Vorbemerkung über das Zustandekommen dieses "Reiseberichts".

8.April 2007
"Lieber Heinrich:
Meine Tante Margarita Wohlhueter, geb. Binder (Die Ehefrau unseres letzten Bulkeser Richters/Bürgermeisters) hat dieses Tagesbuch gefuehrt vom 10. Oktober 1944 bis 1. Mai 1945.
Ich habe das originale Heft bei mir. Das notebook (Buechelle) is ungefaehr 6 centimeter auf 6 centimeter gross. Vom Alter sieht es sehr braun aus.
Viele Gruesse,
Siegfried Binder, New Yersey"

Flüchtlingsreise


Bulkes, Dienstag 10.Oktober 1944:
"Auf Befehl eines Obersturmführers mussten alle führenden Personen am Dienstag, dem 10. Oktober 1944 um 4 Uhr Nachmittags die Flucht vor den Russen antreten. Wir fuhren bis Szepliget (Gaidobra), da ein schweres Gewitter sich näherte blieben wir dort über Nacht bei Becker Jerckel.
Am 11. Okt. fuhren wir von Szepliget um 10 Uhr ab und kamen bei Nacht in Hodsàg an. Dort suchten wir uns Quartier bei Roth.
Am 12. Okt. beim Morgengrauen ging es weiter bis Bezdan, dort war alles überfuellt, - so mussten wir auf der Strasse übernachten.
Am 13. Okt. in aller Frühe ging es wieder weiter bis Csatalja, dort kamen wir gegen Abend an und quartierten uns bei Bauern ein. Wir machten uns in der Küche am Boden ein Bett und schliefen uns wieder gut aus.
Am 14. Okt. fuhren wir bis Baja, dort mussten wir von 10 Uhr in der Früh bis Abend 9 Uhr warten, bis wir auf der Plätte/Fähre übersetzt wurden (aus der Batschka über die Donau nach Westen in die Baranya/Schwäbische Türkei). Dann fuhren wir weiter bis Badaszek, dort kamen wir um 1 Uhr in der Nacht an suchten wir ein Heim auf. Es gab zum erstenmal warmes Essen u.z.w. Krautsuppe mit Gries und schwarzen Kaffee. Übernacht waren wir auf der Straße, - in der Früh fiel ein kalter Regen, es hellte sich doch bald auf und wir fuhren wieder weiter.
Am 15. Okt. wurde es schon gebirgig (Mecsek-Hügelland), wir fuhren bis Moecseny dort quartierten wir uns ein bis nächsten Mittag, kochten uns warmes Essen bei Barbara Fuchs, waren nette Leute. Mittags ging es weiter bis Bonyhad. Wir bekamen den Befehl einige Tag in der Nähe zu verbringen, so fuhren wir gleich seitwärts von Bonyhad nach Ciko, kamen dort gegen Abend an, meldeten uns im Gemeindehaus und wurden einquartiert. Wir wohnten bei Lindauer Josef 29. Vorläufig muss jeden Tag jemand nach Bonyhad, um weitere Befehle entgegen zu nehmen.
Heute am 19. Okt. für Kunz (Konrad, ihr jüngerer Sohn war an der Invasionsfront) einen Brief und 2 10 Dkg Päckchen nach Bonyhad mitgeschickt.
Am 23. Okt. bekamen wir den Befehl zur weiteren Fahrt.
Am 24. Okt. um 10 Uhr fuhren wir von Ciko ab bis Tolfü dort blieben wir über Nacht, im Heuschab /Schopf=Schuppen.
Am 25. Okt. ging die Fahrt bis Kaposszekesö hier quartierten wir uns ein bei Johann Gesellman, - waren auch liebe Menschen.
Am 26. Okt. ging die Fahrt bis Kaposvar dort kammen wir um 4 Nachmittags an bekammen kein Quartier, die Pferde konnten wir zum Glück in einem Schuppen unterbringen der Wagen blieb im Hof, am Abend fing es fürchterlich zu regnen an. Die Männer standen die ganze Nacht im Hof und Schuppen, wir Frauen und die Kinder saßen zusammen gepfercht in einem Zimmer. Am Abend gab es warmes Essen Krautsuppe, - die war aber unter aller Kritik. In der Früh gab es Kaffee noch immer fiel Regen, das drückte die Stimmung noch mehr. Hier bekamen wir die erste Post von Kunz, u.z.w. vom 23/9.
Am 27. Okt. fuhren wir weiter, da es noch immer regnete fuhren wir nur bis Kaposfö, quartierten uns ein, kochten uns Kartoffelsuppe zu Mittag, brachten den Wagen in einen Schuppen, die Pferde in den warmen Stall, - es war auch sehr notwendig, denn beide waren krank. Wir wohnten bei Josef Gschwindt, waren nette Menschen. Hier wohnten noch 5 Honved (ungarische Soldaten), darum gingen wir in das Nachbarhaus in der Mühle schlafen.
Am 28. Okt. fuhren wir bis Böhönye, dort wollten wir über Nacht bleiben, bekammen den Befehl weiter zu fahren bis Keleviz (Stephans waren mit den Paraputern bereits am 24. Oktober keine 50km weiter nordöstlich in Zala bei Tab unterhalb des Plattensees.) und dort einige Tage Rast zu machen. Da wir in der Früh spät wegfuhren, war es schon 8 Uhr als wir hier ankammen, es ist eine kleine sehr arme ungarische Gemeinde. Die Männer schlafen im Stall, wir am Boden bei Thomas Sanos.
Am 2. Tage hörten wir, dass es hier längeren Aufenthalt gibt, so suchten wir ein anderes Quartier, da es zu eng und im Zimmer vor Stinkluft nicht auszuhalten war. Wir fanden ein leeres Haus ganz außerhalb dem Dorf No. 75. Hier herrschte auch große Unordnung, aber wir machten uns an die Arbeit, reinigten die Küche gründlich und zogen ein.
Am 30. Okt. 31. Okt. ist Waschtag, es wurde alles gründlich gewaschen, am 1. Nov. die Wäsche gebügelt, am 2. Nov. die Wäsche ausgebessert, am 3 . Nov. verschiedene Hausarbeiten, die Männer beim Nachbar Holz geschnitten.
Am 4. Nov. war ich in Mesztegnyö Zucker holen, die Zehgot (Frau Zeh) hat gekocht, die Männer waren im Acker Rüben holen.
5. Nov., ein ruhiger Sonntag. 6. Nov. waren wir in Marcali auf dem Markt, es kam Fliegeralarm so eilten wir schnell aus der Stadt.
7. Nov., die Männer fuhren Kukurutz, wir waschen und backen Brot.
8. Nov., heute haben wir Lebensmittel, wie auch Hafer für die Pferde gefasst.
9. Nov. Die Männer sind nach Marcali wir kochen und bessern die Wäsche aus, für Kunz einen Brief schreiben und 2 Päckchen vorbereiten, wenn Bauer abfährt mitschicken.
10. Nov. 11. Nov. Heute erfuhren wir, dass die Reise in einigen Tagen weiter gehen muss.
12. Nov. ein ruhiger Sonntag mit Sonne.
13. Nov. Heute bekamen wir den Befehl in zwei Tage wieder den Marsch bis an die Grenze fortzusetzen. Heute mittag sind die Männer nach Nemesded (südwestlich des Plattensees) um die anderen Pferde zu holen.
14. Nov. Heute ist wieder Bündeltag noch mal Brot gebacken, denn morgen soll die Fahrt weiter gehen, es ist ein unfreundlich regnerischer Tag.
15. Nov. Die Fahrt wurde um 3 Tage verschoben.
18. Nov. Heute um 8 Uhr ging die Fahrt weiter bis Balatonszentgyörgy (Liegt am südwestlichen Ende des Plattensees, der nun auf der Westseite umfahren wird. Andere Trecks, wie die Paraputer mit STEPHANs Wagen, haben den See über Siofok und Balatonalmadi 7 Tage vorher am 11.Nov.auf der Ostseite umfahren.). Wir wurden von Fliegern lange überflogen es ging doch glatt ab. Einquartiert wurden wir gemeinsam in einem Gasthaus, es waren auch Soldaten dort, Honved, es gab in der Nacht Zwischenfälle. Die Männer und einige Frauen waren bei den Wagen, wir waren auf anderen Plätzen schlafen, in einem Stall waren wir 33 Frauen und Kinder dort kratzten die Ratten die ganze Nacht.
19. Nov. um 7 Uhr in der Früh ging die Fahrt bei Nebel und gefrorener Erde weiter. Wir mussten die Fahrt öfters unterbrechen da wir 2 Stunden lang von Flieger überflogen wurden. Jaeger stürzten ganz niedrig herab, in der Nähe wurde auch bombardiert. Die Fahrt ging bis Gyuebaevös, die Einguartierung dauerte sehr lange, wir waren mit beiden Wagen in einem gräflichen Anwesen/Haus. Nur eine alte Frau mit der Dienerin wohnte dort. Die Frau ist 84 Jahre alt, noch ledig, war aber 5 mal Braut.
20. Nov., um 8 Uhr ging die Fahrt weiter, die Straße war an diesem Tage sehr schlecht, auch Flieger kreisten lange Zeit über uns, wir fuhren bis in die dunkle Nacht hinein, als wir ankamen war das Dorf schon voll mit Flüchtlingen, somit dauerte es lange bis wir untergebracht waren. Das Dorf hiesz Oszkó, am Nordwesthang des Bakonyer Waldes. Wir waren bei Szabó Grgörgy 74. Das Haus war klein wir mussten im Stall schlafen.
21. Nov. Wir sind zeitlich aufgestanden, es regnete, somit blieben wir heute hier. Der Himmel ist ganz bewölkt als ob es einige Tage regnen wollte.
22. Nov. Um 8 Uhr fuhren wir ab, es war sehr kalt und windig, wir fuhren bis Ikervar, hier wurden wir von Soldaten einquartiert, um 5 Uhr bekamen wir Essen: Bohnensuppe mit Kraut. Wir wohnten bei Csonka Jànos
23. Nov. Um 8 Uhr fuhren wir hier ab, später fing es an zu regnen, wir bekamen in Sarvar Verpflegung und fuhren im Regen den ganzen Tag bis 5 Uhr abends. Hier in Lövö wurden wir von Soldaten einquartiert, es war ein ungarisches Dorf aber so unfreundliche Menschen trafen wir auf der ganzen Reise nicht an. Die Wagen standen auf der Straße. Wir räumten die ganzen Sachen von 2 Wagen in eine kleine Küche und saßen die ganze Nacht drinnen, 7 Personen.
24. Nov. in der Frühe fuhren wir weiter bis Kophaza, kamen schon Mittag hier an, durften aber nicht weiter bis nächsten Tag. Das Dorf war überfüllt, so mussten die Wagen und Pferde auf der Straße stehen. Wir schliefen in einem leeren Zimmer auf Stroh 10 Personen.
25. Nov. Um 7 Uhr in der Früh fuhren wir ab bis Sopron (STEPHANs kamen mit dem Paraputer Treck bereits am 14.November 1944 durch Sopron und am selben Tag bei Klingenbach über die Grenze nach Deutschland/heute Österreich.), dort wurden wir an die Bahn geschickt, so standen wir dort von 9 4 Nachmittags, dann wurden wir einquartiert. Wir und Wilms fuhren zur Sopfia Balfi Nr. 23. Wir wuschten uns mal gründlich und schliefen uns gut aus.
26. Nov. Ein regnerischer Sonntag brach an, wir kochten Rindsuppe mit Kuchen. Nachmittags um 4 Uhr mussten wir aufbrechen, wir fuhren an die Bahn, es waren aber zu viele Wagen, sodass nicht alle hineingingen. Nur mit 2 Wagen kamen wir (Bulkeser?) dran. Wir und Binders wurden um 9 Uhr abends eingeladen. Um 11 Uhr in der Nacht fuhren wir ab. Wir mussten in einen Viehwagon, es war sehr kalt in der Nacht.
27. Nov. als es Tag wurde, waren wir weit über der Grenze. Es war eine stoßende Fahrt, Mittag bekamen wir Tee in Lundenburg (nördlich Wien an der Grenze zur ehemaligen Tschechoslowakei), dann ging es wieder weiter, abends legten wir uns zeitlich nieder, es war aber sehr kalt, schlafen konnte wir wenig.
28. Nov. Um 7 Uhr waren wir in Glatz (Liegt an der Grenze zwischen Niederschlesien und der ehemaligen Tschechoslowakei. STEPHANs kamen mit Roß und Wagen erst am 8.Dezember 1944 im Schneegestöber in Glatz an, wurden am folgenden Tag einwagoniert und mit der Reichsbahn in beheizten Personenwagen nach Liegnitz gefahren.) bekamen von der N.S.V. (Nationalsozialistische Voksfürsorge) warmes Essen, dann ging es weiter bis Ohlau am Westufer der Oder, 25km südöstlich von Breslau. Hier kamen wir um 5 Uhr nachmittags an. Wir wurden schon erwartet. Jungens halfen mit ausladen, die Pferde halten u.s.w. Wir wurden in eine Schule geführt es gab warmes Essen ein Tee ein warmes Zimmer mit Betten. Um 9 Uhr gingen wir zu Bette und ruhten uns gut aus. Die Pferde wurden im Schlachthof untergestellt..
29. Nov. Um 7 Uhr standen wir auf, machten uns fertig. Um 9 Uhr bekammen wir Kaffe und belegte Semeln 2 St. Dann mussten wir uns anmelden, es wurden Name, Beruf, Wohnort aufgenommen.
30. Nov. Um 8 Uhr zogen wir weither nach Peisterwitz, 10 km östlich von Ohlau auf der anderen Oderseite. Hier kamen wir gegen 10 Uhr an scheinbar wusste man nicht recht was man mit uns machen soll. So standen wir zwei Stunden auf der Straße. Endlich sagte man uns: sämtliche Sachen in die Schule abladen, damit die Pferde untergebracht werden können. Wir wohnen vorläufig in der Schule. Unsere Pferde und Binders ihre sind bei Frau Schmikale Gwelldorfstrasse 25 eingestellt. mittags gab es Essen auch abends.
1. Dez. Um 7 Uhr standen wir auf. Wir sind 15 Personen aus unserem Dorfe in einem Zimmer. Nach dem Kaffee badeten wir, dann nahmen wir die viele Schmutzwäsche und gingen zu Frau Schmikale waschen.
2. Dez. Wir wurden langsam einquartiert. Binders siedelten am Nachmittag, wir machten uns ein Zimmer rein.
3. Dez. In aller Frühe zogen wir in die uns angewiesene Wohnung, wir heizten den ganzen Tag, konnten aber das Zimer nicht warm und troken bringen. Es war ein vernachlässigtes Haus, das schon lange niemand bewohnte und dazu noch die Kellertür im Zimmer, sodass es nicht bewohnbar war, somit waren wir unzufrieden.
4. Dez. Wir suchten uns eine andere Wohnung, fanden ein Dachzimmer in der Hauptstrasse bei Ernst Biallas 95.
5. Dez. Wir siedelten in die neue Wohnung.
6. Dez. Die Männer sind schon am frühen Morgen weit in den Wald Holz machen. Wir holten 2 Ztn. Kohlen, dann waren wir im Büro wegen Kohle und Kochgeschirr. Um 10 Uhr führten wir noch die Pferde vor, waren untauglich.
7. Dez. Schon in aller Frühe gingen wir alle 4 in den Wald, der war sehr weit. Die Männer schlugen die Bäume um, wir sammelten trokene Äste und trugen es zusammen. Um 4 Uhr kamen wir nach Hause.
8. Dez. Es ist unfreundlich und regnete die ganze Nacht auch am Tage.
9. Dez. Die Männer holen das trokene Holz im Walde, wir backten Kuchen und gucken in die Lebensmittelkarten. Bruder Fritz (Fritz Binder war SS-Soldat an der Westfront und bekam Kurzurlaub zu seiner Familie) ist auf 3 Tage hier. Durch Zufall finde ich 2 Marken für Päckchen, mache sie schnell fertig und Frau Becker bringt sie zur Post, da es der letzte Tag für schicken ist.
10. Dez. Ein ganz ruhiger schöner Sonntag ist heute. Alle sind wir beschäftigt mit schreiben. Konrad schreibt für Kunz einen Brief, den Fritz mitnehmen soll.
16. Dez. fuhren wir das Holz heim, es waren 2 Wagen voll. Gegen Abend brachte uns Frau Schmikale den ersten Brief von Kunz, das war für uns ein Glükstag.
17. Dez. Wir entschlossen uns nach Wiesenthal zum Urlauber (Bruder Fritz Binder?) zu fahren. Ich backte schnell was und machte ein Päckchen zurecht und schrieb noch einen Brief.
18. Dez. Wir gingen um 5 Uhr zum Autobus es war überfüllt und wir konnten nicht mit. Wir machten uns auf die Beine und kamen um 8 Uhr in Ohlau am Bahnhof an. Der Zug ging um 10 ab bis Breslau dort stieg ich um und fuhr bis Glogau musste in die Mittelstelle für Rückwanderer gehen und nach Wiesenthal (9km südwestlich von Glogau) suchen, dann war kein Zug bis spät abends und ich ging 9km. Zu Fuß, kam um 5 Uhr morgens an und fand den Urlauber. Er war freundlich und übernahm Päckchen und Briefe u. 10 Mark für Kunz.(Alle Achtung: Ca. 150km mit dem Zug, dem Bus und zu Fuß entlang der Oder von Peisterwitz/Breslau bis Glogau/Wiesenthal und zurück.)
19. Dez. Um 6 Uhr ging ich zur Bahn die Fahrt ging glatt bis Ohlau, kaum war ich ausgestiegen war Fliegeralarm und musste 1 Stunde im Keller sitzen, kam gegen 4 Uhr in Peisterwitz an. Die Männer waren eben am Holz schneiden von Hilde Baumgartner haben wir 1 Brief erhalten.
20. Dez. Konrad hollte Kohlen in Ohlau dann wurden die Pferde vorgeführt. Bator wurde für 900 Mark übernommen.
21. Dez. Ein kalter Tag. Konrad führte Kartoffel in die Schule zum verteilen.
22. Dez. Wieder ein kalter Tag. Konrad führte Holz 19 km von hier, kam 8 Abends nach Hause.
23. Dez. 24. Dez. Ein stiller Sonntag für uns eine traurige Weihnachtsnacht.
25. Dez. 1. Weihnachtstag verbrachten wir mit lesen.
26. Dez. Für den Hausherr 2 Wagen Holz geholt. Kunz 1 Brief geschrieben.
29. Dez. Engel Kathrin und Plein Resl waren hier ihr Gepäck holen.
30. Dez. Konrad ist um 7 Uhr nach Ohlau zu Landsleuten. Ein Päckchen für Kunz geschickt,an die Bahn gebracht, dann noch für Binders Holz gehollt.
31. Dez. Ein trauriger Sonntag, abends hörten wir die Rede von Goebbels, in der Nacht um 12 Uhr haben wir die Rede des Führers gehört, dann mussten wir noch Schnaps trinken bis 2 Uhr.
1. Jan. 1945 Heute am Neujahrstag gehen unsere Gedanken weit zurück ins alte Jahr. Es war für uns das schwerste und traurigste Jahr im ganzen Leben.
2. Jan. 3. Jan., heute haben wir die Anträge auf Schuhe und Kleider bekommen. Auch für den Unterhalt der Angehörigen wurden Daten aufgenommen.
4. Jan. 5. Jan. Die Schuhe und Kleider Anträge wurden abgegeben alle Flüchtlinge haben einmalige Unterstützung bekommen. Männer 50 M. Frauen 40 M. Kinder 25 M.
6. Jan. 7. Jan. Wieder ein stiller Sonntag, den wir mit Lesen verbringen.
8. Jan. Konrad hat Leute von Cservenka nach Ohlau an die Bahn gebracht, ich war mit die Wohnung anschauen. Lebensmittelkarten erhalten.
9. Jan. Konrad u. ich sind nach Ohlau, war stricken und Häckeln. An Kunz geschrieben.
10. Jan. Um 2 Uhr in der Nacht ist unser Kunz auf Urlaub gekommen. Es war für uns der grösste Glückstag seid langer Zeit.
19. Jan. Für Kunz wieder alles zurecht gemacht und eingepackt.
20. Jan. In aller Frühe hörten wir, dass wir wieder flüchten müssen (Erst am 7. Februar - 3 Wochen danach - flüchteten Stephans aus Gohlsdorf bei Haynau/Liegnitz zuerst in westlicher Richtung nach Goldberg, dann in südlicher Richtung über Löwenberg nach Friedland, wo es mit dem Zug ins westliche Sudetenland bei Karlsbad weiter ging.) So haben wir unsere Sachen schnell gepackt und wollten gleich mit Kunz bis Ohlau fahren. Dann hörten wir, dass wir erst am nächsten Tag abhauen können. So gingen wir um 11 Uhr zu Fuss nach Ohlau hier wollten sie Kunz auffangen (das war die deutsche Militärpolizei/die Kettenhunde!), ließen ihn aber weiter fahren (weil er sich mit dem Urlaubschein ausweisen konnte!), dann hatte er Gelegenheit mit dem Auto bis nach Breslau zu fahren.
21. Jan. Um 8 Uhr in der Früh ging die Winterfahrt loss. Die Straße war überfüllt, um 1 Uhr fuhren wir über die Oderbrücke dann weiter bis Hennersdorf dort quartierten wir uns ein, es waren nette Leute wir bekammen eine warme Stube die Pferde einen Stall.
22. Jan. Um 8 Uhr ging die Fahrt weiter bis Ruppersdorf, dort mussten wir einen Wagen einstellen, denn es waren viele Anhöhen und die Pferde kamen nicht mit 2 Wagen weiter, so stellten wir den Wagen beim Bürgermeister ein. Binders und Weiszenbachs blieben dort, wir fuhren 3 km weiter bis Friedrichsdorf dort trafen wir Gollmans aus Budisawa, den Wagen stellten wir dort in den Hof, die Pferde einige Häuser weiter. Die Leute waren sehr froh, kochten uns Kartoffel- Suppe und Kaffee, wir machten uns ein gutes Bett und ruhten uns gut aus.
23. Jan. Ein windiger Tag mit Schnee ist angebrochen wir holten den 2. Wagen nach, dann fuhren wir bis Strehlen. Hier quartierten wir uns ein und ließen die Pferde ausruhen.
24. Jan. In aller Frühe ging die Fahrt weiter bis Heidersdorf, dort ladeten wir sämtliche Sachen vom Wagen bei Frau Läufer in die Holzkammer, dann fuhren die Männer mit dem leeren Wagen zurück nach Strehlen, um Binders mit dem 2. Wagen nachzuholen. Frau Laufer willigte ein, dass wir im Büro 2 Nächte und 1 Tag wohnen konnten.
25. Jan. mittags kam der 2. Wagen an, die Männer aßen schnell und fuhren bis vor Langsufersdorf, brachten Binders ins Quartier und kamen noch zurück. Bei kaltem Wetter ging die Fahrt bis Koschwitz, hier wohnten wir bei Frau Stefan, war eine freundliche Frau.
27. Jan. Die Männer gingen mit den Pferden zu Fuss zurück den 2. Wagen nach holen.
28. Jan. Ein sehr kalter windiger Tag brach an, gegen Mittag kam der 2. Wagen da es sehr kalt war fuhren wir nicht weiter.
29. Jan. Es war der kälteste Tag auf der ganzen Fahrt wir bekamen 2 Pferde, dann fuhren wir mit beiden Wägen bis Waldenburg. Die Pferde wurden in einer Auto Garage untergebracht wir bekamen noch alle am selben Tage Privat Guartiere Wir wohnen jetzt allein bei Fam. Josef Kahler Rietenstrasse 10. Es sind sehr nette freundliche Menschen wir bekammen ein schönes Zimmer. Die Menschen sind hier alle von ganz anderem Schlage wie in Peisterwitz.
30. Jan. In der Kreiskanzlei angemeldet
31. Jan. Bei der Polizei angemeldet im Wirtschaftsamt vorgesprochen für die Pferde und Hafer gefasst. 1. feb. Für Frau Becker Gepäck geholt, gewaschen.
Am 15. Feb. Mussten wieder alle Flüchtlinge von Waldenburg fort, wir sind um 8 Uhr mit Wagen angefahren. Die Kinder sind schon 1 Tag früher mit der Bahn nach Schlegel. Wir fuhren bis 5 Uhr dann blieben wir an der Straße in einem Gasthause übernacht im Sal auf Stroh.
16. Feb. In der Früh ging es weither bis Schlegel. Wir fuhren über Mittelsteine so war es schon finster als wir hier ankammen. Wir fuhren zu Schwahn bekamen Mehlsuppe und Kaffee, die anderen schliefen alle im Hause wir und Zeh gingen ins Nachbarhaus, schliefen in einer kalten Bretterstube.
17. Feb. Wir haben uns in der Nr. 9. V. angemeldet und Wohnung bekommen. Wir wohnen bei Frau Niesel 172. Es ist eine freundlich nette Frau hat uns gerne aufgenommen.
18. Feb. Heute Mittag bin ich und Konrad nach Volpers dort schauen ob Bauderer schon geschrieben hat. Leider hat Res'chen auch seid 14. Jan keine Post.
19. Feb. Im Meldeamt angemeldet wegen Kohle gefragt.
20. Feb. Wir wurden verständigt am nächsten Tag um 3 Uhr in Glatz zu sein, da der letzte Transport Ungardeutscher ab geht.
21. Feb. Um 8 Uhr sollte Abfahrt sein es wurde aber 10 bis wir von Schlegel abfuhren. Die Fahrt ging langsam wir kamen um 3 Uhr in Glatz an. Wir gingen in die Kreiskanzlei dort wurde uns gesagt, dass wir über Nacht einquartiert werden, am nächsten Tag entweder Mittag mit dem Treck weiter oder die Pferde und Wägen abgeben und mit dem Transport Zug bis Karlweuburg (Korneuburg?) fahren. Die Wagen wurden auf die Straße gestellt die Pferde mussten wir cirka 3 km bis in die Milstar Kasernen führen. Wir gingen in eine Schule schlafen, es waren gute Betten auch gute Kartoffelsuppe und Kaffee bekamen wir am Abend.
22. feb. Wir haben uns entschlossen die Pferde abzugeben. Wir hollten die Pferde aus der Kaserne, gegen Mittag fuhren wir an die Kreisbauernschaft die Pferde mussten wir einzeln vorführen. Lazi wurde für 500 Mark der Wagen mit 200 Mark übernommen. Um 12 Uhr fuhren wir an die Bahn machten den Wagen schnell leer und brachten das Gespann vor die Kreisbauernschaft. Um 3 Uhr hatten wir alle Sachen im Wagon wir standen im Wind und Regen bis 5 Uhr dan konnten wir einsteigen. Um 10 Uhr Abends fuhr der Zug ab Richtung Brünn. Am Nachmittag kamen wir in Lundenburg an. Wir bekamen Nudelsuppe mit Wurst, gegen Abend fuhren wir weither.
24. Feb. Seid 1 Uhr in der Nacht stehen wir in einer Station gegen 8 hörten wir das Karlweuburg uns nicht aufnehmen kann. Es wurde dan noch Wien gemeldet, nach vielen Stunden wurde gemeldet da wir nach Budweiss sollen. Dann fuhren wir wieder einige Stunden bis nach Gmünd (Waldviertel), hier gab es warme Suppe, Kaffee, Brot und Wurst. Wir standen schon lange wussten nicht warum, auf einmal hörten wir dass auch Budweiss uns nicht aufnehmen will. Es wurde wieder nach Wien gemeldet. Spät am Abend hörten wir dass sie uns nun in die Tschechei tun wollen. In der Nacht fuhr der Zug wieder los, aber nur eine kurze Strecke vor, dann wieder zurück nach Gmünd. Als es Tag wurde, schauten wir uns um und staunden dass wir gefahren sind und doch noch in Gmünd stehen, so sind wir nun an 3 Stellen auch nicht willkommen. Wir sind nun schon 3 Nächte im Zuge es ist schon alles zu viel, so viele Menschen. Tag und Nacht immer im Wagon. Über die Tschechen soll man sich auch nicht wundern, wenn Deutschland jetzt kein Platz mehr für uns hat, wären die anderen ja dumm, wenn sie uns aufnehmen würden.
25. Feb. So stehen wir seid Nacht wieder still, es ist fast Mittag und wir wissen nicht, wann es weiter und wohin geht. Gegen 4 Uhr fuhr der Zug ab nach 2 Stunden wurde 1 Teil ausgeladen, nach einer weiteren Stunde wir und alle übrigen in Lomnit. Es standen schon Auto und Trecker an der Bahn die uns noch spät am Abend nach Luschnitz brachten. Hier kammen wir in ein Gasthaus alle 32 in einen Saal. Um 12 Uhr gingen wir zur Ruhe ins Stroh.
26. Feb. Gegen 7 Uhr wurde langsam aufgestanden. Vom Wirt bekammen wir Tee, auch am Abend bei der Ankunft bekammen wir Tee und einige Kilo Brot, welches von der Bevölkerung gesammelt wurde. Gegen Mittag sammelten wir Kartoffeln und dämpften sie für Mittag, da wir sonst nichts hatten. Abends kochten wir uns Tee, gingen zeitlich ins Stroh.
27. Feb. Wieder kam ein neuer Tag, niemand schaute nach uns, wir nahmen unsere letzten Kartoffeln und kochten uns Suppe. Dann bekammen wir auch Milchbrot und Kartoffeln. Abends saßen wir eben beim Essen, als ein Auto vorfuhr und 3 Herren hereinkammen. Sie erkundigten sich nach unserem Ergehen, waren kurz empört, dass wir unsere Lebensmittel noch nicht bekammen. Konrad wurde zum Lagerleiter über alle Lager in Luschnitz ernannt. Es sind 105 Personen hier.
28. Feb. Es wurde mal gründlich gewaschen, die Betten und sämtliche Wäsche.
5. März. Heute bekamen wir Bettstellen, es gab Krach wegen der Verteilung, da wurden sämtliche Betten verlost.
6. März das Leben ist im Lager langweilig, es gehen jeden Tag einige nach Lomnitz. Auch Konrad und ich waren in Lomnitz, auch schon in Wittingau zu Fuß.
10. März. Wir haben aus Waldenburg Post bekommen.
11. März Ein langweiliger Sonntag, wieder an Kunz geschrieben.
18. März. Wieder an Kunz, auch an seine Einheit, da wir schon 2 Monate keine Post haben, geschrieben. In der Woche haben wir einige Spaziergänge in den Wald und Umgebung gemacht. Es ist sehr viel Sumpfland und Wasser in der Gegend. Es ist eine Wassermühle hier an der Mühle ein großer Wasserfall.
31. März Konrad übergab Pfarrer Mathias Polz die Lagerleiter-Stelle.
16. April. Heute hatten wir auch wieder ein Glückstag: von Kunz bekommen wir die erste Post vom 6.3. aus Waldenburg nachgesandt.
23. April. Von Kunz Post erhalten von 7.4.
25. April wieder Post von Kunz vom 9.4. erhalten.
26. April. Göring hat wegen Krankheit seine Entlassung verlangt.
1. Mai. Der Führer in Berlin gefallen.

"Und da sie der Herr sah, jammerte ihm derselben, u. Er sprach zu ihr: Weine nicht! Er weiß dein heimlich Grämen, auch weiß er Zeit, dirs abzunehmen. Gib dich zufrieden!"

Stationen: In Peisterwitz Kr. Ohlau bei Ernst Biallas 8 Wochen gewohnt Hauptstr. 95.
In Waldenburg bei Josef Kahler, Zietenstr. 10, 16 Tage gewohnt.
In Schlegel bei Frau Niesel 172. 4 Tage gewohnt.
In Luschnitz Krs. Mitstingau 10 Wochen im Gasthaus Mastalir gewohnt. Bei Sterbau (?) No 15 gearbeitet."

Text in Originalform installiert: Heinrich Stephan