. Viele hatten nicht geglaubt, dass der Friedhof genehmigt werden würde. 110 steinerne Kreuze, ein Mahnmal und eine Tafel mit ihren Namen erinnern jetzt an die Toten. Zur Einweihung der Gedenkstätte haben ehemalige und heutige Bürger aus Mramorak Kränze niedergelegt.
62 Jahre nach Kriegsende ist das freundschaftliche Miteinander wieder hergestellt, in dem Serben, Deutsche und Rumänen bis zum Einmarsch der Hitler-Soldaten gelebt hatten. Die Feuerwehr und die Folklore-Gruppe aus Mramorak standen am Samstag in Bavaniste Spalier. Sogar ein serbisch-orthodoxer Geistlither wirkte an der Gedenkfeier mit.





Den Gottesdienst hielt der evangelische Pfarrer Jakob Stehle aus Reutlingen, der selbst aus Mramorak stammt. Die Botschaft der Stunde verkündete Peter Reiter von der Heimatortsgemein schaft in einem Gesangs-Solo: "Brüder reicht die Hand zum Bunde!"





Aus dem Zitaten-Kasten:

"Meine lieben serbischen Freunde, meine lieben donauschwäbischen Freunde, [...] Donauschwaben haben einstmals Seite an Seite mit ihren serbischen Nachbarn und Freunden ihren Acker gepflügt und ihr Brot gegessen. Der Krieg hat dieses gemeinsame Leben verschiedener Völker zerstört. Der Krieg hat Freunde zu Feinden gemacht. In Zeiten des Krieges wurde Gewalt mit Gewalt aufgewogen und Hass wurde mit Hass beantwortet. Auch viele Donau-Schwaben mussten im Krieg ihr Leben lassen und konnten keine würdige letzte Ruhestätte finden. Viele wurden in Massengräbern verscharrt und wurden fast vergessen, wie hier in Bavaniste. Unter uns Donauschwaben in Deutschland war deshalb der Plan gereift, für unsere Toten eine würdige letzte Ruhestätte zu schaffen. Es freut mich sehr, dass dieser Plan auch bei meinen serbischen Freunden verstanden und von ihnen unterstützt wurde. (...) Unsere donauschwäbischen Angehörigen haben nun ihren Frieden gefunden in der Erde, die ihre geliebte Heimat war."
(Peter Zimmermann aus Bildechingen, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Mramorak)

"Welch' ein Traum ist Wirklichkeit geworden für unsere erschossenen Landsleute, die hier auf diesem ehemaligen Schinderrasen, auf diesem Acker einfach verscharrt wurden?! (...) Für jeden Erschossenen steht hier nun ein Kreuz. Dies wurde nur möglich im Rahmen der Versöhnung, einer wunderbaren Versöhnung. Es wurde hier ein Ort geschaffen, der für Vergebung und Versöhnung steht. Dies ist eine bleibende Erinnerung für die Gegenwart und für alle Angehörigen ein Trost." (Pfarrer Jakob Stehle)

"Dieser Platz ist eine Warnung für die Zukunft. Das Geschehen, das hinter uns liegt, hat viele Menschenleben gekostet. (...) Wir müssen verhindern, dass solch' unmenschliche Taten begangen werden können." (Novica Mijatovic, stellvertretender Oberbürgermeister der Kreisstadt Kovin)

"Wir erinnern uns an die Menschen, die hier gelebt und gearbeitet haben. (...) Herrscher haben versucht, die Menschen auseinanderzutreiben und haben damit nur Unglück gebracht. Es sind sehr viele unschuldige Menschen ums Leben gekommen. (...) Gott hat uns Verstand und Kraft gegeben, dass wir uns hier nach 63 Jahren treffen und uns verzeihen." (Srboljub Marinkovk, Bürgermeister der Gemeinde Bavanis-te)

"Die Leute haben hier eine Ewigkeit zusammengelebt, ehe der Moment kam, in dem die Humanität abhanden gekommen ist und der Tod Einzug gehalten hat. Für uns Lebende bleibt die Botschaft: Es soll nie wieder passieren, was hier geschehen ist." (Zivicas Tucic, Vertreter der Deutschen Botschaft in Belgrad)

"Wir gedenken der Menschen, die hier einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Wir können das Leid nicht ermessen, aber wir spüren den Schmerz. Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist wie sie ist - wir können Vergangenes nicht mehr verändern. Von Hitler-Deutschland ging ein Krieg aus, der Europa und fast die ganze Welt in Chaos und Zerstörung geführt hat und Millionen Menschen den Tod gebracht hat. Deutsche waren Täter - aber wie hier in Bavaniste auch Opfer schrecklichen Unrechts. Es gibt nichts zu beschönigen und nichts zu relativieren. Es erfordert Kraft, dieser Geschichte ins Auge zu sehen. (...) Wir wollen mit diesem Besuch ein Zeichen für Frieden und Freiheit, Menschlichkeit und Versöhnung setzen." (Michael Theurer, Oberbürgermeister der Stadt Hort"

"Ich nehme den Besuch hier als Beginn einer Freundschaft wahr. (...) Ich verneige mein Haupt vor den Opfern jeglicher Gewaltherrschaft." (Michael Laschinger, Ortsvorsteher von Bildechingen)

"Liebe toten und lebenden Mramoraker, (...) ich hoffe, dass so etwas wie hier nie wieder auf der Erde passiert. Mir fehlen die Worte, die meine Gefühle zum Ausdruck bringen könnten. (...) Wir stehen hier im Zeichen des Friedens." (Dragan Jankov, Bürgermeister von Mramorak)

"Keiner von denen, die hier stehen, trägt Verantwortung für das, was hier vor 63 Jahren geschehen ist." (Zcman Stojan von der "Gesellschaft der serbischdeutschen Freundschaft")

"Es gibt Opfer auf beiden Seiten. Ich bin sehr tief betroffen und berührt. Ich stimme dem zu, was der ökumenische Weltrat 1948 verkündet hat, als die Gewalttaten immer noch nicht aufgehört hatten: Krieg darf um Gottes Willen nicht sein!" (Pfarrer Dieter Tunkel von der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Belgrad")

Heinrich Stephan







Im Handwerker-Ausbildungszentrum in Titel/Serbien

Gesendet in "dnevnik 1" 17.05.2007

Meister aus deutscher "Backform"



Übersetzung aus dem Serbischen 18.05.07: Herbert Heintz, Rüsselsheim, früher Werbass/Neusatz


11 junge Männer mit Abschluss an der Mittleren Maschinenbauschule - schon seit Jahren auf irgendeine geeignete Arbeit wartend - schauen schon 4 Monate lang viel zuversichtlicher in eine bessere Zukunft.
Grund dafür ist ein Lehrgang, den die Teilnehmer im Zentrum der Berufsschule besuchen. Der Kurs läuft seit Febr. d.J. in Titel unter der Schirmherrschaft der Techn. Mittelschule "Mileva Maric" und dank Gottfried Wagners, der nach Pensionierung seine gesamte Werkstatt dem eigenen Geburtsort Titel unter Vermittlung des Hilfskomitees der deutsch-evang. Kirche von ex-Jugoslawien geschenkt hat.

In dieser Werkstatt werden in den kommenden 3 Jahren 30 Installateure für Heizung, Sanitär, Dampf(heizung) und Wasserversorgung nach den Normen der EU ausgebildet - so Herr Wagner, der im ersten Jahr als Ausbilder der künftigen Meister fungiert. In diesem, ersten Halbjahr, das bald zu Ende geht, haben die Kursteilnehmer das Schweißen, Löten und die Heizkörpermontage gelernt, und das alles praktisch, indem sie eine Heizungsanlage in die eigene Ausbildungswerkstatt auf Grundlage des unumgänglichen Theoriestudiums eingebaut haben. Wenn wir die Arbeit beendet haben, wird das ein besonderer Ausstellungssalon ihrer Arbeit, wobei ich erwarte, dass sie innerhalb der 3-monatigen Ausbildungszeit auch für Kunden arbeiten, um für weitere Anlagen das Ausstattungsmaterial zu verdienen.

Herr Wagner ist nach eigenen Aussagen außerordentlich zufrieden mit dem Fortschritt seiner Schüler, die täglich 4 Stunden zum Meister ausgebildet werden. Nach seinen Worten stehen diese Lernbeflissenen keineswegs denjenigen nach, die er im Laufe seines gesamten Arbeitslebens in Deutschland ausgebildet hat, man kann sogar sagen, dass sie viel motivierter die Arbeit anpacken.
Für Juni - nach Ende der Ausbildungszeit - planen wir 2 Tage der "Offenen Tür" in der Absicht, dass je mehr Besucher erscheinen und sehen, was die jungen Leute alles zu tun imstande sind, wodurch lt. Herrn Wagner auch die Nachfrage nach Fachleuten steigen wird, weil sie echte Meister ihres Fachs werden. Ich muss anerkennen, dass sie bessere Fortschritte machen als ich erwartet habe und doch alles nach Plan läuft trotz einiger bürokratischer Probleme, die letztendlich durch weitere Umstände geringerer Natur ("Problemchen") gelöst werden.

Mehr als zufrieden mit der Ausbildung ist einer der Schüler Herrn Wagners , Minja Solic, der behauptet, in den 4 Monaten mehr gelernt zu haben als in 4 Jahren des Besuchs der Techn. Mittelschule mit der Begründung, dass in der Werkstatt jeder selbst manuell arbeitet, wahrend die praktische Ausbildung in der Schule nur darin bestand zu beobachten, was die anderen handwerklich tun.

Übrigens ist Gottfried Wagner Mitglied der deutschen Organisation der Senioren-Experten, die auch nach ihrer Pensionierung ihre Kenntnisse und Berufserfahrungen an Junge weitergeben und das macht er auf seinen ausdrücklichen Wunsch in seinem Geburtsort Titel.

D. Devercerski







Suboticke Novine 2007

FRANZ EISENHUT


Text von Olga Kovacev-Ninkov für den Katalog der Ausstellung in Subotica/Serbien
Übersetzung aus dem Serbischen 4.3.07: Herbert Heintz, Rüsselsheim, früher Werbass/Neusatz


"Ein größerer Erfolg kann nur
mit größeren Gemälden erreicht werden.
Zitat F. Eisenhut 1886



Die Schlacht bei Senta (Zenta) 1697 von Franz Eisenhut.
Kolossalgemälde im Komitatshaus (jetzt Rathaus) in Sombor/Serbien.
Quelle: Oskar Feldtänzer: "Donauschwäbische Geschichte" Band I

Franz (Ferenc) Eisenhut, Kunstmaler orientalischer und geschichtlicher Motive - bei uns als Schöpfer des Gemäldes "Schlacht bei Senta" bekannt - ist vor 150 Jahren am 26. Januar 1857 in Backa Palanka geboren.
Als gebürtigem Donauschwaben war Deutsch seine Muttersprache, aber er sprach auch fliessend ungarisch und serbisch, wie es bei der Mehrheit der damaligen Vojvodinaer Bevölkerung üblich war. Die meisten seiner Gemälde unterzeichnete er mit Eisenhut Ferenc.
Sein Talent wurde vom Pester Kunstmaler Károly (Karl) Telepi entdeckt, wobei er zu Beginn seiner künstlerischen Ausbildung materiell von Palankaer Bürgern unterstützt wurde, vor allem von Rechtsanwalt Karl Mezei und Apotheker Harlekovic. In der Zeit 1875 - 76 haben ihn auf der staatlichen Schule für Zeichenlehrer in Budapest Bertalan Sekelj und János (Hans) Gregus, danach von 1877 - 83 auf der bayerischen Königlichen Akademie in München Gyula Benczur, Ludwig Lefz und Franz von Defreger unterrichtet.
Gleichzeitig besuchte er auch die Schule von Wilhelm Dietz, ein Maler des Stillebens und kriegerischer Motive. 1877 wurde er Stipendiat des ungarischen Staates, da seine Werke von der Akademie ausgezeichnet wurden. Einige seiner Skizzen von Aktstudien können auf unserer Ausstellung eingesehen werden.
Seine Aktivität als Aussteller begann er 1881 mit der Teilnahme an der Herbstausstellung der Gesellschaft ungarischer Kunstmaler in Budapest. Außerdem hat er - wie in Budapest - auch in München, zeitweise in Paris, Berlin, Madrid u.a. seine Werke ausgestellt, wo er verschiedene Auszeichnungen erhielt. Mit dem Gemälde "Tod des Gyülbaba" wurde er zum ersten Künstler, der mit der großen ungarischen staatlichen Goldmedaille in Budapest ausgezeichnet und somit vor Michael Munkács und Gyula Benczur geehrt wurde. Eine selbständige Ausstellung konnte Eisenhut zu seinen Lebzeiten nicht aufweisen, seine erste fand anlässlich seines Todes 1903 in Budapest statt. Danach sind seine Kunstwerke und sein Leben immer mehr in Vergessenheit geraten.
Eisenhut war zu seinen Lebzeiten vor allem bekannt als orientalischer Kunstmaler, begleitet von langen und häufigen Studienaufenthalten in fernen Ländern. Die beiden ersten Reisen führten ihn in den Kaukasus im Herbst 1883 und 84 unterwegs auf der Donau bis zum Schwarzen Meer, danach mit dem Zuge von Batum über Tiflis bis zum Ufer des Kaspischen Meeres nach Baku. Einige, damals entstandene Skizzen sowie ein Ölgemälde von seiner ersten Afrikareise, die er Ende 1886/ Anfang 1887 nach Tunis und Algier unternahm, sind im Segediner Museum (Szeged) untergebracht.
Das Ölgemälde "Neapel mit Vesuv" aus dem Fond des Belgrader Nationalmuseums lässt uns wissen, dass Eisenhut auch Italien bereist hat und vom Hafen von Neapel aus seine Afrikareise - aber auch andere - antrat. Seinen ersten großen Erfolg erzielte er 1883 mit dem Kunstwerk "Heilung mit Hilfe des Korans", erworben vom Königspalast in Ofen (Buda) und dort ausgestellt. Schnell hat er im großen Maßstab für Galeristen in England gearbeitet ähnlich seinem Werschetzer Zeitgenossen Paja Jovanovic (1859 - 1957), der auch in Afrika und im Kaukasus weilte, jedoch seine Berühmtheit durch Motive von Montenegro, Bosnien, Herzegowina und Albanien erwarb. Beide Kunstmaler werden im Buche von Thomas Sana, Ausgabe 1889, als herausragende Vertreter der jüngeren Generation erwähnt.
Der zeitgenössische Kritiker der bildenden Künste Karl Lika hielt fest, dass meistens deutsche Holzschnitzerwerkstätten für Klischeebearbeitungen Eisenhuts Kunstwerke für illustrierte Blätter in ganz Europa, aber besonders in England, reproduziert haben mit der Begründung, an diesen Gemälden den authentischen Orient am besten erkennen zu können. Lika beschreibt ebenso Eisenhuts Atelier in München, das mit ethnographischen Gegenständen bestückt war, die aus exotischen Regionen mitgebracht wurden.

Als kommunikative Persönlichkeit war Eisenhut in seinem Kunstmalerleben als Organisator sowie als guter Mitarbeiter bekannt.
Sein Leben lang war er mit 2 Zentren der darstellenden Kunst liiert, einmal für die Gestaltung in B'pest und zum anderen das mit langer Tradition bekannte Zentrum in München. Er war immer bestrebt, beide Zentren kooperieren zu lassen. Er setzte sich für bessere Plätze zugunsten der ungarischen Künstler bei Ausstellungen ein und umgekehrt für deutsche Kunstmaler in Budapest. So hat er z.B. 1893 die erste Ausstellung für den damals berühmten Franz von Lenbach in Budapest organisiert. Auch Anfängern hat er geholfen. z.B. Josef Pechan aus Werbass, der zum Studium nach München gehen sollte. Er war Mitglied der Münchener Gruppe "Luitpold" unter der Schirmherrschaft des bayerischen Regenten und hat als solches staatlich befohlene Ausstellungen geleitet. Die Ausstattung des luxuriösen B'pester Kaffeehauses "New York" auf Bestellung wird kaum ein Zufall gewesen sein. Dieses Projekt führte er 1894 mit Gustav Mannheimer aus. Die Deckengemälde wurden 2003 restauriert.

Trotz seiner Verpflichtungen hat Eisenhut niemals die Bindung an seine Geburtsscholle verloren, vielmehr besuchte er seine Eltern und korrespondierte mit ihnen wie auch mit einem gewissen Robert Bühler. Einige ihrer Briefe sind erhalten und in den "Somborer Beilagen" 2006 veröffentlicht worden.
In Sombor befindet sich sein bekanntestes Gemälde von monumentalen Dimensionen (4x7m) "Schlacht bei Senta". Es wurde 1896 im Auftrage des Bac-Bodroger Komitats mit Sitz genau in dieser Stadt gefertigt. Anlass zu diesem Spitzengemälde war die ungarische Millennium-Feier. Aus ähnlichem Anlass sind 2 weitere Kunstgemälde entstanden, u.zw. "Verkündung der freien königlichen Stadt Michael Jancsiks - heute in der Sammlung des Suboticaer Museums und "Defilée Banater Großgrundbesitzer vor Kaiser Franz Josef und Paul Vágó - heute im Museum von Betschkerek (Zrenjanin). Für Eisenhut - auch für andere Künstler des Historismus - ist es charakteristisch, dass er bei der Gelegenheit den Schauplatz besichtigte und 1895 an militärischen Übungen in Senta teilgenommen hat. Seine Unterschrift unter das Gemälde der schicksalhaften Schlacht lässt München als Fertigungsort vermuten, wir wissen aber, dass es in Budapest anlässlich der Millennium-Feier ausgestellt war und erst nach 2 Jahren an seinen derzeitigen festen Platz kam.
Eisenhut hat sich noch gründlicher dem historischen Genre gewidmet und das gleich 2mal nach dem 700. Jahrestag der Heiligsprechung des ungarischen Königs Ladislaus (1892), als er 1898 das Werk " Hl. Ladislaus auf der Jagd nach Kuman, dem Mädchenräuber", - heute im Fond der Galerie "Matica Srpska" in Neusatz - und 1902 das Gemälde "Hunyadis Sturm bei Belgrad" schuf - heute in unserer Ausstellung zu sehen. Im Hinblick auf den besonderen volkstümlichen Genre, damals Panorama genannt, hat Eisenhut mit Lajos Markó und Franz Sic den feierlichen Trauerzug mit den Stadt- und Komitatsvertretern aufgezeichnet, der die Krone des Hl. Stefan bis zum königlichen Palais in Ofen (Buda) begleitete. Panorama war im Laufe des Monats August 1898 für das öffentliche Publikum in einem speziell zu diesem Zwecke hergerichteten Raum ausgestellt. Eisenhut hat öfters Szenen gezeichnet als auch Skizzen in Öl im kleineren Maßstab angefertigt, von denen sich 2 Exemplare in der Galerie der Matica Srpska befinden, die als solche auf der Ausstellung zu sehen sind.

Nach den beruflichen Erfolgen hat Eisenhut 1897 die 18-jährige Adriane Reichel, die Tochter Friedrich Reichels, Besitzer der Palankaer Zementfabrik, geheiratet. Sie war verwandt mit Franz Reichel, einem prominenten Repräsentanten der Sezessionsarchitektur, in dessen Suboticaer Palais seinerzeit Sezession, Interieur in türkischer Manier und Eisenhuts orientalische Gemälde sich "Seit an Seit" friedlich vertrugen.
Die parallele Existenz von Orientalismus, Sezession und Historismus zu gleicher Zeit im gleichen Raum erlangte eine breitere Bedeutung in Europa. Das junge Ehepaar hat sich schnell mit Kind in die weisse Welt begeben, u.zw. auf Einladung seitens des Emirs von Buchara im Jahre 1898. Ein Ergebnis dieser Reise ist die Entstehung des jetzt restaurierten Gemäldes "Nationaler Feiertag im Kaukasus". Lt. Überlieferung können wir im linken Teil des Werkes, auf dem Pferd die Frau des Kunstmalers mit dem Kind sehen, das während des Aufenthalts in Samarkand verstarb.
Gesundheitlich geschwächt verstarb Eisenhut am 2. Juni 1903. Er wurde unter großem Ehrengeleit auf dem Ostfriedhof in München beerdigt. Sein künstlerisches Erbe wurde von München nach Budapest und Palanka gebracht. Teile der Erbstücke sind Bestandteil amtlicher Sammlungen geworden, wie neben den bereits erwähnten die Ungarische Nationalgalerie in B'pest, das Städtische Museum in Subotica und die Galerie der Matica Srpska in Neusatz, die den größten Besitz aufweist: 10 Ölgemälde, 20 Zeichnungen und 4 Porträts seiner Tochter Judith.

Auf Initiative von Leposava Selmic, dem ehem. Direktor der Neusatzer Gründung und Kunsthistoriker des Städtischen Museums Subotica hat man sich der Erforschung von Eisenhuts Biographie und seines Lebenswerkes angenommen mit dem Resultat der Zusammenarbeit zweier Institutionen. Diese Arbeit - im übrigen unterstützt durch den Nachlass von Adalbert Müller-Poljat - hat auch zur Restauration bestimmter Kunstwerke geführt. Die Ausstellung ist anberaumt zur 150. Wiederkehr von Eisenhuts Geburtsjahr und wird in Subotica, Neusatz und Sombor gezeigt. Die Veröffentlichung der integrierten mehrjährigen Recherchen, der reproduzierten Kunstwerke und Dokumente ist z. Zt. in Vorbereitung.

Durch das Prisma von Eisenhuts Wirken können wir zum 1. Mal in der Vojvodina die Retroperspektive aller Wirkungsphasen des Kunstmalers sehen, dessen Werk und Leben die Entwicklungsperioden europäischer Kunst und der Lebensformen am Wendepunkt vom 19. zum 20. Jahrhundert wieder spiegeln. Das gilt auch für den abenteuerlichen Lebensteil des verehrten Kunstmalers, der aus Vojvodinaer Gefilden stammt."



Die Neusatzer Razzia 1942
Gedenkfeier am 23. Januar 2007

Verfasser des Berichts: igor.mihaljevic@dnevnik.co.yu, 23. Jan. 07
Übersetzer: Herbert Heintz, Rüsselsheim, früher Werbass/Neusatz


"Bei der Razzia sind mehr als 1.300 Neusatzer umgekommen.


Das Gedenken an den 65. Jahrestag der Neusatzer Razzia, bei der am 23. Januar 1942 die ungarischen Faschisten mehr als 1.300 Neusatzer unter das Eis geworfen haben - Juden, Serben, Roma und Bürger anderer Nationalitäten -, wird heute am Kai der Razziaopfer begangen. Städtische und Provinzbehörden werden auch in diesem Jahr getrennt dieses im Laufe des 2. Weltkrieges begangenen Verbrechens gedenken.
Im Programm, das um 13 Uhr 30 am Kai der Razziaopfer beginnt, werden Frau Bürgermeister Maja Gojkovic und der Direktor des Zentrums "Simon Wiesenthal" aus Jerusalem. Ephraim Zurof sprechen. Worte der Erinnerung an die Opfer kommen vom Rabbiner Isak Asiel und im Namen der serbisch-orthodoxen Kirche vom Batschkaer Fürstbischof Irinej im Gottesdienst, gehalten von Neusatzer Popen und Diakonen. Die Ehrerbietung für die Opfer erweisen auch die Chöre der jüdischen Gemeinde "Haschira" und der Konzilkirche "Heiliger Georg". Am Schluss der Gedenkfeier wird ein Kranz in die Donau herabgelassen.
Die Delegation des Parlaments der Autonomen Provinz Vojvodina wird um 12 Uhr 15 einen Kranz am Denkmal des Kais der Razziaopfer niederlegen. In der Kabinettsmitteilung des Parlamentspräsidenten ist nicht erwähnt, wer von den Provinzfunktionären der Delegation angehören wird.
Im Museum "Vojvodina", Donaugasse 35 findet um 18 Uhr ein kammermusikalisches Konzert statt unter Mitwirkung des Streichquartetts "Quattro Santi - Vier Heilige" aus Neusatz mit Vladimir Djukovic, Milan Nikolic, Stanislav Brkalic und Tamara Savic, wobei Museumsdirektor Ilija Komnenovic die einleitenden Worte spricht.
Viele Leser der Zeitung "Dnevnik" haben im Laufe des gestrigen Tages angerufen und sich beschwert, warum das Programm der Gedenkfeier nicht früher veröffentlicht worden sei. Unter ihnen auch Georg J. aus Neusatz, der behauptet, dass im Falle einer Bekanntgabe einige Tage vorher viele Nicht-Neusatzer Verwandte der Opfer dem Zeremoniell hätten beiwohnen können, um ihren umgekommenen Ahnen die Ehre zu erweisen.
D.Ig.

Namen und Schicksale der Juden am Ende der Neusatzer Hölle
Familien dem Tode geweiht, fünf Kinder dem Gemetzel entronnen

Es hat Eugen Schili wenig genützt, dass er zwischen den beiden großen Kriegen 30 Jahre lang als Sekretär der reformierten Gemeinde in Neusatz beschäftigt war. Im Kriege kristallisiert sich das Beste und das Schlimmste in uns heraus, und selbst wenn kein Verdacht besteht, schwimmt es immer an die Oberfläche. Eugens Asyl wird entdeckt, er wird verhaftet und nach Auschwitz deportiert.
Heute wird der Jahretag der Neusatzer Razzia begangen am Ende der Hölle in der Stadt, deren Symbol das Wahrzeichen des Friedens ist.
Das hat uns veranlasst zu untersuchen, ob die Neusatzer Juden ihre Familiennamen magyarisiert haben, um so dem sicheren Tod durch die Besatzer zu entkommen, oder nicht und auf welche Art und Weise sie versucht haben, ihr Leben zu retten. Ebenso werden wir die Erinnerung auf 5 Kinder verteilen. die mit Glück und Wohlwollen der Neusatzer Bürger als einzige ihrer Familien ihr Leben retteten. Den Text des begonnenen Berichts und viele andere enthüllte uns der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Neusatz, Paul Schoßberger, der betont, dass bis 1906 insgesamt 1904 Juden ihre deutschen in ungarische Familiennamen geändert haben.
Am intensivsten geschah dies von 1883 bis 1911 und Schoßberger enthüllt uns, dass angesichts und im Laufe des Krieges jüdische Familiennamen keine Veränderungen erfuhren. Selbst wenn jemand solch einen verzweifelten Schritt überlegte, musste er sich darüber im klaren sein, früher oder später entdeckt zu werden. Ähnliches erfuhren die konvertierten Juden, so genannte "Christgläubige Juden" innerhalb der Gruppe "An Jesus glaubende Juden", die dem Christentum huldigten, was aber die Gendarmen nicht als entlastendes Element anerkannten und alle Mitglieder verhafteten.
Das Blutbad dauerte 3 Tage lang, von Mittwoch bis Freitag, am 23. Januar 1942. An den ersten beiden Tagen sind einige Bewohner liquidiert worden, aber das Chaos begann freitags morgens um 9 Uhr, als die Anlieger der fast gesamten Mileticer Gasse vor den Häusern auf dem Gehsteig erschossen wurden. Nur eine Familie hat überlebt, weil die ungarischen Faschisten einen ruthenische Priester als Hausbewohner vermuteten. General József Grassi, der Herrscher über die Batschka, hat das Blutbad angeordnet, aber vielleicht sind die meisten in Nähe des Palais Jascha Dundjerski gegenüber der Bank erschossen worden.
Alle Opfer hat Hauptmann Ferenc Zöldi auf dem Gewissen, ein Übeltäter mit 2 Doktortiteln und 40 Gendarmen in der Kaserne "Wojwode Bojovic". Sein Verbrecherkollege Hauptmann Sándor (Alexander) Képíró, von dem "Dnevnik" bereits berichtete, damals in der Futoger Gasse stationiert, um später nach Argentinien zu fliehen, wo er sich 60 Jahre lang versteckt hielt. Und jetzt beteuert er aus Ungarn - wo er heute lebt - seine Unschuld mit der Behauptung, für nichts verantwortlich zu sein. Das älteste Opfer der Razzia war 83 Jahre, das jüngste kaum 7 Monate alt.

Schüler des humanistischen Gymnasiums Péter Vig

Der Gymnasiast Péter Vig ist dem Ehepaar Izsák zur Hilfe geeilt, weil der alte Leopold stolperte und Gisela ihn nicht hochheben konnte. Im Nu ist er an Ort und Stelle liquidiert worden. Von den ermordeten ca. 870 Juden und 400 Serben sind 370 Leichen bei Semlin angeschwemmt worden, wo man sie auf dem jüdischen Friedhof bestattet hat. Der bizzare Marsch in den Tod kostete einigen Ungarn, so auch einem Deutschen das Leben, die keinen gültigen Ausweis vorzeigen konnten.

Einzelschicksale

Ein verlorenes Bein hat der ganzen Familie geholfen zu überleben! Eugen Marer wurde zum Invaliden in Italien, als er auf Seite der Ungarn kämpfend dort sein Bein verlor. Hingegen haben den Vater Paul Schoßbergers auch 7 Tapferkeitsmedaillen aus dem 1. Weltkrieg nicht gerettet. Gendarm János Kenyeres tötete alle Familienmitglieder mit Ausnahme unseres Gesprächspartners Paul, der sich damals als Lagerinsasse im Bergwerk Bor befand.
In Viererkolonnen sind die Neusatzer langsam auf das städtische Strandgelande hineingegangen. Der schönste Süsswasserstrand Europas wurde zum Schauplatz eines unvergesslichen Genozids. Zuerst wurden Löcher in die Eisdecke gesprengt, dann Bretter ausgelegt, die nackten Juden, Serben und Roma mit Maschinengewehren umgemäht und die Leichen unter das Eis geschoben. Das Massaker dauerte bis 16 Uhr an, während am Kai der Razzia-Opfer die Erschießungen eingeschränkt wurden. Ein bestimmter Besatzungsoffizier hat die Einstellung des Massakers befohlen, so dass die Kolonne der Überlebenden sich in Richtung Innenstadt zurückbegeben konnte.
Die Helden unseres Artikels sind heute gereifte Menschen. Im Hause des Kinderarztes Dr. Zemanek neben der Kaserne in der Futoger Gasse lebten 2 Töchter, deren Väter geborene Brüder waren. Die Mädchen wurden von der Dienstmagd unter Holz versteckt und nach der Razzia zum Großvater gebracht, um schliesslich in Israel zu landen. Noch heute wissen sie nicht genau, wie sie in das Land am Mittelmeer gelangten und wer sie dorthin geführt hat. Die gleiche Gedächtnislücke hat auch Hanna Hirt, die Tochter von Ruzica (Rosi) Hirt, die mit ihrer Schwester ein Papier- warengeschäft in der Judengasse betrieb. Interessanterweise hat Hanna zum ersten Mal Schoßberger ausgerechnet in Israel angetroffen.
Das dramatischste Schicksal erlitten Dr. Alexander Kerényi (geb. Klein) und Djurika Goldstein. Dienstmädchen haben sie unter dem Bett versteckt. Etwas später wurden sie in das " Haus des Gedenkens", heute Jugendtheater, gebracht, wo die Cousine Schoßbergers ihr Weinen hörte und sie in ihr Haus führte. Alex ist bei der Tante mütterlicherseits zusammen mir deren Tochter groß geworden, um viel später Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Neusatz zu werden."







8 Kindergärtnerinnen aus der Vojvodina/Serbien vom 18.9. - 6.10.2006 zu Besuch in Baden


2.11.06
Bericht in den "Badischen Neuesten Nachrichten" am Samstag, 7.10.2006:
"Serbinnen in Kindergärten auf Einladung des Diakonischen Werkes Baden und des Hilfskomitees
der deutschen Evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Für die Erzieherin Elvira Konakov - zweite von rechts im Bild unten - aus dem serbischen Subotica waren es ungewöhnliche Zustände.
Die Rede ist von den Öffnungszeiten der Kindergärten in der Fächerstadt. In ihrer Heimat geht der Betrieb schon um 6 Uhr morgens los, er endet erst um 17 Uhr.
Paradiesische Zustände, von denen Eltern mit Söhnen und Töchtern im Kindergartenalter hier zu Lande nur träumen können.

Elvira Konakov hat in den vergangenen drei Wochen zusammen mit acht Kolleginnen aus der nordserbischen Provinz Vojvodina Kindergartenluft in mehreren Karlsruher Einrichtungen geschnuppert. Vor allem ging es dabei um den Spracherwerb, denn in den serbischen Kindergärten wird schon in frühen Jahren eine Fremdsprache eingeführt. In mehr als 20 staatlichen Kindergärten haben sich die Erzieherinnen und Erzieher für Deutsch entschieden -nicht etwa für Englisch oder Französisch.

Elvira Konakov, die in Serbien die Pädagogische Akademie besucht hat, konnte im evangelischen Kindergarten in der Kußmaulstraße wertvolle Anregungen für den Sprachunterricht zu Hause sammeln.
"Ich habe sonst keine Möglichkeit, Deutsch anzuwenden", beschreibt sie die Problematik.

Untergebracht war sie in einer deutschen Familie, auch das ein Vorteil, um die Kenntnisse auszuweiten. In dem Kindergarten, in dem sie in ihrer Heimat arbeitet, wird zwei Mal in der Woche für eine Stunde deutsch gesprochen.
"Wir singen deutsche Volks- und Kinderlieder", berichtet sie.

Organisiert wurde der Aufenthalt vom Hilfskomitee für die Deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien. Zum Abschluss-Austausch über die gemachten Erfahrungen trafen sich die Teilnehmer noch einmal alle gemeinsam im evangelischen Fachseminar in Rüppurr.

Der Leiter des Hilfskomitees, Herbert Schön, betonte, dass in Serbien die deutsche Sprache nicht als Sprache einer Minderheit gelehrt würde, sondern als Sprache im europäischen Kultur- und Wirtschaftsraum.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebte die Volksgruppe der Donauschwaben in Nordserbien. Das Diakonische Werk Baden und die donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg unterstützten den Besuch der acht Erzieherinnen und Erzieher nicht nur in ideeller, sondern auch in finanzieller Einsicht."

Heinrich Stephan





Über 100 Bulkeser besuchten ihren früheren Heimatort Bulkes (heute Maglić) und das Massengrab in Jarek im September 2006.

Dieser erste Besuch einer großen Bulkeser Reisegruppe wurde von der Heimatortsgemeinschaft Bulkes unter dem Vorsitz von Franz JUNG in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Donauschwaben unter dem Vorsitz von Hans SUPRITZ und der Donaudeutschen Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz unter dem Vorsitz von Josef JERGER organisiert und durchgeführt.
(Siehe 2. Reisebericht über....)


Rückblick
Bevor über die längst fällige, endlich zustande gekommene und insgesamt geglückte BULKES-Reise berichtet wird, soll an das 25. BULKESER HEIMATTREFFEN vor über 8 Jahren am 30/31.Mai 1998 erinnert werden.
Bekanntlich hat unser Bulkes-Kanadier Bernd SANDER bereits damals in seiner visionären, mutigen wie denkwürdigen Festrede einen BRÜCKENBAU nach Bulkes dem heutigen Maglic zu den serbischen Bewohnern vorgeschlagen.
Der volle Wortlaut kann am Ende der folgenden Reiseberichte nachgelesen werden.
Was damals leider mehrheitlich abgelehnt wurde, fand nun dank der einsichtsvollen Bemühungen unseres HOG-Vorsitzenden Franz Jung eine so breite allgemeine Zustimmung der Bulkeser, dass die Tür geöffnet ist für die Weiterentwicklung von freundschaftlichen Beziehungen auf dem Weg in die Zukunft, z.B. einer Städtepartnerschaft Kirchheim - Maglić?





1. Reisebericht über die Ankunft der Bulkeser in Maglić am 17.September 2006

Autorin: Frau Dobrila Boba Knežević aus Beograd in Zusammenarbeit mit Dušan Knežević aus Maglić

Rückkehr der Hausherren
Am 17. September 2006.

"Es ist Sonntag.
Die Zeit vor dem Mittagessen.
Vom neuen Weg bei der Tscharda biegen zwei Busse und einige Pkws links in das Dorf mit zwei Namen, ab.
Bulkes? Maglić?

Alle sind aufgeregt.
Viele haben von Tränen getrübte Augen. Sie erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend.
Sie erinnern sich auch an die plötzliche Abfahrt - an ihre Verfolgung (Vertreibung).
Es geschah vor über 60 Jahren, bei ihrem letzten Aufenthalt im Dorf.
Sie sind zaghaft. Wohin sollen sie schauen?
Es gibt keine schönen Weinberge, keine Ziegelbrennerei, keine Hanffabrik, keine Salasche mehr.
Sie sehen, dass links noch immer die Grundlöcher sind, die sie an die Sommertage der Kindheit erinnern.

Sander/Hauche Mühle ist heruntergekommen, - aber sie hält weiter stand.
Vor sich sehen sie den hohen Turm der Bulkeser Kirche, die der Enkel von Herrn Johann Sander, Margarethas Sohn Bernd Sander, versuchte zu erneuern.

Zuerst werden sie von den heutigen Bewohnern des Dorfes empfangen, von den tüchtigen Leuten, die hierher gebracht wurden, - viele haben zwangsweise die Häuser ihrer Vorfahren verlassen müssen.
Sie sind nun für immer hier, um alle, die ins Dorf kommen, willkommen zu heißen.

Sie kamen aus unterschiedlichen südlichen Balkangebieten:
Opa Nikola aus Moravatal, Janis aus Griechenland, Trivuna spielte neben Una, Stojanka aus Mazedonien, Filip aus Dalmatien, Katica aus dem Norden der Batschka, Novak aus Herzegowina, der kleine Milan wurde in Maglić geboren, ...

Die schöne Schülerin der Mittelschule Fräulein Nada aus dem Haus Nr. 146 begrüßt als Erste die ankommenden Gäste.
Zum ersten Mal steht heute das ehemalige Fräulein SCHREINER, jetzt Margaretha DEGEN mit ihren beiden Kindern Johann und Margaretha neben ihr. Sie sind im selben Haus aufgewachsen.
Jede zu ihrer Zeit.

Während die Busse sie durch die Straßen ihrer Kindheit und Jugend fahren, sind die Reisenden sehr aufgeregt, sie sehen, dass ihre heutigen Bulkeser Nachbarn vor ihren Häusern stehen oder sie sitzen auf den Bänkchen, - warten auf sie mit Geduld.

Die ersten drei Kleinen von WAHLs sind mit Maria und Theresia KEMPF. Bei ihnen sind auch die drei Katarinas aus 400a und Anna und Dorotea aus 206 b und Herr Jakob FREY aus 292.
An der Ecke steht der Dorfschornsteinfeger mit seiner Familie.

Sie fahren an Haus Nummer 396 vorbei. Im Bus befindet sich keiner der KLEINs. Die WEBERs aus 391 fehlen, die WEISSENBACHs aus 332 auch.

Die Busse sind bereits bis zur Erste Gasse gefahren. Sie fahren in Richtung Friedhof.
Die Familie des Kaufmanns Fritz BECK wartet vor ihrem Haus. Sie würden gerne in ihr Haus hineingehen, aber in diesem leben inzwischen einige andere Leute. Sie wollen sie nicht stören.

Es ist Mittag.
Zeit zum Mittagessen in ihrem schönen Dorf Bulkes.

Am Haus des früheren Bulkeser Arztes Dr. SANDER (Titos Partisanen haben ihn zusammen mit anderen Bulkesern am 17. November 1944 im Akazienwald von Palanka erschossen) spielen die Kinder Volleyball auf dem heutigen Pausenhof der Schule.
INGE, der Liebling des Arztes, und ihr Mann Heinrich aus der Familie STEPHAN kommen schon lange Zeit immer mit dem Wunsch nach Maglic, die zwei Dörfer zu versöhnen, ihnen schöne Geschichten über das Dorf ihrer Kindheit zu erzählen und dazu beizutragen, dass die gegenwärtigen Bewohner stolz darauf sind hier zu wohnen.

Am Eingang zum alten Bulkeser Friedhof warten die RAPPs mit ihren Cousinen, die DEGENs aus der Zweiten Gasse und MAHLERs aus der Letzten Gasse. Da sitzt auch die Familie WERLE. In der Batschka sagt man, dass sie Bauern sind. Seit sie in das Lager gebracht wurden, waren sie nicht in ihrem Dorf, um entlang der Ackerfurchen zu gehen.
Unweit von ihnen stehen die Cousinen und Nachbarn - Handwerkers GRASSes, EISEMANNs, SCHMIDTs, WEISSENBACHs, LANGs, GREIFENSTEINSs, WAHLs, KENDLs, NEBERs, JELCHOS, ...
Sie warten, um den alten Friedhof gemeinsam zu betreten.
Bald beginnt das Gebet.
Das erste nach so vielen Jahren daheim in Bulkes.

Frau Maria BECK aus dem Haus Nr. 119 ist mit ihrer Tochter und ihrem Enkel Kristian im Bus.
Sie erlebte diesen Tag.
Ihre Augen glänzen. Vor Tränen ...
Während die Busse langsam fahren, verwandeln sich ihre zweiundneunzig Jahre in ein Mädchen, das auf den Straßen von Maglić - ihres Bulkes spielt.
In den Händen hält sie ein Buch, das sie selbst geschrieben hat. Sie möchte sich bei den Bewohnern ihres Dorfes bedanken, die geholfen haben, die kleine Gerda, Erna, Peter, Horst, Johanna, Margaretha, Maria, BERNHARDT und die anderen Kinder aus diesem Dorf nicht zu vergessen.
Während die Kinder aus der neuen Schule in Maglić Willkommenslieder sangen, dachte sie an die Lehrer Karl KENDL, Tobias POLSTER, Karl BRUNNER und an Jakob HOFFMANN.
Auch an Eugenie, Käthe, Julchen, Mathilde/Hilde und Erna BRUNNER und Katharina, die Kindergärtnerinnen des Bulkeser Kindergartens. Auch an ihre Helferin Elisabeth KLAUS.
Sie möchte, dass auch DUŠAN und Milan und Vinka und Dragan und Slobodan und Sladjana und Žarko ihr Buch und alle geschriebenen Bücher über die Menschen dieses schönen Dorfes vorlesen, … und all denjenigen, die sie mit einem aufrichtigen Willkommensgruß empfangen haben. Sie weiß, dass sie sich besser verstehen, wenn sie die Wahrheit über sie und ihr Golgatha erfahren.
Sie hat sich dazu entschlossen, ihr Buch DUŠAN zu schenken, dem Menschen, der sich darum bemüht hat, dass sie sich so fühlen, als ob sie in ihr Heim kamen, - dass sie wieder in ihr Dorf Bulkes kommen und ihre große Kirche betreten sowie für alle eine Gedenkfeier abhalten, die in den Lagern Jarek, Palanka, Rudolfsgnad, Gakowa, Vrdnik, Filipova, Kruschiwil, Mitrowitz, …, in den russischen Bergwerken Antrazit und Toschkowka, im serbischen Bor, dem Lager 1026, Sneschnoe, … geblieben sind.
Sie beten für jeden von ihnen, der auf dem Weg ohne Rückkehr geblieben ist.

Herr Heinrich HOFFMANN befand sich nicht unter den Reisenden im Bus. Mit Liebe und dem Versöhnungswunsch ist er mehrmals ins Dorf seiner Vorfahren gekommen. Zusammen mit seinen Freunden und Herrn Peter DEGEN, bekannt als WENDLs Peter, ein Mann von großem Herz, der sich bis zu seinem Lebensende darum bemühte, die zwei Völker aus dem Dorf mit zwei Namen zu versöhnen.
Sie fuhren auch an Haus Nr. 6 vorbei - dem Haus der Familie DEGEN, in dem Peter geboren ist.
Vielen tut es Leid, dass er nicht miterleben konnte, unter ihnen zu sein.
Sie irren sich natürlich.
Der Apostel sagt: " Die Liebe hält lange aus, sie ist gnädig ..." (I Kor, 13.4).


Erinnerung:
Während die Gäste der gegenwärtigen Maglic Bewohner die Kirche betreten, begleitet sie der unsichtbare Blick des Pfarrers Karl ELICKER auf all die toten Bulkeser, - die ausgestorbenen Familien, die plötzlich aus der Erinnerung hierher zurückkommen und jetzt in diesem Augenblick wie lebendig in Maglic gegenwärtig sind:
Neben ihm steht Frau Maria BAUER aus Haus Nr. 468. Sie ist froh, weil ihr lieber Ehemann Samuel BAUER aus Antrazit, aus dem fernen Russland nach dem Krieg zurückkam. Ihre Tochter, die kleine Magdalena, hält in Erinnerung an Jarek die Hände ihrer sechsjährigen Brüder, den Zwillingen Samuel und Heinrich, fest. Sie wollte sie behüten. Es gelang ihr nicht.
Auch die Liebe der Mutter half dabei nicht, - die kleinen Zwillinge sind im Lager Jarek gestorben.
Fritz BECK HNr. 31 aus der Ersten Gasse traf sich heute ebenfalls mit den Seinen.
Auch Franz JUGENHEIMER HNr. 112 aus der Haupt Gasse ist mit den Seinen vereint. Er fand sie in Jarek. Nur auf die kleine Elisabeth warteten alle. Sie kam vom Norden der Batschka, aus dem Lager Gakovo.
Katarina BIEBER aus Nr. 448 kam vom Donezbecken.
Friedrich GLAS Junior HNr. 382 hat seine Bulkes-Bewohner seit seinem letzten Geburtstag am 9. April 1941 nicht gesehen
(an diesem Tag wurde er im YU-Feldzug bei Nisch ermordet). Er kam aus Niš an.
Herr Chistian GERHOLDT HNr. 221 liebkost mit seinen schwieligen Landwirthänden den achtmonatigen GERHOLDT, Susanes Sohn. Sein jüngster Enkel war nie in Bulkes - er wurde im Lager Jarek (am 8.5.1945) geboren (und ist am 17.1.1946 in Jarek gestorben).
Auch Herr und Frau HOFFMANN, die sich mitsamt der sechsmonatigen Brigitte an den Händen halten, sind hier. Auch in Jarek konnten sie nicht ohne einander leben. Sie waren elf Tage (im Sterben) getrennt.
Herr Peter und Anna KLAUS stehen neben ihnen. Bei ihnen stehen die BIEBERs aus Haus Nr. 46,
dann die BINDERs aus Nr. 182 in der Hauptgasse.
Der kummererfüllte Herr HÄHNEL Peter HNr. 197 wartet auf seine Frau Elisabeth und seine Tochter Christine, die beide aus Antrazit kommen.
Apotheker Christian HARTMANN
(wurde am 17. November 1944 von Titos Partisanen im Akazienwald von Palanka erschossen) HNr. 213 ist mit seiner liebsten Ehefrau Christine hier. Beide schauen liebevoll auf ihre einzige Tochter Helga. Sie warteten lange darauf, bis sie auf die Welt kam. Sie war erst fünf Jahre alt, als sie in das Lager Jarek gebracht wurde.


Alle wollen sich ausruhen.
Sie wissen, dass ihre Bulkeser wieder kommen und auch ihre Jüngsten mitbringen.
Sie warten mit dem Vorsitzenden ihrer Vereinigung, Herrn Franz aus dem Haus JUNG.
Herr Karl WEBER ist ihnen bei der Erkennung des Dorfes ihrer Vorfahren behilflich.





Während der Bus von der Haupt - Gasse in Richtung neues

Maglićer Schwimmbad auf der Hutweide

abbiegt, denkt das ehemalige Mädchen (Anm.: Die Autorin dieses Reiseberichts.), das in Maglić aufgewachsen ist, an sein heutiges Haus in Belgrad. Sie lebte im Bulkeser Haus Nr.142 von Heinrich und Katharina Hähnel."


[Rechts im Bild stehen auf der Freiterrasse des Schwimmbades von links nach rechts:
Frau BAUDERER; Krsto JOVANOVIČ, Direktor "komunalno", Mićas Direktor; Frau Anni JUNG; Radomir ZOTOVIĆ, Stellvertreter des Amtsvorstehers von Bački Petrovac; Franz JUNG, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Bulkes und Dušan KNEZEVIĆ; aus dem Hintergrund leuchtet von der Sonne angestrahlt unsere schöne Kirche, - wie vor 60 Jahren.]









"Sie ist heute froh. Einer ihrer Wünsche ist in Erfüllung gegangen.
Sie weiß, dass jener Augenblick nahe ist, an dem die Wahrheit über das ehemalige Bulkes und dessen Bewohner ans Licht kommen wird. Sie glaubt, dass sich dessen ehemalige und gegenwärtige Bewohner endlich versöhnen werden: die tüchtigen Leute aus Bulkes mit den tüchtigen Leuten aus Maglić.
Sie wird einige von ihnen durch Gotteshilfe kennen lernen. Sie wird sie darum bitten, sich gemeinsam darum zu bemühen, dass dieses Dorf dasselbe wird, wie es früher war: unser schönes Dorf Bulkes.
Auf diese Weise kann sie auch die Antwort auf die vielen Fragen finden, die sie sich selbst gestellt hat, als sie in den Maglićer Straßen spielte, das Alphabet bei der gutmütigen Lehrerin Nada lernte, zum Bahnhof ging, um Gäste abzuholen, Rad fuhr oder Wasser aus dem Wasserhahn im Zentrum bei der Kirche holte.
Dann fragte sie sich hin und wieder: wer sind die Leute, die in der schönen Bulkeser Kirche beteten, wer lebte in den Häusern? Warum sind alle aus dem Dorf verschwunden?
Wie sahen die Augenblicke vor ihrer Abfahrt aus?
Wer hat sie von hier abgefahren?
Warum?
Sie fragte sich, wessen schöne Denkmäler sich auf dem Friedhof befinden?
Warum ist niemand da, der Blumen auf die Gräber legt?
In ihrer kindlichen Unbedenklichkeit wollte sie die Begrabenen erfreuen. Sie dachte, dass sie froh sind, wenn sie ihnen Veilchen schenkt.
Sie fragt sich inzwischen, wer ihre Nachfahren sind? Wo sie nun sind? Was sie über dieses schöne Dorf wissen? Haben ihre Vorfahren sie gelehrt, dieses Dorf so zu lieben, wie sie es taten?
Lieben sie es wirklich?

Könnt ihr Bulkes - Maglić lieben?"
Anm.: Die Autorin hat die ersten Buchstaben in Bulkes/Maglić gelernt.





2. Reisebericht über die Gedenkfeier am Massengrab in Jarek am 16.September 2006

Abdruck aus den "Donaudeutschen Nachrichten" vom Oktober 2006



Rund 60 Jahre nach Auflösung des schrecklichen und ersten Vernichtungslagers für deutsche Zivilisten im kommunistischen Jugoslawien, konnte am 16. September am Rande der Massengräber, mit 7000 Toten, eine Gedenkveranstaltung in Würde abgehalten werden.

Diese Gedenkveranstaltung kann als lang ersehnter Start für die Errichtung einer Gedenkstätte in Backi Jarak/Jarek betrachtet werden.

Der Weltdachverband der Donauschwaben und der Bundesverband der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschland bemühen sich seit einigen Jahren darum nach in Gakovo und in Krusevlje auch in Backi Jarak eine würdige Gedenkstätte für unsere unschuldigen Opfer der ersten Nachkriegsjahre errichten zu können.

Durch intensive Gespräche ist es den Landsleuten Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, und Josef Jerger, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben gelungen, Vertrauen in Jarak aufzubauen und eine schriftliche Zusage zur Errichtung einer Gedenkstätte zu erlangen.

Da es in diesem Jahr aus zeitlichen Gründen noch nicht zur Erstellung der Gedenkstätte kam, regte die HOG Bulkes an, im Rahmen ihres Besuches des ehemaligen Heimatortes auch in Jarek/Bački Jarak eine Gedenkfeier für die dort ruhenden 655 Männer Frauen und Kinder abzuhalten. Der Gedanke wurde von den Verantwortlichen des Referats Gedenkstätten, Josef Jerger und Hans Supritz angenommen und veranlasste sie, zu den nötigen Vorbereitungen vor Ort.

Buchstäblich bis zum letzten Tag vor der Veranstaltung wurde daran gearbeitet, dass das Gelände begehbar wurde und die Gedenkfeier in unmittelbarer Nähe der Massengräber, wo auch die Gedenkstätte entstehen wird, abgehalten werden konnte.

Neben den rund 120 Landsleuten aus Bulkes, Landsleuten aus Tscheb und in der Nähe von Jarak lebende Landsleute nahmen Vertreter der örtlichen Verwaltungen in Temerin, Bački Jarak und Maglić, Vertreter von Institutionen in Novi Sad und Vertreter deutscher Vereine in der Vojvodina an der Veranstaltung teil.

Als Vertreter des Weltdachverbandes der Donauschwaben und des Bundesverbandes der Landsmannschaft der Donauschwaben nahmen deren Vorsitzende Jerger und Supritz teil und legten für alle dort ruhenden Donauschwaben einen Kranz nieder.

Die örtlichen Medien berichteten im Fernseen und im "Dnevnik" über die Gedenkfeier.

Ein ausführlicher Bericht erfolgt in der nächsten Folge der Donaudeutschen Nachrichten.





Bericht der "Mitteilungen" Nr.10, 15. Oktober 2006

Erste große Gedenkveranstaltung in Jarek

Die erste große Gedenkveranstaltung in Jarek, 60 Jahre nach der Auflösung dieses schrecklichen Vernichtungslagers für deutsche Zivilisten, hat in Würde und mit großem Erfolg am Rande der Massengräber in Jaruk stattgefunden.

Dies ist der lang ersehnte Start für die Errichtung einer Gedenkstätte in Jarek für unsere an die 7000 Toten, die dort in den Massengräbern würdelos verscharrt wurden.

Bei der Feier dieser 1 Gedenkveranstaltung am 16. September waren an die 200 Teilnehmer, davon allein aus der Ortsgemeinschaft Bulkes 120, die Vertreter der örtlichen Verwaltungen aus Temerin und Bački Jarak sowie Vertreter der Presse und des Fernsehens, die mittlerweile auch schon darüber berichteten, anwesend.

Der Weltdachverband und der Bundesverband der Landsnmnnschaft der Donaushwaben, die seit Jahren auf diesen Tag hingearbeitet haben, wurden von den Vorsitzcnden, Josef Jerger und Hans Supritz, vertreten.

Die Reisegruppe der Ortgemeinschaft Bulkes, die in Jarek über 600 Tote Landsleute zu beklagen hat, wurden von Franz Jung und Karl Weber angeführt. Sie waren es auch, von denen die Initiative für diese Gedenkveranstaltung ausging. Verbunden damit haben die Landsleute aus Bulkes auch den Besuch in ihrem ehemaligen Heimatort, der heute Magli ćc heißt. Der Gemeindevorsteher von Maglić nahm ebenso an der Gedenkveranstaltung teil. Auch darüber werden wir in der nächsten Ausgabe noch ausführlich berichten.

Die große Neusatzer Tageszeitung "Dnevnik" brachte bereits am Tag nach der Veranstaltung einen sehr positiven großen Bericht mit Bild unter der Überschrift "Hände der Versöhnung bauen Brücken" (siehe unten und Kapitel SRPSKO POGLAVLJE
über die Veranstaltung an den Massengräbern in Jarek.


"DNEVNIK, 3.STRANA - NOVI SAD - 17.9.2006"







"Ne tražimo nikakvu krivicu i krivce, ne trpimo da neko kaže Srbi su krivi, Nemci su krivi ..."







Seder - Interview
sa Hans SUPRITZOM,
NOVI SAD - 18.9.2006

Konferencija za štampu Hansa Supritza, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschlend und Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben u u Backom Jarku, 16. Septembra 2006.
Siehe: SRPSKO POGLAVLJE





Franz JUNG - Bački Jarak - 16.9.2006

Geehrte Ehrengäste,
meine Damen und Herren,
liebe Landsleute,

mit der freundlichen Zustimmung der Ortsverwaltung von Backi Jarak ist es uns nach über 60 Jahren erstmals möglich, hier an der Stelle wo unsere Familienangehörigen, Freunde und Verwandte ruhen, ihrer in Ehre zu gedenken.

Als Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Bulkes darf ich Sie alle herzlich begrüßen.
Gleichzeitig möchte ich es nicht versäumen den Mitgliedern der Ortsverwaltung (Mesna Zajednica Bački Jarak), dafür zu danken, dass wir heute hier sein dürfen.
Mein Dank geht auch an den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Donauschwaben, Herrn Hans Supritz und den Präsidenten des Weltdachverbandes der Donauschwaben für die vorbereitende Unterstützung zu dieser Gedenkfeier.

Seiner Toten zu gedenken, ist für jedes Volk ein Akt der Ehre und der höchsten Sittlichkeit.
Pflicht der Lebenden, in diesem Falle der Überlebenden, ist es derer in Ehrfurcht zu gedenken, die eine grauenvolle Zeit nicht überlebten.
Wer sich von seinen Toten abwendet, verliert nicht nur einen Teil der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft.

Deswegen ehrt uns, dass wir an dieser Stelle, wo unsere Landsleute ruhen, mit Ihnen gemeinsam diese Gedenkfeier abhalten dürfen.
Bemerken darf ich, dass die höchste Zahl, der in den Jahren 1945 - 1946 in diesem Ort Verstorbenen, aus Bulkes stammten.
Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen hat über viele Menschen und Völker durch Verschleppung, Vertreibung, Entrechtung, Internierungen und Tod, Leid und Elend verbreitet.
Auch in dieser kleinen Region Europas haben unschuldige Menschen aller Nationalitäten für den Wahn anderer bezahlt.
Heute sieht die Bundesrepublik Deutschland uns Donauschwaben als Brückenbauer zu unserer ehemaligen Heimat und den hier lebenden Menschen. Gerne haben wir diese Aufgabe angenommen und reichen die Hand zur Versöhnung, auch über die Gräber all unserer Toten hinweg.
Die Grundlage zu einer Völkerverständigung wurde bereits in der Charta der deutschen Heimatvertrieben gelegt, die 1950 in Stuttgart beschlossen wurde.
Darin ist festgeschrieben, dass die deutschen Heimatvertrieben auf Rache und Vergeltung für das ihnen angetane Unrecht verzichten und für ein friedliches, geeintes Europa mit aller Entschlossenheit eintreten werden, in dem in Zukunft alle Völker ohne Angst und Zwang leben können. Die Donauschwaben haben diese Charta mit unterzeichnet und stehen auch heute noch dazu!

Diese Brücken dürfen aber keine Einbahn bleiben, sie müssen aus beiden Seiten befahren und begangen werden. Erst dann gibt es eine echte Völkerverständigung.
Was noch vor wenigen Jahren undenkbar erschienen ist, wurde mehr und mehr zur Realität.
Donauschwaben und ihre einstigen Nachbarn, Menschen, die in dieser Region leben, begegnen sich verständnisvoll, und mit dem festen Willen, die von Freud und Leid geprägte Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten.

Zwei Weltkriege hinterließen in den Seelen der Menschen in Europa tiefe Narben. Für die Überlebenden grauenvoller Zeiten ist es wichtig, dass es Stätten der Erinnerungen gibt, an denen sie ihrer Toten in Würde gedenken können.
Für die nachfolgenden Generationen sollen diese Gedenkstätten Orte der Mahnung sein, dass sich solche Geschehnisse nicht mehr wiederholen mögen.

Wir hoffen, dass es möglich wird auch hier in Bački Jarak bald eine Gedenkstätte zu errichten. Wir sind überzeugt, daß der heutige Tag uns menschlich näher gebracht hat und wir auf dieser Basis zuversichtlich in die Zukunft schauen können!

Sie, meine Damen und Herren aus Bački Jarak, haben durch die Genehmigung zu dieser Gedenkfeier ein leuchtendes Beispiel gegeben.

Dafür nochmals unseren herzlichen Dank.





Bački Jarak - 16.9.2006



Jareker Rede des Stellv. Vorsitzenden der Teilgemeinde Temerin des multiethnischen Ortsverbandes Temerin/Bački Jarak
Nenad DUNOVIĆ

(Ansprache im serbischen Originaltext siehe SRPSKO POGLAVLJE - 1)

Sehr geehrte Freunde,

es erfüllt mich mit Zufriedenheit, Sie im Namen der Gemeinde Temerin zu begrüßen und in unserer Gemeinde und Ortsverband willkommen zu heißen.

Ich richte herzliche Willkommensgrüße an Sie, aber auch die Entschuldigung von Herrn Stojan Tintor, dem Vorstand der Gemeinde Temerin, der heute wegen nicht aufschiebbarer Verpflichtungen leider nicht anwesend sein kann.

Ein Mensch ist ein Wesen ähnlich dem Baum, der Wurzeln schlägt sowie Säfte aus dem Boden saugt, auf dem man geboren wurde, und wenn man diesen Boden verlässt, trägt man in jeder Zelle seines Körpers ein Stück voller Erinnerung und Heimweh. Ohne Rücksicht darauf, ob der Mensch in der Ebene, am Flussufer bzw. an der Meeresküste, im hohen Gebirge, auf ewigem Schnee und Eis, in der Wüste oder im Urwald geboren wurde, liebt er den Ort, in dem er zur Welt kam. Er liebt und erinnert sich für immer an den Wind im Gesicht, den Geruch des Morgens, des Tages und der Nacht, er hört gerne die Töne seiner Heimat, und über allem verehrt er die Heiligtümer und die heiligen Orte seines Volkes nach dem Verlassen der Heimat. Glauben Sie mir, ich verstehe vollkommen die Angehörigen der deutschen Volksgruppe, die als Folge der Kriegsereignisse dieses Unglück erlebt haben, ihre Heimatorte verlassen zu müssen.

Leider ist die Geschichte der Menschheit in der Tat eine Geschichte der Kriege, der Zerstörung und des Sterbens. In der Gesamtheit sind die zahlreichsten Opfer einfache friedliebende Menschen, die von Geburt an nur den einzigen Wunsch hegen, ihr Leben in Frieden zu verbringen, Kinder zu zeugen sowie sie zu Erwachsenen zu erziehen und all das in ihrem eigenen Geburtsort. Aber oft werden Menschen - geleitet von mehr oder minder guten Ideen, ohne Rücksicht auf Religion, Nationalität oder Hautfarbe - Soldaten, die immer und pflichtgemäß den einfachen Leuten die Grundrechte entreißen, mit dem Säbel Geschichte schreiben und dann selbst verschwinden, wobei sie leider unzählige Friedliebende mit in den Tod ziehen.

Ich glaube, dass die Zeiten vorbei sind, als man für das Böse starb und dass in Zukunft ein Leben im Guten vor uns liegt. Ebenso glaube ich, dass diese heutige Begegnung eines de Schwungräder im grossen Prozess der Schaffung herzlicher und freundschaftlicher Zukunft sein wird. Sie werden mir beipflichten, wenn ich sage, dass es sich lohnt, für die Ideen der gegenseitigen Verehrung und Ansehens unserer Völker zu leben und einzustehen.

Liebe Freunde, ich bin sicher, dass die Gemeinde Temerin und der Ortsverband Jarek künftig gerne die Gastfreundschaft für solche und ähnliche Besuche anbieten wird, u.zw. - wie ich glaube - zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Im Namen der Freundschaft zwischen unseren Völkern und im Namen irdischer und himmlischer Gerechtigkeit für jeden Menschen begrüße ich Sie herzlich. Vielen Dank und ein Hoch (auf die Besucher).

Übersetzung aus dem Serbischen ins Deutsche: Herbert Heintz, Rüsselsheim, vormals Neusatz/Werbass





Die Bulkeserin Ilse BEYER, geb. Weber vor dem symbolischen Grabhügel mit dem Gedenkkreuz für unsere toten Angehörigen.


Rückblick um 8 Jahre zum 25. Bulkeser Heimatreffen am 30. und 31.5.1998 auf
Bernd Sanders FESTREDE



"Liebe Festgemeinde,
Gäste, Bulkeser, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Landsleute,

zum dritten Mal habe ich die Ehre hier eine Festrede zu halten....doch jedes Mal steigern sich die Erwartungen, Eure sowie auch meine. Und zu diesem besonderen Jubiläum, stelle ich mir die Frage....was bringe ich als Wort, das zu gleicher Zeit reizvoll, geschmackvoll, sinnvoll, humorvoll und greifbar ist,....das Euch so rührt zu sagen, packen wir's an!
Ein guter Redner macht immer das Folgende:
1) Sag Ihnen was Sie hören werden
2) Sage es Ihnen
3) Sage Ihnen was Sie gehört haben
Also möchte ich in dieser Festrede etwas unkonventionell und locker ein Thema, dass es in Bulkes gar nicht gab, anschneiden; einen speziellen Gast einladen, mir hierbei zu helfen, um dann in einem zukunfts-orientierten Fazit mit einigen Aufmunterungen zu schliessen.
Das Thema über was ich sprechen möchte, das es in Bulkes nicht gab, heißt nämlich

"Brücken".

Bulkes, ein stiller Ort der panonischen Ebene, hatte keine Brücken nötig. Da ich ein Freund der Berge bin, war ich immer verwundert, dass meinem Kendl's Opa die absoluteste flache Ebene gefiel! So schön...wie daheim! Also keine Brücken nötig!

Brücken werden gebaut und dienen der Verbindung von Ufern, Kontinenten, Städten und Völkern. Symbolischer Brückenbau ist, wenn durch Kompromisse unterschiedliche Auffassungen einander näher gebracht werden sollen, oder Aussöhnungen angestrebt werden sollen. Im Prinz-Eugen-Lied wird besungen der Brückenbau zur Belagerung der Festung Peterwardein durch seine Armee bei der Vertreibung der Türken aus der Batschka. Der Volksmund spricht auch bei bevorstehenden örtlichen Veränderungen, Umzug in eine andere Stadt oder Auswanderung in ein anderes Land, vom Abbrechen aller Brücken hinter dir und nach vorne schauen.

Doch jeder Bulkeser, der dort geboren ist, baute irgendwann in den letzten 50 Jahren, in Gedanken Brücken von der neuen Heimat dorthin wo einst seine Wiege stand; sein Zuhause war. Ich bin mir gewiß, das unsere Eltern und Großeltern auf diesen Brücken in Gedanken oft hin und zurück gingen ... unter anderem auch, aus der reichen Lebenserfahrung von damals, ihr Heute zu gründen.

So habe ich aus meiner Lebenserfahrung versucht, solche Brücken zu Bulkes zu schlagen. Ich verdiene mein täglich Brot als Unternehmensberater. Ich reise in der ganzen Welt herum und helfe, unter anderem, Unternehmen ihre Werte und Wertvorstellungen zu definieren. Werte und Wertvorstellungen gab es auch damals in Bulkes, nur nannte man sie nicht so, obwohl man danach handelte. Um den Vergleich von damals zu Führungsstrukturen moderner Grossunternehmen von heute aufzuzeigen und diese beweisen zu können, möchte ich jetzt gemeinsam mit meiner Assistentin eine Brücke schlagen.
Mir helfen wird Maria Beck (Senior) aus Nürnberg. Maria, helfe mir doch bitte einige Unternehmenswerte wie, die Gebote der Zusammenarbeit und Führung, die heute sehr wichtig sind, durch deine Erlebnisse als Bulkeserin zu unterstützen:

1) Partnerschaftliches Vertrauen entwickeln.
Gute Teams bringen nicht nur gute Leistung - sie bringen zudem mehr Spaß und fördern das Engagement, wenn sich der Einzelne sicher fühlt. Ohne Vertrauen ist das unmöglich. Der gemeinsame Erfolg schweißt die Grupppe zusammen. Wenn wir's nicht schaffen, Mißtrauen und Kontrolle durch Vertrauen zu ersetzen, wird es weder Erfolge noch eine neue Unternehmenskultur geben.
Damals konnte man sich auf das Wort eines Menschen verlassen.
Mein Uhrgroßvater Kendl sagte zu seiner Zeit, bei Geschäftsabwicklungen:
"Wenn mein Wort nicht gut genug ist, was soll meine Handschrift besser sein?"

2) Persönliche Veränderungsbereitschaft steigern,
Barrieren einreißen! Vor allem im Kopf: "Geht nicht, gibt's nicht, oder nicht mehr." Es geht nur darum, wie wir's zum Laufen bringen.
Starten Sie dort, wo es weh tut. Bei sich selbst. Warten Sie nicht auf Weisung von oben. Fangen Sie an! Sie wollten doch manchmal "alles" verändern. Tun Sie's. Jetzt!
Damals liefen keine Kurse um Jugendliche zu motivieren. Damals war man schon als Kind mit hineingenommen in den Arbeitsablauf des Tages...die Versorgungsproduktion lief in jedem Hause über die Bühne. Und derselbe Urgroßvater viele Jahre später, wie vielleicht auch in Euren Familien, begab sich im Jahre 1904 auf eine 3-Wochen Schifffahrt nach Amerika, um dort in Cleveland Geld zu verdienen. Seine Frau und zwei kleine Kinder blieben in Bulkes, und er kam nach 3 Jahren zurück und baute dann seine Werkstatt.

3) Erfolgreiche Zusammenarbeit gestalten.
Egal, wie toll wir als Einzelne sind - ohne Zusammenarbeit kann das Ergebnis nicht sein, was es soll: wirklich überzeugend...jeder, den wir fragen, kann uns weiterbringen. Diese Zusammenarbeit braucht keinen formellen Rahmen - nur passieren muß es. Ob wir das als "Teamwork" bezeichnen oder als Arbeitsgruppe, ist völlig egal. Entscheidend ist die Art, wie wir uns in diesen Gruppen verhalten.
Damals konnten Bauernhöfe nur mit vollem Einsatz der Familie, sowie den Knechten und Mägden, Pferden und Wagen richtig funktionieren. In der Ernte war noch die vertrauensvolle Heranziehung des Schlossers mit seiner großen Dreschmaschine nötig. In der Zeit des "Kukrutzbrechens" halfen abends teilweise Frauen aus der Nachbarschaft beim "Kukrutzstrippen" daheim im Hof.

4) Gemeinsame Lernchancen nutzen.
Lernen hat nicht nur mit Seminaren zu tun, sondern auch mit offenen Augen und Ohren. Lernen können wir jeden Tag. Aus der Praxis, aus eigenen Fehlern, aus Erfolgen. Machen Sie Fehler. Es ist Ihr gutes Recht. Aber jeden Fehler nur einmal. Versprochen? Sprechen Sie Schwachstellen ganz offen an. Aber vielleicht nicht gleich in aller Öffentlichkeit. Recht geben. Nicht nur Recht haben wollen. "Spicken" Sie, wo Sie können! Wir müssen nur das Lernen wieder lernen.
Damals verlief das Lernen weniger auf theoretischer Basis, dafür aber im praktischen Miteinanderarbeiten. In den Monaten, während viele der Bulkeser Männer nach Belgrad und Sarajevo als Handwerker zur Arbeit gingen, wurden die Gelegenheiten genutzt, um für die Töchter Aussteuer vorzubereiten. Großmütter, Mütter und Töchter nähten, stickten, strickten und häckelten. Außerdem ging kein Mädchen von Bulkes ohne die wichtigen Versorgungskenntnisse in den Ehestand. Und beim "Moje gehen" wurde das Bewußtsein vom "Goldenen Boden des Handwerks' durch Erzählungen und durch eigenes Vorbild eingeprägt.

5) Unternehmerische Freiräume ausschöpfen.
Ohne die Freiheit zur Veränderung werden wir nichts bewegen. Weder uns selbst noch unser Umfeld, nicht die Arbeitsprozesse, nicht die Innovationskraft und schon gar nicht die Arbeits- und Entscheidungsfreude. Geben Sie Entscheidungsfreiheit! Fördern Sie "Freischwimmer"! Fällen Sie keine Entscheidungen. Lassen Sie sie wachsen. Aber "Das haben wir hier noch nie so gemacht". Wenn Sie das hören, sind Sie wahrscheinlich auf dem richtigen Weg.
Damals wurden Geschäfte entwickelt, aus den jeweiligen Bedürfnissen zum notwendigen Lebenserwerb der Einwohner. In Bulkes gab es zum Beispiel:
- das Batschkermacher Handwerk
- das Strickerschuh Handwerk
- das Wagner Handwerk
- das Holzklumpen Handwerk - beim Schuleingang wo man sie auszog, war das Wiederfinden enorm schwierig, denn sie sahen alle gleich aus
- das Fassbinder Handwerk
- die Schnappsbrennerei
- Franz Jung's Hopfentrocknerei
- die Hanffabricken - die Kinder konnten sogar auf den, in die Grundlöcher zum gären eingelegten Bündel, schwimmen lernen
- und viele andere

Nun lasst mich, liebe Festgemeinde, zu dem dritten Teil meiner Ansprache kommen.... nämlich meine Herausforderung an uns alle. Jene die mich kennen, sehen in mir einen Befürworter der "Warum - nicht - Lehre". Während ich versuchte über Brücken zu sprechen, und auch mit Maria diese Brücken Euch zu schildern, birgt diese Botschaft eine gewisse Dringlichkeit in sich, ein erweitertes Bewußtsein für Fragen, die mich und auch hoffentlich Euch stark beschäftigen.

Alle Brücken dienen und verbinden in die Zukunft, mit dem Blick zu neuen Ufern.

Der Bulkeser Brückenbau - und bei so vielen guten Bulkeser Handwerksleuten wird das doch gelingen - sollte zur Verständigung mit Backi Maglic führen können. Alle Bulkeser, die nach der Vertreibung geboren wurden, also die erste Nachfolgegeneration, braucht dringend eine Bulkes-Perspektive.

Ich bedanke mich tiefstens für diese Gelegenheiten die Bulkeser Festreden zu halten, denn dadurch habt Ihr mir die Gelegenheit gegeben meine Perspektive zu Bulkes zu entwickeln.
Jugend beschäftigt sich instinktiv mit der Zeit, die vor Ihr liegt. Natürlich ist auch, dass sich die Bulkeser auf den Treffen nur mit sich selber und ihrer erlebten Vergangenheit in Bulkes beschäftigen. Vielleicht ist dies der Grund, warum die heute 40-50 Jährigen, die erste nicht in Bulkes geborene Generation, das Interesse an den Treffen verlor: Perspektivlosigkeit?
Dabei hat Bulkes eine Zukunft, man muß nur nach vorne schauen. Maglic ist die Fortschreibung von Bulkes, zwar mit anderem Inhalt, aber ohne Bulkes gäbe es doch heute kein Maglic.

Erlauben Sie mir als Fazit folgende 10 praktische Angebote:
1) Die Fortschreibung "Bulkes-Maglic" ist dokumentiert in dem Begehren eine Ortsmonographie zu erstellen der heutigen Bewohner von Maglic im Jahre 1987. Vielleicht wollen die auch noch mehr von Bulkes erfahren als in ihrem Buch steht? Dass sie aus Heimweh dem Ort den jetztigen Namen, einen in der alten Heimat bekannten Hausberg, gegeben haben, trifft auf menschliches Verständnis.
Die provisorische Befreiungsregierung der Tito-Partisanen hat 1944 das Schicksal Bulkes besiegelt.
Die heutigen Bewohner von Maglic haben uns also nicht vertrieben.

Heute können wir Friedensgedanken auf dieser Brücke auf den Weg bringen und die neue Patenschaftsepoche, von der OB Peter Jakob sprach - eine Epoche der Aussöhnung nämlich, und eine Patenschaft der Völkerverständigung, beginnen lassen.

2) Wenn schließlich das heutige Jugoslawien politisch wieder zur Ruhe gekommen ist, kann OB Jakob die Bulkes-Brücke der Verständigung nach Maglic überqueren, und die nach dem Krieg in Westeuropa so erfolgreich praktizierte Städtepartnerschaft von Kirchheim nach Maglic tragen.

3) Wenn auch der Ort heute nach der Neubesiedlung sein Aussehen gegenüber der Zeit der Vertreibung verändert hat, auch wenn wir nicht vertrieben worden wären, hätte sich wohl Bulkes bis heute auch verändert.
So steht heute wenigstens die Kirche noch. In Tscherwenka wurden beide Kirchen abgerissen um Baumaterial für Neubauten zu haben. Was für eine Zukunftsperspektive wäre es, wenn sich Bulkes und Maglic gemeinsam das Ziel setzen würden, die Kirche zu erhalten - als ein Denkmal für Bulkes in Maglic.

4) Wenn wir schon über Denkmäler sprechen, wäre es doch passend wenn eine Tafel in oder an der Kirche angebracht würde, die an die Ansiedlung des Ortes erinnert.

5) Bei vielen Bulkesern sind die Gedanken über die Vertreibung noch nicht abgeklungen ... und mit Recht... aber wenn man sich erst langsam an den Versöhnungsgedanken gewöhnt, und sich bereit erklärt, erste Schritte zu versuchen, dann gibt es viele Möglichkeiten.
Zum Beispiel, unsere Enkelkinder, die noch weniger Beziehung zu Bulkes haben, könnten durch ein Kinderaustausch, oder durch eine Einladung der Maglic Kinder über die Sommerferien in die Heime der Bulkeser, ein persönliches Verhältnis zu Bulkes-Maglic entwickeln ...und das, solange Ihre Großeltern noch selbst serbisch sprechen.

6) Einige Bulkeser waren schon zu Besuch in Maglic. So werden auch wir, meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich, morgen früh von Frankfurt nach Belgrad fliegen. Mama wollte uns diesen Besuch in die alte Heimat als Geschenk geben, und wir fahren gerne mit. Urgroßvater Kendl, den ich ja vorhin in meiner Ansprache erwähnte, blieb nach dem Krieg in Jugoslawien und ist dort in den 60er Jahren gestorben. Wir werden auch sein Grab in Palanka suchen.

7) Mama wird auch eine weitere Brücke neu erleben. Letztes Jahr, nach mehr als 50 Jahren, erhielt Sie einen Brief von Ihrer jugoslawischen Freundin aus Ihrer Jugendzeit in Bulkes. Nach Brief und Telefonat werden sich morgen nach über 50 Jahren, Mama und die Tochter des Bulkeser Notars, Vera (geborene) Velkovitch, wieder begrüßen.

8) Erfolgreiche Vereine, darunter auch Heimatausschüsse, werden ständig zu ihrer Erhaltung und Erneuerung von örtlichen Netzwerken finanziert, von Interessengruppen und deren Nachwuchs. Ich wünsche, daß viele Bulkeser sich das zu Herzen nehmen und in den Gegenden, wo viele Bulkeser leben, einen stärkeren Draht zum Heimatausschuss entwickeln. Die Bulkeser-Stube sollte ja auch dort leben. Die "Bulkeser Heimatzeitung" (der Rundbrief) braucht auch mehr Unterstützung, damit eines Tages nicht die Todesanzeigen überwiegen.

9) An diesen Treffen sollten auch die vielen Talente und Arbeiten der Bulkeser anerkannt und miterlebt werden. Es gibt historische Dokumentationen, es gibt Ahnenforschung, es gibt Diplomarbeiten... ich werde die Nahmen nicht nennen, denn Ihr kennt Sie ja... es gibt so vieles, daß man hier als lebendige Perspektive für die Zukunft zelebrieren, weitergeben und erwecken kann.

10) In zwei Jahren stehen wir beim nächsten Treffen im Jahre 2000. Wäre es nicht ein Ziel, wenn es die politische Lage ermöglicht, eine Busfahrt zu planen, mit der guten Hoffnung, daß viele Bulkeser nochmals die Gelegenheit hätten, die alte Heimat zu sehen, und diese Versöhnung mitzuerleben?

Liebe Bulkeser, liebe Festgemeinde,
... uns geht es allen heute sehr gut und wir dürfen folgende Worte der Zukunft uns zu Herzen nehmen:
aufgenommen, mitbeteiligt, anpassungsfähig, vertrauenswürdig, risikobereit, dankbar..... jedes Problem ist ein Angebot zur Veränderung.
Dieser Aufruf geht uns alle ganz persönlich an. Für Ihre Kinder und Enkelkinder sind Sie ganz persönlich verantwortlich.
Sie sind zugleich die Tür ins Unternehmen " Zukunft Bulkes ".

Wenn Sie jetzt nichts tun, fällt die Tür vielleicht zu, und der Brückenschlag bleibt nur ein unvollendeter Plan.

Nehmen wir die Herausforderung an! Die Zeit dazu ist reif. Packen wir's an!
So das war's. Jetzt sind Sie dran!"
Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: Susanne Stephan-Kabierske, Karlsruhe




In den Tagen nach dieser Festrede reiste Bernd Sander nach Serbien, um seinen in Kircheim/Teck vorgetragenen Ideen in Maglic, dem ehemaligen Bulkes, Taten folgen zu lassen.
Das Ergebnis seiner Besprechungen trug er auf dem Rückweg in Deutschland seinen Freunden und Bekannten vor.
Diese stimmten im Grundsatz mit seinen Vorstellungen überein und beschlossen, in Zusammenarbeit mit unserer Heimatortsgemeinschaft / HOG einen Spendenaufruf an die Bulkeser zur Instandsetzung der Bulkeser Kirche und der Errichtung einer Gedenktafel auf dem Friedhof zu verfassen.

Der Spendenaufruf für die geplanten Baumassnahmen im ehemalgigen Bulkes sollte der Versöhnung zwischen den ehemaligen deutschen Bewohnern und den heutigen Serben dienen, davon war eine kleine Minderheit der Bulkeser überzeugt.
Das Vorhaben ist aus vielerlei Gründen gescheitert.
Entscheidend war wohl, dass nicht von Anfang an versucht worden ist, diese Aktion unter der Federführung unserer HOG zu verwirklichen.
Was allerdings auch keine Garantie für ein positives Ergebnis gewesen wäre, weil es 1998 für das mehrheitlich noch sehr unterentwickelte Umdenken der Bulkeser vom Feind- zum Freund-Verhältnis - insbesonders in unserer HOG - noch viel zu früh war.

Erst als ab 2004 Schiffs- und Busreisen des Ev.Hilfskomitees und einiger HOGs in die Batschka veranstaltet wurden, wagten auch die Bulkeser 2006 eine erste Busreise nach Maglic, die zu einem vollen Erfolg wurde.


Der Vollständigkeit halber wird hier der Text des verhinderten SPENDENAUFRUDS der Internet-Leserschaft bekannt gegeben.

S P E N D E N A U F R U F:
Nachdruck mit Ergänzungen

"Liebe Bulkeser Landsleute!

Die Unterzeichneten wenden sich heute mit einer ganz besonderen Bitte an alle Bulkeser, deren Angehörigen und Freunde.
Es dürfte allseits bekannt sein, daß unsere Bulkeser Kirche jahrzehntelang zweckentfremdet als Lagerhalle diente und nun einsturzgefährdet ist. In der Vergangenheit wurden zwei Balkenzwischendecken mit Mauerpfeilern eingezogen. Zwischenzeitlich hat die jetzige Eigentümerin, die örtliche pravoslawische Kirche mit dem Rückbau des Raumes und der gleichzeitigen Renovierung des Kircheninnenraumes vom Kuppelgewölbe aus nach unten begonnen.

Jetzt stehen als vordringliche Arbeiten an:
· Rohbauarbeiten im Inneren der Kirche
· Einbau neuer Fenster
· Elektroinstallation
· Sanierungsarbeiten im Turmbereich
· Dachinstandsetzung
Die dafür erforderlichen Mittel in Höhe von 30 700,-DM sollen aufgebracht werden von Menschen guten Willens: Einwohnern von Maglic, der S.P.K. (Serbo. Pravosl. Kirche) unter der Leitung des Priesters Jovic Mojsiljovic und von spendenbereiten Bulkeser Landsleuten.

Der Gesamtplan der Restaurierung enthält folgende weitere (wünschenswerte) Maßnahmen:
· Vollständige Erneuerung des Kirchendaches: Austausch der · Dachdeckung und Einbau neuer Rinnen
· Neue Blitzableiter
· Abdichtung der Kirchen-Außenwandfundamente gegen aufsteigende Feuchtigkeit und Maßnahmen gegen Absetzungen Austrocknung der Kirchenaußenwände
· Vollständige Malerarbeiten im Innenraum der Kirche
· Restaurierung der Fassadenwände
· Einbau einer Erdgasheizung im Kirchenraum
· Wasserinstallation
· Einbau einer elektrischen Glockenanlage
· Ausgestaltung/Einbau eines Altares
· Beschaffung und Einbau neuer Lüster/Lampen
· Elektrische Beschallung des Kirchenraumes (Lautsprecheranlage)

Diese kompletten Maßnahmen des Wunschprogrammes werden auf ca 200 000.-DM geschätzt.

Zur Durchführung von Baumaßnahmen wurde zwischenzeitlich aufgrund Bernd Sanders Initiative ein vorläufiger Leitungsausschuß für einen Unterstützungsfond gebildet, dessen endgültiger Leitungsausschuß sich wie folgt zusammensetzen soll:

3 Mitglieder des Maglicer Kirchengemeinderats,
3 Mitglieder aus der Bulkeser Ortsgemeinschaft und
l Mitglied mit baufachlicher Qualifikation (gedacht ist an den örtlichen Denkmalschützer).

Nach der vom vorläufigen Leitungsaussch verfassten behördlich genehmigten Satzung vom 7.11.1998 ist sichergestellt, daß alle Spenden, die für den Unterstützungsfond eingezahlt werden, zweckgebunden sind, d.h. auschließlich zur Kirchenrenovierung Verwendung finden. Der Leitungsausschuß wird alle 3 Monate - wenn nötig auch öfters - einen schriftlichen Bericht über die durchgeführten Maßnahmen geben und die Abrechnung der einbezahlten Gelder vorlegen.

Allen Spendern wird für die Einzahlung eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Für Spenden über 100,-DM wird zusätzlich ein Dankschreiben übermittelt.
Im Rahmen der Renovierungsarbeiten im Kirchen-Innenraum wird die beschädigte Gedenktafel für die gefallenen Bulkeser Soldaten des Ersten Weltkrieges instandgesetzt und an der ursprünglichen Stelle wieder eingebaut.
Als Zeichen des guten Willens haben die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Maglic der Bulkeser Ortsgemeinschaft / HOG eine der beiden kupfernen Kunstvasen aus dem Altarbereich der Kirche (s.Heimatbuch Seite 189: links und rechts über den beiden Wandsäulen) zur Aufstellung in der Heimatstube geschenkt. Die Kunstvase befindet sich seit der erteilten Ausfuhrgenehmigung bereits in Deutschland.

(Anm.: Die Vase befand sich zunächst im Hause von Ingeborg und Heinrich Stephan in Karlsruhe - weil die HOG eine Übernahme ablehnte. Erst Jahre danach - als der Zorn verraucht war - ist die Vase in Kirchheim Teck in der Bulkeser Heimatstube aufgenommen worden. Allerdings war sie im Keller abgestellt, als serbische Besucher der Heimatstube (Familie Pilipovic) sich danach erkundigten.)

Gleichzeitig hat auch die politische Gemeinde Maglic auf Antrag von Bulkesern die Erneuerung und Erhaltung des alten Friedhofs in der Form eines neu anzulegenden Gedenkparks beschlossen und eine Architektin mit der Ausarbeitung entsprechender Entwürfe beauftragt.
In diesem Gedenkpark sollen noch vorhandene Grabsteine und eine Gedenktafel über die Ansiedlung von Bulkes 1786 bis zur Internierung und Vertreibung der Bulkeser 1945 aufgestellt werden. Über die Formulierung des Tafel-Textes wird noch zu sprechen sein.

(Anm.: Die Gedenktafel wurde auf dem letzten Bulkeser Friedhof mit Spendengeldern der Bulkeser von der Ortsverwaltung Maglic errichtet und 2008 eingeweiht. Siehe Heinrich Hoffmanns Bericht Reise der Erinnerung 2008).

In diesem Zusammenhang möchten wir mitteilen, daß weit über 100 Grabsteine in einem Wald bei Peterwatz lagern, die zurückgeführt und im Gedenkpark des Bulkeser Friedhofes wieder aufgestellt werden sollen.
Übrigens, - als ein Bindeglied zu Maglic füngiert der in Peterwatz verheiratete Bulkeser Fritz Werle, der an den vorausgegangenen Verhandlungen Bernd Sanders im Maglicer Rathaus beteiligt war.

(Anm.: Am 15.12.1998 teilte der damalige HOG-Vorsitzende Franz Jung mit, dass nach einem Gespräch Karl Webers mit Fritz Werle Letzterer darum gebetn hatte, seinen Namen in der für den Versand vorgesehenen Fassung des SPENDENAUFRUFS nicht zu nennen.)

Liebe Bulkeser, den Unterzeichneten ist bewußt, daß es viele Vorbehalte gegen eine Unterstützung der beiden genannten Maßnahmen gibt.
Es sei aber darauf hingewiesen, daß von den jetzigen Maglic-Bewohnern viel Arbeitsaufwand zur Erhaltung des örtlichen Kulturdenkmals "Kirche" geleistet wird und größtes Interesse an der Renovierung des alten Bulkeser Friedhofs besteht. So heißt es in der Schenkungsurkunde für die Kunstvase:
"...so wünschen wir, daß wir ins neue Jahrhundert eingehen mit neuen und alten Freunden, die zusammengehalten werden durch die beidseitige Liebe zu Maglic und Bulkes."
In dieser Liebe zu Bulkes rufen wir deshalb alle Bulkeser auf zu Spenden für die Renovierung der Kirche und des Friedhofs. Wir sollten damit beitragen zur bleibenden Erhaltung des Kirchen-Raumes, in dem wir getauft, konfirmiert und getraut wurden, und unseren Vorfahren auf dem Friefhof zu einer würdig wiederhergestellten Ruhestätte verhelfen. Mit Eurer Hilfe könnte somit unseren Kindern und Enkelkindern zur Erinnerung das erhalten bleiben, was ihre Vorfahren einst errichtet haben.

Spendenadresse / Empfänger:
Bulkeser Heimatausschuß Kreissparkasse Kirchheim/Teck, BLZ 61150020, Konto Nr.5633p425 Verwendungszweck: "Bulkeser Kirche und Friedhof" (oder nur Kirche, oder nur Friedhof)

Im Dezember 1998
Peter Degen, Seevethal
Ph. Harfmann, Kaufering
H. Hoffmann, Kirchheim
H. Stephan, Karlsruhe
PS.: Die bereits (von Bernd Sander in Maglic) ausgehandelten Dokumente über die begonnenen Aktivitäten zwischen den verantwortlichen Maglicern und Bulkesern können bei Heinrich Stephan, Postweg 32a 76187 Karlsruhe, T.0721-757267 angefordert werden. Über die Genehmigung zur kostenlosen Übergabe der Bulkeser Original-Kirchenbücher (bzw. der vollständigen Kopien) wird zur Zeit verhandelt."

(Anm.: Der Text des Spendenaufrufes wurde von Philipp HARFMANN verfasst.)

Heinrich Stephan, Juli 2010




Professor Zoran ŽILETIĆ Belgrad

Kultur des Erinnerns unter der Lupe des Zweifels

Anläßlich der Zurückziehung polnischer Exponate aus der Berliner Ausstellung
"Erzwungene Wege, Zufluchtsorte und Pogrome im Europa"
des 20. Jhr.

Das europäische 20. Jhr. wird als das Jhr. der Zwangsumsiedlungen von Millionen Menschen in die Geschichte eingehen. Verfolgungen dieser Art gab es seit jeher nicht nur in Europa, aber nie in diesem Umfang und solcher Häufigkeit. Dabei hat das 20 Jhr. die technischen und sozialen Bedingungen für diese Art von Gewalt angeboten. Enorm ist nämlich die Anhebung der Beweglichkeit dank der Eisenbahn und vor allem die Möglichkeit der Manipulation von Massen. Mittel für Letzteres boten in bedrohlicher Weise populistische Ideologien von hochgradiger Ausschliesslichkeit - die ältere unter dem Schutzzeichen des Sowjetsterns und die jüngere mit dem Hakenkreuzsymbol -‚ alles in der Uberzeugung, dass das Wohl eines Staates vor allem durch seine ethnische und Klasseneinheit sowie sein Territorium gesichert wird.

Es gab aber auch vereinbarte Verbannungen beginnend 1923 unter dem Schutze des Völkerbundes. Mehr als 1 Million Griechen wurden damals gezwungen, ihre ursprüngliche Heimat in Kleinasien und im Pontus zu verlassen, weil es Griechenland nicht gelang, sein altes Territorium für immer zu sichern, genau so wie dies Serbien mit Kosovo und Metohija nicht schaffte. Parallel dazu verlieren 355000 Türken ihre angestammte Heimat im neugeschaffenen Griechenland durch Ausweisung in die Türkei. Die besessene Beeinflussung des kleinen Mannes in traditioneller Uberzeugung, dass beiden Seiten, im neuen Griechenland und in der nationalen - und nicht mehr feudalen - Türkei Atatürks, der Weg geöffnet wird zur Homogenisierung ihrer Bevölkerung auf der Grundlage des damals noch viel versprechenden Nationalismus.

Später gab es zwischen verfeindeten Parteien vereinbarte Vertreibungen, so z.B. die im Vertrag von Karadjordje zwischen Tudjman und Milosevic im Jahr 1995 beschlossene Umsiedlung der Serben aus der Kraina nach Serbien. Alles im Unbewußtsein dessen, dass das Recht jedes Einzelnen auf Heimat, Landstrich und Siedlung, wo er und seine Ahnen gelebt haben, zu den Grundrechten zählt. An die Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung gewandt, hat der bedeutende ungarische Schriftsteller György (Georg) Konrad die Bedeutung der Lebensräume für die mentale und soziale Stabilität des Menschen herausgestellt und diese dabei als entscheidende Dimension des menschlichen Lebens bezeichnet. Erinnerungen sind an den Raum gebunden. unsere Vergangenheit und ihre Bühne stehen im Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit. Der Verlust dieser Bühne ist ein Raub meiner Vergangenheit. Eine Zwangsvetreibung aus dem Heimatort ist halber Mord.

Legale oder illegale Umsiedlungen nationaler oder ethnischer Gruppen hat die internationale Gemeinschaft bis 1948 jedoch nicht verurteilt.
Die Ausstellung thematisiert überdies die Vertreibung der Armenier aus der Türkei 1915 - 16, die Ausweisung der Juden als Vorzeichen des Holocaust nach dem Siege der Hitlerschen NSDAP im März 1933, Umsiedlungen, Vertreibungen und Verschleppungen unter Stalin und Hitler in Polen, der Ukraine und den baltischen Ländern von Aug. 1939 bis Juni 1941. Gegenstand der bedeutenden Ausstellung sind auch die Umsiedlung der Bewohner aus Karelien (1939/40 - 1944/47), Ereignisse in Südtirol und Vertreibung der Italiener aus TitoJugoslawien 1945/46, die Vertreibung der deutschen Volksgruppen aus Ost- und Südosteuropa am Ende des 2. Weltkrieges, der Zypernkonflikt und schließlich die Vertreibungen während des Krieges in Bosnien und Herzegowina.

Diese Ausstellung ist m. E. ein sorgfältig überlegter Beitrag zur "Erinnerungskultur". Dieser Begriff stammt von Günter Schädel, Professor am Institut für Osteuropa an der Freien Universität in Berlin und von Professor Theodor Kuljic vom Lehrstuhl für Soziologie an der Philosophischen Fakultät in Belgrad. Hier muss man daran erinnern, dass das Wort "Kultur" als "Ausübung", "Pflege" und "Handeln" auszulegen ist, sei es in Wortgruppen wie musikalische oder physische Kultur oder in Wortzusammensetzungen wie Agrikultur (Landwirtschaft).

Sie erfüllt gleichzeitig zwei Erwartungen in Deutschland - einerseits das erwachte Interesse der Jungen am 2. Weltkrieg und dessen Folgen und andererseits die Hoffnung der Flüchtlinge und Vertriebenen am Ende ihres Lebensweges, dass die erlittenen Verluste und überstandenen Qualen, die mehr als 6 Jahrzehnte lang verschwiegen wurden, eines Tages zum Thema der kollektiven Erinnerung werden, u.zw. nicht aus Gründen des Revanchismus sondern wegen der unbedingten Notwendigkeit, den Trauernden nicht das Trauern übel zu nehmen und die historischen, kulturellen, politischen, wissenschaftlichen und religiösen Wurzeln von mehr als 12 Millionen Deutschen zum Bestandteil des kollektiven Bewusstseins aller Deutschen werden zu lassen.

Bei all dem vertreten die Autoren und Sponsoren der Ausstellung die Ansicht, das die deutschen inzwischen begriffen haben - wenn von eigener Schuld gesprochen wird - sich zum eigenen Volkstum zu bekennen und die Einsicht der eigenen Schuld im blutigen 20. Jhr.,Teil ihrer Identität werden zu lassen, so dass sie nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sind, dem Nationalismus zu verfallen, wenn sie sich an die eigenen Opfer erinnern. Das 20. Jhr. ist im übrigens ein schwarzer Fleck in der Geschichte aller europäischen Nationen. Dabei ist der Teil der Geschichte ein Mosaik ohne 2 gleiche Würtelchen, weil die Auslegung z. B. der Geschichte des 2. Weltkrieges und seiner Folgen jeweils national ausgerichtet ist, so dass jeder Staat seine eigene Erinnerungskultur pflegt. So habe ich beim Lesen des sprichwörtlich zuverlässigen Schweizer Blattes "Neue Züricher Zeitung" in Sachen Berliner Ausstellung erfahren, dass sich die Polen als die größten Opfer des 2. Weltkrieges betrachten. Das hat mich irritiert, weil wir ehemaligen Jugoslawen uns noch bis gestern für die größten Opfer dieses Krieges hielten. Seitdem bin ich bedingungslos dafür, einen Dialog mit jedem ehemaligen und gegenwärtigen "Feind" darüber zu führen, wie man das jeweils eigene "nationale" Erlebnis rationalisieren kann, d.h. ich bin gegen jeden Boykott. Diese Ausstellung ist auf ihre Art ein vorzüglicher Anlass zum Dialog und keineswegs zum Schmollen. Ubrigens ist es inzwischen einem guten Teil der Öffentlichkeit, vor allem in der EU, klar geworden, dass ohne Dialog keine übereinstimmende Beurteilung nicht nur der Gegenwart und Zukunft sondern auch - was sehr gefährlich sein kann - der Vergangenheit möglich ist. Gleichzeitig ist eine Übereinstimmung je nach Natur der Sache ohne Dialog nicht möglich.

So gesehen, überrascht mich die Reaktion eines Teiles der deutschen und polnischen politischen Elite darüber, dass das Zentrum gegen Pogrome - eine Abteilung des Bundes der Vertriebenen (im Laute und nach dem Kriege aus Ost- und Südosteuropa) - am 1O.8.d.J. die Ausstellung unter obiger Betitelung eröffnet hat. Dieses Unbehagen kommt aus der Überzeugung, dass Deutschland die Pogrome des Dritten Reiches im Jahre 1933 zu relativieren wünscht. Gleichzeitig tröstet mich die Feststellung des Journalisten vom erwähnten Schweizer Blatt ‚dass die Fürsprecher des Boykotts in Polen keineswegs junge Polen sondern deren Väter und Großväter sind.

Jedenfalls war gerade der Anteil Nazi-Deutschlands an dieser Art von Gewalt von 1933 -45 "löwenhaft". Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass das Dritte Reich seine Gewaltmaßnahmen auch an deutschen Bürgern praktizierte. Großes Ausmaß solcher Gewaltakte zeigte die Zwangsumsiedlung der direkten und indirekten deutschen Opfer des Hitler-Stalin-Nichtangriff spaktes 1939 aus ihren Jahrhunderte alten Siedlungsgebieten wie Baltikum, Wolynien, Galizien, Bukowina, Bessarabien und Dobrudscha. So sind z. B. Deutsche aus der Dobrudscha 1939 auf der Donau bis Semlin verschifft worden, um als Grenzbewohner aus dem Semliner Lager mit der Bahn weiter ins nördliche Preußen transportiert zu werden. Das war nur eine vertuschte Zwangsmaßnahme, denn wer geht schon für immer freiwillig (vor allem bei einer bäuerlichen Bevölkerung) singend vom in Jahrhunderten mit schwerer Arbeit erworbenen Hof (und Haus) ans andere Ende der Welt nur mit den nötigsten Utensilien, die in einen Koffer passen.

Nicht besser erging es den sog.Gottscheern, d.h. deutschstämmigen Bürgern im Königreich Jugoslawien, deren Ahnen als Knechte der gräflichen Familie Ortemberg schon im 14. Jhr. angesiedelt wurden. Diese sind zwangsweise in die Untersteiermark und nach Kärnten verlagert worden, weil Gottschee im Rahmen der Aufteilung des besetzten Jugoslawiens an das faschistische Italien fiel.

Mit einem Wort, ich sehe nicht ein, warum die Deutschen nicht im Rahmen einer Ausstellung auch die eigenen Opfer der Zwangsvertreibungen aus der angestammten Heimat zeigen sollten. Ich glaube, dass jedes Volk das Recht hat, an die selbst erlittenen Qualen zu erinnern.
Wenn auch Japan nicht bereit war, die Waffen niederzulegen, hat niemand das Recht, den Japanern die institutionalisierte Erinnerung an Hiroschima und Nagasaki übel zu nehmen. Die Bemerkung der Kritiker, wonach die Golgotha der deutschen Vertriebenen den ersten und wichtigsten Platz der Ausstellung einnimmt ist ein routinemäßiges Spiegelbild der Tatsache, dass das 13 Jahre währende Nazi -Deutschland hinsichtlich des Umfangs der begangenen Verbrechen einzigartig und mit niemand und nichts zu vergleichen ist.

Aber das Thema dieser Ausstellung ist nicht die Darstellung aller in Europa des 20. Jhr. begangenen Verbrechen, sondern die Leiden der Flüchtlinge und Vertriebenen seit der Tragödie der Armenier 191 5-16 bis zur Vertreibung der Serben aus Kroatien oder der Muslime aus Srebrenica, denen diese Opfer ausgesetzt waren. Es geht um Vertriebenenschicksale in ganz Europa. Ferner wird das Thema der anschließenden Beraubung des Menschenrechts auf seine Heimat beleuchtet, unabhängig davon, wer sich selbst das Recht einräumt, solch ein Verbrechen zu begehen. Hatte denn Tito-Jugoslawiem das Recht, die deutscherseits praktizierten Vertreibungen der Juden aus ihren Häusern zu verurteilen und dabei 24000 Kinder donauschwäbischer Herkunft nur aus dem Banat - vom Neugeborenen bis zum 1 4-jährigen - aus den Elternhäusern in Lager zu stecken, um sie auf Kriegswaisenhäuser von Marburg (Maribor) bis Djevdjelija zu verteilen?
Ich persönlich glaube nicht daran, aber es hat sich die Routine eingeschlichen, dass nur die Deutschen für alle Verbrechen verantwortlich sind, überall und nicht nur bei uns. Die Routine ist deshalb allgegenwärtig, weil die anderen Teilnehmer am 2. Weltkrieg - auch nicht nur bei uns - die eigenen Verbrechen als selbstverständliche Racheakte betrachten.

Der Autor ist Universitätsprofessor und Vizepräsident der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit.
Übersetzung aus dem Serbischen ins Deutsche: Herbert Heintz, Rüsselsheim, vormals Neusatz/Werbass

Der Übersetzer entspricht damit dem Wunsch der donauschwäbischen Medien (Presse) in der Absicht, dass dieser Artikel des Autors mit einer äusserst objektiven Beurteilung der Ereignisse im und nach dem 2. Weltkrieg unseren Lesern vermittelt wird.


Heinrich Stephan








Stevic Jovica

E I N L A D U N G ZUR EINWEIHUNG DES GEDENKKREUZES IN MITROWITZ IN DER VOJVODINA

auf dem katholischen Friedhof in Sremska Mitrovica/Mirtowitz
am Samstag, dem 20. September 2008 um 10.30 Uhr


Die Gedenkstätte in Sremska Mitrovica/Mitrowitz kurz vor der Fertigstellung
Eine erfreuliche Mitteilung vom 13. August
von Jovica Stevic aus Sremska Mitrovica,
übersetzt aus dem Serbischen von Otto Tschepella
Liebe Freunde, liebe Donauschwaben!
Am Montag, dem 12. August 2008, wurde ein Denkmal-Kreuz auf dem katholischen Friedhof in Sremska Mitrovica für die im Lager Svilara (Seidenspinnerei) von 1945 bis 1947 umgekommene Donauschwaben errichtet. Das Kreuz steht als das zentrale und Hauptdenkmal für alle in Srem (Syrmien) von 1944 bis 1948 umgekommenen Donauschwaben. Für die Geschichte der Donauschwaben sowie der in Mitrowitz umgekommenen Schwaben ist dies ein bedeutendes und wichtiges Datum, erwartet seit über sechzig Jahren.

Das imposante, große Denkmal steht dominant auf dem Friedhof. Die Ausführung ist ausgezeichnet gelungen und entspricht vollständig der Vorgabe und dem Plan. Von der Straße aus gesehen zeigt das Foto Nr. 3 das großartige Aussehen des Denkmal-Kreuzes. Am Samstag und Sonntag folgt die Übertragung des Textes in die Tafeln des Denkmals. Montag, Dienstag oder Mittwoch (20. August 2008) werden dann die Tafeln am Denkmal angebracht.

Davor wird noch ein Betonfundament unter dem Denkmalsockel vorbereitet. Dann werden die Platten links und rechts neben dem Kreuz im Boden befestigt. Zu erledigen ist noch das Auffüllen mit Erde rund um das Denkmal sowie die Errichtung eines Zugangs.

Hier nochmals die Wichtigsten Daten
zur Einweihung der Gedenkstätte am
20. September 2008:
Der Beginn der feierlichen Einweihung ist
um 10.30 Uhr.


Anschließend werden an den Plätzen des
Ortes, dort wo die Toten beerdigt wurden Kränze niedergelegt.
Um etwa 14.00 Uhr ist ein gemeinsames
Mittagessen vorgesehen.
Wir bitte alle Landsleute und Freunde, die
an den Feierlichkeiten und dem Mittagessen
teilnehmen werden, sich schnellstens
schriftlich, per Fax oder per E-Mail an die
nachfolgende Kontakt- und Informationsadresse zu wenden:

Landsmannschaft der Donauschwaben
Postfach 1136, 76338 Eggenstein
Frau Waltraud Dinges
Telefon/Fax: 0721-705652
E-Mail: dinges-gafert@t-online.de



Rechts und links vom Kreuz fehlen noch die Texttafeln.
Die Fläche vor dem Kreuz ist mit Platten ausgelegt
Wie man sieht, steht das Kreuz ziemlich frei im Gelände
Das Kreuz ist von der Strasse aus gesehen schon aus der
Weite zu sehen


Lagerorte in der Vojvodina
In der Zeit vom Herbst 1944 bis Frühjahr
1948 bestanden im damaligen Jugoslawien
unzählige Lager für Zivilisten deutscher Nationalität,
die Bürger der Vojvodina waren.
Die größten Lager befanden sich in:
Knicanin/Rudolfsgnad
Gakovo/Gakowa

Backi Jarak/Jarek
Kruševlje/Kruschiwl
Sremska Mitrovica/Mitrowitz
Molin/Molidorf

Insgesamt sind in diesen Lagern bis zu ihrer Auflösung im Frühjahr 1948 rund 24.000 namentlich erfasste, überwiegend Kinder, Mütter und Greise an Hunger, Kälte, Krankheiten und Altersschwäche verstorben, deren letzte Ruhestätte Massengräber waren. Die nun nach und nach an diesen Sterbeorten errichteten Gedenkkreuze sind ein sichtbares Zeichen des ehrfürchtigen Gedenkens an unsere Verstorbenen, die selbst und auch ihre Vorfahren friedlich mit ihren Nachbarn gelebt Haben. Sie liebten ihre Heimat über alles und nichts lag ihnen ferner als der todbringende Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen.

PROGRAMM
Am Vormittag 20.September 2008 Beginn 10.30 Uhr, katholischer Friedhof Sremska Mitrovica/ Mitrowitz.
Treffpunkt 10.00 Uhr beim Friedhof Choral (Instrumentalgruppe) Lied Chor
Begrüßung Jovica Stevic
Grußworte: Vertreter der Regierung, Vertreter der Stadt Mitrovica, Vertreter der Konsulate Deutschlands und Österreichs
Lied Chor Weihehandlung ( Gebete, Fürbitten, Segnung)
Worte des Gedenkens: Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschland
Josef Jerger, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben
Kranzniederlegung (Instrumentalgruppe)
Lied Chor
Gemeinsames Mittagessen in Mitrovica
Am Nachmittag: Wird vor Ort bekannt gegeben
.


Der in serbisch und deutsch gehaltene Text auf den Gedenktafeln lautet:

Die Donauschwaben bedanken sich bei der Gemeinde Sremska Mitrovica und seiner Bürger, für die immer freundliche Aufnahme und gute Zusammenarbeit während der Planung und Errichtung der Gedenkstätte. Träger und verantwortlich für das Projekt sind, der Bundesverband der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschland e.V., der Weltdachverband der Donauschwaben und die kommunale Bauverwaltung der Stadt Sremska Mitrovica. Die Finanzierung wurde ermöglicht durch die weltweiten Spenden der Donauschwaben.

"DIESES GEDENKKREUZ ERINNERT
AN UNSERE DONAUSCHWÄBISCHEN
MITBÜRGER,
DIE IM INTERNIERUNGS- UND ARBEITSLAGER
"SVILARA"
IN SREMSKA MITROVICA UMS LEBEN
GEKOMMEN SIND
UND HIER AN VERSCHIEDENEN
PLÄTZEN DES ORTES
IHRE LETZTE RUHE FANDEN.
SIE MÖGEN RUHEN IN FRIEDEN,
WIR WERDEN SIE NIE VERGESSEN!
DAS LAGER "SVILARA" BESTAND VON
AUGUST 1945 BIS MAI 1947
Die Donauschwaben im Jahre 2008"


Anmerkung:
Der Gedenktafeltext wurde von der Landsmannschaft der Donauschwaben verfasst.
Heinrich Stephan