Bulkeser AHNENFORSCHUNG http://www.bulkeser.de





FLUCHT

Über seine Flucht aus Bulkes berichtet Heinrich Stephan, geboren in Bulkes am 31. Oktober 1928.
E-Mail an: heinrich.stephan@alumni.uni-karlsruhe.de





Herr,
Du bist mein Gott!
Meine Zeit steht in Deinen Händen.
Errette mich von der Hand meiner Feinde
und von denen, die mich verfolgen.

(Psalm 715.1)

Flucht, Verfolgung und Errettung von Feinden gehören seit dem Alten Testament zur Menschheitsgeschichte.
Die Batschka im ehemaligen Jugoslawien bildet keine Ausnahme.
Dort kam es bereits im Revolutionsjahr 1848 zu Flucht, Morden und Plünderungen.
Dasselbe ereignete sich 100 Jahre später nochmal, - nur ungleich dramatischer, folgenreicher, tödlicher.

(1) Es war gegen Ende
des Zweiten Weltkrieges.

Meine Feinde, vor denen ich damals am 9. Oktober 1944 geflüchtet bin, waren die Feinde der Bulkeser Deutschen: Russen und vor allem die Partisanen Titos.
Wie es zur Todfeindschaft zwischen Völkern mit langer christlicher Tradition kommen konnte, steht in einem anderen Kapitel. Im folgenden Erlebnisbericht wird - herausgenommen aus dem gesamten Bulkeser Fluchtgeschehen - mein persönliches Einzelschicksal behandelt. Der Bericht ist allerdings in den Grundzügen symptomatisch für die Flucht der Bulkeser und der anderen Donauschwaben aus der Batschka.
Die deutsche Geschichte war nun hier zu Ende.
Im Herbst 1944, nach dem mißlungenen Attentat Graf Staufenbergs auf Hitler und der gelungenen anglo-amerikanischen Landung in der Normandie nahte die totale Niederlage des vom Dritten Reich angezettelten verbrecherischen Angriffskrieges mit den harten Konsequenzen für alle von den Alliierten einbezogenen Deutschen Europas.
In diesem fünften Jahr des Zweiten Weltkrieges, zogen sich die deutschen Streitkräfte vor der russischen Übermacht auch aus der Batschka im heutigen Nordserbien zurück. Die Russen wurden unterstützt durch Titos Partisanen, die nun aus den Wäldern des damals von deutschen Truppen besetzten Landes hervor kamen.
Seit 1941 gehörte dieses Gebiet zwischen Donau und Theiß zum südlichen Teil Ungarns (s. Kapitel "BATSCHKA"). Für Bulkes entstand jetzt - wie für alle anderen mit Deutschen besiedelten Orte der Umgebung - ein bedrohliches Problem.

(2) Flüchten oder nicht flüchten,
das war nun die Frage:

Ob`s besser sei, den feindlichen Einmarsch zu erdulden, oder alles im Stich zu lassen und sich auf einen ungewissen gefährlichen Weg zu machen?
Ich war zu der Zeit noch unmündig, keine 16 Jahre alt, meine Schwester (Elisabeth) war 12 Jahre alt. 158 Jahre waren erst vergangen, seit unsere Vorfahren zusammen mit 900 deutschen Kolonisten Bulkes in Österreich-Ungarn gegründet hatten. Und nun entschieden sich meine Eltern, 37 und 34 Jahre alt, für die Flucht. D.h. alles, was Generationen erspart und erwirtschaftet hatten, musste stehen und liegen bleiben, um das nackte Leben zu retten.
Zunächst war es schmerzhaft, hat sich am Ende aber als richtig erwiesen.

(3) Ein langer Weg stand uns bevor.
Er begann damit, dass mein Vater uns (Mutter, Schwester, Tante Frank, Cousine Elisabeth Frank und mich) aus Bulkes abholte. Gerade rechtzeitig kam ich mit vielen anderen Jugendlichen aus Palanka an der Donau zurück von einer abgesagten Kinderevakuierung mit einem Donauschiff.
Es war am Montagnachmittag, dem 9. Oktober 1944. Der Wagen stand im Hinterhof und wurde bepackt. Dann ging es ab nach Norden, die Letzte Gasse hinaus Richtung Silbasch.
Nachbarsleute, Ritzmanns und andere, standen in den Türen und schauten uns wortlos nach, - kein Gruß, kein Winken, bedrückende Stille. Nur der Wagen ächzte und krächzte. Ich saß hinten im "Schroogel" (s.MUNDART ) , die Beine baumelten herunter, der tschechische Karabiner meines Vaters lag mir auf den Knieen, - ich blickte regungslos zurück.
Zur Abkürzung fuhren wir durch Hoffmann-Jakobs Salasch auf die Landstrasse, die von der Tscharda her nach Silbasch führt. Die slowakischen Salaschleute rannten uns entgegen, als sie uns kommen sahen, umklammerten die Torpfosten und weinten laut.
Lauerten im Salasch-Anwesen bereits versteckte Partisanen?
Wollten die Salaschleute uns warnen?
Befürchteten sie ein Blutbad?
Aber unbehelligt fuhren wir weiter über Silbasch nach Paraput, ca 15km nördlich von Bulkes, zur Batschkaer Waffen-SS-Division meines Vaters (1945 als 31. SS-Grenadierdivision in Niederschlesien eingesetzt). Er war in seiner Soldatenuniform mit einem slowakischen Bauern aus Paraput gekommen, der sein requiriertes Pferdegespann selbst kutschierte und am anderen Tag in seinem Heimatort Paraput zurück blieb, während wir mit seinem Gespann noch vor Sonnenaufgang weiterzogen.
Zwei Tage zuvor hörte ich im deutschen Wehrmachtsbericht, dass russische Panzerspitzen die Theißmündung, ca. 50km südöstlich von Bulkes, erreicht hatten.
Es war höchste Zeit.

(4) Bulkeser auf der Flucht (Quelle Heimatbuch Bulkes).

Unser Wagen war der Erste und Einzige, der am Montagnachmittag, dem 9. Oktober um ca. 17:00 Uhr Bulkes verließ.

Es folgten: am 10. Oktober 53 Personen mit unserem letzten Richter/Bürgermeister Konrad Wohlhüter (siehe: FLÜCHTLINGSREISE: Tagebuch der Bulkeserin Margarete/Margarita Wohlhueter geb. Binder), Ortsgruppenleiter Jakob Engel, dem Kaufmann Karl Bauer, der Frauenschaftsführerin Maria Klein und am 12. Oktober weitere 11 Personen mit dem Oberlehrer Valentin Beck. Am selben Tag flüchteten noch 264 Personen mit Peter Thuro als Treckführer. Auf eigene Faust und ohne Angehörigen schlossen sich etliche meiner Schulkameraden den abziehenden deutschen Truppen an. Von insgesamt über 2600 Einwohnern, die vor dem Krieg in Bulkes lebten, haben somit nur ca. 360 Zivil-Personen (14%) das Dorf verlassen. Andere Ortschaften sind nahezu 100-protzentig geflüchtet (s. ANMERKUNGEN).




(5) Traurig war ich nicht.
Anders meine Mutter, die unterwegs tagelang immer wieder jammerte, weil wir die "Beckers-Motter" (ihre Mutter, 60 Jahre alt, s. MUNDART . ) und die "Engels-Motter" (meine Urgroßmutter, 78 Jahre alt) nicht mitgenommen hatten. Für mich war hingegen die Flucht mit Ross und Wagen, Übernachten im Freien, Füttern der Pferde, mit Regen, nassen Füßen und dem Geschützdonner aus östlicher Richtung wie ein spannendes Karl-May-Abenteuer. Was gab es denn im autofreien Bulkes für einen Jugendlichen Schöneres zu erleben, als selbst zwei Pferde zu lenken und mit dem Wagen über Land zu fahren?
Fort, in die Welt hinaus.

(6) Ich wollte sowieso weg.
Seit meinem Bürgerschulabschluss im April 1944 war ich im Alter von 15 1/2 Jahren in Aufbruchstimmung und suchte in Deutschland eine weitere Ausbildungsmöglichkeit.
Wie der Bulkeser Heinrich Sander (Cousin meiner Frau Ingeborg Sander), der damals 19 Jahre alt war und an der Ingenieurschule in Mittweida/Sachsen studierte. Er schrieb mir, als ich mich über die Aufnahmebedingungen erkundigte: "Es wird alles nicht so heiss gegessen wie gekocht."
Zuerst brauchte ich einen Reisepass. Im Sommer fuhr ich deswegen mehrmals nach Sombor zu den "so beliebten" ungarischen Behörden. Alles war vergeblich. Selbst die vielen Päckchen Butter, die ich jedes Mal dem einen und anderen Beamten "schmierte", verschafften mir keine Ausreiserlaubnis.
Ungarn hielt mich fest.

(7) Und nun kamen die Russen!
Auf einmal ging die "Ausreise" viel leichter und schneller als geplant. Nach der Übernachtung in Parabut fuhren wir - ich als einziger "Mann" auf dem Wagen die Zügel führend - ohne meinen Vater weiter, der als Schreiber im Bataillonsstab zurückblieb. Jedoch, - welchem Treck sollten wir einzigen Bulkeser uns anschließen? Die Fluchtkolonnen bewegten sich in Dorfgemeinschaften. Durch Vermittlung meines Vaters durften wir bei den Sentiwanern als Schlusslicht mitfahren. Die Straße war voll endloser Fluchtwagen mit und ohne Planen. Alle zogen nach Nordwesten in Richtung Sombor, Apatin, Baja oder Bezdan, um so schnell wie möglich über die Donau zu kommen.
Jetzt durfte kein Rad brechen, kein Pferd schlapp machen.

(8) Über die Donau nach Westen, das wollten alle.
Auch die abziehenden Verteidiger der Batschka!
So bildeten sich vor den Übergängen bei Bezdan und Baja kilometerlange Staus. Deshalb leitete man uns entlang dem östlichen Donauufer weiter nach Norden zur Brücke in Dunaföldvar. Die nun folgenden Tag- und Nachtfahrtn wurden zum Wettrennen, weil die Russen das gleiche Ziel verfolgten. Wir waren jedoch schneller, fuhren glücklich am 13.10.1944, nach 4 Tagen, über die von allerhand deutschen Geschützen bewachte Donaubrücke. Gleichzeitig, keine 10m neben der Strasse, überholte uns plötzlich ein langsam fahrender Güterzug voller Flüchtlinge. Das verschaffte mir ein unerwartet kurzes Wiedersehen mit meinem Chemie-Professor Dr. Feimer aus der Bürgerschule Neusatz. Winkend und mit den Füßen baumelnd saß er in der offenen Tür eines Viehwaggons.
Er rauchte genüsslich, wie einst im Klassenzimmer.

(9) Rast im Schutze der breiten Donau.
Auf der sicheren westlichen Seite des breiten Flusses erholten wir uns nun 8 Tage lang im deutschen Ort Kimling bei den freundlichen, hilfsbereiten Familien Vinzenz Platt und Johann Nachtmann. Dort hat sich - wir waren nicht sehr begeistert - die Bulkeserin Margaretha Bernhardt uns angeschlossen. Sie war in Bezdan bei ihrem Mann gewesen und konnte nicht mehr nach Hause zurück.
Zum Zeitvertreib, und weil sonst keine Männer im Bauernhaus waren, schickte mich Frau Nachtmann auf's Feld zum Ackern. Gut, dass ich in Bulkes genau hingeschaut hatte, als unsere paar Joch (1 Joch=0,5ha) vom "Elickerspatt" (Johann Elicker, Sodamacher, HNR. 204) oder vom "Binderhansepatt" (Philipp Neber HNR. 194a) - unseren zwei Drittelsbauern - beackert wurden. Jetzt durfte ich zeigen, was ich gelernt hatte. Es machte mir Spaß.
Plötzlich brummten hochfliegende schnelle Maschinen. Das konnten nur die gefürchteten Doppelrumpfjäger, die Lightnings, der Amis sein, - also nix wie weg: Pferde ausspannen und ab unter den nächsten Baum in Deckung rennen, war nun wichtiger als ackern. Anscheinend hatten sie aber nur Augen für die Donaubrücke, die allerdings durch deutsche Vierlingsflak gut gegen Tiefangriffe gesichert war. Schade, der Luftkampf hätte mich schon interessiert, aus meiner sicheren Distanz.
Meine infantile Kriegslust war noch immer ungebrochen.

(10) Eigentlich wollten wir wieder heimfahren,
nach den Erholungstagen, in die durch deutsche Truppen befreite Batschka und nach Bulkes zurück. Aber die Verhältnisse waren nicht so. Die Russen kamen näher und näher. Wir waren längst an unserem "point of no return" angekommen, doch niemand wollte es glauben. Nun trennten uns erst 10 Tage von zu Hause und schon gab es Heimweh! "Wo sind die Bulkeser?" und "Habt ihr den Bulkeser Treck gesehen?", waren unsere täglichen Fragen, die wir unterwegs in Ungarn bis nach Deutschland hinein jedem Menschen stellten, der nach Flüchtling aussah. Es war enttäuschend, niemand hatte unterwegs einen Bulkeser Wagen getroffen. Aber sie müssen doch irgendwo sein, warum finden wir sie nicht, fragten wir uns wieder und wieder.
Und doch begegneten uns zwei Bulkeser Soldaten zwischen Donau und Plattensee am Straßenrand. Sie bewachten einen Gefangenentransport: Männer, ausgemergelte, halbverhungerte, hohlwangige, - starrten uns mit aufgerissenen Augen an. Als wir weiterfuhren, klopfte einer der baumlangen Bulkeser SS-Männer vielsagend auf seine Pistolentasche: "Daran haben wir unser Leben lang!" Meinte er, dieser Krieg dauert sein Leben lang, oder sollte das heißen, die mit dem Krieg verbundene Verantwortung für den Gefangenentransport wird ihn sein Leben lang nicht mehr los lassen?
Das ging mir noch lange durch den Kopf.
Meinen 16. Geburtstag feierten wir am 31. Oktober 1944 in Szala, zwischen Plattensee und Donau.
Das "Festmahl" bestand aus Dampfnudeln. Am anderen Tag fuhren wir mit der Sentivaner Kolonne weiter nach Westen nördlich um den Plattensee herum, von dort durch den Bakonyer Wald und hinter Schopron über die deutsche (heute österreichische ) Grenze bei Klingenbach. Im nächsten Ort, in Zemendorf, rasteten wir einen Tag.

(11) Wir waren nun in Deutschland!
Uns stand das Herz still.
Obwohl wir ab der Donauüberquerung keine Angst mehr hatten, spürten wir nun ein heimatliches Gefühl voller Geborgenheit und Sicherheit. Dass hier jedoch wie in aller Welt nur mit Wasser gekocht wird, bemerkten wir nach und nach. Ernüchterung machte sich breit, als wir Misthaufen neben der Straße beim Hauseingang sahen. Mitleid und Bedauern hatten wir mit den Bauern, die Kühe anstatt Pferde einspannten und zu ihren schmalen Feldern trottelten. In Schlesien wurden sogar graue Ochsen eingesetzt.
Wie im rückständigen Serbien!

(12) Erste Weihnacht daheim im Reich,
schrieb eine schlesische Zeitung, als wir am 20. Dezember 1944 - an Wien und Brünn vorbei bis nach Glatz mit den Pferden und dann weiter mit der Reichsbahn nach Liegnitz - in Gohlsdorf/Kreis Haynau ankamen. Insgesamt waren aus der Batschka nach diesem Bericht, den mir Josef Stefan aus Batsch vor 3 Jahren faxte, 85 000 Donauschwaben mit 10 000 Bauernwagen und 17 000 Pferden über eine Strecke von mehr als 1000km (wir: 1029km von Bulkes bis Glatz) nach Niederschlesien gekommen.
Wir wurden mit den Pferden auf dem Schwarzer-Hof einquartiert. Nach 3 Tagen traf mein Cousin Jakob Becker als "geflüchteter" Jung-Soldat der Batschkadivision aus Ungarn ein. Dann noch der Wasserschuster, auch so ein versprengter Kindersoldat aus den Rückzugskämpfen bei Mohatsch. Wie er uns gefunden hat - und danach Neidhöfers ebenso ( s. im Bild unten "Sachse-Christina") - kann man der intakten deutschen Flüchtlingsbetreuung nicht hoch genug anrechnen.
Wir unterstanden der Volksdeutschen Mittelstelle, einer SS-Dienststelle, die uns registrierte und vorläufige Ausweise ausstellte mit dem Vermerk
"...ist Volksdeutscher und wie Reichsdeutscher zu behandeln...".
Mit Hilfe dieser Adressen-Listen bahnten sich erste Kontakte unter den geflüchteten Bulkesern in Schlesien an.
Nach gewonnenem Krieg sollten wir im Warthegau angesiedelt werden.

(13) In mein Tagebuch notierte ich:
10.1.1945: "...Postkarte von Frau Werle (Ehefrau des Lehrers Jakob Klein und Bulkeser Frauenschaftsführerin, z.Zt. Schlegel), welche uns mitteilte, dass mein Vater bei ihrem Mann sei, und zwar in Eisenburg/Vasvar, Komitat Vas, 30km südöstlich von Szombathely/Steinamanger. Es sind dort noch Peter Neidhöfer, Heinrich und Jakob Krämer und Hans Weber; sie sind alle in der Schreibstube."
Und: "Gestern Nachmittag kamen Neidhöfers von Schlegel daher mit ihrem gesamten Hab und Gut. Sie werden hier bleiben. Gestern telegraphierte ich meinem Vater an die neue Feldpostnummer 41036A."
13.1.1945: "Vor einer Weile war der "Christian Mayerspatt" (Anm.: Christian Weber HNR. 199b, Mayerspatt=Mayer-Onkel) hier und hat uns die Nachricht gebracht, dass wir nach Reichenberg (Sudetengau) in die Schule müssen. Das war eine sehr gute Nachricht, weil anschließend kam eine Bauersfrau und wollte einen von uns als Knecht mitnehmen. Das Schreiben vom "Mayerspatt" entschuldigte uns.
25.1.1945: "Jakob hat eine Karte aus Reichenberg/Sudetengau vom Bader Hans (unserem Schulkamerad) erhalten. Er schreibt, dass sie alle dort sind und nicht im Wehrertüchtigungslager. Er hat sich zur Marine gemeldet und Niklos (Nikolaus/Klaus Weber) zur Fliegerei. Von Lothar SPIEKER (KLV-Gymnasiast aus Bielefeld, der in Bulkes bei uns im Haus 1 Schuljahr lang wohnte.) haben wir zwei Briefe erhalten (als Antwort auf meinen Brief aus Gohlsdorf Ende Dezember 1944, mit dem ich ihn über unsere Flucht nach Gohlsdorf informierte). Er schreibt, dass sie hören, wie V1 und V2 gestartet werden, und wenn es hell ist, kann man sie sogar sehen."
So hofften jugendliche Leichtgläubige und andere Verrückte noch immer auf ein gutes Kriegsende.

(14) Auf dem großen Bauernhof in Gohlsdorf
kamen wir in die Mühle von Hitlers Herren- und Untermenschen- Gesellschaft.
Quartier wurde uns auf der Dienstbotenebene bei den polnischen Zwangsarbeitern zugewiesen. Offenbar waren wir für die Gutsbesitzerin eine willkommene "Personalverstärkung": Knechte und Mägde.
Diese Einstellung änderte sich jedoch schlagartig, als nach paar Tagen mein Cousin Philipp Frank von der Ostfront bei Budapest - auf einer Dienstreise nach Berlin - in der Uniform der Waffen-SS zu einem Kurzurlaub eintraf.
Mit Philipp und mit meinem Vater waren wir seit Ende Oktober in Briefkontakt, der bis in die letzten Kriegstage anhielt (Unterwegs auf der Flucht schrieb meine Mutter immer wieder Briefe an die Feldpostnummer und übergab sie Soldaten zur Weiterleitung). Philipps Erscheinen verschaffte uns ein hohes Ansehen. Wir zogen noch am selben Tag in die Beletage von Schwarzers.
Schließlich wies uns der Ortsgruppenleiter und Metzger, der sich inzwischen eines unserer Pferde in seinen Stall geholt hatte, ein leerstehendes Häuschen einer DRK-Schwester zu (s. die folgenden Bilder).
Dort hatten wir es wie im tiefsten Frieden recht gemütlich zusammen mit Neidhöfers.

(15) Wie kamen die Donauschwaben - "das Gezocks",
sagte 60 Jahre später ein ehemaliger Hamburger SS-Soldat, noch immer nicht frei von seiner Elite-Einbildung, in einer Dokumentarsendung des ZDF von Guido Knopp - freiwillig zur Waffen-SS?
Dazu muss man wissen, dass die sogenannte SS-Freiwilligkeit in Wahrheit eine Rekrutierung war, die auf Druck Deutschlands nach Himmlers "ehernem Gesetz des Volkstums" mit Unterstützung der Deutschen Volksgruppe in Ungarn in den ersten beiden Aktionen 1942 und 1943 zustande kam und nach einem staatsrechtlichen Abkommen vom 14. April 1944 zwischen Deutschland und Ungarn zur Wehrdienstpflicht der Volksdeutschen aller Jahrgänge wurde.
Danach haben sich aus den Südoststaaten ca. 136 000 Volksdeutsche in der Waffen-SS am Krieg beteiligt.
Auch dies war einer der Gründe für die Balkanstaaten, sich ihrer Deutschen nach dem Krieg zu entledigen.
Quellen:
1.) "Rekrutierung der Volksdeutschen zur Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg", Beitrag von Karl Beel, Vorsitzender des Heimatausschusses Tscherwenka, in der "Tscherwenkaer Heimat-Zeitung" Folge 55, Sommer 2010, Jahrgang 24.
2.) "Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien" in Band V der "Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa".
3.) "Unbekannte SS-Geheimberichte über die Evakuierung der Südostdeutschen im Oktober und November 1944...", eingeleitet und herausgegeben von Prof. Dr. Anton Scherer, Graz 1990.


(16) Leider war der schlesische Winter 1944/45 zu kurz für erste Ski-Fahrversuche, Treibjagden und Reiten im Schnee.
Bulkeser Familien Stephan, Frank und Neidhöfer in Schlesien, Gohlsdorf bei Haynau, Jan. 1945, vor ihrer Unterkunft: Haus einer DRK-Schwester, die im Fronteinsatz war.

 



Kleines Bild von links nach rechts:
Obere Reihe:
NEIDHÖFER Christine HNR. 180a (geb. HARFMANN); DIENER CHRISTINE (Sachse-Christina) HNR. 180a (geb. NEIDHÖFER); HARFMANN Katharina (Sachse-Got) HNR. 180a (geb. HARFMANN); BECKER Jakob HNR. 421; STEPHAN Margarete HNR. 260 (geb. BECKER); STEPHAN Heinrich HNR. 260.
Davor stehend:
NEIDHÖFER Richard HNR. 180a; WEIMAR Elisabeth HNR. 260 (geb. STEPHAN).













Großes Bild von links nach rechts:
Obere Reihe:
FRANK Katharina HNR. 324 (geb. BECKER); WEIMAR Elisabeth HNR. 260 (geb. STEPHAN); NEIDHÖFER Richard HNR. 180a; STEPHAN Margarete HNR. 260 (geb. BECKER); HARFMANN Katharina (Sachse-Got) HNR. 180a (geb. Harfmann).
Unten sitzend:
BRUNNER Elisabeth HNR. 324 (geb. FRANK); BECKER Jakob HNR. 421.



 








(17) Die Russen kommen schon wieder,
diesmal über die Oder bei Steinau am 31.Januar 1945 (100km östlich von uns). Nach 5 Tagen beschossen sie Gohlsdorf. Wir nahmen uns aber noch Zeit, um ein kleines Schwein zu schlachten, bevor wir zum zweitenmal die Flucht ergriffen.
Die "Sachse-Got" (Katharina Harfmann HNR. 180a, 60 Jahre alt) war unser "Metzger". Sie stand mit dem einzigen langen Messer, das aufzutreiben war, im Zentrum der "Schlacht". Nicht fachkundige Helfer fanden sich genug bereit: 3 weitere Frauen und 6 Kinder, alles Bulkeser, die in Schlesien ein Schwein schlachten wollten. Angesichts der zahlenmässigen Überlegenheit hatte das Schweinchen keine Chance. Es wurde geschlachtet, zerlegt, verteilt, gebraten und eingepackt.
Auch der angerührte Teig für einen Hefezopf durfte nicht den Russen in die Hände fallen. Dafür sorgte meine Mutter. Sie packte ihn in Wolldecken und nach 10km wurde er im nächsten Haus am Strassenrand gebackt.
Notgedrungen ging nun die zweite Flucht etwas gemächlicher auf einem Ochsenkarren vonstatten, nachdem die schönen slowakischen Pferde aus Paraput zum zweitenmal den Besitzer gewechselt hatten: eins hatte der Ortsgruppenleiter, das andere eine schlesische Jungbäuerin, bei der es im Stall gefüttert wurde.

(18) Wir fuhren mal wieder als Letzte hinter der Kolonne her.
Es ging aber alles gut.
Am zweiten Tag kamen die Frauen und Kinder mit der Reichsbahn ins sichere westliche Sudetenland bei Karlsbad: Jakob und ich - man hat uns nicht mehr als Kinder angesehen - wurden von einer Kettenhund-Streife aus dem Zug zum Volkssturm geholt.
Weil wir aber anscheinend für diese Kinder- Altmänner- Truppe doch ungeeignet waren, ließ man uns anderntags wieder laufen.
Leider waren meine Mutter und die anderen schon irgendwohin abgefahren, als wir wieder am Bahnhof auftauchten. Wir landeten schließlich nach 2 ratlosen Tagen in Reichenberg bei Nikolaus Weber im Flüchtlingslager Schützenhaus.
Dort hatten wir auf einmal die Krätze und zwei Monate lang Tag und Nacht Hunger.

(19) Wie wird man zum Bettler?
Die korrupte Heimleitung und der Koch veruntreuten die für das Lager bestimmten Lebensmittel. Wir gingen im Großdeutschen Reich in die "Fussgängerzonen" Reichenbergs Lebensmittelmarken betteln!
Was bleibt hungrigen Menschen als letzter Ausweg sonst übrig?
Eine Bettlererfahrung kann ich seither weitergeben:
Frauen erbarmen sich eher als Männer!
Dann wurden Jakob und Niklos angezeigt, von der Polizei verhaftet, vernommen und wieder freigelassen. Ab diesem Zeitpunkt gab es im Schützenhaus etwas mehr zu essen.

(20) Zurückgefunden
Einen Monat vor Kriegsende kam ich Anfang April 1945 - wieder durch Bulkeser Kontakte - an die Adresse meiner Mutter in Brunnersdorf bei Kaden/Karlsbad im westlichen Sudetenland. Jakob und ich reisten schnell ab und hatten dank der guten Verpflegung im Bauerndorf schnell unser altes Gewicht wieder erreicht.
Doch, wenn es dem Esel zugut geht, geht er aufs Eis tanzen.

Wir waren junge und dumme Esel.
Oder?
Hatten Jakob und ich es allmählich satt, immer zu flüchten und sich zurück zu ziehen?
Oder glaubten wir und andere Jugendliche, - infantil und verblendet von den Endsiegparolen der Goebbels-Propaganda in unserem naiven Gemüt - , das sich anbahnende, näherkommende Unglück aufhalten zu können?
Kurzum, Jakob besorgte uns vom örtlichen HJ-Führer eine Einberufung. Damit rückten wir freiwillig noch am 4. Mai 1945, unter Tränen meiner Mutter, nach Prag ein.
Die reale Wende erwartete uns dort mit der in der deutschen Geschichte beispiellosen totalen Kapitulation.
Der Weg führte uns Halbstarke, Gott sei Dank, jetzt nicht nach Russland - wie Millionen deutscher Soldaten und Zivilisten - sondern aus Prag heraus.
Generalfeldmarschall Schörner - bei Freund und Feind gefürchtet - befreite uns aus der eingekesselten Kaserne auf dem Veitsberg. In der Nacht auf den 9. Mai 1945 marschierten wir mit weißen Fahnen ab und fuhren auf LKWs seiner noch einigermaßen intakten Heeresgruppe, auf der Rückzugsstraße zu den Amis nach Rokitschan bei Pilsen in ein Gefangenenlager unter freiem Himmel.
Unsere zweite Hungerkur begann und dauerte 14 Tage lang, bis wir als jugendliche Flüchtlinge - zu einer Soldatenuniform hatte es nie gereicht - nach Bayern ausgewiesen wurden.
Das rettende Ufer hatte uns.

(22) Gänzlich verloren in Jarek - bis auf wenige Ausnahmen -
waren hingegen etwa um die gleiche Zeit die daheim zurückgebliebenen Bulkeser. Darunter auch meine "Beckers- und Engelsmotter" (meine Großmutter und Urgroßmutter), meine Cousine Katharina Becker (9 Jahre alt) und meine spätere Frau, Ingeborg Sander (10 Jahre alt), während ihr Vater, Dr. Alexander Sander (41 Jahre alt), bereits seit dem 17. November 1944 im Rahmen der "Akcija inteligencija" ("Aktion Intelligenz") von einem Partisanenkommando erschossen irgendwo im Akazienwald von Palanka lag.

Das eigentliche Vernichtungsprogramm für die Bulkeser wurde durch Titos Partisanen eingeleitet am Sonntag, dem 15. April 1945, mit der brutalen Austreibung aus den Häusern. Alle Frauen, alten Männer und Kinder sind an diesem Feiertag, sofern sie nicht bereits im November 1944 nach Russland oder in Arbeitslager Jugoslawiens deportiert waren, auf der "Hutweide", der Dorfwiese und Weidefläche für Kühe, haufenweise zusammengetrieben, aller Wertsachen, Gepäck- und besseren Kleidungstücken "entledigt" worden und - nach der Übernachtung unter freiem Himmel - im Morgengrauen des folgenden Montages auf Plattformgüterwagen mit der Eisenbahn über Neusatz in das Hungerlager Jarek auf ihren letzten Weg gebracht worden.

Jakob und ich irrten derweil im total besiegten und besetzten Deutschland umher,
elternlos, monatelang von Flüchtlingslager zu Lager in Bayern und Österreich. In einem Dorf Niederbayerns beispielsweise, wo Schulräume und Turnhalle überfüllt waren, packte der Bürgermeister uns und andere kurzerhand auf einen Anhänger, fuhr damit ins nächste Dorf und lud uns allesamt mit Gepäck am Ortseingang einfach ab.
Sollten wir doch sehen, wie und wohin wir weiterkommen.
Jakob fand nach Wochen glücklicherweise wenigstens seinen Vater in Linz im Lager 65 (s. Kapitel "BILDER"). Seine Mutter sah er nicht wieder, sie starb am 2. Juni 1946 (40 Jahre alt) im Arbeitslager des Kohlenbergwerkes Bokowo-Antrazit südlich von Woroschilowgrad im Donezbecken der Sowjetunion. Seine kleine Schwester Katharina war bereits 5 Monate zuvor (12 Jahre alt) im Todeslager Jarek in der Batschka/Jugoslawien den Hungertod gestorben. Er wanderte nach Kanada aus.

 

Geburtsschein meines Vaters, der ihn aufgrund seiner Geburt in Amerika/Cleveland als US-Staatsbürger auswies:
Damit kam er nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 in Zivilkleidern von der schlesischen Ostfront unbehelligt durch die Tschechoslowakei in das westliche Sudetenland zu meiner Mutter und meiner Schwester.
Mit ebenso viel Glück traf ich am 8.3.1946 wieder meine Eltern und meine Schwester in Passau auf der Rieß. Wir überstanden seit Kriegsende 8. Mai 1945 bis Anfang 1946 eine Odyssee auf unterschiedlichen Wegen kreuz und quer durch die Tschechoslowakei, Ungarn - mit einem Abstecher in Titos Jugoslawien - über Österreich nach Ost- und Westdeutschland bis zur neuen Heimat in Karlsruhe.


(23) Das Wiedersehen mit meinen Eltern war noch fern.
Jakob und ich blieben zunächst - nach Kriegsende und der kurzen Gefangenschaft bei Pilsen im Mai 1945 - vier wochenlang in Bayern als Knechte auf zwei Bauernhöfen in Oberfranken. Dann wollten wir im Juli zusammen mit Landsleuten aus Budisawa (bei der Familie Heintz fanden wir Anschluß) zurück in die Batschka fahren. Unsere Endstatation war schon auf halbem Wege in Mallnitz hinter Badgastein erreicht: "Ihr könnt nicht nach Jugoslawien, bleibt lieber in Deutschland!" verkündeten uns englische Soldaten. Es ging zurück durch die schönen österreichischen Berge über Salzburg, München, Nürnberg bis nach Selb in die weltberühmte Porzellanfabrik Rosenthal. Dort war nun unser neues Flüchtlingslager. Um ein paar Reichsmark zu verdienen, putzte ich denen regelmäßig die Betriebslatrinen und sah mich nebenbei im Werk um.
Nicht lange,
bis Jakob seinen Vater in Linz und ich - nach 4 Monaten Zwischenaufenthalt im Flüchtlingslager der Reiterhofersiedlung in Steyer (Fabrikgebäude der Steyerwerke) - in Passau meine dort angekommenen Eltern fand.
Sie wollten 8 Tage nach Kriegesende (und das ist nun der zweite Teil von Stephans Mitteleuropa-Tour) aus dem Sudetenland heim nach Bulkes ins neugebildete Jugoslawien zurückkehren. Sie dachten, der Krieg sei zu Ende und das Leben geht weiter wie vorher. Sie hatten keine Ahnung, was sich gerade Furchtbares in Jarek und anderen Todeslagern in der Batschka und des Banats abspielte.

 

Ausreisegenehmigung
"Ich bestätige, dass Herr Stefan Heinrich, Frau Stefan Margaretha und 1 Kind
ausreisen können in ihre Heimat Bulkeszi/Magiar/Jugoslavia.
Vernerov, am Tage des 17. Mai 1945. Für Tschechosl. Nationalrrat.
gez.: Wilh. Flauger"

Mit dieser Reiseerlaubnis kamen meine Eltern und meine Schwester bis Subotica in Jugoslawien. Dort wurden sie zunächst in der Seifenfabrik interniert und nach einigen Tagen zurück nach Ungarn gejagt. Besseres hätte Ihnen als Deutsche im damaligen Jugoslawien nicht passieren können. Wie andere Landsleute, fanden sie in einem ungarischen Grenzdorf Unterschlupf und Arbeit bei einem Bauern, bis sie eines Tages Ende 1945 nach Mecklemburg in die DDR - zur Ansiedlung im Rahmen der Bodenreform auf einem enteigneten Großgrundbesitz bei Güstrow - abgeschoben wurden. Bei der nächsten Gelegenheit flüchteten sie aber, was damals noch leicht war, aus der DDR in den Westen über Kiel und Hamburg nach Passau. Dort hofften sie mich zu finden, nachdem sie bereits Monate zuvor in Ungarn einen Brief von mir aus Passau erhalten hatten!

 

(24) Ein Brief erreicht sein Ziel.
Wie war das in den chaotischen Tagen nach der Kapitulation 1945 möglich?
Funktionierte die deutsche und internationale Post sogar über den "Eisernen Vorhang" und die vielen Zonengrenzen in Deutschland und Österreich hinweg?
Nein, was funktionierte waren "Briefträger" als Grenzgänger, Schwarzhändler und Schmuggler zwischen Ost und West. Einem solchen aus Kischker (in der Batschka) begegnete ich zufällig in einem überfüllten Personenzug im Sommer 1945 bei Regensburg Richtung Passau zu Bulkesern. Er redete großspurig daher - wie ich damals den Eindruck hatte - dass er nach Ungarn "geht", dort sollen sich rückkehrwillige Batschkaer, vielleicht auch Bulkeser aufhalten, wenn ich ihm einen Brief mitgebe, will er sich unterwegs nach meinen Eltern umsehen. Den besagten Brief schrieb ich aufs Geradewohl, hatte die Angelegenheit längst vergessen, als der Brief tatsächlich sein Ziel erreichte.









Die Freude war sicher groß,
zumal es sich herumgesprochen hatte, dass im Mai 1945 in Prag und drummherum viele Deutsche für immer "verschwunden" sind!
In Passau konnten wir mit einer Gruppe anderer Bulkeser (Siegfried Binders Familie, Wohlhüters, Zeh u.a.) nicht Fuß fassen. Passau war überfüllt, außerdem katholisch, was uns - seit Bulkes noch immer eingefleischte Protestanten - nicht behagte.

12 Millionen Heimatvertriebene und Zuwanderer !
Wo und wie sollten die im kriegszerstörten, armen und hungernden Deutschland untergebracht werden?

Die angehenden Bundesländer einigten sich mit den Besatzungsmächten auf eine Verteilung und Integration nach landsmannschaftlichen Gesichtspunkten:
Sudetendeutsche in Bayern, Schlesier und Ostpreußen oberhalb der Mainlininie im ehemaligen Preußen und die Donauschwaben in Südwestdeutschland.




(25) Rückkehr zu den Ursprüngen.
Durch Vermittlung der evangelischen Kirche wurde die letzte Etappe unseres Fluchtweges noch weiter westwärts ins Badische mit der Eisenbahn (Binders hatten noch ihre Pferde und Wagen aus Bulkes dabei!) vollzogen.
Am 16. Juni 1946 trafen wir nach fast zwei Jahren des Umherirrens in Mittel- Osteuropa im Durchgangslager Artilleriekaserne in unserer neuen Heimat in Karlsruhe ein.
Städtebaulich gesehen waren wir damit wieder in der Barockzeit gelandet:
Karlsruhe, die barocke Fächerstadt, wurde 1715 nach einem vorgefertigten Plan gegründet, während Bulkes, das Quadrate-Dorf, nur 71 Jahre danach, auch auf dem Reißbrett vorgeplant, angesiedelt worden ist.

Die freundlich bescheidenen Badenser, ihre der unseren verwandte Mundart und die der Batschka ähnliche Topographie waren beste Voraussetzungen für unseren Neubeginn in diesem von der Sonne verwöhnten "Ländle" in der Rheinebene, - nahezu im Zentrum der HERKUNFT unserer Vorfahren, die im 18. Jahrhundert dem Ruf des deutschen Kaisers Josphs II. folgten und in die von den Türken befreiten Gebiete der panonischen Tiefebene auswanderten.





Elisabeth Klein, unsere "Amerikamottr in Cleveland"


Mit ihrer Hilfe konnten wir in Karlsruhe leichter Fuß fassen und bereits 1949 unser erstes Eigenheim bauen.

Heinrich Stephan
Zurück zur Startseite AHNENFORSCHUNG