Ethno- topographische Beschreibung des königlich - kaiser. Dorfes von Bulkesz

I.

Verfasser: Pfarrer Josef Spannagel und Notar Ferdinand Tonner, 1860
(Abschrift des originalen Sprachtextes)


Das königl. kameral Dorf Bulkesz ist unter der glorreichen Regierung Kaiser Josefs des II. im Jahre 1786 mit Einwohnern aus Deutschland, meist von der Rheingegend her, und insgesamt evangelischer Religion Augsburger Conffes. auf der kameral Puszta gleichen Namens angesiedelt worden.

Ich kann nicht umhin hier gleich die Bemerkung vorangehen lassen, dass man die gegenwärtige Generation der 1786 auf der Puszta Bulkesz gestehenen Ansiedlung ihres dermaligen blühenden Zustandes und sichtbarlich gesegneten Wohlstandes mit Rücksicht auf die vorigen Zeiten auf die Zeit ihrer aus Deutschland unter sehr armseligen Verhältnissen ausgewanderten Väter gedenket, wenn sie bedenkt, was der ruhmgekrönte Ahne des glorreich regierenden Fürstenstammes Habsburg-Lothringen Josef II. an ihren Vätern und samt auch an ihr gethan hat: - wie Er ihre Väter samt deren Habseligkeiten auf Kosten des herrschaftlichen Ärars in dieses gelobte Land hat befördern, - wie ER ihnen hier hat gratis Häuser bauen und Felder zumessen und zutheilen lassen, ja noch mehr: wie Er jeden Bauersmann mit einer Kuh, mit vier Pferden, mit dem zum Anbau für ein Jahr nöthigen Samen und mit allen zur Feldwirtschaft erforderlichen Gerätschaften hat unentgeltlich versehen, - den Handwerkern aber zur Anschaffung ihres erforderlichen Werkzeuges 50 Florin und mitbei noch eine Kuh als Geschenk hat zu kommen, - endlich auch allen ohne Unterschied zehn Freijahre von allen landesfürstlichen Abgaben und Obliegenheiten hat angedeihen lassen - ich frage mich wenn die gegenwärtige Generation zu Bulkesz dies alles bedenkt, so muß ihr dies eine dringende Veranlassung sein, Dieses ihres großen Wohltäters, des unvergeßlichen Kaisers Josef des II. recht oft segnend zu gedenken, und ihr schuldige, Dankgefühle durch treue Anhänglichkeit und aufrichtige Unterthanentreue gegen ihre durchlauchtigste Nachkommenschaft und dem glorreich regierenden Herrscherhause Habsburg - Lothringen zu bestätigen.

Ursprünglich war die Seelenzahl zu Bulkesz 900 ; welche Zahl aber - da in den ersten Jahren der Ansiedlung besonders in Folge des damaligen hohen Wasserstandes der unterirdischen Gewässer, große Sterblichkeiten an epidemischen Fiebern vorkamen, 1759 auf 500 Seelen herabschmolz, ist seit jener Generation - obwohl von Bulkesz aus bedeutend Auswanderungen nach Hajduschitza im Banat, nach Altker, Alt-Verbasz, Neu-Schowe, Kulpin u.s.w. stattgefunden haben, zu der Höhe von 2725 Seelen sich steigerte.

Vom Ansiedlungsjahre an bis 1812 hatte Bulkesz nur ein vorläufiges Pfarrhaus, im besagten Jahre erbaute die Gemeinde aus eigenen Mitteln das dermalige Pfarrhaus, welches auf mehr als 1 Hofstelle geräumig gebaut und immer noch in einem guten Zustand sich befindet. Seit ihrer Erstehung hatte diese Gemeinde ununterbrochen ihre Seelsorger gehabt, und zwar folgten sich bis jetzt dreie einander, nämlich bis 1800 Samuel Spannagel, von 1800 bis 1853 dessen Sohn Josef Spannagel und von 1853 nochmal dessen Sohn gleichen Namens.

Anfänglich zählte Bulkesz nur eine Schule mit einem Lehrer. Im Jahre 1846 aber wurde leider jedoch in Ermangelung eines Schulplatzes auf der alten Schulhofstelle ein zweites Schulgebäude errichtet und zugleich auch eine zweite Lehrstelle gegründet und in der Person des Schulamts Candidaten Peter Beck besetzt. Der erste an dieser Gemeinde angestellte und während der zehn Freijahre durch die Administration zu Zombor so avisierte Schulmann war Philipp Kuhn. Ihm folgte in diesem Amte von 1795 bis 1810 Wilhelm Staudt von 1810 bis jetzt, also seit dem Zeitraum von einem halben Jahrhundert wirkt mit seltener Treue und unverändertem Eifer bei einer Schülerzahl von 239 Kindern der jugendliche Greis Daniel Kruttschnitt.

Bis zum Jahre 1817 behalf sich diese Gemeinde mit einem Bethaus, an dessen Stelle während der Jahre 1817 bis 1820 die Kraft des Glaubens die kein Opfer scheute für das Heilige Amt, einer der Gottheit würdigen Tempel errichtete, dem es weder an dem äußerlichen Zweck noch an dem inneren wahren Festschmucke fehlt, - ich meine an den ihm zustimmenden gläubigen Christenseelen: - Alzu Gottlob ! Bulkesz zählt noch zu jenen Kirchengemeinden, wo der böse unkirchliche Zeitgeist seine Ernte und Schnitt noch nicht gehalten hat.

Was die geographische Lage des Dorfes Bulkesz anbetrifft, so liegt dasselbe in der Mitte des 45 ten und 46 ten Grades östlicher Länge; und in der Mitte des 37 ten und 38 ten Grades nördlicher Breite (Anm. d.B.: nicht auf Greenwich, sondern auf Ferro, Kanarische Inseln, bis 1900 bezogen!). Begrenzt aber wird es von Osten her durch Petrowatz; von Süd-Ost durch Cseb; von Süden durch Palanka; von Süd-West durch Gajdobra; von Nord-West durch Szilbas und von Nord-Ost durch Kulpin

In politischer, gerichtlicher und militärischer Beziehung ist Bulkesz dem löblichen k.u.k. Bezirksamt zu Palanka, der hochlöblichen k.u.k. Kreisbehörde zu Neusatz und der hohen Statthalterei Abteilung zu Temesvar, - in kirchlicher Beziehung aber dem Bacs-Syrmier Seniorat und der " Montan Superintendanz " zugetheilt. Die römisch-katholischen Christen bestehend aus 24 Seelen, sind in die Pfarre zu Gaijdobra infiliert (Anm.d.B.: eingefügt). Außer dem Gemeindeamte ist für die politische,- aus dem Presbyterium, bestehend und dem jeweiligen Ortspfarrer und 30 Kirchenältesten die Kirchen- Gemeinde keine andere Behörde vorhanden. Das Gemeindeamt wird dermalen repräsentiert durch den Ortsnotär Ferdinand Tonner, und den Gemeindevorstand Peter Grumbach,- welchem vier Geschworene und 40 Ausschußmänner beigegeben sind.

Communicationsmittel befinden sich hier außer den hierlands jämmerlichen schlechten Landwegen keine. Ehedem wurde die hier etwa auf 400 Klafter vom Orte entlegene und bei der sogenannten - Kulpiner Csarda vorüber führende Landstraße von Fuhrwerken aller Art zwischen Semlin, Karlowitz, Neusatz, Zombor, Baja und Petsch sehr lebhaft frequentiert; was aber nun zu den Seltenheiten gehört.

Bulkesz liegt in einer Ebene - hat weder Gebirge, noch Gewässer, Höhlen, Ruinen, Schlösser, Monumente und desgleichen. Da aber das schön romantische Gebirge Syrmiens und an dessen Fuße der reizende Donaustrom nur auf 2-3 Stunden von hier entfernt liegt, so befindet sich Bulkesz auf dem anmuthigen Gebietstheile der gesegneten Batschka. Römische Münzen, besonders aus der Zeit Constantins des Großen werden hier häufig gefunden - auch sehr viele Urnen aus jenen Zeiten ausgegraben. Auch ist man vor mehreren Jahren einem ehemaligen Friedhofe auf die Spur gekommen, indem man an den sogenannten herrschaftlichen Trettplätzen in der Länge auf viele Klafter hin Grab an Grab gereiht - und darin noch Totenbeine von Menschen einstmaliger Riesengröße gefunden hat.

Vorhandene Lehranstalten: Bulkesz hat zwei Schulen mit zwei ordentlich eingestellten Lehrern, nämlich die Knabenschule, mit dem Lehrer Daniel Hammel und 234 schulpflichtigen Kindern, und der Mädchenschule mit dem Lehrer Daniel Kruttschnitt und 239 schulpflichtigen Kindern. - Beide Schulen und Lehrstellen sind ausschließlich durch Gemeindemittel gegründet und bis jetzt erhalten worden. Drückend ist hierbei für die Gemeinde der Umstand, daß allhier kein Schulfeld besteht. - In Bulkesz ist die Volksschule von jeher sehr gut bestanden - und obwohl vor 10 Jahren nur ein Lehrer bei einer Schülerzahl von über 400 Kindern wirkte, dürfte doch kaum auch nur ein Individuum allhier gefunden werden, welches nicht wenigstens des Lesens und Schreibens fähig wäre.

Humanität - Anstalten - vor einigen Jahren wurde auf hohe Verordnung ein Spital erbaut und dasselbe mit Betten u.s.w., u.s.w. für 6 Kranke eingerichtet, und mit der ärztlichen Leitung desselben der hiesige Gemeindearzt Johann Galantha betraut. Einer neuen Verordnung gemäß, ist dieses Spital wieder kassiert und dem zu Gajdobra bestehenden zugetheilt worden.

Wohnungen - Bulkesz hatte zur Zeit der Ansiedlung 230 - dermalen aber hat es 297 Haus-Nummern, mit 88 Sessionen Feld. Kleinhäusler sind hiervon 76. Die Stellung der Häuser ist meist mit dem Giebel nach den Gassen - deren Mauern oft nur gestampft, aber zum großen Theile mit Ziegeln gedeckt unstattlich gebaut sind.

Was die Ordnung, die Regelmäßigkeit und Reinlichkeit in Gassen, Haus und Hof anbelangt, so kann Bulkesz in dieser Beziehung in die 1. Klasse gesetzt und seiner Reinlichkeit wegen lobend gedacht werden.

Nahrung - Die Hauptnahrung besteht außer dem Weizenbrot, aus Rind und Schweinefleisch, Sauerkraut, Erdäpfel, (mittels Stampfer zubereitet) Butter und Käse. Im ganzen wird eine gute Hausmannskost geführt, und zwar in der Regel 3 mal des Tages an folgenden Tageszeiten: des Morgens, des Mittags um 12 Uhr, und am Nachmittag - hier Vieruhr-Essen genannt. Das Mahl an Sonn und Festtagen, als auch bei Hochzeiten, Kindstaufen u.s.w. besteht fast immer aus folgenden Speisen: Suppe, Rindfleisch mit Sauce, Sauerkraut mit Schweinefleisch-Auflage; am Abend eine saure Suppe und Braten.

Kleidung - Die Kleidungsstücke des männlichen Geschlechts sind Beinkleider, Westen, Röcke tragen mehr den französischen Schnitt an sich und bestehen meist aus blaufarbigem Tuch; im Winter werden noch häufig die Holzschuhe (Anm.d.B.: Klumpen) im Sommer aber, besonders an Sonn und Festtagen, nur Stiefel und Halbschuhe, an den Werktagen aber Pantoffel (Anm.d.B.: Schlappen) getragen. Die Kopfbedeckung besteht des Sommers und Winters aus einer schwarzen Pelzkappe oder aus einem ungarischen Karima-Hut. Bei dem weiblichen Geschlechte - besonders dem ledigen, ist die Tracht eine anständig - schöne, und die Mädchen unterscheiden sich in betreff ihrer Kleidung von den verheirateten Personen nur dadurch, dass diese, die Weiber, ihr Haupt mit einem Tüchel verbunden tragen, während das weibliche Geschlecht in der Jugend ihren Kopf nicht verbinden und eine Masche, meist aus einem roten Seiden Band auf dem Haupte tragen. Es gilt hier als eine Strafe, daß ein zum Fall gebrachtes Mädchen, mit verbundenen Kopfe zum Traualtar treten muß.

Da die Einwohnerschaft zu Bulkesz noch ganz und in allem das Gepräge ihrer Abstammung unter evangelischen Deutschen der Rheinprovinz an sich trägt, so sind auch, was die Mundart, Gebrauch - Sprichwörter u.s.w. anbelangt dieselben hier wie dort. Daher sind hier auch noch sehr viele französische Wörter in Gebrauch, als : Charmant, sapperment, Curage, Courage, conterfeien. Bulkesz den 28 ten Juni 1859
Josef Spannagel
Seelsorger



II.


(Anm.d.B.: Für diesen II. Abschnitt lagen keine Kopien zur "Übersetzung" vor.)



III.


III. Abschnitt zur Ethno - topographische Beschreibung der Ortsgemeinde Bulkesz



A. Verteilung - Zustand u. Kultur der Bodenfläche

Die ganze Gebietsfläche beträgt 4380 Katastral Joch, welche verteilt ist: in 3390 Joch Acker
17 " Wiesen und Gärten
807 " Hutweide
164 " unproduktive Flächen
Die Lage der Äcker ist von guter Beschaffenheit, und sind in die erste Klasse eingereiht.
Die Bewohner führen die Dreifachwirtschaft und düngen die Felder, nur ist zu beklagen, daß dem Dünger nicht die gehörige Sorgfalt gewidmet wird, indem solcher zum größten Teile aus unverfaulten Stroh besteht, darunter aber wenig Exkremente von Animalien wahrzunehmen sind, daher auch die Wirkung der Felddüngung nicht nachhaltig ist.
Gebaut werden zumeist Weizen, Haber, Hanf und Kuckurutz, zum kleineren Teile Gerste, Halbfrucht, Erdäpfel und Hirse.
In den Dornenstücken haben die Insaßen auch Weingärten angelegt, wo sie Landwein erzeugen, auch etwas Kraut und Grünzeug wird dort gezogen.
Das Erträgnis in guten Jahren wird verhältnismäßig der Anbaukörner (1) angenommen.
bei Weizen 15 Körner
" Halbfrucht 15 "
" Haber 20 "
" Gerste 15 "
" Erdäpfeln 12 "
" Hirse 25 "
" Hanf 7 Zte je Kat. Joch
In schlechten Jahren je nach den Witterungsverhältnissen, beträgt das Erträgnis
bloß 2/3 auch nur 1/3 der oben gesetzten Ziffer. Die Stoppelfelder werden wo möglichst gleich nach der Fechtung gestürzt, und wenn letztere bald vor sich gegangen, mit Kuckurutz zum Viehfutter auch oft mit Hirse angebaut. Nach dem Austreten des Getreides wird das Weizenstroh und Halbfruchtstroh zum Brennen oder Viehstreu, jenes von Haber, Gerste, Hirse und Kukurutzlaub zum Viehfutter gebraucht. Reine Feldbrächen (Anm.d.B.: unbebautes Land) sind hier nicht zu finden. Die hier üblichen Feldwirtschaftsgerätschaften bestehen aus einem Pflug mit Streichbart, aus der eisernen Egge, der Walze und der Schleife.
(1) d.h. im Verhältnis zu den Anbaukörnern entsprechend 1 Anbaukorn ergibt bei Weizen 15 Ernte - Körner.
Die gewöhnliche Fruchtwirtschaftsart besteht darin daß Weizen, Hanf und Erdäpfel in gedüngte Felder, Gerste und Kuckurutz nach der ersteren Hauptgattungen angebaut werden.
Die Saat der Winterfrüchte und der Weizen, Halbfrucht und Gerste wird nach gehöriger Ackerung mit dem Pfluge eingemäht, geeggt und wo Erdschollen vorhanden sind, gewalzt.
Die Sommerfrüchte zum Theile auch eingepflügt, doch meist nur mit der Egge unterbracht.

Überschwemmungen von strömenden Gewässern kommen wegen Mangel der letzteren nicht vor, wohl aber zeigen sich an vielen Stellen unterirdische Quellen, die durch ihren Austritt auf die Oberfläche große Schäden in den Äckern verrichten, wie dieses in den Jahrgängen 1816 - 1817 - 1818 - 1837- 1838 - 1855 - 1856 der Fall war, aus welchen Grunde der Grundbesitzer Steuernachlässe zu Theil geworden sind.

Heuwiesen bestehen keine hier, sondern die Landleute bebauen die Halbbräch-felder mit Wicken und Habern gemengt, welches Gemenge zum Grünfüttern für das Hornvieh und in der Halbreife als Heu gertruknet (Anm.d.B.: getrocknet) zum Winter Futter verwendet wird. Auch wird Luzernenklee in permanenten Schlägen durch einen Zeitraum von 12 - 15 Jahren gehalten, und Moharheu in guten Feldern angebaut. Riede und Sandflächen sind hier nicht vorfindig. Durch die Hotter zieht ein Morastsumpf nördlich am Kulpiner Hotter angefangen, die Gemeindehutweide durchschneidend, und läuft unterhalb der Weingärten bis an die südliche Grenze des Hotters.

Die Obstbaumzucht findet jetzt bei vielen Bewohnern Interesse, und in den Hausgärten werden veredelte Apfelbäume in Mengen gezogen, nebst diesen auch einige Birnen und Zwetschken Bäume. Mit Ausnahme der in den Weingärten gepflegten Pfirsichbäumen kommen in den Feldern keine Obstbäume vor. Die Gemeinde besitzt seit zwei Jahren eine Baumschule für die Zucht aller Obstbäume, wo alljährlich einige hundert Stück gezogen werden. An den Straßen zu den Nachbarorten sind sowie in den Ortsgassen Maulbeerbäume angepflanzt. Sowohl der Boden als das Klima müssen für die Obstbaumzucht als günstig bezeichnet werden.

B. Erzeugnisse - Gewerbetätigkeit

Bergbau - Kalkbrennerei - Steinbrüche - Glashütten - Fabriken Holzkohlenerzeugung besteht hier nicht. Die hier einheimischen Tischler befassen sich mit der Anfertigung der Getreideputzmühlen (Anm.d.B.: Windmühlen) mit welchen sie Handel auch in entfernte Gegenden treiben, doch ist dieser Handel nicht mehr so ergiebig als ehedem. Die Anzahl dieses Artikels kann sich jetzt jährlich auf 200 Stück belaufen, wofür 2400 for. Eingehen dürften.

Die in Bulkes meist vom Feldbau lebende Einwohnerschaft läßt sich an einer guten Viehwirtschaft angelegen sein. Die Gemeinde als Corporation unterhält 2 Zuchthengste hierländiger Rasse, 7 Stück Zuchtstiere und 4 Zuchteber.
Außer den Pferden, Kühen und Borstenvieh wird hier kein anderes bezogen und gehalten. Der Schlag des sämtlichen Viehs jeder Gattung ist groß und hierländiger Rasse. Die Anzahl der Mutterställen kann auf 300 bei Hornvieh, auf 400 Kühe und bei Borstenvieh auf 800 Stück angenommen werden. Der jährliche Zuwachs hält der Abnahme gewöhnlich gleichen Schritt, es werden circa 200 Füllen (Anm.d.B.: Fohlen=Hitschlchr) 300 Kälber und 500 Schweindeln gezogen, davon theils verkauft theils von letzterer Gattung verzehrt werden. Bei dem Hornvieh ist zu vermerken, daß das Jungvieh circa 300 an der Zahl getrennt von dem Zuchtvieh in der Herde gehalten und auf die Weide getrieben wird. Der Weidegang beginnt im Frühjahr im Monate April und endiget sich im November. Das Horn und Borstenvieh wird den ganzen Tag auf der Weide gehalten, und nur früh und Abends gefüttert.
Die Pferde hingegen werden nach beendigter Arbeit Abends dahier getrieben und bleiben daselbst bis zum heranbrechenden Morgen, bei diesen ist die Stallhalterung eingeführt, und nur die Pferde allein werden hier zum Zuge verwendet. Die jungen Pferde werden nach zurückgelegten 2 Jahren zum leichten Zug verwendet.
Der gewöhnliche Preis bei den Pferden ist zur Zeit bei den:
Stuten 100 For.
Wallachen 80
Füllen 20
Zuchtkühen 40
Jungvieh 20
Kälber 4
Zuchtschweinen 20
Jungvieh 8 -10
Ferkeln
1 Fischerey/Fischen/Hofproduktenhandel besteht hier nicht.
Die Bodenerzeugnisse werden weil hier kein Standort ist theils hier theils nach Palanka, Werbas oder Neusatz verkauft, wohin sie mit Wagen verführt werden.
Das jährliche Quantum kann sich belaufen auf:
4000 Metze (1) Weizen a 4 For.
1000 " Halbfrucht a 2 "
6000 " Haber a 2 "
1000 " Kukurutz a 2 "
500 " Gerste a 1 "
2000 Ztr. Hanf a 12 "
Getreidehändler befinden sich keine im Orte und auch keine Getreidemagazine.
Etliche Landleute vermahlen ihr Getreide in den hier vorhandenen 8 Landmühlen zu Mehl und bringen Letzteres nach Neusatz zum verkaufen.
Eisenhandel kommt nicht vor, die hier befindlichen zwey gemischte Warenhandlungen befassen sich auch nicht mit diesem Handel.
Rücksichtlich des Viehandels ist bereits unter Rubrik der Viehzucht und Ernährung geschehen. Das Vieh wird gewöhnlich in die benachbarten Marktörter zum Verkauf getrieben.
Holzhandel wird hier nicht getrieben, sowohl das Klafter, als auch Bau- Binder und Geräthholz wird aus den Herrschaftlichen Wäldern in Palanka oder Futok bezogen.
Hochachtungsvoll
Ferd. Tonner
Gemeinde Notar
(Anm.d.B.: 1 Metze ist ein altes deutsch/österr. Hohlmaß zwischen 1,2 und 61,5 Liter)





IV.

Nachtrag zu der ethno - topographischen Beschreibung
des Ortes Bulkesz, und zwar zu
Abschnitt IV
der Mensch


Gebräuche

Die herangewachsene Jugend pflegt am Abend vor dem 1. Mai sogenannte Maibäume vor den Wirtshäusern aufzupflanzen, welche bis zum nächst folgenden Sonntag belassen werden, an welchem Tage nachmittags bei schöner Witterung nicht wie sonst im Tanzlokale, sondern bis in den Abend auf der Gass, und zwar um den Maibaum herum getanzt wird.
Zu den eigentümlichen Gebräuchen der hiesigen Jugend gehört auch der, daß dieselbe einzelne Gruppierungen bildet, deren jede ihr bestimmtes Gasthaus als ausschließlichen Unterhaltungsort besitzt. Buben und Mädchen einer Kameradschaft dürfen nicht in dem Gasthaus einer anderen Kameradschaft tanzen.
Bei Bällen und öffentlichen Unterhaltungen sind die ledigen Personen immer von den verheirateten getrennt, d. h. alle Bälle und öffentlichen Vergnügungen werden abgehalten, entweder und ausschließlich nur für die Verheirateten oder die Ledigen.
Die Hochzeitsgäste werden durch zwei nächste Anverwandte von Seiten des Bräutigams und der Braut am Sonntag vor dem Ehrentage eingeladen, welche Einläder sich durch einen Stock mit Blumensträußen und Bändern geziert, bemerkbar machen.
Wenn die Glocken am Hochzeitstage zum Kirchzuge rufen, wird der Bräutigam und die Braut durch die Beistände, deren jeder einen mit einem Rosmarinreis besteckten Apfel in der Hand trägt, vor allem in die Küche geführt, um dort die durch die Köchin dargereichte Suppe zu verkosten, worauf sich dann der Zug in folgender Ordnung zur Kirche begibt:
Voran die Braut, begleitet von einigen hier sogenannten Brautmägden, (Kranzjungfern) nach ihr die Gäste weiblichen Geschlechts, dann der Bräutigam von zwei Brautständen geführt, und nach ihm die Gäste männlichen Geschlechts. Beim Nachhause gang findet die entgegengesetzte Ordnung statt.
Der Bräutigam voran u.s.w.
An der Haustüre angelangt, bleibt Braut und Bräutigam stehen, um dort von einem jeden der aus der Kirche kommenden Hochzeitsgäste die Glückwünsche entgegen zu nehmen. Wenn jemand in der Gemeinde durch einen unvorhergesehenen materiellen Schaden an Haus, Hof, Acker oder Vieh heimgesucht wird, so haltet es Jedermann für seine Pflicht solchen durch eine Liebesgabe zu unterstützen.
Nur im Verhinderungsfalle geht das Weib allein oder der Mann allein in die Kirche Es ist hier gebräuchlich daß Mann und Weib zusammen die Kirche besuchen. In der Kirche, und auch bei sonstigen Gelegenheiten, sitzt das männliche Geschlecht abgesondert von dem weiblichen, und hier wieder die Verheirateten abgesondert von ledigen Personen.
Es ist Pflicht eines jeden Taufpaten seinem Täufling auf Ostern mit gefärbten Eiern und Osterkuchen zu beschenken - bis derselbe confirmiert wird, also bis zum 12 ten Lebensjahr - welches Geschenk demselben nicht zugeschickt, sondern durch ihn selbst am Ostermorgen abgeholt wird. In einem jeden Hause werden zu diesem Zweck am Karfreitagnachmittag und am Karsamstag 200-300 Eier gefärbt.
Zeichendeuterei - Wenn die Turmuhr schlägt während für einen Verstorbenen ausgeläutet wird, so folgt bald wieder ein Todesfall in der Gemeinde.
Wenn einem die Hand juckt - das Geld bald hinein guckt.
Wenn der Haushund vor dem Fenster heult, so bedeutet das ein Unglück.
Wenn der Haushahn vor der Türe kräht, so bekommt man bald einen Gast.
Wenn einem während der Reise auf dem Wagen ein Geistlicher begegnet, so ist das eine Aufforderung zur Wachsamkeit, damit man einem bevorstehendem Unglück entgehe.
Wenn einem der Augendeckel zuckt, so bekommt man Verdruß.
Abergläubische Gebräuche - Drei Kreuze aus Kreide oder einer Kohle an die Zimmertür angebracht, schützen die Wöchnerin samt Kind vor Unfall und namentlich vor der sogenannten Mahr und Trud.
Zu den Hundstagen soll man sich nicht baden, ansonsten wird man voller Geschwüre.
Wenn man in ein Haus kommt wo Kinder sind, da muß man sich niedersetzen, sonst trägt man den Kindern die Ruhe fort.
Den Säugling in der Wiege darf man nicht loben, sonst verruft man ihn.
So lange das Kind noch auf den Armen getragen wird und an der Mutter Brust
saugt, darf man ihm die Nägel an den Fingern nicht abschneiden sondern soll solche abbeißen, ansonsten wird aus dem Kind ein Dieb.
Sobald jemand stirbt, muß man alle Spiegel im Hause entweder mit Tüchern behängen, oder mit der Spiegelseite gegen die Mauer kehren.
Soll das Kind einst geschickt werden, so ist dessen Nabel von der Mutter solange aufzubewahren, bis das Kind 7 Jahre alt ist.
Eine schlimme unbändige Kuh muß man mit dem Stock eines Bettlers recht durchprügeln, so wird sie geduldig.

Sprüche

Aller Anfang ist schwer
Heute mir - morgen dir - Wie du mir - so ich dir
Die Zeit bringt Rosen - Eine Hand wascht die andere
Der Tod sieht kein Alter an - Jung gewohnt ist alt getan
Viele Hunde sind des Hasen Tod - Frisch gewagt ist halb gewonnen
Herrendienst geht vor Gottesdienst- Der dreht den Mantel nach dem Wind
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Willst Du wissen, wer Du bist, sieh nur wer deine Gesellschaft ist.
Dem ist die Welt mit Bretter vernagelt
Wer etwas weiß, den hält man wert den Ungeschickten niemand begehrt
Man spricht so lang von der Kirchweih, bis sie da ist
Die kleinen hängt man auf, die großen läßt man laufen
Mit Kleinem fängt man an, mit Großem hört man auf
Es ist noch kein Gelehrter vom Himmel gefallen.
Vorgetan und nachbedacht- hat manchem schon groß Unglück bracht
Was das Hänschen nicht lernt, das lernt der Hans nimmermehr.
Wenn man den Wolf nennt, da kommt er gerennt.
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Es rührt sich kein Laub ohne Wind
Es ist nichts so fein gesponnen, daß es nicht sollt ans Tageslicht kommen.
Hoffen und Harren macht manchen zum Narren
Mit großen Herren ist nicht gut Kirschen essen.
Wie sich der Mensch schickt, so geht's ihm.
Gleich und gleich gesellt sich gern.
Ende gut - alles gut
Poesie und Gesang - Obwohl es im allgemeinen an dem rechten Sinn für einen schönen Gesang fehlt, so nimmt man doch nie selten unter den Deutschen hierlands eine besondere Vorliebe und Übung zum Gesang wahr. Da in der Schule besonders auf Kultivierung des Kirchengesanges besonders viel Sorgfalt verwendet wird, so sind wenigstens 50 verschiedene Melodien in einem Jahr in der Gemeinde bekannt. In den besseren Häusern versammelt in den Winterabenden der Familienvater seine Hausgenossen groß und klein um den Tisch und singt mit ihnen religiöse Lieder aus dem Kirchengesangbuch. In den Spinnstuben im Winter und auf den Gassen an schönen Sommerabenden hört man die Jugend häufig singen - nur, wie oben bemerkt, was Lied, Melodie und Gesangsweise anbelangt, mit nicht viel ästhetischem Geschmack.
Bulkesz am 7 ten September 1859
Josef II. Spannagel, Pfarrer
Ferd.Tonner
Notär"

"An
Loebliches k. k. Bezirksamt in Palanka !
Bericht des Gemeindeamtes in Bulkesz den 10/9 1859 - Z 326 ad. Z 3992 pol ex 859 - womit der Nachtrag der ethnographisch topographischen Beschreibung des Ortes Bulkesz ergebenst vorgelegt wird, mit 1. Stk. Beilage.

Loebliches k. k. Bezirksamt !
In der Nebenlage beehrt sich das achtungsvoll gefertigte Gemeindeamt Einem loeblichen k. k. Bezirksamte gemäß des Circular-Auftrages vom 15/8 1859 den Nachtrag zu der ethno - topographischen Beschreibung des Ortes Bulkesz dienstergebenst vorzulegen.
Bulkesz den 10. September 1859
Hochachtungsvoll - F. Tonner - Notär"

Das chronologisch letzte Dokument ist nur ein Titelblatt:

"Sammlung und Lieferung von Daten
Für eine
Ethnographisch - topographische Beschreibung
Des
Szerbisch-Banater Landgebietes
Mit der
anstossenden Kais: Königlichen Militärgrenze
Laut
Hoher Instruction vom 8ten Jänner 1859.

II. Abschnitt

Bearbeitet durch
Gehorsamst gefertigt
Unterschrift (nicht leserlich)
Bulkesz am 12 ten April 1860"



(Anm.: Für den Bulkeser Abschnitt II. lagen keine Kopien zur "Übersetzung" vor. Es stellt sich die Frage, ob sich dieser II. Abschnitt auf Bulkes, oder auf die übergeordnete "Sammlung und Lieferung von Daten..." des gesamten Serbisch-Banater Grenzgebietes bezieht? )
(Jakob Schadt und Heinrich Stephan)


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