Bulkeser OTRTSPLÄNE 1762 bis 1950 und FLURPLAN ab 1945



Ortswappen von BULKES
Nachbildung aufgrund eines Siegels, das im ungarischen Staatsarchiv in Budapest gefunden wurde.
(Quelle: Heimatbuch „BULKES“ Seite 460)
Satellitenaufnahmen von Bulkes aus dem Jahr 2002.


Bulkes (Bulkeszi)
ist bereits 1263 als Ort bekannt im Besitz der Familie Frater und im 15. Jh. im Besitz der Familie Garay.
1721 ist Bulkes nur noch Prädium, zuletzt verpachtet an die Gemeinde Szilbas.
1786 wird das Prädium (Acker- und Wiesenland) ausgegliedert. In 230 neu errichteten Häusern werden etwa 900 Personen evangelischen Glaubens und einige Reformierte untergebracht und damit der Ort Bulkes wiedergegründet.
Die Mehrzahl kam aus der Saarpfalz, aus dem Rheinland und Elsaß, aus Hessen, Lothringen und Württemberg.
In Bulkes kam es in den ersten Jahren durch Epidemien zu so hoher Sterblichkeit, daß 1798 nur noch 500 Personen gezählt wurden. Auch später wütete die Cholera. Dadurch - und infolge des Feldmangels im 19. Jhd. nach dem Wiederanstieg der Bevölkerungszahl - kam es zu Abwanderungen aus Bulkes.
Quelle: Dr. Stegh ALTKER




Schematischer Ortsplan von BULKES April 1945, als die letzten Bulkeser nach Jarek deportiert wurden; gezeichnet 2001/2004 nach Vorlagen von Jakob Kendel HNr.426, Jakob Zeh HNr.285 und dem Heimatbuch Bulkes.

Erklärung einiger Begriffe:

Schlachthaus (Schlagbruck)
wurde seit dem Ende des I. Weltkrieges (1918) nicht mehr benutzt. In den Kriegsjahren zuvor, als Bulkes zur Etappe und zum Versorgungs-
und Nachschubgebiet der deutschen Serbien-Armee unter Generalfeldmarschall Mackensen gehörte (sein Hauptquartier war im Futoker Schloß), herrschte hier ein reger Schlachtbetrieb.
Mit dem Neudorf I und Neudorf II
kamen ab Mitte des 19. Jhd. zwei dem ursprünglich systemreinen Gesamtkonzept nicht adäquate Ortserweiterungen hinzu.
Die Glissa
ist eine letzte kleine Erweiterung am Nordwestrand des Ortes, in dessen Bereich auch der alte Friedhof lag. Der Begriff könnte
aus dem lateinischen "glisco" (=anwachsen) abgeleitet sein, was auf ein Anwachsen, eine Vergrößerung des Ortes hinweist.
Schinderhaus
war die "Residenz" des Schinders (=veraltet für Abdecker). Er (zuletzt war es ein Zigeuner mit seiner Familie) stand im Dienste der Gemeinde
und hatte die Aufgabe, alle seuchenkranken bzw. verendeten Tiere (Schweine bei Maul- und Klauen- Seuche, Hunde bei Tollwut) abzuholen
und zu "entsorgen".
Hutweide
hieß die große Gemeindewiese zwischen Dorf und Bahnhof. Auf ihr grasten ganztäglich vom Frühjahr bis zum Herbst die Kühe des Ortes.
Sie wurden auf der Weide behütet (=Hutweide) vom Kuhhalter (=Kuhhirte) der Gemeinde.
Hanfwasser
wurde ein flacher Teich (neben der Hanffabrik) genannt, in dem die geernteten grünen Hanfstängel bündelweise 14 tagelang ca. 50 cm tief
unter Wasser gehalten wurden (beschwert mit Lehm), damit sich die Fasern vom Stängel lösten.



Anmerkungen zur Ortsansiedlung und zur Architektur der Ortsplanung:
Angesiedelt wurde Bulkes 1786 in einer sumpfigen Niederung (Gutsbesitz/Weide für Kühe und Pferde) zwischen Donau und Theiß am Südrand der Batschka im heutigen Nordserbien.
Vorausgegangen war der erfolgreiche Krieg gegen die bis Wien vorgedrungenen Türken, die vom Reichsheer unter dem Herzog von Lothringen und dem polnischen Heer unter dem König von Polen am Kahlenberg bei Wien in offener Feldschlacht 1683 vollständig besiegt wurden. Mit dem Frieden von Karlowitz (1699) kommen Ungarn einschließlich Siebenbürgen wie auch der größte Teil Slawoniens und Kroatien zum Hause Habsburg. Diese Vereinigung der österreichischen Ländergruppe mit Ungarn - ergänzt durch den Belgrader Frieden 1739 - in einer österreichisch-ungarischen Monarchie erhebt den Staat zur europäischen Großmacht. Dies war eine der Grundlagen für den Wiederaufbau und die Besiedlung des fast menschenleeren südlichen Grenzgebietes in Ungarn, am südöstlichen Rande des Kaiserreichs.
Für die deutschen Ansiedler war der Weg ins "Ungarische" somit eher eine Binnenwanderung, da sie nur von einer Ecke zur anderen umzogen
im formal noch bestandenen HEILIGEN RÖMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION.






Das HEILIGE RÖMISCHE REICH DEUTSCHER NATION
wurde 962 n.Chr. mit der Kaiserkrönung Ottos I. 962-973
(s.18 im Bild)
in Rom gegründet
und nach der von Napoleon geforderten Neugliederung der
deutschen Länder vom letzten Deutschen Kaiser Franz II.
1792-1806 am 6. August 1806 (s.1 im Bild) aufgelöst. Joseph II.
1765-1790 (s.17 im Bild), Habsburger und gleichzeitig Deutscher
Kaiser, verfügte die Besiedelung mit seinem 1. Auswanderungs-
patent für Ungarn und Galizien am 21. September 1782. Er setzte
damit die imperiale Politik seiner Vorgänger fort.
Bulkes entstand im Rahmen der dritten und vorletzten Kolonisierungsaktion zur Gründung von deutschen - nun auch protestantischen - Orten im befreiten Land der ungarischen Tiefebene.
Ihrem Heimatort blieben die angesiedelten Pfälzer, Elsässer, Hessen, Württemberger, Badener usw. bei der Wahl ihrer Ehepartner grundsätzlich verbunden. Heiraten mit Auswärtigen, Katholiken oder Serben und Ungaren waren nahezu ausgeschlossen. Diese Immobilität führte in 7- 8 Generationen dazu, dass am Ende "fast das ganze Dorf miteinander verwandt war". Verstärkt wurde diese Tendenz durch die geringe Einwohnerzahl, die in den ersten Jahren der Besiedlung durch Epidemien von 900 auf 500 Personen zurück ging.
Sie erreichte erst im Herbst 1944 vor der Flucht und Vertreibung den Endstand von 2.646 Personen.

Aufgebaut wurde Bulkes ab der Ansiedlung 1786 als streng geordnetes Ingenieurdorf/Schachbrettdorf (TM) nach den Plänen des österreichischen Kameral- Ansiedlungsbauamtes unter der Leitung des Kameral- Ingenieurs und Baudirektors Kiš.
Nach seinen Weisungen hat der "Operierende Vermessungs-Ingenieur Denk" 4 parallele 25 m breite Straßen angelegt und diese nach jeder 6. bzw. 7. Hofstelle durch rechtwinklig verlaufende Quergassen (=Kreuzgassen) untereinander verbunden (Siehe Logo im Kopf jeder Kapitelseite der HP).
Alle Hausgrundstücke/Hofstellen hatten in der Ansiedlungsphase die einheitliche Grundstücksgröße von ca. 23/95m = 2185qm. Später wurde diese Normgröße für Kleinhäusler und für die "Neudörfer" (Ortserweiterungen am Nord- und Südrand) halbiert und gevierteilt für den Bau kleiner Häuser ohne Wirtschaftsteil angeboten.
Die so entstandenen Quadrate waren rechts und links der großen Quergasse 190/161m und neben den daran anschließenden Kreuzgassen 190/138m groß.
In Bulkes sollten eigentlich 230 Häuser für 230 Kolonisten-Familien gebaut werden. Bis zur Landeskonskription 1828 (=Erfassung der Steuerzahler/Volkszählung/Census) waren aber tatsächlich nur 215 erstellt worden. Danach folgten die Ortserweiterungen Neudorf I, Neudorf II und die Glissa (s. oben "Erklärung einiger Begriffe").
Die mittlere Straße (=Hauptgasse) und die mittlere Quergasse/Kreuzgasse (=Pappel-Alle) wurden je 40m breit zu einem Achsenkreuz und Rückrat des Dorfes ausgebildet. An der Schnittstelle dieser beiden Achsen befand sich der Dorfmittelpunkt mit der Kirche, dem Haus des Pfarrers, der Schule und dem "Herrschafts-Wertshaus" (=Wirtshaus für die Herrschaften, die den Ort besuchten oder durchreisten). Auf dem so gebildeten 40/40m = 1600qm großen Platz wurde alljährlich am letzten Oktobersonntag die "Kerweih" (=Kirchweih) abgehalten. Dazu war der gesamte Platz mit einigen Karussells, Schießbuden und Verkaufsständen vollgestellt.
Was bei T. Miller über Tscherwenka (1785) steht, gilt sinngemäß auch für Bulkes: "...ist der klarste und vollkommenste Typ des straff geformten Ingenieur- und Schachbrettdorfes."

Die großen Vorbilder dieses geometrischen Planungs-Systems, wie es in Bulkes und anderen Orten der Batschka im 18. Jh. ausgeführt wurde, reichen zurück über fast zeitgleiche barocke Stadtgründungen (z.B. Gesamtplan für den Wiederaufbau Mannheims ab 1698), bis in die römische und griechische Antike.

"Das Erbe Griechenlands als Städtebaumeister ging auf Rom über, doch in Rom fand eine einmalige Entwicklung statt. Ihre Zweckbestimmung spiegelte sich im typischen Grundriss der römischen Koloniestadt wieder: ein Rechteck innerhalb von Schutzmauern, mit zwei Durchgangsstraßen von den Toren aus nach innen. Eine als cardo bezeichnete Straße verlief von Norden nach Süden und die andere, der decumanus, von Osten nach Westen. Sie kreuzten sich in der Mitte, wo ein Forum, ein Markt, ein Tempel und der Sitz des Statthalters errichtet wurden..."
(Q: Peter WHITFIELD "Städte der Welt")

Die ästhetische Homogenität des gebauten Ortes wurde ergänzt durch eine rein deutsche evangelisch-lutherische Bevölkerung bis zum Kriegsende 1945.
Danach hatte auch Bulkes an dem für Deutschland verlorenen Zweiten Weltkrieg seinen Anteil zu tragen. Wer nicht geflüchtet war (und das waren nur ca. 14% der Bewohner), wurde in russische oder jugoslawische Arbeitslager deportiert bzw. in das Todeslager nach Batschki JAREK eingeliefert (s. Kapitel JAREK).

In der nun einsetzenden Zäsur wurde in Bulkes 1945 bis 1949 eine GRIECHISCHE REPUBLIK für ca. 6000 griechische Partisanen eingerichtet, die in Griechenland mit Hilfe Jugoslawiens eine kommunistische Republik einführen wollten.
Nach 4 Jahren fand dieses Experiment im Verlauf des Stalin-Tito-Konflikts ein gewaltsames Ende.

Nun wurde mit dem Zuzug serbischer Bewohner aus den wirtschaftlich und kulturell unterentwickelten südlichen (Kosovo) bis südwestlichen (Bosnien, Herzegovina) Provinzen Jugoslawiens und dem Wunsch nach mehr Wohnkomfort im eigenen Heim durch eine ungehemmte pragmatisch-utilitaristische Eigenhand-Bauerei - unter Mißachtung der überkommenen architektonischen Konzeption - insbesondere in der Höhenentwicklung bis zu zwei und drei Geschossen, die noch erhalten gebliebene bauliche Geschlossenheit des Ortsbildes mit jedem weiteren Jahr mehr und mehr bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und verunstaltet.

Bilder des Dorfmittelpunktes aus der Zeit vor 1936:

Spiel und Tanz auf dem zentralen Dorfplatz vor der Kirche, im Schnittpunkt der Hauptgasse und der mittleren Quergasse/Kreuzgasse, mit Blick nach Süden in die Pappelallee.



Blick aus dem Kirchturm in die Hauptgasse nach Osten Richtung Peterwatz, links unten das Pfarrhaus, unterhalb des Horizonts am Bildrand oben Mitte bis an den rechten Rand leuchtet hell das Hanfwasser des Zwerchteichs.




Die Hauptgasse vom Kirchturm gesehen Richtung Westen nach Silbasch zu. Unten rechts das Schulgebäude mit 2 Lehrerwohnungen (Fam. SPANNAGEL und KENDL), daran anschließend folgen die Häuser der Familien: WOHLHÜTER, Konrad (letzter Richter/Ortsvorsteher in Bulkes); HOFFMANN, Peter; BAUER, Johan (BALWEERE und Betrieb der Milchzentrale der landwirtschaftlichen Genossenschaft); Familie WAGNER und an der Ecke zur nächsten Kreuzgasse: Familie JUNG, Peter.
Am linken Bildrand ist noch ein Teil des Wohnhauses mit Verkaufsraum der Familie GRUBY zu sehen, dann folgen die Häuser der Familien KATERLE, Heinrich (Büro der landwirtschaftlichen Genossenschaft und Kino im Hofgebäude); BINDER Fritz (ausgewandert nach New Jersey USA); BRUNNER Karl (Lehrer) und an der Ecke zur Kreuzgasse: Familie KLEIN, Johann ("Katers").



FLURPLAN 2005
Quelle: Kopie aus dem Katasterbuch der Gemeindeverwaltung Backi Petrovac
Siegfried Binder Mai 2005


Anmerkungen:

Die hier erstmalig im Internet veröffentlichte offizielle Flurplan von Maglić soll die noch lebenden Bulkeser und ihre interessierten Nachkommen über den derzeitigen Stand der Veränderungen des Dorfgebietes, das seit 1950 den Namen Bački Maglić trägt, informieren.
Für eine kleine Zahl der heutigen Bewohner, die privates Feld besitzen (s."t29" nordw.der Tscharda), sowie für die Landarbeiter des weiterhin bestehenden staatlichen Kolchosbetriebes ist diese Flurkarte mit den eingetragenen Wegen, Gewannbezeichnungen und Feldgrenzen ein unentbehrliches Hilfsmittel auf dem Weg zur Feldarbeit.
Die Hottergrenzen des heutigen Maglić, sind am Südrand geringfügig, am Nordrand aber von der Tsdcharda bis zum Gebiet des Strato Pusztas erheblich verändert worden. So mußte Kulpin die gesamte Fläche zwischen Tscharda und Kanal westlich des breiten Feldweges nach Schowe an Maglić abtreten. Diese Riesenfläche mit 6 Bulkeser Salasch-Ländereien hatte ohnedies wenig mit Kulpin zu tun, - abgesehen von der Grundsteuer, die in Kulpin bezahlt werden mußte. Der nördliche Nachbar heißt nun am Kanal Despotovo (Sentiwan/Despot-Sankt-Iwan).
Die direkten Ortsverbindungswege nach Silbasch (in Fortsetzung der Hauptgasse), Tscheb (an Kullmanns Salasch vorbei) und Peterwatz (über die "Letschgässler Brick") sind der Feldfläche zugeschlagen worden, oder werden heute nur noch von Landmaschinen benutzt.
Dafür bekam Maglic eine Beton- bzw. Asphaltstrasse bis zur Tscharda und darüber hinaus eine wetterunabhängige Anbindung an den historischen Fernweg Novi Sad - Zombor, auf dem schon die Post-Kutschen und Kuriere Maria Theresias unterwegs waren.
Gegenüber dieser Neuordung der außerörtlichen Verbindungswege stimmen die Feldwege weitgehend überein mit dem DORF- und FLURPLAN 1944, der 1989 von dem Bulkeser Schreinermeister Jakob Zeh gezeichnet wurde (Link siehe oben in der Titelleiste).
Beseitigt wurde mit der Einführung der kollektiven Landwirtschaft hauptsächlich die vorgefundene feingliedrige Unterteilung der Gewanne nach der Länge eines Joches (1 Joch war in Bulkes 250m lang und 23m breit = 5754qm = 0,5ha). Somit entfielen die entsprechenden Querwege.
Nach Süden Richtung Tscheb sind rechts und links des breiten Weges bis zur Hottergrenze 4 neue Großgewanne angelegt worden, was eine Suche nach dem Ort des früheren eigenen Salasch-Feldes fast unmöglich macht (s. unten links handschriftlichen Eintrag: "Siggy Binder Salasch").
Neue Entwässerungskanäle zerschneiden bedingt durch die Topographie des Geländes im nördlichen Bereich auf dem hinzugewonnenen Teil des Kulpiner Hotters die bisherige regelmäßige Gewanneinteilung.
Der direkte Verbindungsweg nach Silbasch ab der Hauptgasse besteht nicht mehr. Am Ende dieses Weges befand sich der Salasch der Familie Hoffmann HNr.176. In der hier veröffentlichten aktuellen Flurkarte ist folgender neuer Eigentümer eingetragen: "boškićov salaš".
Slovakische Salascheigentümer auf dem Bulkeser Hotter sind von der Enteignung offensichtlich 1945 verschont geblieben. Das beweisen die heutigen Kataster-Einträge entlang der Gloschaner und Peterwatzer Hottergrenze am Südostrand des früheren Bulkeser Hotters:
1.) "triaškov salaš" unten rechts außerhalb der nach links verschobenen Hottergrenze (J.Zeh notiert für diesen Salasch, der in seinem Flurplan noch auf Bulkeser Hotter liegt: "Sallasch der Fam. Triaschka")
2.) "ožvaltov salaš" im Feld-Nr. 5/2 unterhalb der Bahnlinie nach Petrovac (J. Zeh: "Sallasch der Fam. [Slovake]")




MAGLIC-ORTSPLAN 2005

Maßstäblicher Ortsplan von MAGLIC, entsprechend dem Stand seit 1950 mit den neuen Maglićer Straßenbezeichnungen und den inzwischen erfolgten Ortserweiterungen.




Dusans Bulkeser Feldbilder vom April - Mai 2006









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