Diese Ereignisse erlebten und erlitten unsere Vorfahren im Linksrheinischen

15. Jahrhundert und früher

1223 Teilung des Sponheimer Besitzes in die Vordere Grafschaft Sponheim (Sitz Kauzenburg bei Bad Kreuznach) und die Hintere Grafschaft Sponheim (Sitz Starkenburg bei Trarbach).

1332 Im Jahre 1332 gewährte der deutsche Kaiser Ludwig der Bayer Birkenfeld das Stadtrecht.

1235 - 1444 Im Gebiet der Lichtenburg mit Baumholder herrscht das Geschlecht der Grafen von Veldenz.

1263 Teilung der Wildgrafschaft: Emich erhält Schmidtburg und Kyrburg, Gottfried Dhaun und Grumbach; die sogenannten Landgrafschaft bleibt ungeteilt im gemeinschaftlichem Besitz.

1282 neue Teilung der 1. Linie: Konrad behält Schmidtburg, Gottfried (mit dem beinahmen Raub) Kyrburg und die väterlichen Rechte zu Bruchweiler, Kempfeld, Breitenthal und Oberhosenbach. Die Hochgerichtsbarkeit und die Waldungen bleiben gemeinschaftlich.

1328 erbaut Friedrich von Kyrburg die Wildenburg.

1437 Nach dem Tode des letzten Grafen von Sponheim kam die Hintere Grafschaft unter die Gemeinherrschaft seiner beiden Schwäger, des Markgrafen von Baden und des Grafen von Veldenz.

1444 Tod des letzten Grafen von Veldenz, Friedrich III. An die Stelle der Veldenzer traten in Folge einer verwickelten Erbschaft bis 1776 die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken.

1479 Zunftordnung für Schuhmacher, Lauer und Weißgerber im Amt Baumholder.

1492 Entdeckung Amerikas.

16. Jahrhundert

1517 Am 31. Oktober schlug Martin Luther seine "95 Thesen" an die Pforte der Schloßkirche zu Wittenberg.

seit 1522 Zwinglis Reformation in der Schweiz.

1522 - 1526 Beginn der Reformation in Pfalz-Zweibrücken unter Herzog Ludwig II.

1524 - 1525 Bauernkriege.

1530 wurde auf dem Augsburger Reichstag von den Lutheranern ihr "Augsburger Bekenntnis" überreicht.

1533 Erster reformierter Pfarrer in Baumholder.

1534 - 1535 aus Holland kommen Wiedertäufer nach Münster.

1538 Der Zweibrücker Herzog Ludwig II. (1514?1532) hatte als einer der ersten deutschen Fürsten sich zu den Grundsätzen der Reformation bekannt und die neue Lehre in seinem Land zur Staatsreligion erklärt. Der Zwiespalt zwischen Papst, Luther und Calvin erschwerte die Einheitlichkeit der Lehre. Für das Oberamt Lichtenberg fanden 1538, 1544, 1553 auf der Burg Lichtenberg Visitationen in Gegenwart der Vertreter von 12 Gemeinden statt.

1538 Erste Kirchenvisitation in Baumholder.

1541 Calvins Reformation in Genf.

1550 Einführung der Reformation im wild- und rheingräflichen Gebiet. Z.B. Bergen , Georg-Weierbach, Hottenbach, Rhaunen, Schauren, Sensweiler.

1555 stellte man im Augsburger Religionsfrieden den Grundsatz, entsprechend den Statuten der Reichsritterschaft, auf "cuius regio, eius religio", der welcher regiert, der bestimmt die Religion. Die weltliche Obrigkeit, der die Kirche untergeordnet war, bestimmte die Religionszugehörigkeit der Landeseinwohner. Die Reformation trug viel zur Änderung der bisherigen Kirchenzugehörigkeit bei. Sie erbrachte den Beweis für "cuius regio, eius religio", für den Zwang auf die Untertanen, das Bekenntnis des regierenden Fürsten anzunehmen. Der Augsburger Religionsfriede, gilt auch für alle Protestanten. Der Papst verdammt den Friedensvertrag. Die Wild- und Rheingrafen bekannten sich offen zur Lehre Martin Luthers und führten die Reformation in ihren Herrschaftsgebieten ein.

1557 Einführung der Reformation in der Hinteren Grafschaft Sponheim durch den Landesherren Herzog Friedrich III. (der Fromme) von Pfalz-Simmern. Z.B. in Allenbach, Birkenfeld, Herrstein, Kleinich, Niederbrombach, Niederwörresbach, Nohen, Reichenbach, Wirschweiler. Die ersten Schulen in unserem Amtsbezirk (Burglichtenburg) entstanden in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Für die reformatorische Bewegung, die durch Bibel, Gesangbuch und Katechismus dem Volk ihre geistigen Inhalte zu vermitteln suchte, war die Schule unentbehrlich.

1560 Einführung der Reformation in Wickenrodt.

1561 Einführung der Reformation in Sötern.

1565 Pest in Baumholder.

1567 Pest in Lötzbeuren und den umliegenden Dörfern.

1572 Einführung der Reformation in Oberstein.

1577 Dogmatische Streitigkeiten im Luthertum werden erst 1577 durch ein einheitliches Lehrbekenntnis, die Konkordienformel, beseitigt. Hieran wirkte ein Andreas Musculus entscheidend mit.

1580 Konfessionswechsel in Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von der lutherischen zur reformierten Konfession.

1580 Während 1580 der Pfarrer von Reichenbach [Joh. Martin Lamberti] erklärte, er habe ein Buch, darin er die Geborenen und Verstorbenen aufschreibe, sagte sein Nachfolger bei der Visitation von 1608, das Kirchenbuch sei erst 1587 von ihm angelegt worden.

1597 Pestjahr im Kirchspiel Kleinich.

17. Jahrhundert

1614 15 Personen aus Buhlenberg verstarben an der Pest. Durch die sich mehr und mehr verschärfenden religiösen Gegensätze wurde Deutschland in zwei große politische Lager gespalten. Es kam zum 30jährigen Krieg, der als Religionskrieg begann, schließlich aber in einen Machtkrieg ausartete, in den sich auch Schweden und Frankreich (beide auf der evangelischen Seite) einmischten. Sein Verlauf ist hinlänglich bekannt. Hier sollen nur die Ereignisse zusammengestellt werden, von denen die Orte des Kirchspiels Reichenbach unmittelbar betroffen wurden. Die protestantischen Fürsten vereinigen sich unter Pfälzer Führung zur Union. Die katholische Liga tritt dieser unter bayerischer Leitung entgegen.

1618 - 1648 Die religiösen Gegensätze führen mit dem Fenstersturz zu Prag und dem Böhmisch-Pfälzischen Krieg zum Dreißigjährigen Krieg. Zwischen 1618 und 1648 werden in Europa etwa 15.000 Siedlungen zerstört.

1618 - 1623 Böhmisch-pfälzischer Krieg.

1620 bezogen die Spanier Winterquartier zu Birkenfeld, für den folgenden Winter nahmen sie in Kusel Aufenthalt. Die Durchzüge raubender Truppen hielten über ein Jahrzehnt an. Die Truppen plünderten die Dörfer und verlangten die letzten Reste an Nahrungsmitteln.

1620 lagerten sich spanische Truppen unter Spinola, die auf der kaiserlichen, d. h. katholischen Seite kämpften, in Reichenbach ein.

1622 sind die im Lande liegenden Spanier, unterstützt vom Erzbischof in Trier, mit allen Mitteln bestrebt, die hintere Grafschaft Sponheim wieder katholisch zu machen.

1623 und 1624 hausten Kratz'sche Truppen in Baumholder.

1623 Im Jahre 1623 kamen die Kroaten ins Land.

1624 sterben in Bergen 95 und

1625 in Allenbach 101 Personen an der Pest.

1625 - 1629 Dänisch-niedersächsischer Krieg.

1626 zogen die Marodischen Reiter von der Kirner Gegend her und hausten im westlichen Teil des Oberamts Lichtenberg, aber auch in Reichenbach.

1627 wird das spanische Regiment Isenberg in Reichenbach einquartiert. Von Kirn in Richtung zur Saar marschieren Truppen des kaiserlichen Generals Kratz von Scharfenstein. In diesem Jahr wird auch ein Eisenbergisches Regiment in Reichenbach genannt.

1628 brandschatzten und mißhandelten brabantische Völker unter ihrem Kapitän Baron de Haviskirke die Bauern in Reichenbach. In Mörschied starben in diesem Jahr 11 Personen an der Pest. Offenbach war Sammelplatz von Truppen, die den Auftrag hatten, ins Amt Lichtenberg einzurüc ken. Im April brach Cortens Volk in Baumholder ein. Darauf brachten die Wurmbschen Reiter neue Angst.

1629 werden in Reichenbach und den umliegenden Dörfern das Lüneburgische Regiment, das Regiment Montecucoli und Kroaten einquartiert.

1630 "Am 22. Juli starb Hans Haas aus Buhlenberg im Alter von 95 Jahren, der seiner Kind, Kind, Kind gesehen, in seinem langen Leben neun Birkenfelder Pfarrer und elf Amtleute erlebte; als er 22 Jahre alt war (1557), wurde im Birkenfelder Land die Reformation eingeführt."

1630 Pest in Lötzbeuren.

1630 - 1635 Schwedischer Krieg.

1631 hören wir von Belästigungen der Bauern durch spanische Streifscharen. 1631 Als die Schweden kamen, lebte bei der Bevölkerung die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges auf. Aber nur zu bald mußte man einsehen, daß die schwedische Hilfe auch Entbehrungen und Opfer verlangte. Die aus dem Lande verdrängten Spanier verheerten die zurückgelassenen Orte durch neue Brände und Verwüstungen. Der schwedische König war nach dem Siege bei Breitenfeld 1631 zum Rhein gezogen, hatte Mainz belagert, Trarbach befreit, das Zweibrücker Land durchzogen und war dann wieder über den Rhein zu neuen Unternehmungen zurückgeeilt. Auf der linken Rheinseite hatten Bernhard von Weimar und Pfalzgraf Christian von Birkenfeld die Befehlsgewalt und Führung der schwedischen und verbündeten französischen Truppen übernommen.

1632 ziehen sich spanische Truppen unter dem Grafen Emden auf dem Paßweg über Reichenbach und Nohen ins Kurtrierische zurück. Ihnen folgen nun erstmals Truppen der evangelischen Gegenpartei: Schweden unter dem Pfalzgrafen Christian von Birkenfeld und dem Rheingrafen Otto Ludwig. Der Birkenfelder Pfarrer Corvinus schreibt darüber im Kirchenbuch: "Die Bursch, die spanischen, haben auf Birkenfeld im Dorf geplündert, zu Brücken, Rinzenberg und dem Hüttenmann auf der Abentheuer alles Vieh weggetrieben. O, der Not!" Und an einer anderen Stelle schreibt Corvinus: "Die Schweden haben im Amt (Birkenfeld) nicht mehr als Freund, sondern als Tyrann hausgehalten."

1632 kommen die Franzosen, die sich mit den Schweden gegen die Kaiserlichen verbündet haben.

1632 Als Folge der Pest werden unter Pfarrer Johann Georg Muskulus die Pfarreien Allenbach und Wirschweiler vereinigt.

1632 Nach der Schlacht bei Lützen 1632 erklärte der Landesherr den Beitritt zum Bündnis mit Schweden, unterstützte diese soweit als möglich mit Lebensmitteln und warb eifrig Truppen unter seinen Untertanen an.

1632 erscheinen Platonische Truppen.

1632 "Johannes Lang, Schmit zu Buhlenberg, er wollte dem französischen Volk, so hier durchgezogen, entgehen, starb auf der Segmühl auf dem Weg."

1632 wurde Eva Kraus, die Tochter des Johann Kraus, beim Schweinehüten auf dem Einschieder Hof von einem wütenden Wolf angefallen und ist an Hals und Gesicht gar zerrissen gewesen, daß sie den Verletzungen erlag.

1632 Durch die Pest im 30-jährigen Krieg starb der ganze Ort Evenhausen (im Kirchspiel Kleinich) aus. Die Pest wütete in Hirschfeld und im Kirchspiel Kleinich, in Pilmeroth, Emmeroth, Ilsbach und Götzeroth. 118 Personen starben damals an der Pest.

1633 "Haaß hans zu Bulenberg für (vor der Censur erschienen) gewesen, wegen dem, daß er zu Hattgenstein Herrn Bartolomeo zu Brombach (also Pfarrer Bartholomäus Hauth) sein Kirchenordnung weggetragen, solchen Hindhalt, daß er zu Heiligen Büsch in sein Ampt gehindert wordten, hernach spodtweis gesagt, er müss die Pfaffen gewöhnen, daß sie wissen, was sie trinken, Strafe: 1 Reichstaler."

1633 wird von verstärkter schwedischer Einquartierung gemeldet.

1634 Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen (27.08.1634) erreichte die Kriegsnot ihren Höhepunkt. Die verbündeten Franzosen waren zum Schutz ihres Landes, das von Lothringen angegriffen worden war, abgezogen. Die am Rhein stehenden Verbände der Union, unter denen sich auch zwei Zweibrücker Regimenter befanden, konnten der Übermacht der Kaiserlichen nicht widerstehen und zogen fluchtartig nach Westen. Damals wurde Kusel, das den vom Glan herziehenden Kroaten Widerstand leistete, durch List und Verrat der Belagerer überfallen und verbrannt. Die kleine Zahl der Unglücklichen, die sich nach Lichtenberg geflüchtet hatte, sah mit tiefstem Schmerz das Feuer, welches ihre Wohnungen und die Leichname ihrer Freunde verzehrte. Die Kroaten verließen dann den Ort, um den Dolch und die Brandfackel zu den benachbarten Dörfern zu tragen.

1635 - 1648 Schwedisch-französischer Krieg.

1635 - 1638 Zu all dem Leid kam die Pest, die schon 1622 und 1628, am schlimmsten aber von 1635 bis 1638 die Dörfer heimsuchte. "In vielen Orten waren keine Menschen mehr, in andern lebten noch zwei bis drei in den Ruinen ihrer Häuser. Die Menschheit schien auf dem flachen Lande ausgestorben zu sein." Die Landeshauptstadt wurde nach langer und harter Belagerung von den schwedischen und französischen Truppen wieder befreit, der Weg zum Rhein wieder freigekämpft. Aber die Franzosen mußten wieder zurück, weil sie ohne Lebensmittel waren und eine Ruhrepidemie unter ihnen ausgebrochen war. Im Glantal ließen sie, von den Verfolgern hart bedroht, 2000 Wagen und 19 Geschütze zurück. Die vorgesehene Rückzugsroute über Ulmet, Lichtenberg, St. Wendel war durch die Truppen Gallas' versperrt. Da wählte man den alten Weg, der von Sobernheim über Sien, Breungenborn und Wolfersweiler nach St. Wendel führte. Weil der Gegner inzwischen auf der linken Flanke vorgerückt war und den Weg nach Wolfersweiler bedrohte, ließ der Herzog von Weimar die noch vorhandenen Wagen nach der Hahnweiler Heide in Marsch setzen, um den Feind zu täuschen. Das Gros der Truppen zog über Reichenbach, Nohen und Hoppstädten nach Birkenfeld und erreichte Metz am 28.9.1635. Die Verfolger rächten sich an den Bewohnern des armen Landes. "In manchen entlegenen Dörfern glaubten die Einwohner sicher zu sein, weil sie bisher noch keine Feinde gesehen hatten, aber unvermutet wurden auch sie überfallen. Ehe die eigentlichen Schreckensszenen ihren Anfang nahmen, wurden zuvor alle möglichen Versuche gemacht, sie zum Geständnis zu zwingen, ob sie nicht Geld oder Lebensmittel versteckt hätten. Einigen schnitten sie gliederweise die Finger ab oder befestigten sie mit dem Bart an einem Balken, andere durchstachen sie mit gespitztem Rohr. Konnte durch diese Qual kein Geld mehr erpreßt werden, so fing die allgemeine Verwüstung der Dörfer an". Der Mangel an Lebensmitteln war so groß, daß man tote Pferde, Esel und andere Tiere verzehrte. Die Soldaten überboten einander an Grausamkeiten, die Manneszucht im Heere war bei Freund und Feind schon längst geschwunden. Beim Herannahen der Truppen flohen die Menschen in den Schutz der Wälder oder in benachbarte und feindfreie Orte.

1635 wurde das Birkenfelder Land bei dem denkwürdigen Rückzug der Schweden und Franzosen unter Bernhard von Weimar von Mainz nach Metz über Sien, Reichenbach, Nohen, Birkenfeld, Wallerfangen zum unmittelbaren Kriegsschauplatz. Aber bis zum Ende des Krieges erschienen immer wieder sengende und brennende Horden, so die Kriegsvölker Turennes und die des Herzogs von Lothringen.
Die Pest (sterbende Lust) und die "Hauptkrankheit" rafften die Ausgehungerten dahin. 1635 werden zu Birkenfeld 416 Personen beerdigt. Viele werden "hin und wieder in die Felder, auch ohne Lad", eingescharrt. So liegen bei der Burg ungefähr 100 Menschen begraben (1637). Das Land war entvölkert. Im Kirchspiel Birkenfeld gab es 1607: 250 Haushaltungen, 1655 dagegen nur mehr 91. Der Ort selbst hatte 1607: 70 Haushaltungen, 1688 nur: 50. Die Überlebenden waren verroht und verwildert.

1635 "In diesem 1635ten Jahr ist dieses gantze Dorff nebst Kirche und Pfarrhauß abgebrannt, da in 30 Jahr kein Pfarrer hier gewesen." (MVHB 1971, Heft 4, Verzeichnis der Pfarrer zu Niederwörresbach 1568 bis 1745.)

1635 erlebt Reichenbach ein fürchterliches Schauspiel, Herzog Bernhard von Weimar flüchtet mit einem vereinten schwedisch-französischen Heer vor den nachfolgenden Truppen des kaiserlichen Heerführers Graf Gallas von Mainz über Sobernheim, Sien, Reichenbach, Nohen, Birkenfeld, Saarlouis nach Metz. Am 23. September zogen die flüchtenden Truppen durch die Winterhauch, Breungenborn und Reichenbach, wo ein Nachtlager aufgeschlagen wurde. Außer den Heerführern, Bernhard von Weimar und dem französischen Kardinal de la Valette, den Generälen und Stabsoffizieren, fanden nur wenige Truppenteile in Reichenbach selbst Unterkunft. Das Gros der Truppe mußte bei strömendem Regen im Freien lagern. Von Reichenbach aus wurde in der gleichen Nacht der Versuch gemacht, zurückgelassene Geschütze nachzuholen. Von Reichenbach aus wurde auch die vorgesehene Marschroute geändert, da der Feind auf der linken Flanke vorgerückt war. Bernhard von Weimar täuschte die Beibehaltung der ursprünglich vorgesehenen Marschrichtung vor, indem er noch In der gleichen Nacht einen Truppenteil unter dem Obristen Ehm in Richtung Hahnweiler-Wolfersweiler in Marsch setzte, der schon am Heimbach auf kaiserlichen Widerstand stieß. Dadurch wurde der Feind aber einige Stunden von Nohen abgehalten, wo das Heer am folgenden Morgen über die steinerne Nahebrücke nach Birkenfeld weiterziehen konnte. Das schwedisch-französische Heer zählte 18.000, das Gallas'sche 35.000 Mann! Eine Meute wilder, erbarmungsloser Kroaten war über das Land gekommen. Davon berichtet der Pfarrer Euler in seiner "Oratio de Cusella": "Anno 1635 ist die Stadt Cusel von den Croaten des Nachts überstiegen und fast alles darin massacriert wurden. Wie dann auch in diesem Jahr der Ruin im Land so groß war, daß im ganzen Oberamt Lichtenberg nur eine Kuh und somit in der Stadt Cusel gar keine mehr übrig geblieben." Die folgenden Jahre sind ausgefüllt mit fortgesetzten Truppendurchzügen, Einquartierungen, Brandschatzungen, Seuchen, Hunger und großem Sterben.

1635 Kroaten zerstören den Flecken Baumholder und brennen 67 Häuser ab.

1635 sterben im Kirchspiel Birkenfeld 416 Personen an Hunger und Pest. Sie müssen "ohne Lad in den Gärten" begraben werden. In Bergen sterben 113, in Herrstein 116 Personen.

1636 erschienen Soldaten des kaiserlichen Bracciolinischen Regiments. Man liest deshalb von den Bracciolinischen Landverderbern, denen man Kisten und Kasten öffnen mußte. Ihnen folgten lothringische Truppen.

1637 wird ein markgräflich badisches Regiment in Reichenbach einquartiert.

1638 Erst gegen Ende des Jahres 1638 konnte der Lichtenberger Amtmann Hans Friedrich von Botzheim dem Herzog die Rückkehr der geflüchteten Leute melden und um Wiedereinrichtung der Gottesdienste bitten.

1638 marschiert das Piccolominische Regiment durch Reichenbach. Pfarrer Corvinus in Birkenfeld bezeugt im Kirchenbuch: "Es war ein armselig Jahr gewesen wegen großer Hungersnot und Sterbens, dabei die große Kriegspressur auch einfiel".

1639 zeigen sich wieder Schweden und Franzosen. Nohen wird von sich zurückziehenden Spaniern geplündert.

1640 beziehen Spanier, die bisher in Trier lagen, in Birkenfeld Quartier.

1641 ziehen Lothringer durch Reichenbach, rauben und brandschatzen.

1642 brandschatzen erneut die Lothringer die Gegend um Reichenbach.

1642 Die kämpfenden Parteien wechselten. Auf Schweden und Franzosen folgten Kaiserliche und Spanier, dann zogen die Truppen des Lothringer Herzogs durchs Land. Der westliche Teil des Oberamts hatte viel von den von der Schaumburg her einfallenden Lothringern zu leiden. Die Pfarrer von Wolfersweiler und Niederkirchen flüchteten wiederholt vor ihnen mit den Gemeindegliedern. Nach einem Bericht des Seelsorgers Bösius hatten sich die Lothringer auch in Pfeffelbach "sehr übel betragen". Im Jahre 1642 plünderten sie auf ihrem Zug von der Mosel zur Nahe auch Heimbach. In welchem verwahrlosten Zustand sich damals die Landschaft befand, bestätigt ein Amtsprotokoll von Birkenfeld. Der noch jetzt von den Einwohnern vielbenutzte "Leiseler Butterpfad", der von Birkenfeld durch den untersten Teil des langgestreckten Dorfes Hambach nach Schwollen, Heiligenbösch und Leisel führte, war ganz verwachsen, so daß man ihn kaum mehr begehen konnte. Der Pfarrer von Reichenbach, der damals auf einige Zeit auch den Gottesdienst in der Heiligenböscher Kirche versehen mußte, mußte ihn eine Strecke benutzen und wünschte deshalb, daß die Gemeinde Hambach ihn instand setze. Die Gemeinde Hambach aber bat den Pfalzgrafen Georg Wilhelm den Weg in seinem Zustand zu belassen, weil solcher Weg ihnen sehr schädlich, da er sollte gangbar gemacht werden, "weil eben im vordersten Dorf und in den Hecken bei Kriegsgefahr sie ihren besten Aufenthalt hätten". Der Landesherr entschied: "Wenn dem so ist, soll das Amt den Bau erlassen", d. h. unterlassen.

1643 halten weiterhin Lothringer das Land in Schrecken.

1643 brandschatzen anfänglich Lothringer, dann Weimarische Truppen, Franzosen und Turenne'sche Völker das Amt Birkenfeld.

Bis 1644 wurde unser Land von ihnen beunruhigt. Dann waren es die "Weimarischen Franzosen", die Truppen, welche nach Bernhard von Weimars Tod in französische Dienste getreten waren. Die Not nahm kein Ende, Durchzüge und Einquartierungen machten die Armut immer größer. Früher wohlhabende Leute traten aus Not in die Heere, Das Landvolk beraubte sich gegenseitig. Die Bevölkerung war geistig und sittlich verwahrlost. In Oberstein, auf Lichtenberg und Schaumberg dienten arme Landessöhne als Söldner, viele waren in die Fremde gezogen. In den letzten Kriegsjahren eroberten die Truppen Frankreichs die linke Rheinseite von Landau bis Koblenz und preßten die letzten Reste aus dem gequälten Lande.

1645 und 1646 ist die Gegend voll von französischen Streifscharen.

1645 Als der Herzog von Meisenheim wieder nach der Landeshauptstadt zurückkehrte, kam er in ein fast menschenleeres Land, in dem Dornen und Unkräuter die Felder überzogen, Dörfer und Weiler zerfallen und die Grenzen der Äcker nicht mehr zu bestimmen waren. Nach Abschluß des Friedens (1648) mußte das verwüstete Land 32.000 Taler Kriegsschulden zahlen.

1646 gibt es in Baumholder nur mehr 14 Haushaltungen. Vor dem Kriege waren es 94. Frohnhausen war abgebrannt und menschenleer. In Aulenbach, Oberalben, Hahnweiler und (Fohren-) Linden werden alle Häuser als eingefallen und niemand mehr anwesend gemeldet.

1647 sieht man in der ganzen Gegend französische Streifscharen.

1648 Der Westfälische Frieden (Kaiser und Reich mit Frankreich in Münster, mit Schweden in Osnabrück) beendet 1648 den Krieg, wobei Deutschland in 2.000 souveräne Kleinstaaten zerfällt. Etwa 9 Millionen Menschen verlieren während des Dreißigjährigen Krieges ihr Leben. Das Deutsche Reich wurde im Westfälischen Frieden verpflichtet, 5 Millionen Taler an Schweden zu zahlen. Davon entfielen auf die hintere Grafschaft Sponheim 20.241 Taler. Die Schweden erhalten durch den Friedensvertrag Vorpommern, Stettin, Rügen, Usedom, Wollin, Wismar und Bremen. Das Elsaß fällt an Frankreich, die Oberpfalz geht an Bayern, Lausitz an Sachsen, das Bistum Schwerin an Mecklenburg. Die Schweiz und die nördlichen Niederlande scheiden endgültig aus dem Reich aus. Landesfürsten erhalten fast volle Souveränität.

1648 - 1652: trotz des Friedensschlusses brandschatzten und quälten immer noch französische Völker die Bauern; die Lothringer Soldaten wurden erst 1652 endgültig verjagt.

1650 plündern Lothringische Soldaten Baumholder. Es kamen fremde Menschen ins Land, kaiserliche, die der katholischen Konfession, schwedische, die der lutherischen Konfession angehörten. … Als nach dem Kriege die Dörfer entvölkert waren, kamen aus vielen Ländern, die vom Krieg verschont geblieben waren, besonders aus Tirol, der Schweiz, Böhmen und später aus der Eifel, viele Menschen nach hier, um sich anzusiedeln. Auch mancher Soldaten aus den fremden Heeren zogen nicht wieder in ihre Heimat zurück, sondern ließen sich hier nieder. Der Konfession, in der sie erzogen waren, blieben sie treu. Niemand hinderte sie daran. (Albert Zink)

1667 - 1668 Kaum hatte das Land begonnen sich zu erholen, als die Raubkriege Ludwigs XIV. und der spanische Erbfolgekrieg hereinbrachen. Zwar hatten die Birkenfelder Fürsten sich unter den Schutz des Sonnenkönigs gestellt, aber wieder gab es Truppendurchzüge und Plünderungen wie im dreißigjährigen Kriege. Erst von 1714 an wurde es ruhiger.

1672 - 1678 Krieges Ludwig XIV. gegen Holland. Lothringische und kurtrierische Truppen besetzten das Amt Birkenfeld.

1673 Die Wunden des 30jährigen Krieges waren noch nicht geheilt, als die Truppen Ludwigs XIV. die politische und konfessionelle Uneinigkeit Deutschlands zu ihren Beutezügen ausnützten. Nachdem Turenne 1673 die Kurpfalz verwüstet hatte, fiel 1676 der Graf von Choiseul mit seinen Horden in das Zweibrücker Land. Die Hauptstadt wurde von den Feinden besetzt, von den Truppen des Braunschweigers wieder entsetzt. Erst im folgenden Jahr gelang es, die Franzosen zum Abzug zu bewegen. Diese verwüsteten vorher das Land durch Plünderung und Brandstiftungen, um ihren Gegnern die Verfolgung zu erschweren. In kurzer Zeit wurden 400 Städte und Dörfer vernichtet, im Amt Lichtenberg nicht weniger als 58 Dörfer.

1676 Aus dem Bereich des heutigen Amtes wird berichtet: Thallichtenberg verbrannt, 12 Familien (nach dem Stand von 1675), Ruthweiler verbr., 9 Familien, Reichweiler verbr., 5 Fam., Pfeffelbach verbr., 13 Fam., Berschweiler verbr., 8 Fam., Fohren-Linden verbr., 6 Fam., Rohrbach 2 Fam., Rückweiler 1 Fam., Berglangenbach verbr., 3 Fam., Eckersweiler verbr., 5 Fam., Leitzweiler 4 Fam. und Hahnweiler 2 Fam. Von den Nachbarorten werden auch Mettweiler, Heimbach, Schwarzerden und Baumholder als verbrannt erwähnt. Von den 12 Orten des heutigen Amtes blieben nach dem Königschen Bericht also nur die 4 Gemeinden auf der Heide vom Brand verschont.

1677 Franzosen zerstören den Flecken Baumholder durch Feuer.

1681 besetzt Frankreich das Elsaß und Straßburg.

1682 In diesen unruhigen Zeiten hat der Reichenbacher Pfarrer Johann Lamberti ein Familienregister aufgestellt, das auch die Geburtsdaten und Geburtsorte der männlichen Einwohner bzw. Familienväter seines Kirchspiels enthält.

1688 - 1697 Eroberungskrieg Ludwig XlV. gegen die Pfalz, in dessen Verlauf das Heidelberger Schloß zerstört wurde. Er brachte zusätzliche Einquartierungen, Truppendurchzüge und Aushebungen mit sich. In diesen Kriegen (1688) wurde zu Birkenfeld durch die Franzosen wieder katholischer Gottesdienst eingeführt und laut der "Ryswijker Klausel" auch beibehalten, nachdem es 130 Jahre lang keinen katholischen Geistlichen gegeben hatte. Das Gehalt zahlte bis zur französischen Revolution der König von Frankreich (400 Fr), wobei der damals katholische badische Gemeinsherr 100 Taler zuschoß.

1692 Einfall und Plünderung kaiserlicher und trierischer Soldaten in Birkenfeld und Mörschied.

1697 Frieden von Rijswijk.

1697 geht Freiburg i. Br. an Frankreich.

1699 wird Osterreich zur Großmacht. Seit 1687 ist es in Personalunion mit Ungarn verbunden.

18. Jahrhundert

1701- 1714 Spanischer Erbfolgekrieg. Man sah wieder allerlei Kriegsvolk durchziehen: Spanier, Franzosen, Dänen und Kaiserliche. Erst ab 1714 begann sich das Land langsam zu erholen. Sachsen und die anderen mittel- und norddeutschen Staaten schließen sich dem Rheinbund an.

1704 Eine lutherische Pfarrei wird in Baumholder eingerichtet.

1714 Reitende Postverbindung Zweibrücken - Kusel - Meisenheim - Mainz.

1741 Diese (reitende) Postverbindung ging schon im Jahre 1741 in den Besitz der Thurn und Taxis über.

1745 Neue Kirche im Baumholderer Filialort Berschweiler. Die frühere Kapelle St. Nopre (Amtshandlungen noch im Jahre 1700) war längst verfallen und wurde 1743 abgebrochen.

1754 Streit zwischen Allenbach und Wirschweiler: Trennung der Pfarrei, Metzger wird Pfarrer in Wirschweiler und Martini wird Pfarrer in Allenbach.

1756 Trennung der Kirchengemeinde Berschweiler von der Muttergemeinde Baumholder. Jetzt ist Berschweiler eine selbständige Pfarrei. Seit dieser Zeit hat Berschweiler auch einen eigenen Friedhof.

1758 Die Oberamtsverwaltung (Oberamt Lichtenberg) wird von Lichtenberg nach Kusel verlegt.

1771 Fahrende Postverbindung Zweibrücken - Kusel - Meisenheim - Mainz.

1776 wurde die lästige Gemeinherrschaft in der Hinteren Grafschaft Sponheim endlich aufgelöst und Birkenfeld kam zu Baden.

1783 Aufhebung der Leibeigenschaft im Badischen Teil.

1789 erschüttert die Französische Revolution sämtliche europäischen Staaten und stellt in Deutschland den Absolutismus infrage. Durch das Eingreifen Osterreichs und Preußens zerbricht infolge der Revolutionskriege das Deutsche Reich.

1792 - 1795 war das Land Kriegsschauplatz. Soldaten der französischen Revolutionsheere und deutsche Truppen lagen abwechselnd in Quartier.

1795 Im Frieden von Basel muß Preußen das linke Rheinufer an die Französische Republik abtreten.

1797 Im Frieden von Campoformio am 17. Oktober tritt Österreich Belgien gegen Venedig an Frankreich ab und stimmt der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich zu.

1797 Im Kongreß zu Rastatt erzwang Frankreich 1797 die Loslösung des ganzen linksrheinischen Gebietes vom deutschen Reich.

1798 Französische Verwaltungsreform für die linksrheinischen Gebiete. Verleihung des französischen Bürgerrechtes an alle Einwohner der eroberten Gebiete links des Rheins.

19. Jahrhundert

1801 durch den Frieden von Lunéville am 9.2.1801 erfolgte die definitive Abtretung aller deutschen Staaten links des Rheines an Frankreich. Ein am 23.1.1798 erlassenes Dekret verfügte die Neueinteilung des eroberten Gebietes in Departements, Arrondissements, Kantone, Mairien und Gemeinden. Zum Departement Saar gehörten u. a. die Arrondissements Saarbrücken und Birkenfeld; zu letzterem u. a. die Kantone Baumholder, Grumbach und Kusel. Der Kanton Baumholder gliederte sich in die Mairien Baumholder, Berschweiler, Mittelbollenbach, Reichenbach und Nohfelden. Die Mairie Berschweiler umfaßte die Gemeinden Berschweiler, Berglangenbach, Eckersweiler, Fohren?Linden, Heimbach, Mettweiler, Rohrbach und Rückweiler. Freisen, Hahnweiler und Leitzweiler gehörten zur Mairie Nohfelden. Die Unterberggemeinden Burglichtenberg, Pfeffelbach, Reichweiler, Schwarzerden, Thallichtenberg und Ruthweiler bildeten die Mairie Burglichtenberg, die dem Kanton Kusel zugeteilt war. Die Verwaltung der Departements ordnete die Auflegung von Listen an, in die alle Bewohner der neugewonnenen Gebiete die Bitte um Vereinigung mit der Republik eintragen sollten. Diesem Vorhaben war in den Städten ein sehr geringer, in den Dörfern gar kein Erfolg beschieden.

1803 Schinderhannes wird am 20.11.1803 in Mainz verurteilt und am 21.11.1803 enthauptet.

1806 Kaiser Franz II. legt am 06.08.1806 auf ein Ultimatum Napoléons hin die römisch-deutsche Kaiserwürde nieder. Dies bedeutet das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

1809 Birkenfeld hatte 1351 Einwohner. Das Deutsche Reich wird unter den Großmächten aufgeteilt. Oldenburg, Ostfriesland, Bremen, Hamburg und Lübeck gehen an das Französische Kaiserreich. 1806 treten die süd- und westdeutschen Staaten zum Rheinbund unter französischem Protektorat zusammen und aus dem Deutschen Reich aus. Kaiser Franz II. von Deutschland und Osterreich legt auf Napoleons Geheiß die deutsche Kaiserkrone nieder. Die preußische Großmacht bricht zusammen.

1807 führen von Stein, von Hardenberg, Scharnhorst und von Gneisenau in Preußen die Reformbewegung ein, der die Bauernbefreiung, die Selbstverwaltung der Bürgerschaft und die Neuordnung des Heeres folgen. Die französische Große Armee scheitert in Rußland. Die Freiheitskriege gegen Napoleon beginnen. Rußland unterstützt Preußen mit 150.000 Soldaten und befreit Berlin und Breslau. Insgesamt werden etwa 1 Million Soldaten aufgeboten. Bayern und Osterreich sind aus dem Rheinbund ausgetreten und haben sich den preußischen Freiwilligenkorps im Kampf gegen Napoleon angeschlossen.

1810 Zu Napoléons Heeren stellte das Saardepartement mit 277.594 Einwohnern von 1800 bis 1810: 5.948 Soldaten.

1813 befreit die Völkerschlacht bei Leipzig Deutschland. Es ziehen 420.000 Menschen ins Feld, wobei mindestens 120.000 ihr Leben lassen. Der Rheinbund löst sich auf. Der großen europäischen Koalition gelingt der Sturz Napoleons. Die Sieger ziehen in Paris ein. Im 1. Pariser Frieden 1814 werden die Grenzen von 1792 wieder eingesetzt. Nach Napoleons Rückkehr und erneuter Niederschlagung muß Frankreich im 2. Pariser Frieden auch Landau an Bayern und Saarlouis an Saarbrücken abtreten, behält aber das Elsaß. Auf dem Wiener Kongreß werden die deutschen Einzelstaaten als souverän anerkannt und in einem losen Staatenbund, dem Deutschen Bund, geordnet.

1814 wird die allgemeine Wehrpflicht in Preußen gesetzlich eingeführt.

1815 Die französische Herrschaft über unsere Heimat war schon während der Freiheitskriege beendet worden. Der Beschluß von Basel vom 12.01.1814, der das linksrheinische Land in 6 Generalgouvernements teilte und diese der verbündeten Zentralverwaltung unterstellte, verfügte die Zugehörigkeit unseres Gebietes zum Saar?Departement im Gouvernement Mittelrhein. Nach dem am 30.5.1814 abgeschlossenen Pariser Frieden wurden die Landesteile auf der rechten Moselseite in 9 Kreise geteilt. Zum Kreis Birkenfeld gehörten die Kantone Baumholder und Grumbach, zum Kreis Ottweiler der Kanton St. Wendel. Als oberste Verwaltungsbehörde war eine österreichisch-bayrische Administrationskommission in Kreuznach verantwortlich. Durch den Wiener Kongreß wurden die drei genannten Kantone für kurze Zeit (16.06.1814 ? 03.11.1815) Preußen zugesprochen. Der Artikel 49 der Kongreß-Akte wies aber dann das Gebiet dem Herzog von Sachsen-Koburg als Entgelt für die im Befreiungskrieg geleisteten Dienste mit dem Vorbehalt eines späteren Austauschs zu. Durch das im September 1816 erlassene Besitzergreifungspatent des Herzogs erhielt unser Land einen neuen Herrn.

1816 Bildung des Fürstentums Lichtenberg unter Herzog Ernst von Sachsen- Coburg-Saalfeld. Huldigung der Städte und Gemeinden des Fürstentums Lichtenberg im St. Wendelsdom zu St. Wendel.

1817 Am 16. April 1817 übernahm der Herzog von Oldenburg das neu geschaffene "Fürstentum Birkenfeld".

1818 werden in Bayern die ersten Volksvertretungen errichtet.

1820 Der Zusammenschluß der reformierten und lutherischen Kirche im Amt Burglichtenberg erfolgte am 26.02.1820. Eine Unionssynode findet 1822 in Baumholder statt.

1830 Verzicht auf die Tür? und Fenstersteuer im Amt Burglichtenberg.

1834 Sachsen-Coburg und Gotha verkaufte das Fürstentum Lichtenburg für 1.200.000 Taler an Preußen.

1834 entsteht der Deutsche Zollverein unter preußischer Führung und legt die Grundlage für die wirtschaftliche Einheit.

1835 erste deutsche Eisenbahnlinie Nürnberg - Fürth.

1843 Einführung der Union im Fürstentum Birkenfeld zum 25.06.1843.

1845 Birkenfeld war mit 1801 Einwohnern im Jahre 1845 noch der zweitgrößte Ort des Landes und für Handel und Verkehr ein wichtiger Punkt. Jährlich wurden 22 große Viehmärkte abgehalten. Auch war es Poststation der Hauptlinie Rhein- Saarbrücken- Frankreich. In der Posthalterei Emmerich standen 44 Pferde. Von hier gingen in der Woche 41 vierspännige Posten und 7 kleinere Wagen nach Saarbrücken, Kreuznach, Trier, Morbach und Kusel. Die reitende Briefpost kam viermal in der Woche.

1848 findet die Märzrevolution statt. Demokratische Wahlen bestimmen die deutsche Nationalversammlung, die 1849 eine liberale Reichsverfassung beschließt. Beim Deutsch-Französischen Krieg beteiligen sich neben dem Norddeutschen Bund mit dem Präsidium Preußen auch die süddeutschen Staaten.

1850 wird der Bundestag wieder eingesetzt und der Deutsche Bund abermals hergestellt.

1855 Brand des Obersteiner (Neuen) Schlosses in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar.

1860 Bau der Eisenbahn durch das Nahetal.

1860 Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Bingerbrück - Neunkirchen.

1862 wird Otto von Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten berufen, der die konservative Staatsmacht festigt.

1866 erklärt er den Deutschen Bund für nichtig und führt damit den Deutschen Krieg von 1866 herbei. Der Norddeutsche Bund ohne Osterreich gründet sich. Nach allgemeinen Wahlen entsteht 1867 der norddeutsche Reichstag.

1870 treten in Versailles Bayern, Württemberg, Baden und Hessen dem Norddeutschen Bund bei, der den Namen Deutsches Reich annimmt.

1871 Gründung des Deutschen Reiches am 18.01.1871 im Schloß Versailles. König Wilhelm I. wird zum deutschen Kaiser ausgerufen. Reichskanzler ist Bismarck.

1871 Frieden von Frankfurt 10.05.1871.

1878 führt Bismarck das Sozialistengesetz ein und verschärft das Verhältnis der Arbeiter zum Staat.

1879 werden Schutzzölle für die Landwirtschaft und Industrie eingeführt. Die Innenpolitik verschärft sich zunehmend unter der konservativen Führung Bismarcks.

1888 kommt Wilhelm II. an die Macht und zwingt Bismarck zum Rücktritt.

1890 geht Helgoland an Deutschland im Tausch gegen Sansibar (und Witu) an Großbritannien.

20. Jahrhundert

1900 wird das zersplitterte Rechtswesen im Bürgerlichen Gesetzbuch vereinheitlicht. 56 Millionen Menschen leben in Deutschland.

1907 stellt sich - aufgrund politischer und wirtschaftlicher Zuspitzung - der Dreierverband aus Großbritannien, Frankreich und Rußland gegen das Deutsche Reich.

1909 Die Dörfer Hettstein und Obertiefenbach schließen sich zu dem neuen Ort Tiefenstein zusammen.

1914 führt die Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers nach überstürzten Handlungen zum Ersten Weltkrieg.

1918 bringt die Novemberrevolution das Reich zum Einstürzen. Kaiser Wilhelm II. dankt ab, die Regierungsgewalt wird den Sozialdemokraten als stärkster Partei übertragen und die Republik ausgerufen.
In Bayern wird nach dem Sturz der Wittelsbacher die Bayerische Republik gegründet. Am 11. November kapituliert Deutschland bedingungslos.

1918 Beginn der französischen Besetzung des Rheinlandes.

1919 wird die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt, Frauen erhalten das Wahlrecht in Deutschland. Friedrich Ebert wird zum ersten Reichspräsidenten der ersten Deutschen Republik, der Weimarer Republik, gewählt.
In Bayern wird die Räterepublik blutig zerschlagen. Im Versailler Vertrag wird Deutschland die alleinige Kriegsschuld zugewiesen. Es verliert Elsaß-Lothringen, Danzig, Posen, Westpreußen, Pommerland, Ostoberschlesien und alle Kolonien. Deutschland hat erhebliche Reparationszahlungen zu leisten. Hindenburg wird Reichspräsident.

1921/22 weltweiter Konjunktureinbruch. am 3. Juli 1922 hatte die Mark noch ein Hunderstel des Wertes vom August 1914, am 3. Oktober 1922 nur mehr ein Tausendstel.

1923 Mit der Währungsreform im November 1923 (Einführung der Rentenmark, Unterbindung von Spekulationen) wurde die Inflation beendet.

1929 Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse. Der rapide Kurssturz am 25. Oktober 1929 leitete eine Weltwirtschaftskrise ein.

1930 Abzug der französischen Besatzung (seit 1918) aus Oberstein (Buch: Otto Decker, S. 43).

1931 Im Lauf dieses Jahres schlugen die Folgen des Schwarzen Freitags voll auf die deutsche Wirtschaft durch. Die amerikanischen Banken forderten abrupt ihre in Deutschland angelegten Gelder zurück. Die Kettenreaktion führte zur schwersten volkswirtschaftlichen Krise unserer Geschichte. Die Arbeitslosenziffer schnellte rapide empor. Die Republik beginnt sich aufzulösen, die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler steigen auf.

1933 Am 30. Januar 1933 überträgt Hindenburg Hitler die Kanzlerschaft. Mit dem Ermächtigungsgesetz wandelt dieser die Republik in eine Diktatur um. Nach Hindenburgs Tod wird Hitler Staatsoberhaupt.

1933 Am 1. Oktober 1933 erfolgte der Zusammenschluß der Städte Oberstein und Idar mit den Landgemeinden Algenrodt und Tiefenstein zur Stadt Idar-Oberstein.

1934 Beitritt zur Evangelischen Kirche des Rheinlandes am 01.01.1934.

1935 Saarabstimmung am 24.01.1935. Rückgliederung des Saargebietes.

1937 Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz (26.01.1937) ging dann endlich mit Wirkung vom 01. 04. 1937 der "Landesteil Birkenfeld" nach 120 Jahren Zugehörigkeit zum fernen Oldenburg an das ihn ganz einschließende Land Preußen über. Der oldenburgische Landesteil Birkenfeld wurde mit dem "Restkreis" St. Wendel-Baumholder zum neuen preußischen Landkreis Birkenfeld (-Baumholder) im Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz vereinigt. Sitz der Kreisverwaltung wurde Birkenfeld.

1937 Baubeginn der Klotzberg-Kaserne.

1937 - 1939 Einrichtung des Truppenübungsplatzes Baumholder.

1938 Hitler erzwingt den Anschluß Österreichs, läßt die Sudetengebiete und die Tschechei besetzen.

1939 Mit dem Angriff auf Polen löst Hitler den Zweiten Weltkrieg aus. Bis 1942 wurden die Bewohner von 14 Dörfern des Truppenübungsplatzes, in denen früher auch viele unserer Vorfahren gelebt hatten, umgesiedelt: Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg, Wieselbach, Zaubach; die weiteren Höfe: Wickenhof, Fichtenhof, Hohenrötherhof, Mambächler Hof, Neuhof, Stenzhornerhof; die Mühlen: Backesberger-M, Brand-M., Eisenhuts-M., Erzweiler-M., Geigers-M., Germans-M., Guthaus-M., Hansche-M. Lockers-M., Schmidt-M.; außerdem Wüstenfeld, Leitersthal und Forsthaus Winterhauch. Insgesamt waren 842 Familien mit 4.060 Personen hiervon betroffen.

1945 "Um elf Uhr vormittags, am 19. März 1945, kamen die ersten amerikanischen Panzerspähwagen vom Schloßberg herunter angerückt …" (Buch: Otto Decker, S. 30)

1945 Am 15.07.1945 wurde die amerikanische Militärregierung durch die der 10. Französischen Infanteriedivision abgelöst.

1946 Per Anordnung Nr. 8 des Commandement en Chef Français en Allemagne vom 18.07.1946: Ausgliederung von 17 Gemeinden des Kreises Birkenfeld an das Saarland: Gonnersweiler, Neunkirchen Selbach, Bosen, Eckelhausen, Schwarzenbach, Eisen, Sötern, Türkismühle (Ortsteil), Wallhausen, Steinberg-Deckenhardt, Mosberg-Richweiler, Grügelborn, Reitscheid, Gehweiler, Leitersweiler und Hirstein.

1947 "Am 03.02.1947 kann Otto Decker der Eingang der ersten größeren Sammelsendung bestätigt werden: Schokolade und Bonbons für die Schulkinder, die Materialien für großzügige Schulkinderspeisung, die durchzuführen die Arbeiterwohlfahrt übernahm, und weitre Sendungen, die durch das Evangelische Hilfswerk an die Armen der Stadt, Kriegsbeschädigte usw. verteilt wurden" (Buch: Otto Decker, S. 43).

1947 Weitere Ausgliederung von 7 Gemeinden des Kreises Birkenfeld an das Saarland aufgrund der Verordnung Nr. 93 des Commandement en Chef Français ein Allemagne vom 06.06.1947: Asweiler-Eitzweiler, Nohfelden, Wolfersweiler, Freisen, Haupersweiler, Oberkirchen und Schwarzerden.

1947 Durch Beschluß des Gemeinderats in der Sitzung vom 22.12.1947 wurde Otto Decker zum Ehrenbürger der Stadt Idar-Oberstein ernannt.

1948 Währungsreform. Ersatz der Reichsmark (RM) durch die Deutsche Mark (DM).

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