Reste der Gedenktafel für die Bulkeser Gefallenen des Ersten Weltkrieges liegen in der Kirche, aufgenommen im April 2000.

Baudaten

Architekt: Kameralbaumeister Johann Schmaus, war Pflegesohn in der Familie des Baudirektors Kiš und plante neben der Bulkeser Kirche viele andere Kirchen in der Batschka. (Quellen: Heimatbücher Bulkes und Novi Vrbas/Neuwerbas)
In den Grundrissen ist - mit Ausnahme der fehlenden zweiten und dritten Glocke im Turmgeschoß - der Baustand des Jahres 1945 dargestellt auf der Grundlage von Bauaufnahmen durch Herrn Milan Pilipović, Hans Harfmann und den Planverfasser mit Hilfe seiner Frau i.J. 2002.
Bauzustand: Während im Außenbereich die barocke Architektur - bei erheblichen Schäden in der Dachdeckung - erhalten blieb, ist die historische Innenarchitektur des Kirchenraumes nach 1945 beim rücksichtslosen Einbau von drei Geschoßdecken zur Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten durch das atheistische Titoregime zerstört worden. So wurden die Kirchenbänke herausgerissen und verbrannt. Altar, Kanzel und Orgel sind abgebrochen, zwei von drei Glocken fehlen.
Mit dem fortschreitenden Bau von Lagerräumen im staatlichen Kolchosbetrieb hat man die Benutzung des Kirchenraumes als zentrales Lagerhaus aufgegeben.
Damit war der Weg frei für eine Rückführung zur gottesdienstlichen Verwendung der Kirche. Sie ist seit 1990 im Eigentum der Pravoslawischen Kirche in Maglić. Durch die Initiative dieser relativ kleinen Gemeinde in der überwiegend religionslos orientierten Bevölkerung wurde in den 90er Jahren in der Kirchenvorhalle ein kleiner Gottesdienstraum notdürftig eingerichtet und mit dem Rückbau des großen Kirchenraumes sowie der Deckenrestaurierung durch den Restaurator Sava Strajnić begonnen.
Wegen fehlender Mittel ruhen die Arbeiten, nachdem auch ein 1998 vom Bulkeskanadier Bernie Sander in Zusammenarbeit mit einigen Bulkesern geplanter Spendenaufruf für die Erhaltung der Kirche - als Baudenkmal zur bleibenden Erinnerung an die 158-jährige deutsche Siedlungsgeschichte in Bulkes - an der ablehnenden Haltung unserer Heimatortsgemeinschaft gescheitert ist.

Rundum abgelehnt wurde auch vom gesamten Gremium der Bulkeser HOG (Brief des Vorsitzenden Franz Jung vom 25.Oktober 2003) eine offizielle Bitte des Maglićer "Ausschusses für die Restaurierung der Kirche" (Vorsitzender: Radomir Zotović) vom 20.Juli 2003 um Mithilfe an dem Projekt durch den Vorschlag von (Bulkeser) Leuten, "die mit unseren Vetretern Mitglieder des Fonds zur Erneuerung der Kirche werden."
Das noch immer aktuelle Kirchen-Sanierungskonzept ist auf der Grundlage der Bestandspläne a.d.J. 2002 (s. die folgenden Grundrisse und die links abgebildete Fassade) durch das Ingenieurbüro PROINGRAD in Peterwardein (Architekt Fekete) im Auftrag des Maglićer "Ausschusses für die Restaurierung der Kirche" im April 2002 erstellt worden .
Gesamtkosten: 5.767.785,--Dinar (57,67 Din/EUR=ca. 100 000,--EUR).
Dessen ungeachtet wird die Kirche im provisorisch eingerichteten Vorhallenbereich unter dem Turm seit Jahrzehnten für den pravoslawischen Gottesdienst der Maglićer Kirchengemeinde genutzt.
Siehe Kapitel AKTUELLES 2: Kirchgänger, aufgenommen vom Bulkes-Amerikaner Siegfried Binder anläßlich seines Heimatbesuches über Ostern im Mai 2005.

(Heinrich Stephan)



Zum Grudriss des Erdgeschosses
Zum Grundriss der Empore
Zum Grudriss des Turmes

Jubiläumsschrift:
Zur Erinnerung zum 100 jährigen Kirchweihjubiläum der
ev. Gemeinde Bulkeß
1920

Als das zur Zeit der Ansiedlung errichtete hölzerne Bethaus baufällig geworden war, fasste die Gemeinde schon im Jahre 1814 den einstimmigen Beschluß, mit Gotteshilfe eine neue Kirche zu erbauen. Ihre erste Sorge ist es gewesen, dass hinzu notwendige Baumaterial zu beschaffen, weßhalb sie bestimmte, vorerst 100 000 Ziegel brennen zu lassen. Zur Bestreitung der hierfür entfallenden Kosten wurde nach Wortlaut des Protocolles folgendes bestimmt: Der Besitzer einer dreiviertel Session (40,5 Joch Feld)entrichtet einen hiesigen großen Metzen( Mtz) (62 L Hohlmass) und 9/8 Frucht und 3 große Mtz. Hafer, der Halb-Sessionist (27 Joch Feld)einen großen Mtz. Und 6/8 Frucht und 2 große Mtz. Hafer, der Sessionist (13,5 Joch Feld) einen großen Mtz. und 3/8 Frucht und eine großen Mtz. Hafer, ein Kleinhäusler aber einen Mtz. Frucht. Stroh zum Ziegelbrennen aber soll von jeder Viertel-Session eine Klafter gegeben werden. Nachdem der größte Teil der Ziegel gebrannt war, übergab die Gemeinde den Bau der Kirche dem Baumeister Johann Schmaus aus Neuwerbas um den Betrag von 6 000,- fl. W.W für Maurerarbeiten. Am 29. Sept. 1817 wurde der Grundstein gelegt und mit dem Bau begonnen und Ende Oktober 1820 stand der schöne Bau fertig da mit der Überschrift über der Thür:" Deo et DeVoton BULkeszenes DICant eVangeLICI" Zu deutsch: Gott und der Andacht geweiht von den evangelischen Bulkeßer im Jahre 1820. Diese Jahreszahl ist aus den großen lateinischen Buchstaben herauszulesen. Wie groß die Glaubenstreue und Opferwilligkeit der in Gott ruhenden Väter war, ist daraus ersichtlich, dass vom Jahr 1815 an bis 1824 jedes Haus jährlich 1 Mtz. Frucht und jede 1/4 Session ebenfalls 1 Mtz. Frucht und 1 Mtz. Kukurutz und 4 Mtz. Hafer zum Kirchbau lieferte, außerdem wurden noch nahmhafte Beiträge an Geld gespendet.

Im Jahre 1786 (Jahr der Ansiedlung von Bulkes)wurden 1000 Seelen hier angesiedelt, welche Zahl jedoch infolge der durch das ungewohnte Klima und die anstrengende Arbeit bei Urbarmachung des Bodens verursachten epidemischen Krankheiten bis zum Jahre 1798 auf 500 Seelen herabsank. Zur Zeit des Kirchenbaues hatte unsere Gemeinde 229 Häuser und 1500 Einwohner. Seit dem Bestand unserer Kirche wurden in derselben getauft 10 611 Kinder u. z. 5458 männl. Und 5153 weibl. Geschlechts. Getraut wurden 2788 Paare und gestorben sind 6623 Personen. Große Sterblichkeit herrschte in unserer Gemeinde 1836, wo 106 und in den Jahren 1848 und 49, wo 170 Personen an Cholera starben. In den Jahren 1872, 73, 74, 75 und 76 mehrten sich die Sterbefälle an Blattern, Cholera, Typfus und Fieber bedeutend. In traurigen Angedenken ist uns Allen noch auch das Jahr 1906 wo 77 liebe Kinder durch Scharlach und Diphteritis hinweggerafft wurden. Wenn wir bedenken, wie groß die Glaubenstreue und Opferwilligkeit der frommen Vorfahren war, wie viel Mühe, Arbeit und Geld sie sich's kosten ließen, um dies Gotteshaus zu erbauen, sollten wir uns gedrungen fühlen dies teure Erbe der Väter auch würdig zu schützen, es werth und lieb zu halten und fleißig zu besuchen. Die Frucht des Herrn ist aller Weisheit Anfang und das Fundament aller Tugenden. Gemeinden, die kein Gotteshaus mehr brauchen, gehen ihrem Verfall entgegen, wie dies die Geschichte der Menschen oft genug bezeugt. Eine Gemeinde aber, wo Gotteshaus in Ehren und Gottes Wort im Schwange steht, darf getrost der Zukunft entgegen sehen auch in schwerer, trüber Zeit:"Er der Herr wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Er, Gott selbst mit ihnen, wird ihr Gott sein".


Kirchenlied
Zum "Hundertsten Kirchweihefest" der evang. Gemeinde
Bulkeß
Melodie: Freu' dich sehr o meine Seele!


1. Unsrer Väter Gottvertrauen,
Und ihr großer Opfermut, Trieb sie an einst zu erbauen, Diese Kirch' als heilig Gut, "Hundert Jahr" ist es heut, Das sie wurde Gott geweiht, Wie die Väter dann mit Freud, Feiern diesen Tag wir heut.
2. Viel sind schon getauft hier worden,
Viel zum Ehebund getraut, Aber viele auch schon gestorben, Seit die Kirche aufgebaut, "Hundert Jahr" auch immer gleich, Ob da kamen Arm ob Reich, Jedem ward hier Trost und Segen, Ohne Unterschied gegeben.
3. Der Gemeinde schönste Zierde,
Ist doch unser Gotteshaus, Voller Stolz und Treuer Liebe, Rufen wir nun freudig aus, "Hundert Jahre" steht es jetzt, Herrlich schön und unverletzt, Dank sei Väter Euch beschieden, Weil Ihr uns dieß' Haus verschrieben.
4. Der Erbauer fieiß'ge Hände
Sind schon Staub und Asche gar, Uns die Kirche als Geschenke, Bleibt ein Denkmal immerdar, "Hundert Jahr" schon erbaut, Und als Erbgut anvertraut, Was an uns liegt soll geschehen, Das sie soll noch lange stehen.
5. Eins nur fehlt ihr und uns Allen,
Dieses trug der Krieg davon, Nie mehr hören wir erschallen, Den vertrauten Glockenton, "Hundert Jahr" sonst unverletzt, Doch wenn Opfermut einsetzt, Und wie einst die Väter gaben, Werden wir bald Glocken haben.
6. Laßt uns nun die Hände falten,
Dankbar sein von Herzen sehr, Jenem der so schön erhalten, Uns' re Kirche hat bisher, "Hundert Jahr" Gott sei dir, Lob und Herzensdank dafür, Lasse durch dein gütig Walten, Uns die Kirch' noch lang erhalten.




Anmerkung

Den Text habe ich wort- und buchstabengetreu von der Jubiläumsschrift zum einhundertsten Begehen der Bulkeser Kirchweih im Jahre 1920 abgeschrieben. Der Text des Kirchenliedes wurde eigens zu diesem Anlass verfasst. Peter Degen (Wendel's Peter, Haus Nr. 6) hat mir eine Kopie zugeschickt. Wir hoffen, dass wir das Original finden, um es zur Archivierung nach Tübingen in das Donauschwäbische Institut für Geschichte und Landeskunde zu bringen.
Diese Jubiläums-Festschrift ist nicht zu verwechseln mit der Festschrift zu den 150-Jahrfeiern von Bulkes aus dem Jahr 1936. Die Bulkeser Kirche wurde in drei Jahren erbaut und bekanntlich 1820, also 34 Jahre nach der Ansiedlung von Bulkes, eingeweiht. Aus heutiger Sicht, der Zeit des elektronischen Zeitalters wie des Fernsehens, Mobilfunks und des Internets, bedarf es einer gehörigen Portion Vorstellungskraft, sich in die Zeit der Ansiedlung zu versetzen und die mit dem Kirchenbau verbundene große Anstrengung zu verstehen. An Stelle unseres heutigen engmaschigen sozialen Netzes standen damals der Glaube und das Vertrauen in Gott, die Nächstenliebe und die Bereitschaft dafür Opfer zu bringen. Gegen die bittere Not und das Heimweh suchten die Ansiedler Trost und Anlehnung bei Gott. Sie beteten sich im Bethaus, später in der Kirche, die Verzweiflung von der Seele. Not lehrt beten, heute zu Zeiten des Wohlstandes fast in Vergessenheit geraten.
Und heute, was ist aus unserer Kirche geworden? Der Text der fünften Strophe "Nie mehr hören wir erschallen, den vertrauten Glockenton" ist im April 1945 auch für die Letzten der Gemeinde zur traurige Gewissheit geworden. Was uns als Erbgut von den Erbauer und unseren Väter anvertraut wurde, ist für uns, einer dem Vergehen geweihten Ortsgemeinschaft, zum Symbol geworden. Bei unseren traditionellen Treffen in Kirchheim/Teck, von der Bühne auf Leinwand gemalt, ruft sie in uns Erinnerungen wach an Bulkes wie es einmal war.
Mit Titos AVNOJ Beschlüssen in staatlichen Besitz übergegangen, von Gottlosen das Kircheninnere zum Magazin für landwirtschaftliche Produkte umgebaut, ist sie seit 1990 wieder in Kirchenbesitz. Wer jedoch wie ich im Jahre 2001 in die Kirche hinein schaut, fragt sich, wie die mittellosen heutigen Besitzer aus dieser "Abraumstelle für Betonschutt" wieder eine heilige Stätte machen wollen. Peter Degen erfuhr von einem ehemaligen Studienkollegen aus Peterwatz, dass nach einem Zeitungsbericht die Bulkeser Kirche 1990 der Serbischen Orthodoxen Kirche übereignet wurde. In den Mitteilungen, dem Mitgliedsblatt der Donauschwäbischen Landsmannschaft in Deutschland, veröffentlichte Peter in der Ausgabe Nr. 23 vom 1. Dez. 1990 in einem Bericht diese Information, die ich auszugsweise hier wiedergebe. Auf Betreiben des Kulpiner Popen wurde das 1820 als deutsch-evangelisches Gotteshaus geweihte Gebäude von der Gemeinde Maglić - so heißt Bulkes seit 1949 - der serbisch-orthodoxen Kirche übereignet. Einem anfangs des Jahres erschienenen Zeitungsbericht zu folge, wurden vor der Übereignung die Stellungnahmen des Seniors der Deutschen Evangelischen Kirche in Jugoslawien, Prof. Dr. Vlado Deutsch, und des Bischofs der Slowakischen Evangelischen Kirche, Dr. Beredji, eingeholt. Beide stimmten der Übergabe zu.
Als Inbegriff von Bulkes ragt sie hoch und stolz über die Bäume in den Himmel der weiten Ebene und lässt jedem Bulkeser warm ums Herz werden, wenn man von Silbasch kommend freien Blick auf Maglić werfen kann. Möge uns dieser Blick noch lange erhalten bleiben.
(Heinrich Hoffmann Kirchheim/Teck, im Mai 2003)

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