OKTOBER 2004
"Historische Rückreise nach 60 Jahren FLUCHT und VERTREIBUNG"
von 200 Donauschwaben mit dem Schiff von Passau nach Neusatz/Novi Sad und zurück
vom 22. bis 31.10.2004.

Reiseveranstalter: HILFSKOMITEE für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.
Vorsitzende: Hildegard Gutekunst und Herbert Schön


Reise-Notizen in Wort und Bild

Dankgottesdienst am letzten Tag auf dem Schiff, 31.10.04



"Für DIALOG, FRIEDEN und VERSÖHNUNG,
unter diesem Motto stand unsere Reise",

sagte zu Beginn des
letzten Gottesdienstes auf dem Schiff
während der Rückfahrt zwischen Wien und Passau

Manfred Wagner,
Prälaturpfarrer und Partnerschaftsbeauftragter
für Osteuropa der
Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung.

Für den Gottesdienst wählte er aus dem
Psalm 51:
"...ein geängstetes, zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verachten."





Erster Tag, 22.10.04

Morgens, vor unserer Abfahrt, stand dieser Artikel in der Tageszeitung "Badische Neueste Nachrichten":

"Beendigung des gegenseitigen Verschweigens"
Evangelische Kirche organisiert "Wiedersehensfahrt" der Donauschwaben in ehemalige Heimat

Sie kamen aus dem Elsaß und Lothringen, der Pfalz und der Kurpfalz, aus Hessen, Baden und Württemberg und hatten ein gemeinsames Ziel: Der Not, den Seuchen der Leibeigenschaft und dem Konfessionszwang ihrer Fürsten entfliehen und in der Ferne eine neue Heimat aufbauen - unabhängig, nur dem Kaiser untertan.
Es ist ein bewegender Teil der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts - das Schicksal der so genannten Donauschwaben. Im 18. Jahrhundert verließen sie ihre Heimat, nicht wissend, was sie in der pannonischen Ebene an der mittleren Donau im heutigen Ungarn, Rumänien und ehemaligen Jugoslawien erwarten würde. Angeworben von den Herrschern der habsurgischen Donaumonarchie brachten sie es als tüchtige Bauern und Handwerker bald zu bescheidenem Wohlstand und machten ihr Siedlungsgebiet zur Kornkammer Europas. Wurden anfangs nur katholische Auswanderer geduldet, so genehmigte Joseph II. als erster die Ansiedlung auch von Protestanten.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für die Donauschwaben ein schreckliches Schicksal. Angesichts der sich abzeichnenden deutschen Niederlage, waren sie "schutzlos dem Aggressionspotenzial der Heimatvölker" ausgesetzt, heißt es in einer Dokumentation über das Schicksal der Donauschwaben. Im 0ktober 1944 flüchtete der Großteil aus der "Kolonisten-Heimat" in Jugoslawien. Etwa 300 000 von einer halben Million gelang die Flucht mit Pferd und Wagen, 200 000 wurden vom Tito-Regime als rechtlos erklärt. Etwa 60 000 Kinder, Frauen und Alte kamen in den für sie errichteten Lagern elend um.
Die anderen wurden als Flüchtlinge mehrheitlich im Südwesten Deutschlands seßhaft und bauten das Nachkriegsdeutschland tatkräftig wieder mit auf. Nahezu 60 Jahre dauerte der offizielle Stillstand zwischen den Donauschwaben und ihrem ehemaligen Staatsland Jugoslawien. Nur vereinzelte private Kontakte wurden zwischen den ehemaligen serbischen und deutschen Nachbarn aufrecht erhalten. Erst nach dem Ende des jugoslawischen Bürgerkriegs und der Absetzung von Milosevic gab es eine Neuorientierung.
Im Oktober jährt sich nun zum 60. Mal der Exodus der Deutschen. Heute brechen rund 200 Donauschwaben mit ihren Nachfahren zu einer "Wiedersehensfahrt in die Jugendheimat" auf. Das Hilfskomitee der deutschen evangelischen Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien hatte zu der Fahrt eingeladen, die ganz im Zeichen der Versöhnung steht. Mit dem Schiff geht es in drei Tagen auf der Donau von Passau nach Neusatz (Novi Sad), wo ein ökumenischer Gottesdienst, ein historisch-politischer Dialog im Parlament und vieles mehr die gegenseitigen Ängste und Vorbehalte zwischen Deutschen und Serben abbauen sollen. Auch "Heimfahrten" in die ehemaligen Geburtsorte sind organisiert. Die "Beendigung des gegenseitigen Verschweigens, der offene Dialog und die Schaffung einer Perspektive für die junge Generation" sind das Hauptanliegen der Reise."
Ulrich Schweizer






SWR Studio Landau:

Die Reporterin Helga GNÄGY (im Bild rechts beim Gespräch mit Ingeborg Stephan, geb.Sander), befragte Reiseteilnehmer über ihre Erfahrungen bei Kriegsende 1944/45 in der Batschka.
Das Interview wurde ab 22.10.04 - während der Schiffsreise - vom SDR1 und SWR4/Baden Radio (Frequenz 97 UKW/FM) mehrfach ausgestrahlt.

Frau Gnägy:
Vor 60 Jahren machten sich unzählige Flüchtlingstrupps aus dem Südosten Europas auf, in Richtung Deutschland.
Hunderttausende der sogenannten "Donauschwaben" verloren ihre Heimat, als die russische Front in den Balkan vorrückte. Über gut 200 Jahre lebten die Donaudeutschen im heutigen Serbien, in Ungarn und Rumänien. Damals von der deutsch- österreichischen Krone gerufen, machten sich Bauern und Handwerker aus Schwaben, der Pfalz und dem Elsass auf, um diesen verwüsteten Landstrich neu aufzubauen. 1944 mussten die Nachkommen dieser Siedler dann alles hinter sich lassen und wieder ganz von vorne anfangen.
Herbert Schön war 1944 gerade mal fünf Jahre alt - die Flucht aus Jugoslawien war für das Kind erst mal ein großes Abenteuer. Vieles, was er unterwegs erleben musste, kann er aber bis heute nicht vergessen.
Herbert Schön:
Dass in einem Flüchtlingslager, wo wir und andere Trecks zusammengepfercht übernachtetet, ein neuer Trupp von Menschen hereinkam und eine junge Frau zu schreien begann, -- sie hatte ihr Baby ausgewickelt und das war erfroren!

Frau Gnägy:
Für die Familie war die Flucht eine Odyssee. Über viele Stationen erreichten die Schöns die österreichisch- slowenischen Grenze. Hoffnung flammte auf - Hoffnung, wieder nach Jugoslawien, in ihr Heimatdorf Katsch zurückkehren zu können. Doch es kam anders:
Herbert Schön:
Nach einigen Tagen kam die schreckliche Nachricht, die englische Militärverwaltung wird uns nicht den Grenzübertritt erlauben. Denn inzwischen waren einige Züge über die Grenze gefahren, sind auf der jugoslawischen Seite gestoppt worden, Hab und Gut wurde ihnen geplündert und die Menschen wurden auf schlimmste Weise umgebracht.

Frau Gnägy:
Also ging es für die Schöns wieder zurück. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Oberfranken erreichten sie schließlich die Südpfalz. Dort durften sie bleiben und konnten sich in der Region, aus der ihre Ahnen einst ausgewandert waren, eine neue Existenz aufbauen.
Herbert Schön:
Mein Vater hatte uns drei Söhne gefragt, ob wir lieber Bauern werden wollen. Und als wir ihm nein sagten, wir wollen nicht, sagte er, ich werde alles tun für eure Ausbildung. Was ihr im Kopf habt, das wird man euch niemals wegnehmen können, wie man mir, meine Existenz und meine Sicherheit genommen hat.

Frau Gnägy:
Ein anderes Schicksal ist das von Ingeborg und Heinrich Stephan. Beide stammen ebenfalls aus der Wojwodina, aus dem ausschließlich von Donauschwaben bewohnten Dorf Bulkes. Als die Flüchtlingswelle auch dort losrollte, sah der damals 16-jährige Heinrich Stephan darin seine Chance:
Heinrich Stephan:
Ich hatte ohnedies vor, nach Deutschland zu gehen, für meine weitere Ausbildung. Und wollte eigentlich legal ausreisen mit einem Reisepass, - aber die Ungarn haben mir keinen Pass gegeben. Als nun die Russen kamen, dachte ich, Gott sei Dank kommen wir nun endlich aus diesem "Nest" fort.

Frau Gnägy:
Mit Pferdewagen und nur wenig Hab und Gut machten sich die Stephans auf den gefährlichen Weg, zunächst Richtung Schlesien.
Heinrich Stephan:
Also, - von dem gefährlichen Weg und den ganz schlimmen Dingen, über die ich jetzt immer wieder lese: Wagen ist kaputtgegangen, Pferde sind scheu geworden und über die Fähre in die Donau gesprungen, - oder es gab Tieffliegerangriffe, - habe ich nichts erlebt.
Ich verdanke es vielleicht unserem Treckführer, der so klug war und immer Wege gesucht hat, die ungefährlich waren.

Frau Gnägy:
Über viele Umwege landete er nach Kriegsende in Karlsruhe, wo er studieren und Architekt werden konnte.
Seiner Frau Ingeborg erging es anders. Die Familie des damals 9-jährigen Mädchens entschloss sich 1944 gegen die Flucht und blieb in Bulkes.
Ingeborg Stephan:
Meine Mutter wollte nicht so gern flüchten. Und dann hat man eben gedacht, wir haben niemand etwas getan, also wird uns auch niemand was tun.

Frau Gnägy:
Doch dem war nicht so. Die Russen hatten das kleine Dorf zwar weitgehend verschont. Aber dann kamen Titos Partisanen. Ingeborg Stephans Vater - der Gemeindearzt - wurde sofort umgebracht.
Ingeborg Stephan:
Mein Vater musste nach Palanka in ein Lager. Dort wurden der Pfarrer, der Apotheker, der Lehrer und mein Vater, der Arzt war, in der ersten Nacht herausgeholt. Den Pfarrer haben sie wieder zurückgeschickt. Mein Vater, der Apotheker und der Lehrer sind aber in der gleichen Nacht umgebracht worden.

Frau Gnägy:
Die Mutter kam in ein Arbeitslager, das damals neunjährige Mädchen wurde zusammen mit der Oma und dem Bruder in ein anderes Lager (nach Jarek) verschleppt. Nicht viele Menschen überlebten diese Zeit - Ingeborg Stephan hatte Glück. Nach dem Krieg fand sie mit Mutter und Bruder eine neue Heimat im Schwäbischen.
Inzwischen war sie mit ihrem Mann schon viermal im ehemaligem Jugoslawien und versucht, die für sie so schreckliche Zeit Schritt für Schritt aufzuarbeiten.
Ingeborg Stephan:
Als wir dahin kamen, das erste Mal, wurde gleich Kaffee gekocht und Slivovic angeboten.
Sie waren eigentlich immer sehr freundlich und - trotzdem, wegen dieser schrecklichen Zeit, die war, habe ich auch Angsgefühle, - manchmal, wenn ich dort bin.

Nachmittags um 17:00 Uhr machte die "Sofia"

"Leinen los"

An der Schiffsanlegestelle in Passau: einsteigen und abfahren.




Zweiter Tag, 23.10.04

Schwimmwesten werden für den Notfall anprobiert (links),
dann geht's vorbei an Bratislava/Preßburg (rechts): 280 000 EW, Hauptstadt der Slowakei, Universitätsstadt. GESCHICHTE: Römische Grenzfestung Posonium, im 4.Jhd. germanisch Brzaulaspurc/Preßburg, 846-870 entstand unter Herzog Rstislaw das slawische Bratislawa, 1536 Hauptstadt und Krönungsstadt Ungarns, bis 1918 sind Wien und Preßburg in Österreich-Ungarn Schwesterstädte. Die Preßburger Burg, hoch oben auf dem Berg, wurde 1683 erfolgreich gegen die Türken gehalten, sie war unter anderem auch Residenz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, eines der Schwiegersöhne Maria Theresias (1740-1780), welcher die weltberühmte Albertina in Wien begründete. Q: Helmut Bischof




Dritter Tag, 24.10.04

Begrüßung zugestiegener prominenter Reisegäste durch Herrn SCHÖN.

Im Bild von links nach rechts:

Dr. Nenad STEFANOVIĆ, Chefredakteur der "POLITIKA" und Autor des Buches "Jedan Svet na Dunavu"/"Ein Volk an der Donau" und Prof. Dr. Zoran ŽILETIĆ, ehem. Vorsitzender der Belgrader Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit und Dialog-Aktivist.
Dies sind zwei mitreisende serbische Vorreiter für die serbisch-deutsche Verständigung und Aussöhnung, die von Herrn SCHÖN, Organisator und Manager der Schiffsreise, vorgestellt werden.
Darunter sitzend: Herr LAHR, Initiator der Humanitären Hungerhilfe für "Donauschwaben" in der Woiwodina.




Vierter Tag, 25.10.04

Ankunft in Kamenica gegenüber von Novi Sad

Vormittags: Besichtigung des barocken Stadtzentrums von Sremski Karlovci.


Nachmittags: Besichtigung des Stadtzentrums von Neusatz.


Abends:

Empfang auf dem Schiff für Vertreter der Regierung und des Parlaments der Vojvodina.

Linkes Bild, von links nach rechts:
Sandor EGERESI, Vizepräsident des Parlaments der "Autonomen Republik Vojvodina",
Ernst MEINHARDT, Redakteur der DEUTSCHEN WELLE "DW-radio" Berlin,
Herbert SCHÖN und Hildegard GUTEKUNST, Vorsitzende des Hilfskomitees für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.
Rechtes Bild: Sandor Egeresi bei seiner Begrüßungsansprache.

Ansprachen:

Herbert SCHÖN:

"...Wir sind gekommen, nicht um altes Unrecht mit neuem Unrecht zu vergelten.
Wir sind gekommen, um alte Wunden heilen zu lassen. Daher, egal wo sich unsere Donauschwaben bewegen, wo sie hinkommen, sie kommen in Frieden und Freundschaft und als alte Woiwodiner und - leider als gewordene Europäer.
Wir wünschen, dass dieser Anfang, den wir hier mit einem Schiff gemacht haben, regelrecht einen Donautourismus auslösen wird..."

Sandor EGERESI:

"...Ich begrüße Sie herzlich im Namen der Regierung und des Parlaments der Autonomen Republik Vojvodina und persönlich. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt und Erlebnisse in der ehemaligen Heimat. Vielleicht ist es nicht der beste Moment, ich möchte jedoch die Wichtigkeit dieses Besuches betonen.
Es ist 60 Jahre, dass Sie Ihre Heimat gegen Ihren Willen verlassen mussten. Ihren Besuch nehmen wir als symbolische Geste von Versöhnung, Vertrauen und Frieden für alle zukünftigen Generationen und für unsere Kinder an.
Nochmal herzlich willkommen."


Über die Ankunft des Schiffes berichtete anderntags die Neusatzer Zeitung "DNEVNIK":

Donauschwaben in der alten Heimat
Für Dialog, Frieden und Versöhnung


Unter dem Motto "Für Dialog, Frieden und Versöhnung" hat gestern das Luxusschiff "Sofia" am Neusatzer Donauufer angelegt. 60 Jahre, nachdem sie zusammen mit ihren Angehörigen ihre Heimat verloren haben, sind ca. 200 Donauschwaben an Land gegangen. Viele von ihnen sind in verschiedenen Dörfern der Vojvodina geboren, sie sprechen noch Serbisch mit typischem lokalen Akzent "lalinski", während einige gekommen sind, um die alte Heimat ihrer Altvorderen zu sehen.
(Bemerkung des Übersetzers: Die Serben der Vojvodina werden "Lala" genannt, daher die Akzent- und Dialektbezeichnung "lalinski".)
Unter den Gästen befindet sich auch Robert Lahr, ein in Kucura geborener Deutscher, der schon seit 40 Jahren humanitäre Hilfe in Deutschland organisiert und den bedürftigsten Menschen in der Provinz Vojvodina Hilfsgüter zukommen lässt.
"Das ist ein Beweis, dass die Donau uns nicht trennt, sondern in der Tat verbindet. Es sind 60 Jahre vergangen, dass unsere Mitbürger diese Region unfreiwillig verlassen haben. Ihre Ankunft sehen wir als Symbol der Versöhnung für uns und unsere künftige Generation." sagte der stellvertr. Vorsitzende des regionalen Parlaments der Vojvodina, Sandor Egeresi, den donauschwäbischen Gästen. Er wünschte den Reiseteilnehmern einen angenehmen Aufenthalt und schöne Stunden in der ehemaligen Heimat.
Die Donauschwaben halten sich bis Donnerstag hier auf und schon gestern haben sie damit begonnen, sich in der Stadt umzusehen, die sich seit Verlassen der alten Heimat wesentlich verändert hat.
Das emotionalste Ereignis erwartet man heute, wenn die ehemaligen Geschädigten und heute als liebe Gäste von Neusatz und der Vojvodina in ihre Heimatdörfer fahren und bei einem ganztägigen Besuch ihre alten Geburts- und Wohnhäuser besichtigen werden.
Am Mittwoch findet ein ökumenischer Gottesdienst in einer der Neusatzer orthodoxen Kirchen statt.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz, heute Rüsselsheim
Quelle: DNEVNIK (Tageszeitung von Novi-Sad/Neusatz)




Fünfter Tag, 26.10.04

Geburtsorte-Besuch


Am Morgen stand dieser Artikel in der ungarischen Tageszeitung:

"Magyar Szo" ("Ungarisches Wort")


Neusatz, Dienstag, 26. Oktober 2004
Aus dem Ungarischen übersetzt von Helmut Bischof
Für Dialog, für Versöhnung

Eine Gruppe von Deutschen, die einst hier lebten und ihre Nachkommen zu Besuch in der Vojvodina - Sandor Egeresi begrüßte auf dem Schiff "Sofia" die Gäste
Eine größere Gruppe von Deutschen, die einst hier lebten und ihre Nachkommen, kam nach 60 Jahren gestern zum ersten Mal nach Hause zu Besuch, in ihre ehemalige Heimat, die Vojvodina. Die zu einem dreitägigen freundschaftlichen Besuch eingetroffenen Gäste begrüßte auf dem bei Kamenica ankernden Schiff "Sofia" Sandor Egeresi, der Vizepräsident des Provinzparlaments. Das Programm ihres Aufenthalts hier dient Wegen, die zur Versöhnung führen und der Entwicklung der serbisch-deutschen Freundschaft. Unter der Last des Erbes der Vergangenheit kann auf Grund des Geschehenen nur das gegenseitige Sich-in-die-Augen-Sehen, die völlige Aufdeckung der Wahrheit, die Dinge lösen. Man muß die während der Diktatur, der Zeit der politischen Willkürherrschaft, der ersten Jahre der Nachkriegszeit erlittenen Vergeltungen aufhellen. Dies muß man tun um jedes Opfers willen, um ihrer Angehörigen willen, um der jetzigen und der kommenden Generationen willen.
Das Provinzparlament wird auch weiterhin den demokratischen Änderungen gegenüber offen sein, damit der Mensch, die Werte der Bürgermitte, zur Geltung kommen und in der Vojvodina allen ethnischen, sprachlichen und konfessionellen Gemeinschaften gesetzlich die Gewähr gegeben ist zur vollen Entfaltung, das Recht und die Möglichkeit auf Entwicklung, damit unser Gebiet das wahre Heim eines jeden Bürgers sein könne.






Text zum Foto aus "Magyar Szo":


Eine Gruppe der einst in der Vojvodina lebenden Deutschen und ihre Nachkommen im Museum der Vojvodina



Damit dieses Ziel verwirklicht werden kann, muß man die in der Vergangenheit begangenen Fehler restlos feststellen und man muß alles auf sich nehmen was geschehen ist, daß Ähnliches sich nie mehr wiederholen könne. Der jetzige Besuch der Donaudeutschen und ihrer Nachkommen ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Versöhnung im Zuge der allgemeinen Normalisierung des politischen und gesellschaftlichen Lebens in der Vojvodina.
Für Dialog, für Frieden, für Versöhnung, unter dieser Bezeichnung organisierten die Gäste ihr Vojvodina-Programm. Gestern besuchten sie das Museum der Vojvodina und besichtigten die Sehenswürdigkeiten von Neusatz. Abends empfingen sie auf dem Schiff die weltlichen und kirchlichen Spitzen und Würdenträger. Heute besuchen sie in mehreren Gruppen Werbaß, Altker (Zmajevo), Kutzura, Tscherwenka, Siwatz, Sombor, Jarek, Titel, Schajkaschsentiwan, Budisava, Futok, Tscheb (Celarevo), Krtschedin, Pasua, Semlin und Belgrad. Mittwoch wird für sie ein Empfang im Provinzparlament gegeben. Nach den Plänen werden Gäste und Gastgeber auch an einem ökumenischen Gottesdienst in Neusatz teilnehmen.
(Anmerkung des Ubersetzers: Im letzten Absatz wurden von der Redaktion die ungarischen Ortsnamen verwendet, daher an deren Stelle die Ortsnamen wie sie bei den Deutschen, den Donauschwaben gebräuchlich sind.)

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Katsch-Besuch


Begrüßung durch Bürgermeister Jozo Čičak in Kać



Über den Besuch der Katscher und Werbasser
in ihren Geburtsorten stand folgender Bericht
anderntags in der Neusatzer Zeitung

"DNEVNIK" ("Tageszeitung")


Seltene Gäste in Katsch und Werbass
Verjagte Deutsche besuchten ihre ehemaligen Häuser

Die stärkste Gruppe der im Jahre 1944 verjagten Donauschwaben hat gestern Katsch besucht und die ehemaligen Nachbarn angetroffen. Wir sind alle von hier und mancher kommt zum ersten Mal. Wir haben von den Leuten, die in meinem Geburtshaus wohnen, eine Einladung erhalten, sie zu besuchen.Ich weiß nicht, wie der Mann heißt; das Haus steht in der zweiten Reihe in Nähe der Kirche Sveti Sava (Heiliger Sava)- sagt Djurika Gevek Schön, der mit Tochter Eva Katsch besuchte.
Mein Haus habe ich nicht besucht, weil es nicht mehr das meine ist - erläutert Martin Schön, während seine Schwester Mathilde den Wunsch äußerte, dies zu tun und hofft, dass ihr das ermöglicht würde.
Ich komme nicht zum ersten Male, aber noch nie war es so schön wie heute. Meine Großmutter wurde hier bestattet, aber ihr Grab habe ich nicht gefunden. Das hat mich schwer erschüttert. Ich bin in Neusatz geboren - sagt Jakob Heinz, der als 14-jähriger mit dem Zuge die Heimat verliess.
Auch früher habe ich mich mit Nachbarn getroffen und für sie habe ich diesmal viele Bücher aus der damaligen Zeit bereitgestellt. Die haben in ihrem Wohnort ein Heimatmuseum und die für sie gesammelten Gegenstände werden ihnen hilfreich sein. Ich habe auch einige Wertstücke aus der inzwischen abgerissenen Kirche sehr zur Freude der Besucher aufbewahrt - sagt Vasa Cosic und ergänzt, dass ihn Nachbar Franz Lasi (wörtlich - ung.- Ferenc) besonders erfreut habe.

Ähnlich war es gestern in Werbass und Umgebung (Altker, Kisker und Kutzura), wo etwa 50 Deutsche ihre ehemaligen Häuser besucht haben. Die ex-Werbasser haben die evangelische und reformierte Kirche, den alten Friedhof und die neue gemeinsame Grabstätte der Deutschen auf dem neuen Friedhof besucht, wohin die Gebeine vom alten (verwahrlosten Gräbern) umgebettet werden.
Herbert Hajnc(Heintz,76) hat Werbass am 8. Oktober 1944 im Alter von 16 Jahren verlassen. Seine Großeltern und Eltern hinterliessen ein größeres Haus in der Svetozar-Markovic-Straße, Landbesitz sowie Immobilien in Neusatz und Budapest im benachbarten Ungarn.
Etwa 80 % der Deutschen haben Werbass verlassen. Ich habe Werbass öfters besucht und komme immer gerne hierher sagt der vitale Deutsche, der selbst nach 60 Jahren nicht vergessen hat, kyrillisch zu lesen und zu schreiben, weil - wie er ausführte - sein Vater immer betonte, wenn man etwas erreichen möchte hierzulande, müsse man die Landessprache gut beherrschen. Herbert ist Abonnent der Werbasser Lokalzeitung GLAS, aus der er häufig Artikel übersetzt, die für die Werbasser in Deutschland und Übersee von Interesse sind.
Die einheimische Bevölkerung, die in den ehemaligen deutschen Häusern wohnt, hat die Türen für die unverhofften Gäste geöffnet.
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/ Neusatz, heute Rüsselsheim
Quelle: DNEVNIK (Tageszeitung von Novi-Sad/Neusatz)


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Bulkes-Besuch

Außer den oben im ungarischen "Magyar Szo" genannten 16 Orten wurde auch das ehemalige Bulkes besucht, allerdings ohne offizelle Anmeldung im Rathaus und nur von 3 Personen. Es handelte sich auch nur um einen privaten Besuche bei einigen serbischen Bewohnern, zu denen seit Jahren freundschaftliche Kontakte bestehen.
(Einzelheiten für Bulkeser Besucher dieser Webseite:
Linkes Bild: Kullmanns ehemaliges Haus, gehörte Martha Müllers Großeltern bis 1945 und ist heute noch im Besitz des serbischen Staates, da es für Käufer wegen seiner Größe zu teuer ist. Es steht in der früheren Zweiten Gasse HNr. 81 (heute heißt sie Cirtano Ul.) und ist eines der wenigen Häuser des früheren rein deutschen Dorfes, das in Architektur und Konstruktion noch im Originalzustand erhalten ist, - abgesehen von den bautechnischen Schäden.
Eine Urenkelin der ehemaligen Kullmann-Eigentümer, Henrietta Kullmann geb. in Zrenjanin, lebt in Belgrad und hat dort eine Apotheke - wie ihr Großvater vor dem Zweiten Weltkrieg in Kullmanns Haus. Der Eingang zur Apotheke war über Eck.
Unten rechtes Bild: In Stephans Haus, das völlig umgebaut ist und von der serbischen Familie Milos Quero nach dem Abzug der Griechen vom Staat erworben und völlig umbebaut wurde wurde.
Unten im rechten Bild von links nach rechts: Henrietta Kullmann, Ingeborg Stephan und Andja Quero.)


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Altker/Zmajevo-Besuch



Die Gruppe aus Altker mit Angehörigen





Empfang im Rathaus/Gemeindehaus durch den Bürgermeister von Zmajevo und seinen Stellvertreter, Herrn Pösutdragan;

Frau Rosi Wagner dankte im Namen der Altkerer für das herzliche Willkommen und die freundliche Einladung zum Mittagessen.






Im Kindergarten: Die 20 Altkerer überreichten im Kindergarten eine Spende von 460 Euro. Strahlende Kinder dankten mit einem fröhlichen Lied




Nach dem Besuch der Häuser - im Bilde das ehemalige große Geschäft von Heinrich Bolz - des Friedhofs und einem Spaziergang durch das Dorf holte uns der Bus wieder ab. Frohes Winken, Wehmut,
...es war eine Mischung von Gefühlen beim Abschied.



Stunden zuvor hatten Theissmanns eine schöne Begegnung mit dem serbisch orthodoxen Pope:

"Vor vielen Jahren, als wir unser Altker, weiß Gott nicht freiwillig, längst verlassen hatten, geschah in Altker Anrührendes.
1947 wurde unsere evangelische Kirche dem Erdboden gleich gemacht. Niemand von uns war da, um sich schützend vor das Gebäude zu stellen, das uns so viel bedeutete.
Niemand? Nein, es war anders: der serbisch orthodoxe Pope, wie wir in Altker geboren, demonstrierte am Morgen vor dem Abriss für den Erhalt unserer Kirche: "Das könnt ihr nicht machen, das ist ein Gotteshaus!" Es war für ihn bestimmt nicht ungefährlich, und dennoch hat er es getan. Er konnte zwar den Abriss nicht verhindern, aber er hat es versucht!!
Als ich vor Jahren von dieser Begebenheit hörte, hat sie mich sehr angerührt! Ich hatte die Geschichte fast vergessen - aber nur fast! Als ich jetzt im Oktober 2004 mit dem Hilfskomitee und 200 Donauschwaben eine Reise in die alte Heimat machte, holte sie mich auf sonderbare Weise wieder ein. Kurz vor der Busfahrt in die Heimatorte gab mir Frau Gutekunst, fast im Vorbeigehen, ein Paket mit den Worten: "Das ist Weihrauch, er wird in der Orthodoxen Kirche dringend gebraucht und ist in Serbien schwer zu bekommen und sehr teuer. Sie überlegten doch, was man als Geschenk in den Heimatort mitnehmen könnte. Bezahlen können Sie heute Abend oder zurückgeben, wenn er nicht gebraucht wird!"
Ich ging zu Herrn Heintz, der sehr gut serbisch kann und ließ mir sagen, wie Weihrauch auf serbisch heißt. In letzter Minute erreichte ich den Bus. Erst als ich im Bus saß, wurde mir bewusst, was für eine Möglichkeit sich hier für mich ergab, Dank abzustatten, für die gute Tat des Altkerer Popen vor 57 Jahren.
Mein Mann und ich gingen in Altker zur orthodoxen Kirche, leider war zunächst niemand da, dem wir unser Geschenk hätten überreichen können. Gerade als wir wieder gehen wollten, kam der junge Pope, der wahrscheinlich von der guten Tat seines Vorvorgängers gar nichts weiß. Ich hielt ihm unser Geschenk entgegen, sagte alles, was ich bei Herrn Heintz gelernt hatte, fügte noch hinzu, dass ich in Zmajevo (Altker) geboren bin und jetzt aus Deutschland komme. Er bedankte sich sehr, mehr mit Gesten, als mit Worten, denn sein Deutsch war ungefähr so gut wie mein Serbisch. Er zeigte uns seine Kirche, nahm uns mit in die Sakristei und schenkte uns eine Christus- und eine Marienikone.
Obwohl wir sehr protestantisch geprägt sind, haben die beiden Ikonen in unserer Wohnung einen Ehrenplatz bekommen!"
27.1.05

Paola Theissmann









Sechster Tag, 27.10.04

Vormittags: Besichtigung von Peterwardein.

Nachmittags: Ökumenischer Gottesdienst in der serbisch-orthodoxen Kirche zu Novi Sad, an dem die hohe Geistlichkeit der christlichen Konfessionen teilnahmen.

Ein Dankschreiben

AK Orthodoxe Kirchen, Alteburgstr. 97, 72762 Reutlingen


Seiner Eminenz
Bischof Irinej Mirko Bulović
(rechts im Bild)



Backa Eparhia
Vladicanski dvor
Gimnazijska 2
21000 Novi Sad
Serbien und Montenegro
Aktenzeichen 2004-11-26

Hochverehrte Eminenz,
in Jesus Christus geliebter Bruder!

"DU bist der Gott, der Wunder tut!"

Mit diesem Wort aus Psalm 77,15 (westliche Zählung) grüße ich Sie sehr herzlich. Mit großer Dankbarkeit blicke ich zurück auf das gemeinsame Gebet in Ihrer Kathedrale am Mittwoch, den 27. Oktober, dem Tag der Heiligen Parascheva. Für Ihre außergewöhnlich freundlichen und liebenswürdigen Worte danke ich Ihnen sehr herzlich! Sie haben die Herzen der Menschen erreicht, sowohl Ihrer Gäste aus Deutschland als auch diejenigen Ihrer Gemeinde aus Novi Sad. Mit Ihren Worten haben Sie den Wunsch der Menschen nach versöhnter und friedlicher Gemeinschaft erfüllt und die aufgewühlten Herzen getröstet. Somit sind Sie ein Bischof für uns alle geworden, die wir an jenem Tag in Ihrer Kathedrale versammelt waren. Das haben viele als ein Wunder empfunden. Besonders ist es denjenigen so ergangen, die als Knaben das Serbische Gymnasium in Novi Sad besuchten und somit Ihre Kathedrale und Ihren damaligen Vorgänger im Amt gut kannten. Sie konnten sich eine so liebevolle Aufnahme Ihrerseits und eine geistliche Ansprache eines evangelischen Geistlichen in Ihrer Kathedrale nicht vorstellen. Was sie jetzt erlebten, bekannten sie als ein Wunder. Dafür danke ich unserem himmlischen Vater, von dem wir gemeinsam bekennen, dass ER Wunder tut.

Gerne möchte ich an das Wort erinnern, dass mich bei meiner Ansprache leitete. Es sind die Worte aus Psalm 51,19 (westliche Zählung - der vierte Bußpsalm):

"Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott , nicht verachten".

Mit diesem Wort im Gedächtnis können wir uns der Vergangenheit erinnern und gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Für die Zukunft erhoffen sich die Nachkommen der Donauschwaben in Deutschland Ihren Rat hinsichtlich der künftigen

Verwendung der ehemaligen deutschen Kirchen und die Gestaltung der verödeten Friedhöfe. Die Verantwortlichen des Hilfskomitees sind, das wurde mir immer wieder versichert, an einer freundschaftlichen und liebevollen Gemeinschaft mit Ihnen und Ihrer Kirche mit allen Ihren Gemeinden interessiert. Mit dieser Voraussetzung kann ein Weg für eine friedvolle Gestaltung der Verbindungen zwischen unseren Völkern und Kirchen gefunden werden.

Grüßen Sie alle Priester und Diakone sehr herzlich, die an dem gemeinsamen Gebet teilgenommen haben, grüßen Sie alle Ihre Mitarbeiter in Ihrer Residenz, die Brüder und Schwestern, sowie ganz besonders auch den verehrten Abt des Klosters Kovil und meinen verehrten und geliebten Freund und Bruder in Christo Andreas Cilerdic.

Sehr herzliche Grüße senden Ihnen in großer Dankbarkeit auch die beiden Vorsitzenden des Hilfskomitees, Frau Hildegard Gutekunst und Herr Herbert Schön.

In der Liebe Christ verbunden grüßt Sie in herzlicher Liebe und mit Segenswünschen
Ihr
Manfred WAGNER




Abends:

Banovina: Empfang im Parlament der Vojvodina

Begrüßung durch den Vizepräsidenten Sandor EGERESI:

"...Wir haben bisher nicht die Möglichkeit gehabt, eine so große Gruppe von Donauschwaben herzlich willkommen zu heißen, besonders in dieser Anzahl wie heute...
Die tragischen Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg hatten zur Folge, dass sehr viele unserer deutschen Mitbürger gewaltsam verdammt wurden und diese Gegend verlassen haben...."

Der Geschäftsträger der Deutschen Botschaft in Belgrad, Herr BAIKER, führte u.a. aus:

"...Sie sind jetzt schon ein paar Tage in der Woiwodina gewesen. Heute Nacht macht Ihr Schiff die Leinen los und Sie kehren zurück nach Deutschland...Sie sind auf der Donau gekommen genau wie Ihre Vorfahren, als Maria Theresia/Joseph II. Sie gerufen hat, um nach den Türkenkriegen das verwüstete Land wieder aufzubauen...Die Lage der Minderheiten und die Annäherung Serbiens an die EU stehen hier auf der Tagesordnung...sehr gute Minderheitengesetze sind seit zwei Jahren in Kraft...seither bekennen sich ca. 4000 Bürger zu ihrer deutschen Herkunft...davon leben 90% in der Woiwodina...sie haben sich in 9 Vereinen - darunter einer in Belgrad - zusammengeschlossen...Leider sind sie untereinander so zerstritten, dass sie sich auf keinen Vertreter im Nationalrat einigen konnten...schlimmste Verbrechen der deutsche Besatzer sind der Terrorisierung der Donauschwaben vorausgegangen, woran die Gedenkstätten in Gakovo und anderen Orten erinnern...Deutschland hat die Errichtung des deutschen Zentrums in Subotica mit 170 000 EURO unterstützt...es soll ein Ort für alle Volksgruppen werden...Der EU-Gipfel hat auch für Serbien-Montenegro (S-M) eine Beitrittsperspektive eröffnet. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabgkommen wird vorbereitet. Die Schnelligkeit des Abschlusses hängt von folgenden Voraussetzungen ab: Kooparativer Umgang S-M mit dem Haager Tribunal und toleranter Umgang mit den Minderheiten. Sobald diese Ziele erreicht sind, wird Deutschland S-M wirtschaftlich nach Kräften unterstützen..."




Der Präsident des Parlaments, Herr ČANAK, sagte u.a.

"Meine Damen und Herren, liebe Freunde, ich begrüße Sie im Namen des Bundesparlaments der Vojvodina...

Im Parlament sind in den letzten 4 Jahren bisher verbotene Themen eröffnet und öffentlich diskutiert worden...das Schweigen über die Donauschwaben Jugoslawiens wurde beendet...ein derzeit wichtiges Ziel der demokratischen Parteien ist es, extrem-nationalistische Strömungen zu verhindern..."




Herr SCHÖN fasste zusammen:

"...als ich vor 5 Jahren in Kač war, bekam ich meine Geburtsurkunde und einen Raki dazu.... Seither sind viele Kontakte auf privater und öffentlicher Ebenene - wie nun auch auf der Ebene der evangelischen Kirche - eingereichtet worden,...mit vielen Küssen beim Kommen und Tränen beim Gehen.
Ich war 5 Jahre alt bei der Flucht und habe kein Problem über unser Schicksal zu reden...
Wir, die Vertriebenengeneration, haben uns in Deutschland zwar wirtschaftlich erholt, jedoch nicht seelisch...
Die Erinnerung an die Schrecken des Krieges bestehen wohl auf beiden Seiten, wenn auch wir dazu neigen, unser Schicksal als schlimmer zu sehen... die jungen Leute sind da unbefangener...
Wir wollen nicht auf altes Unrecht neues Unrecht setzen... wir wollen Wunden auf beiden Seiten schließen...
Wir sind als Christen gekommen, um mit Christen und Europäern zusammen zu kommen."














Banovina-Rückblick um 58 Jahre auf 1946:

(Die Banovina wurde 1935 erbaut und ist heute noch im Originalzustand gut erhalten, Architekt: Jovanović)



Ein kleines Mädchen vor der Banovina 1946:

Ingeborg Sander, 11 Jahre alt, "arbeitete" (fing Ratten und wurde dafür in der kommunistischen Presse abgebildet und gelobt) auf dem Dobanovcki-Puszta (der serbische Eigentümer ist 1941 von den Ungarn erschossen worden) bei Srbobran und wurde von einem mitfühlenden Partisanenoffizier (es gab mitunter auch gute Partisanen!) auf seiner Dienstreise mit nach Novi Sad genommen, damit sie nach über einem Jahr der Trennung ihre Mutter wieder sehen konnte.
Da die "blinde Passagierin" nur Bulkeserdeutsch sprach, durfte sie unterwegs, sobald andere Partisanen in der Nähe waren, nicht den Mund aufmachen, oder hätte sie sich als Svabica verraten und er, der Partisan am Steuer des Wagens, wäre von seinen eigenen Leuten bestraft worden.
Bei dieser Gelegenheit entstand dieses Erinnerungsfoto.

















Siebenter, 28.10.04

"Leinen los" für die Rückreise






Chor der Passagiere bei der täglichen Morgenandacht Pfarrer Wagners




Im Mittelpunkt einer seiner Predigten stand die von ihm geförderte Annäherung der Heimatortsgemeinschaft Miletitsch zum ehemaligen Heimatort Miletić










Vortrag von Robert Lahr/Eggenfelden

Generalbevollmächtigter der Fa Daimler-Benz i.R., Bereich Unimog, Osteuropa:

"Humanitäre Hungerhilfe für Donauschwaben, Entstehung, Durchführung, Erfolg."

Zu diesem Thema werden hier seine Ausführungen aus dem Rundbrief, den er zum Weihnachtsfest 2004 als Dank für die gewährte Lebenshilfe in die Heimat unserer Ahnen verteilt hat:

"...Da machten sich auch auf 7 Lastwagen - beladen mit 168.000kg Medikamenten, Kleidung und Lebensmittel im Oktober 2004.
Sie fuhren in die alte Heimat - Batschka und Banat und Srem, um auch den bedürftigen Donauschwaben etwas Licht und Wärme zu Weihnachten als Lebenshilfe in ihre Stuben zu bringen. Wenn dann dort in 2500 Haushalten unserer Landsleute die Gaben der Nächstenliebe - Not und Leid - etwas lindern, dann haben auch wir das Knie gebeugt vor dem Kind in der Krippe - welches für uns alle. als Erlöser auf die Weft gekommen ist. Dann haben einige warmherzige Landsleute, Geschäftsfreunde, Lebensmittelfirmen, Pharmazieunternehmen, Banken, Versicherungen und das Innenministerium Bonn, Abt. Vt, sowie viele andere, den Gedanken von Weihnachten und seinen Sinn begriffen. Weihnachten will, nach altväterweise, nicht im Rausch hoher Festlichkeit begangen werden. Je mehr man diese Tage besinnlich und innerlich erlebt, umso weihevoller sind sie.
Denken wir hierbei nur an die Hirten auf dem Felde von Bethlehem. Auch dort ist das Glück zuerst zu den Armen gekommen, zu den Anspruchslosen, zu den Bescheidenen. Denn wahres Glück, das wissen wir Älteren ja nur zu genau, liegt nicht im strahlenden nach außen hin, es muß uns weit mehr innerüch erfüllen, dann macht es uns wirklich froh. Wird Weihnachten sein wie immer?

Stille Nacht - Heilige Nacht - Weihnacht

Ich wünsche Ihnen, auch im Namen der Donauschwaben in der alten Heimat, frohe Festtage, Gottes reichen Segen, Friede auf Erden, allen Menschen die guten Willens sind, Gesundheit sowie Wohlergehen im neuen Jahr und Danke für die gewährte Lebenshilfe in die Heimat unserer Ahnen.
Mit weihnachtlichen Grüßen
gez. Robert Lahr


Ihr Landsmann Robert Lahr aus Kuczura Sonderbeauftragter
"Humanitäre Hilfe Donauschwaben" Im ev. Luth. Pfarramt,
Landshuter Str. 52, 84307 Eggenfelden

Im übrigen: Für eine Spende ist es niemals
zu früh und auch niemals zu spät.
Konto 33860 Humanitäre Hilfe " Donauschwaben"
bei der Sparkasse Rottal-Inn, BLZ 74351430

Auslandsüberweisungen unter IBAN DE96 7435 1430 0000 0338 60!!








Vortrag von Dr. Zoran JANJETOVIĆ


Historiker des INSTITUTS FÜR NEUERE GESCHICHTE SERBIENS, Belgrad Fach: Nationale Minderheiten in Jugoslawien 1918- 1948 Thema: Donauschwaben und Serben - ein Überblick.

"Zoran Janjetovic:

Die Donauschwaben und Serben - ein Überblick ihrer Beziehungen

Zu ersten Kontakten zwischen Deutschen und Serben kam es Ende des XII. Jahrhunderts als Friedrich Barbarossa mit seinen Kreuzrittern durch Serbien zog und in Niš den damaligen serbischen Herrscher Stefan Nemanja traf. Bald danach finden wir sächsische Bergleute in serbischen und bosnischen Bergwerken. Während der Frühneuzeit gab es zeitweilige Berührungen vor allem durch kaiserliche Diplomaten oder deutsche Kaufleute die durch Serbien ins Osmanische Reich reisten. Nach der türkischen Eroberung kamen auch die geflüchteten Serben, die die kaiserliche Militärgrenze in Kroatien besiedelten, in Kontakt mit deutschen Beamten und Offizieren. Diese Kontakte waren nicht immer erfreulich und haben teilweise schlechte Erinnerungen bei den Serben hinterlassen. Sie waren aber Kontakte mit Einzelpersonen, die ja die staatliche Macht vertraten.

Zu den ersten Kontakten zwischen "einfachen Leuten" der zwei Völker kam es in größerem Umfang erst bei der Ansiedlung der Donauschwaben in das kurz davor befreite Südungarn, das später als die Vojvodina bekannt wurde. Die Deutschen wurden als Bauern und Handwerker angesiedelt, um die Wirtschaftskraft der neuangegliederten Gebiete zu steigern. Sie waren nicht die einzigen Kollonisten, die ins Gebiet kamen, und auch die Mehrheit der Serben ist erst kurz vor ihnen dort aus Serbien und Kosovo eingewandert.
Die Begegnung war nicht unbedingt freundlich. Als ältere Bevölkerung, mussten die Serben oft Häuser für die Kolonisten bauen, die Felder vorbereiten oder die Angekommenen in ihre Häuser aufnehmen. Aus mehreren Orten wurden die Serben ausgesiedelt, um für die Deutschen Platz zu machen. All dies hat gewisse Missstimmung hervorgerufen. Zugleich muss man auch sagen, dass die Sachen trotzdem nicht so schlimm waren: die Serben waren sowieso ziemlich beweglich und oft Halb-Nomaden. Ihre Häuser waren einfach und billig. Außerdem, sowohl für sie, als auch für ihre Felder und ihre Arbeit bekamen sie Entschädigung oder Ersatz.

Wahrscheinlich entstanden ernstere Konflikte aus unterschiedlichen Lebensweisen der Einheimischen und Ankömmlingen. Die Serben (und Rumänen) trieben vor allem extensive Viehzucht; die Deutschen waren überwiegend Ackerbauer. Die Serben brauchten viel Land für ihre Herden und oft achteten sie nicht auf die Saaten der Schwaben. Überdies, im Banat existierte eine starke serbische Vieh-Großhändlerlobby, die manchmal die Kolonisation der fremden Bauern zu stoppen vermochte. Letztendlich waren die Interesse des Hofes maßgebend: die Viehzüchter mussten almählich zurücktreten, und zwar nicht nur buchstäblich. Im Kontakt mit den Donauschwaben, gingen nach und nach auch die Serben überwiegend auf den Ackerbau über. Dies war auch eines der Ziele der Herrscher, die den Ertrag aus der Landwirtschaft erhöhen wollten: die Rolle der Deutschen war nicht nur, den Boden zu kultivieren, sondern auch den "Nationalisten" (wie man Serben und Rumänen zu nennen pflegte), die neuste landwirtschaftliche Technik zu vermitteln. Dies beweist, dass die Obrigkeiten nicht die Schwächung oder gar Eliminierung der einheimischen Bevölkerung vor Augen hatten, sondern dass sie eher an eine Symbiose im Interesse des Staates dachten.
Und zu dieser Symbiose kam es tatsächlich in vielen Orten und auf verschiedenen Ebenen. Vielleicht ist das beste Beispiel dafür die sogenannten "Kolonistenhäuser" (s.Stampfhaustyp). Ihr Prototyp stammte von den Serben, die in Südungarn einen Typ der niedrigen Halb-Erdhütte (s.Serbisches Dorf in Syrmien 17.jhd.) mit einem Vordach bewohnten.



Man kann aber sagen, dass in den meisten Dingen die Deutschen die Lehrer und die anderen Nationalitäten (darunter auch Serben) Schüler waren. Man darf aber auch nicht vergessen, dass letztendlich die kaiserliche Obrigkeit über alles entschied: die Deutschen waren dort ein nützliches Bindeglied, das die entwicklerischen Absichten des absolutistischen Staates an Ort und Stelle realisieren und die Massen der "Nationalisten" in die richtige zivilisatorische Bahn bringen konnte.
Damit kommen wir zur wichtigen Frage, die in nationalistischen Historiographien (vor allem in serbischer und ungarischer) oft aufgegriffen worden war. Es handelt sich um die Beschuldigung, dass der Wiener Hof mit der Ansiedlung der Donauschwaben die Serben bzw. Magyaren zahlenmäßig und wirtschaftlich schwächen, oder sogar germanisieren wollte. Dies stimmt nicht. Vor allem, im XVIII Jh. dachte man nicht "national" wie heutzutage. Außerdem wurden nicht nur Deutsche angesiedelt und viele nicht-deutsche Landbesitzer kolonisierten tüchtige deutsche Bauern auf ihren Ländereien. Die Ziele der Ansiedlung waren wirtschaftlich und teilweise strategisch: man wollte die Grenzgebiete gegenüber der Türkei wirtschaftlich und militärisch stärken. In Erfüllung dieser Aufgabe kamen den verschiedenen Völkerschaften verschiedene Rollen zu: die Serben wurden als Soldaten bevorzugt, die Deutschen und Slowaken als Ackerbauer. Darum wurden manchmal die Serben aus Ackerbaudörfern zu Gunsten der Deutschen ausgesiedelt, und manchmal die Deutschen aus den Dörfern in der Militärgrenze zu Gunsten der Serben. Das längere Nebeneinander und oft Miteinander, die Änderung der Lebensweise der Serben, die Interventionen der Behörden, und die Schwierigkeiten des täglichen Lebens (Hunger, Pest, Türkeneinfälle) haben almählich für friedliche Beziehungen gesorgt.
Die Beziehungen blieben fast ungestört bis zur Revolution 1848. Damals kam es zur unterschiedlichen Einschätzung der Situation, die aus verschiedenen Weltanschaungen entstanden war. Die Serben waren national bewusster als die Donauschwaben, die aus unterschiedlichen Gegenden stammend, teilweise unterschiedliche Dialekte sprechend und in zwei Kirchen gespalten, ihr Nationalbewusstsein erst aufzubauen hatten. Die Serben waren sich gleich der Gefahr bewusst, die der magyarische Nationalismus für die anderen Völker Ungarns darstellte. Die Deutschen nicht: sie waren hauptsächlich an dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Emporkommen interessiert, und national noch nicht wach. Sie hörten sich nur die liberalen Ideen der Magyaren an, die die Erfüllung ihrer Wünsche zu verwirklichen versprachen. Zugleich waren die Serben nicht nur national bewusst, sondern manchmal auch intolerant und gewalttätig, und teilweise (wenn es um die lokale Führung und Einheit ging) undiszipliniert und nicht im Stande für die Ordnung auf dem Territorium, das sie kontrollierten, zu sorgen. Darum sympathisierten die Donauschwaben eher positiv mit den Magyaren, - obwohl stets auf ihr Hab und Gut, Ruhe und Ordnung bedacht. Nur wenn sie dazu gezwungen wurden, nahmen sie an den Kämpfen aktiv teil. (So z.B. in Weißkirchen, wo sie die Stadt gegen den serbischen Angriff verteidigten, - was sich die Magyaren als Ruhmestat in ihre Militärgeschichte einbuchten.) So wurden in mehreren Ortschaften die Beziehungen durch die stürmischen revolutionären Ereignisse gestört.
Die ungarische Revolution war für die Donauschwaben auch wichtig wegen der ersten Manifestation ihres politischen Reifens. Nach der Niederwerfung der Revolution sammelten sich die donauschwäbische Vertreter der Banater Gemeinden und verabschiedeten die (jetzt berühmte) Bogaroscher Petition, in der sie, dem serbischen Beispiel folgend oder den serbischen Bestrebungen nach einer autonomen Wojwodschaft entgegentretend, die Autonomie des Bants verlangten. Daraus ist nichts geworden (wie aus der serbischen Wojwodschaft), aber das Beispiel zeigte, dass, obwohl im materiellen Bereich die Schwaben auf die Serben einwirkten, im politischen Bereich die Situation umgekehr war. Sie wird sich wiederholen am Ende des Jahrhunderts, als serbische und rumänische Nationalkämpfer das Vorbild, für die freilich viel weniger zahlreichen, donauschwäbischen nationalen Erwacher waren.
Unter dem Absolutismus gestalteten sich die Beziehungen kühler als vorher. Deutsch wurde zur Amtssprache und die auf deutsch amtierende Beamten (gewöhnlich polnischer, tschechischer oder slowenischer Herkunft) wie das absolutistische Regime, erweckten anti-deutsche Sentimente unter der nicht-deutschen Bevölkerung. Die Fehler einer deutschsprachigen Bürokratie wurden der deutschen Bevölkerung angelastet. In den 1850-er Jahren, kam es zur seltsamen Annäherung zwischen Serben und Magyaren, die allerdings nur so lange dauerte wie die Magyaren daran interessiert waren. (Sobald sich ihre Autonomie am Horizont abzeichnete, zeigten sie den Serben den Rücken.) Die donauschwäbische Bevölkerung konnte sich aber leichter mit dem Absolutismus abfinden: sie hatte fast keine nationalen oder politischen Bestrebungen und das Regime ermöglichte eine friedliche (und ganz wesentliche) Wirtschaftsentwicklung, jetzt ohne Hindernisse des alten feudalen Systems. In dieser Epoche konnte ein Teil der Donauschwaben ihren wirtschaftlichen Vorsprung anderen Nationalitäten gegenüber vergrößern, was zu nationalen Spannungen in der Zukunft führte.
In 1867 wurde der österreich-ungarische Ausgleich geschlossen. Wie mit dem Absolutismus, und zwar aus gleichen Gründen, konnten sich die Donauschwaben leichter abfinden als die Serben oder Rumänen, die ihre Nationalität bedroht sahen. Dies zeigte sich auch anlässlich der Abschaffung der Militärgrenze die jahrhundertelang einem Teil der Bevölkerung einen Sonderstatus garantierte: die Deutschen, die teilweise in den Grenzorten lebten, begrüßten die Einverleibung in Ungarn weil sie bessere Wirtschaftschancen darin erblickten, während die Serben (und Rumänen) dagegen waren, um ihre Nationalität bangend. Die Abschaffung der Grenze wurde aber als ein Geschäft zwischen dem Herrscher und der magyarische Elite vollzogen: die Bevölkerung wurde nicht befragt, so dass die politische und nationale Leidenschaft nicht aufflackern konnte.
Die Entwicklung unter dem Dualismus streute aber den Samen für künftige Spannungen aus. Aus verschiedenen Gründen, entfalteten die Donauschwaben ihre Wirtschaft erfolgreicher als die Serben und andere Nationalitäten, ihr Landbesitz ausdehnend zum Nachteil des Landbesitzes anderer Nationalitäten. (Dies war besonders auffällig in Slawonien und teilweise in Syrmium, wo die ruinierten slawischen Bauern ihr Land spottbillig an die deutschen Ansiedler verkauften.) Dies erzeugte soziallen Neid und Hass, was leicht als national umgedeutet werden konnte. Andererseits, leisteten die Deutschen, zum Unterschied von Serben und Rumänen, fast keinen Widerstand gegen die immer stärkeren Magyarsierungstendenzen. In vielen Orten ließen sie ihre Schulen magyarisieren, die reichen donauschwäbischen Bauern schickten ihre Söhne in die magyarischen Schulen und an magyarische Universitäten. Die deutschen Aufsteiger traten in die Reihen der ungarischen Bürokratie und Intelligenz ein, ihr eigenes Volk vergessend oder sogar verfolgend. Die breiten Massen der Donauschwaben sind durch magyarisierte Schulen, Kirchen, gesellschaftlichen Einfluß, aber auch durch Jahrzehnte des verhältnissmäßigen Wohlstands, stark ungarnfreundlich geworden. Die Serben dagegen, führten einen immer zäheren Kampf, um ihren Besitz und ihre Nationalität zu erhalten. Im Wirtschaftskampf waren die Deutschen ihre größten Nebenbuhler, im politischen die Magyaren.
Da die Serben und Rumänen in Südungarn so national aktiv waren, ist es kein Wunder, dass die ersten donauschwäbischen nationalen Erwecker in diesen ethnisch gemischten Gebieten erschienen. Das Zusammenleben mit den Serben (und Rumänen) ermöglichte in einer Gegend, in der die Magyaren nur eine Minderheit der Gesammtbevölkerung ausmachten, mit national, aber auch wirtschaftlich vorhandenem (Klein)Bürgertum, das Entstehen der donauschwäbischen Nationalbewegung in Ungarn Ende des 19. Jahrhunderts. Zugegebenermaßen, sie war nie sehr stark: die breite Masse der Donauschwaben blieb nach wie vor ungarnfreundlich und apolitisch. Aber das erscheinen einer kleinen Gruppe nationalbewußter Intelektuellen, hatte große Folgen für die Zukunft. Es ist auch wichtig zu betonen, dass diese Leute nicht nur das serbische und rumänische Beispiel nachahmten, sondern dass sie auch in mehreren Fällen mit serbischen und rumänischen Führern zusammenarbeiteten und mit ihnen freundliche Kontakte hatten. (Es gab mehrere Meetings, bei denen die donauschwäbischen Vertreter neben serbischen, rumänischen oder slowakischen auftraten; manche deutsche Führer wurden mit serbischen oder rumänischen befreundet, was besonders auf der lokalen Ebene wichtig war.)
Der Erste Weltkrieg drohte wieder die ruhige nachbarliche Beziehung zu stören: die Serben wurden als Unruhestifter bezichtet und oft verfolgt. Die Donauschwaben dagegen sympathisierten mit ihrem Herrscher und dem "ungarischen Vaterland". Obwohl es Fälle gab, wo donauschwäbische Beamten die Serben misshandelten, oder wo sich die Deutschen als illoyal gegenüber ihren serbischen Nachbarn zeigten, waren solche Fälle verhältnismäßig selten. Es gab ja auch die umgekehrten Beispiele, wo Deutsche Serben in Schutz genommen haben, was ermöglichte, dass die freundschaftlichen Netzwerke den Krieg überlebten und nachher eine Rolle spielten.
Im Herbst 1918 ging die Habsburgermonarchie zugrunde. Die Serben erwarteten die Vereinigung mit Serbien, und machten auch Vorbereitungen dafür. Die Mehrheit der Donauschwaben, dagegen, wollte eher bei Ungarn bleiben: die Jahrzehnte der Magyarisierung, der Glanz des tausendjährigen Stephansreiches und der ungarischen Elite waren dabei maßgebend. Vielleicht war dies einer der Gründe, dass es (zum Unterschied von den Ortschaften anderer Nationalität - vor allem aber der Serben und Rumänen) in den Umbruchstagen in fast keinem deutschen Dorf zu Plünderungen gekommen worden ist. War dies nur Ordnungs- und Besitzliebe oder eine politische Einstellung? Es ist schwer zu sagen, weil nicht nur Serben und Rumänen, sondern auch arme Magyaren an Plünderungen teilgenommen hatten. Die Opfer dagegen waren vor allem Juden, aber auch die reichen Deutschen und Magyaren. Konnte man daraus den Schluss ziehen, es handelte sich um eine Art Nationalabrechnung als Folge der sehr schlechten ethnischen Beziehungen? Ich glaube nicht. Obwohl die Situation ziemlich chaotisch war, ist es unmöglich, die Habgier als Hauptbeweggrund zu leugnen. In verschiedenen Orten wurden Nationalgarden gebildet, die für Ruhe und Ordnung Sorge tragen sollten, die teilweise national gemischt, und teilweise einheitlich national waren, die aber oft über die ethnischen Grenzen hinweg, zusammenarbeiteten, wenn es um die Erhaltung der Ordnung ging. Außerdem, wenn es sich um eine nationale Rache handelte, wurden die Magyaren, und zwar alle, als Hauptzielscheibe angesehen. Dies war aber nicht der Fall.
Die nationalen Ziele der Serben und der Mehrheit der Donauschwaben waren also in 1918 divergierend. Obwohl die Serben, mit der Hilfe der serbischen Armee die Macht an sich gerissen hatten, war es die Friedenskonferenz, die die eigentlichen Grenzen gezogen hatte. Dies und gewisse Erleichterungen auf dem Gebiet des Schulwesens, ermöglichten den Donauschwaben sich mit dem neuen Staat abzufinden. Sie waren sowieso überwiegend an der Wirtschaft interessiert, obwohl der Erste Weltkrieg ihr Nationalbewusstsein teilweise erweckt hatte.
Im neuen Staat übernahmen die Serben die Rolle der Deutschen im Habsburgerreich: sie waren nicht immer so federführend als die andere Nationalitäten das vernahmen, aber wegen der Rolle in der Bürokratie, Armee und wegen des Herrscherhauses, wurden sie für alles Schlechte im Staat verantwortlich gemacht. Und da vieles nicht in Ordnung war, war es leicht den Serben die Schuld zuzuschreiben, besonders da sich manche Hitzköpfe ihre neugewonnene nationale Freiheit zu intensiv auszuleben trachteten, die Rechte und Empfindlichkeiten anderer missachtend.
Jugoslawien war kein Rechtsstaat und die ganze Bevölkerung musste darunter leiden, und die nationalen Minderheiten ganz besonders. Die Situation der Minderheiten war aber sehr unterschiedlich, und so unterschiedlich war auch manchmal die Situation einer gleichen Minderheit in verschiedenen Landesteilen. Die Deutschen waren in dieser Sonderlage: ihre Lebensbedingungen waren viel schlechter in Slowenien oder sogar Slawonien, als in der Vojvodina. Der Grund lag nicht in etwa größerer Toleranz der Serben, sondern in objektiven Umständen die dort vorherrschten. Erstens, hatten die Serben und sogar Slawen, keine Mehrheit in der Provinz. Zweitens, die Magyaren, und nicht die Deutschen wurden dort (zum Unterschied von Slowenien) als Hauptgefahr betrachtet. Am Anfang wollte man andere Nationalitäten von den Magyaren trennen. Darum bekamen die Donauschwaben in den ersten Nachkriegsjahren deutsche Schulen, bzw. Klassen; darum konnten sie ihren

"Schwäbisch-Deutschen-Kulturbund"



gründen, mit allen anderen Organisationen, die aus ihm hervorgewachsen waren. Die Gunst der Behörden dauerte aber nicht lange, und bald mussten die Donauschwaben vieles über sich ergehen lassen. Ihre Lage blieb aber besser als im Vor- oder Nachkriegsungarn, wenn man die politischen Einflußmöglichkeiten und das Schulwesen betrachtet. Auch der Kulturbund konnte, trotz der Hindernisse, eine verhältnismäßig starke, und durchaus wichtige Tätigkeit entfalten. Die Wirtschaft konnte unter den schweren Nachkriegsbedingungen nicht so florieren wie vor dem Krieg, aber so war die Situation allgemein. Die Donauschwaben verloren durch die Agrarreform wenig als Enzelbesitzer/Bauern und ihre Gemeinden auch nicht allzu viel. Aber die armen Donauschwaben haben durch die Agrarreform nichts gewonnen, während sie ihr Brot verloren, das sie vorher auf den Großgrundbesitzen verdienten. Als Volksgruppe, konnten sie sich trotz allem, wirtschaftlich behaupten, und sogar etwas Land von Andersnationalen kaufen. Ihre Lage war also nicht unerträglich, obwohl sie viel zu wünschen übrig ließ.
Das wichtigste Ergebnis des Lebens in Jugoslawien war das almähliche nationale Erwachen, besonders der jüngeren Generationen, die keine ungarische Ausbildung genossen und keine persönliche Erfahrung mit dem Leben unter der Stephanskrone gemacht hatte. Dies wurde aber dadurch gefährlich, da es sich zur gleichen Zeit ereignete, als der Nazi-Einfluß in Deutschland und Österreich wuchs. Die jungen Intelektuellen, die an deutschen und österreichischen Hochschulen studierten, brachten NS-Gedankengut nach Jugoslawien und versuchten es zu benutzen, um die alte Minderheitenführer, die sie als uneffektiv und korrupt betrachteten, zu beseitigen und die Lage der Volksgruppe mit stärkerer Anlehnung an Deutschland zu verbessern. In diesem innerdeutschen Kampf lavierten die jugoslawischen Behörden, um die deutsche Minderheit zu schwächen und das immer mächtiger werdende Hitler-Reich nicht zu ärgern. Die manchmal provozierenden Manifestationen des neuen Geistes störten aber die interethnische Beziehungen.
Bis zur Radikalisierung der allgemeinen deutschen Innen- und Außenpolitik, die zum Krieg führen sollte, konnten die jungen Intelektuellen nicht den Sieg davontragen. Erst mit der Unterstützung aus dem Reich 1938/39, konnten sie ans Ruder kommen: Deutschland führte zwar eine friedliche und freundliche Politik gegenüber Jugoslawien, wollte aber die deutsche Minderheit im Lande (wie überall in Europa) unter seiner Kontrolle haben.
Es stellt sich die Frage, ob die Deutschen in Jugoslawien, und besonders die Donauschwaben in der Vojvodina, eigentlich nazifiziert worden waren. Es gibt keine festen Beweise, aber man kann mit ziemlich großer Sicherheit vermuten, dass die Antwort negativ ausfallen muß. Die einfachen und praktischen Bauern waren schlecht geeignet als Konsumenten einer abstrusen Ideologie, die über Rassenwahn und Ähnliches faselte. Die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage war ganz anders als in Deutschland (es gab mehr Bauern als Stadtbewohner, ein großer Teil der Donauschwaben war nach wie vor ungarnfreundlich, die Massen waren noch immer ziemlich religiös, die Reicheren waren konservativ und friedlich usw.) Die äußere Gleichschaltung der volksdeutschen Organisationen und die Schreibweise ihrer Presse provozierten aber die nationalgesinnten (aber auch die links-orientierten) Serben. Darum war die Situation in den letzten Vorkriegsjahren gespannt, obwohl überwiegend ruhig.
Zum deutschen Angriff auf Jugoslawien kam es wegen der Gründe, die nichts mit den Donauschwaben zu tun hatten. Auch die Rolle der Volksdeutschen war im Aprilkrieg bei weitem nicht so bedeutend wie die kommunistische Historiographie es nachträglich zu malen versuchte. Es gab fast keine Ausschreitungen gegen die Deutschen (über die die deutsche Propaganda berichtete), und die bewaffneten deutschen Gruppen hatten nur hie und da offensive Aktionen unternommen. Man konnte aber nicht leugnen, dass die Donauschwaben mit Begeisterung die deutschen Soldaten begrüßten: dies war die Folge des zugenommenen Nationalbewusstseins, das von der deutschen Propaganda und vor allem von den außenpolitischen Erfolgen Deutschlands genährt worden war.
Nach der Niederlage Jugoslawiens, wurde die Vojvodina verteilt: Syrmium wurde an Kroatien gegeben, die Batschka mit Ungarn wiedervereinigt und das Banat blieb beim okupierten Serbien als autonomes Gebiet, in dem die volksdeutschen Führer die Hauptrolle spielten. In Syrmien konnten die Deutschen mit den Kroaten die Macht teilen. Sie benutzten dies oft, um den verfolgten Serben zu helfen. In der Batschka, waren sie fast ebenso machtlos wie die Serben, obwohl sie mit Enthusiasmus den deutsche Kriegseinsatz unterstützten - besonders in den ersten Kriegsjahren. Im Banat trugen sie die größte Verantwortung, was manchmal zum Amtsmissbrauch führte. Sie waren dort bevorzugt, aber die Serben konnten trotzdem Beamtenposten bekleiden. Außerdem, hatten die Deutschen auch die größten Verpflichtungen.
Die wichtigste war ja der Militärdienst. Wie freiwillig man ihn leistete, ist eine große Frage. In der Batschka konnte man beobachten, wie die Begeisterung almählich abflaute, bzw. man konnte schon am Anfang sehen, dass viele "Freiwillige" eigentlich ganz irdische Motive hatten. Ähnlich war es vermutlich anderswo. Die Kriegsverbrechen, die die volksdeutsche Einheit hie und da begangen hatte, wurden nach dem Krieg übertrieben und mit den Verbrechen der anderen verschmolzen, während die Verbrechen anderer Kriegsparteien verschwiegen wurden. Das Verhalten der Donauschwaben war eigentlich nur ein Vorwand, um der deutschen Volksgruppe ledig zu werden.
Die Träger der Idee der Eliminierung der deutschen Minderheit waren nationalistische Politiker, und zwar nicht nur serbische. (Es scheint, dass unter den "bürgerlichen" Politikern die slowenischen eigentlich wichtiger als die serbischen waren; teilweise weil sie Kontakte zu den Kommunisten hergestellt hatten.) Die Vollstrecker aber waren die Kommunisten, die lange auch die deutsche Bevölkerung für sich gewinnen wollten. Wann die Entscheidung darüber getroffen wurde, wissen wir nicht ganz genau. Wir wissen auch nicht, wer die Hauptbefürworter so einer "Lösung" waren. Allerdings, es steht fest, dass die Entscheidung in höchsten Kreisen der kommunistischer Führung getroffen wurde, und zwar für ganz Jugoslawien, unter Teilnahme kommunistischer Führer verschiedener Nationalitäten - darunter auch serbischer.
An den Verbrechen, Plünderungen, Erschießungen und Misshandlungen im Herbst 1944 und während der Lagerzeit bis 1948 haben ja manche Serben eine schmachvolle Rolle gespielt und dadurch mehrfach manche böse Taten mancher Donauschwaben aus der Kriegszeit vergolten. Es gab auch solche Serben (und Andersnationale), die ihren ehemaligen Nachbarn helfen wollten. Da dies damals schwer und sogar gefährlich war, ist es schwer zu sagen, wieviele Serben mit den Donauschwaben während ihres Leidensweges sympatisierten. Die neue kommunistische Regierung aber benutzte das donauschwäbische Vermögen, um die Loyalität der überwiegend serbischen Kolonisten (zum gößten Teil Partisanen aus Bosnien, der Herzegowina und Montenegro) zu erkaufen, die wenig oder nichts über die Leute in deren Häuser sie gekommen sind, wussten. Erst in den 1990-er Jahren begannen ihre Nachkommen Interesse für das Thema zu zeigen. Auch die ehemaligen Nachbarn dürfen jetzt freier über die zweihundertjährigen Beziehungen der Serben und Donauschwaben diskutieren. Wenn es ein Trost sein kann, der kommunistische Mythos vom "bösen Schwaben" wird heutzutage schneller demontiert als mancher andere. Gleichzeitig, muss man auch zugeben, dass das Thema Donauschwaben für die Mehrheit der serbischen Bevölkerung in der Vojvodina auch nicht sehr interessant ist: der tägliche Kampf ums Überleben und die bewegte Geschichte seit 1948 haben das Schicksal der Donauschwaben in der öffentlichen Diskussion weitgehend zurückgedrängt. Auch die nationale Radikalisierung eines Teiles der Bevölkerung trägt nicht dazu bei, dass ihm mehr Aufmerksamkeit in den Medien gewidmet wird."

Anmerkung:
Nach einer vorausgegangenen Anfrage hat Herr Janjetovic mit folgender E-Mail der Veröffentlichung seines Vortrages zugestimmt:
"Sehr geehrter Herr Stephan,
vielen Dank für Ihre Mail. Ich schicke Ihnen gerne den Text meines Vortrags. Meine einzige Bitte wäre, ihn vor der Veröffentlichung auf der HP, grammatisch zu verbessern, wo es nötig ist. Als Historiker bin ich immer froh, wenn ich ein breiteres Publikum ansprechen kann, da ich finde, dass die Arbeit eines Historikers nur dann ihren wahren Sinn hat: Keine Wissenschaft kann wegen ein paar Fachleuten existieren. Und wenn die Geschichtsschreibung zur Versöhnung und zum besseren Verständnis der Völker beitragen kann, bin ich besonders zufrieden.
Ich wünsche Ihnen alles Gute im Neuen Jahr und hoffentlich noch einige Reisen in die alte Heimat.
Mit freundlichen Grüßen
Zoran Janjetovic "




Achter Tag, 29.10.04

Dr. Bernhard LAMERS, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Außenstelle Belgrad/Serbien Montenegro (SM)
www.kas-bg.org
Als Thema seines Referates - auf der Rückreise zwischen Budapest und Komarom - wählte er:

"Perspektiven für Serbien und Montenegro aus der Sicht Deutschlands"



Im Bild von links nach rechts:
Dr. Bernhard Lamers, Herbert Schön und Hildegard Gutekunst


Die KAS leistet mit ihrer Arbeit in Belgrad einen Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zu Deutschland.
Zu dieser politischen Tätigkeit gehört die Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im ehemaligen Jugoslawien. Die KAS unterhält von der Zentrale in Belgrad ausgehend Außenstellen in Zagreb, Sarajewo und Skoplje und ist in diesen Ländern/Regionen DIALOG - Partner der Europäischen Volksparteien (EVP).
Siehe EXKURS: Parteienlandschaft und Wahllisten
Die Demokratische Partei DSS, Vors. Vojislav KOSTUNICA, die Mitte-rechts, konservativ, national orientiert ist, Beobachterstatus bei der EVP hat und von der KAS unterstützt wird. Ministerpräsident ist derzeit Miroljub LABUS von der G17 Plus, die auch Beobachterstatus bei der EVP hat und als Zentrumspartei wirtschaftsliberal orientiert ist.
Dann gibt es noch die Demokratische Partei Serbiens DS, deren Vorsitz seit der Ermordung von Zoran DJINDJIC verwaist ist. Stv. Vorsitzender und Verteidigunsminister ist Boris TADIC. Diese Mitte-links-Partei hat Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationalen, deren DIALOG-Partner analog der KAS die Friedrich-Ebert-Stiftung ist und von dieser unterstützt wird.
Ministerpräsident LABUS wurde von der KAS nach Deutschland eingeladen zu Gesprächen mit Außenminister FISCHER und Wirtschaftsminister CLEMENT.
Vor den letzte Wahlen in Serbien waren Vertreter der G17 PLUs-Partei zum politischen Training bei der KAS in Deutschland. Ebenso befand sich auf Initiative der KAS eine überparteiliche Delegation aus Serbien zu einer Informationsveranstaltung in Deutschland. Thema: "Wie kann die Arbeit der Geheimdienste besser kontrolliert werden?"
Solche Zusammenarbeit (Schulungen/Infos) mit serbischen Politikern nimmt von Woche zu Woche zu. Es ist ein holperiger Weg mit vielen offengelegten Wunden im 5. Jahr der Demokratisierung, der Transformation vom Kommunismus zur Demokratie. In diesem Prozeß der Annäherung an unsere demokratischen Verhältnisse spielen die Kirchen (z.B. das Hilfskomitee für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien e.V.) und die verschiedenen Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle.
Offene Fragen: Religionsunterricht in den Schulen Serbiens; Vergangenheitsbewältigung im Sinne von Gustav HEINEMANNs These von "Verantwortung und Scham"; Serben reden über ihre Verdrängung aus dem Kosovo, aber nicht darüber, was 1945 mit den Donauschwaben geschah; serbische orthodoxe Kirche zerfällt in viele Richtungen.
Finanzielle und organisatorische Unterstützungsprojekte der KAS: Tagung der evangelischen und der Orthodoxen Kirchen in Deutschland: "Symposion über den Weg der Orthodoxie in Europa" mit Beteiligung von Frau LAMERS, der früheren Kulusministerin von Mecklenburg-Vorpommern.
Unterstützung des Ministeriums für ethnische Minderheiten zur Anerkennung eines Toleranzdokuments, das die Rechte der Minderheiten von Srebrenica über Skoplje bis Novi Sad gewährleistet.
Im Kosovo wurde ein Treffen rivalisierender Gruppen organisiert, um das weitere Zusammenleben zu regeln.
Für Montenegro wurde eine Parlamentarierberatung in Partnerschaft mit Mecklenburg - Vorpommern eingerichtet.
Es gibt Richterschulungen und Seminare zum Thema Frauen und Politik. Im gleichen Sinne sind im Kosovo viele internationale Organisation für die dort lebenden Serben, Türken und Albaner tätig.
Eine ethnisch gemischte Bürgermeisterdelegation wurde für November nach Deutschland eingeladen zur Fortbildung hinsichtlich kommunalpolitischer Themen.
Dies alles geschieht zur Vorbereitung Serbiens und Montenegros auf ihrem voraussichtlich getrennten Weg nach Europa.
Das kostet zwar einiges, aber bei weitem nicht soviel wie die Friedensmission unserer Bundeswehr im Kosovo: 1 Milliarde EURO pro Jahr!
[Erhard Busek, EU-Beauftragter: Europäische Staaten und Organisationen haben in den letzten 5 Jahren 25 Milliarden EURO in Südosteuropa für die Kriegsfolgenbeseitigung und die militärische Friedensmission investiert.]
Angesichts von 60-70% Arbeitslosigkeit in SM geht es darum nationalistische Strömungen, die erfahrungsgemäss im Bürgerkrieg enden, rechtzeitig mit friedlichen Mitteln zu verhindern.


Bereits lange vor der Konrad-Adenauer- und der Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich ein großer Deutscher für Serbien interessiert: Johann Wolfgang von Goethe wollte serbisch lernen, um den Kosovo-Zyklus im Original zu lesen. (Rechts im Bild: Goethe in der Campagna, das klassische Porträt von Heinrich Wilhelm Tischbein aus dem Jahr 1787, - als in Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Kischker, Sekitsch, Siwatz, Schowe, Bulkes und Jarek noch fleißig angesiedelt wurde.)


Die KAS hat mit den in Serbien lebenden Donauschwaben keinen Kontakt. Die Donauschwaben sind eine von 35 ethnischen Gruppen in der Vojvodina.
[Keine Stellungnahme der KAS gab es zu den von der Landsmannschaft der Donauschwaben seit Jahren erhobenen Vorbedingungen für die Aufnahme eines offiziellen Dialoges mit serbischen Regierungsvertretern:
Entschuldigung für Verbrechen,
Rücknahme des AVNOJ-Beschlusses und
Entschädigung für die Vermögensverluste.]



EXKURS: Parteienlandschaft und Wahllisten (Quelle: KAS/AUSLANDS-INFORMATIONEN 4/04)
Im Dez.2003 waren 274 Parteien registriert, davon gehörten 28 dem Parlamment an. Zu den vorgezogenen Wahlen am 28. Dez.03 traten 19 Parteien an.
Kurzportrait von 6 Parteien, die den Einzug geschafft haben:
SRS - Radikale Partei Serbiens
Vorsi.: Vojislav Seselj (z.Zt. in Den Haag vor Gericht), Stellv.: Tomislav Nikolic
Progr.: konservativ-nationalistisch, patriotische Rechtspartei, will Fortbestand der Union Serbien-Montenegro, lehnt den intern. Gerichtshof in Den Haag ab, volle Souverenität SM inklusive Kosovo...Slogan: Radikalno bolje (Radikal besser), 27,6%.
DSS - Demokratische Partei Serbiens
(Beobachterstatus bei der EVP)
Vorsi.: Vojislav Kostunica
Progr.: Mitte-Rechts-Partei, für Fortbestand der Union Serbien-Montenegro und für Mitgliedschaft in der EU, kritisch gegenüber Arbeit des intern. Gerichtshofs in Den Haag, Beibehaltung der Grenzen, einschl. Kosovo, Regionalisierung der Provinzen...Slogan: Rec je rec (Ein Wort ist ein Wort), 17,7%.
DS - Demokratische Partei Serbiens
(Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationale)
Vorsi.: Seit der Ermordung von Zoran Djindjic verwaist, Stv.: Boris Tadic
Progr.: Mitte-Links-Partei, für EU-Integration und NATO-Beitritt, für Bundesstaat Serbien-Montenegro, will mit intern. Gerichtshof zusammenarbeiten, pragmatische Haltung in Kosovofrage...Slogan: Buducnost odmah (Zukunft sofort), 12,6%.
G17 Plus
(Beobachterstatus bei der EVP)
Vorsi.: Miroljub Labus
Progr.: Zentrumspartei, wirtschaftsliberal, schnelle Integration Serbiens in EU, Auflösung von Serbien-Montenegro und Einbindung in euro-atlantisches Bündnis, Abspaltung des Kosovo wird nicht ausgeschlossen, will Zusammenarbeit mit intern. Gerichtshof in Den Haag, Steuersenkung, Freihandel...Slogan: Srbija na 1. mestu (Serbien an 1. Stelle), 11,5%.
SPO Serbische Erneuerungsbewegung
Vorsi.: Vuk Draskovic
Progr.: Mitte-Rechts, monarchistisch, will Rechtsstaatlichkeit, freie Marktwirtschaft, Erneuerung von regionalen und internationalen Beziehungen, Integration in die EU als parlamentarische Monarchie, bekennt sich zur kritischen Kooperation mit dem intern. Gerichtshof in Den Haag, über Fortbestand von SM und den Status von Kosovo soll demokratisch entschieden werden... NS-Neues Serbien
Vorsi.: Velimir Ilic
Progr.: Mitte-Rechts, monarchistisch, will absoluten Bruch mit der fünf Jahrzehnte währenden kommunistischen Herrschaft und all ihren Auswirkungen (!), Ziel: parlamentarische Monarchie und EU-Beitritt, NS bekennt sich zu kritischer Kooperation mit dem intern. Gerichtshof in Den Haag, Staatenbund SM und Kosovofrage vertreten NS und SPO deckungsgleiche Ansichten,...
Listenverbindung von SPO/NS hat 7,7% erreicht
SPS/Sozialistische Partei Serbiens
Vorsi.: Slobodan Milosevic, Stellv.: Ivica Dacic, Stellv. politischer Parteileiter: Dragan Andjelkovic
Progr.: autoritär-sozialistisch/national kommunistisch, intern. Gerichtshof in Den Haag wird als Instrument der Siegermächte betrachtet, will Fortbestand der Union SM, ist laut Programm für die EU Integration, inklusive Kosovo soll die Integrität Serbiens erhalten bleiben, möchte den andauernden Privatisierungsprozeß revidieren,...Slogan: Prva ljubav zaborava nema (die erste Liebe vergisst man nicht), 7,6%.
Resümee:
Die neue serbische Regierung unter der Leitung von Vojislav KOSTUNICA/DSS als Premierminister ist ein Minderheitenkabinett, da eine Koalition mit der zweitstärksten Demokratischen Partei Serbiens/DS wegen unüberbrückbarer Spannungen der beiden Reformparteien nicht zustande kam. Nun stützt sich die Minderheitenregierung auf die 22 Stimmen von Milosevic's Sozialistischer Partei Serbiens/SPS, während die Demokratische Reformpartei Serbiens/DS zusammen mit der stärksten Fraktion der Radikalen Partei Serbiens/SRS in der Opposition ist.
Damit stehen Serbien und Europa vor einem Dilemma. Der Westen, insbesondere Javier Solana, forderte immer wieder eindringlich eine serbische Regierung, die sich ausschließlich aus Reformparteien ohne die Beteiligung der SPS oder der SRS zusammensetzt. Zwar ist die SPS nicht in der Regierung vertreten, aber die Regierung kann ohne die parlamentarische Unterstützung der Sozialisten Milosevic's nicht regieren.





Neunter Tag, 30.10.04

Heimreise letzter Tag, höchste Zeit für Erinnerungsfotos:




Helmut Bischof (links im Bild) mit seiner Tischgruppe



ERGEBNIS der Schiffs-Reise in die Batschka/Vojvodina

Was Zeitungen in Belgrad und Karlsruhe berichteten:

"POLITIKA" Belgrad, 7.11.2004


Interviews mit Nenad STEFANOVIC, Herausgeber des Buches "Ein Volk an der Donau" (Jedan svet na Dunavu)

Donauschwaben besuchen die Vojvodina Versöhnung bei "Tamburica"-Klängen

Die Überlebenden der Lagerfolter oder die vor dem Einmarsch der Roten Armee ihre Heimat verlassenden Deutschen sind auf gleichem Wege wie ihre Ahnen in die Vojvodina gekommen.

Unter dem Slogan "Für Dialog, Frieden und Versöhnung" hat das Schiff "MS Sofia" mit 200 Donauschwaben an Bord am provisorischen Zollhafen Sremska Kamenica (Kamenitz) angelegt. Das ist der erste "Massen"-Besuch ehemaliger Bürger Jugoslawiens in ihrem Geburtsland, der seine Bedeutung dadurch unterstreicht, dass er im Einvernehmen mit dem Exekutivausschuß der Autonomen Provinz Vojvodina und einigen Kommunalverwaltungen von Ort- schaften zustande kam, wo die Deutschen gelebt haben.
Nebel und eisiger Wind über der Donau decken sich nicht mit der Stimmungs- kulisse an Bord, wo die gut aufgelegten Donauschwaben ihr Abendessen ein- nehmen, wobei sie den Darbietungen des "Betyaren"-Ensembles "Kunst und Kultur" aus Katsch folgen.
Es herrscht eine sentimentale Atmosphäre an Bord, die Erinnerungen an die Kindheit in der Vojvodina wachruft. Der angenehme Tamburica-Klang öffnet die Seiten des Lebens. Während die bulgarischen Kellner bedienen und bei jeder Darreichung nicht vergessen "Bitteschön" zu sagen, unterhalte ich mich mit Herbert HEINTZ aus Rüsselsheim bei Frankfurt/Main.
Herr HEINTZ, Jahrgang 1928, geboren in Werbass, aber mit seinen Eltern in Neusatz lebend, hat die serbische Grundschule "Svetozar Miletic" besucht und spricht deshalb gut Serbisch ohne jeglichen Akzent, weder schwäbischen noch den der "Jenseitigen" (Bem. des Übersetzers: Precanski - jenseitig - oder lalinski sind belächelte Akzente der Vojvodinaer Bevölkerung), also reines Schulserbisch konserviert aus Zeiten des Königreichs Jugo- slawien. Der 2. Weltkrieg hat seine Schulzeit im Gymnasium "König ALEXANDER der I." unterbrochen. Er besuchte darauf das Deutsche Gymnasium in Wer- bass, um am 8.10.1944 mit der gesamten Verwandtschaft die Heimat zu verlassen. Sie haben in Neusatz in einem 4-geschossigen Wohnhaus gelebt, in der Straße Vladike Platona in unmittelbarer Nähe der Banovina. Dieses Haus war das Ergebnis einer unermüdlichen Arbeit seines Vaters, von Beruf Bauingenieur, den auch sein Sohn danach in Deutschland ergriffen hat. Ich frage ihn direkt, ob die Serben die Rückkehr der Deutschen befürchten müßten. Er winkt ab: "Das sind Gerüchte, die man auch in Polen und Tschechien zu hören bekommt, alles nicht ernst zu nehmen. Niemand will zurückkehren, höchstens als Tourist. Ich habe Jugoslawien mindestens 10mal als Tourist besucht, u.a. ein orthodoxes Kloster in Cetinje/Montenegro. Ein junger Mönch wollte mir nicht glauben, dass ich Deutscher bin." Er ist Abonnent der Werbasser Lokalzeitung GLAS, aus der er gelegentlich wichtige Artikel für die donauschwäbische Heimatpresse übersetzt. Sowohl in Deutschland als auch in Exjugoslawien pflegt er gute Kontakte zu Serben (und Kroaten). Nur einmal hatte er einen unerfreulichen Disput nach dem NATO-Bombardement (auf die Neusatzer Brücken), aber dieser Umstand war der jeweiligen Propaganda zuzuschreiben.
"Freundschaften bleiben" sagt Herr Heintz und setzt in guter Absicht fort: "Ich wünsche mir, dass sich die politische Situation in Serbien bessert, damit das Volk angenehmer leben kann, nach all dem, was ihm die Geschichte zugefügt hat".

Annäherung zweier Dörfer

Das bulgarische Schiff gehört zur Luxusklasse mit allen Annehmlichkeiten. Die Passagiere haben es genossen, 6 Tage auf der Donau zu verbringen, die erforderlich sind für die Hin- und Rückreise Passau -Neusatz - Passau. Dazu kamen noch 3 Tage Aufenthalt auf Land (Neusatz und Heimatorte). Die Reise betrug 650,- €/Person. Das reichliche und gut schmeckende Essen zeugt von einem angemessenen Preis.
Von der geistigen Ebene der Reise spricht der evangelische Pfarrer aus Reuttlingen, Manfred WAGNER. Er arbeitet schon 4 Jahre lang an der Annäherung zweier Dörfer, Srpski Miletic/Vojvodina und Schönaich/BW, wo viele Deutsche, gebürtig aus Miletic, leben. Die Beziehungen haben 60 Jahre lang auf Eis gelegen, sind dann aber dank zweier Kirchen wieder aufgenommen worden.
"Nach Miletic bin ich dank des Batschkaer Fürstbischofs IRINEJ gekommen, ohne seinen Segen und Verständnis wäre es nicht zur Annäherung gekommen" sagt Wagner und setzt fort, dass das Ziel der gegenseitigen Kontakte eine gute Beziehung zwischen den Jungen sei. "Der Jugend gehört die Zukunft." Nächstes Jahr kommt eine Jugendgruppe von Miletic nach Schönaich in der Absicht, nicht den Kontakt zu verlieren.
Mit dem Schiff ist auch der in Serbien häufig weilende Gast Robert LAHR - gebürtig aus Kutzura - angereist. Herr Lahr ist der Hauptorganisator humanitärer Hilfe, die regelmäßig 2500 Familien in Serbien zugute kommt. Die Bedingungen für die Annahmeberechtigung sind ziemlich klar: Donau- schwäbische Familien, Mischehen mit Deutschen, Juden mit Deutsch als 1. Umgangssprache, Alter über 60 Jahre und Bedürftigkeit. Ein Hilfspaket wiegt 50 kg und beinhaltet konservierte Lebensmittel, Oel, Zucker, Hygieneartikel und Textilien.
Angesiedelt vor 3 Jahrhunderten

Herr LAHR ist genau, die Zahlen kennt er auswendig, belegt sie mit Dokumenten. Er ist ein Mensch, dessen Bilanzen stimmen, alles in allem sehr zuverlässig. Eine Sendung humanitärer Hilfe beläuft sich auf 200.000,-€ einschl. Transportkosten. Die Sponsoren setzen sich aus staatlichen Instanzen und Großfirmen wie Nestle, Knorr und Henkel zu- sammen. "Der letzte Konvoi mit Hilfsgütern" mußte 3 Wochen auf seine Abfertigung an der Grenze warten. Die Papiere waren vollkommen in Ordnung, auf Hilfsgüter wird keine Zollgebühr erhoben, aber wir mussten auf verschiedene Kommissionen und Inspekteure warten, um die Ladung überprüft zu bekommen.
Die Donauschwaben sind vor 3 Jahrhunderten in der Vojvodina angesiedelt worden, hauptsächlich auf Flößen (Ulmer Schachteln) in Ulm eingeschifft und in Apatin ausgeladen. Ihr Schicksal im Donaugebiet ist besiegelt worden durch die AVNOJ-Beschlüsse (3. Sitzung am 11.11.44), als sie kollektiv der vom Nazi-Regime begangenen Verbrechen auf dem Gebiet von Gesamtjugoslawien für schuldig erklärt wurden. Man entriss ihnen die bürgerlichen Rechte, das bewegliche und unbewegliche Vermögen wurde enteignet. Tausende von Zivilisten litten durch Hunger und Krankheit in improvisierten Lagern. So wie unser bekannter Germanist, Prof.Dr. Zoran ZILETIC, sagt: "Ein Krieg hat eine 250 Jahre währende Land(Ackerbau)-Zivilisation verschlungen zwischen Horgosch und Gardosch."
Die Überlebenden der Lagerhölle und die rechtzeitig vor dem Einmarsch der Roten Armee die Heimat verlassenden Deutschen sind auf gleichem Wege wie ihre Ahnen diesmal als Besucher in die Vojvodina gekommen. Ihrer Ansicht nach ist es an der Zeit, dass die Donau ein Fluss für Verständigung und Zusammenarbeit werden müßte.
Nenad Stefanovic
Übersetzt aus dem Serbischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim>
Quelle: "POLITIKA" vom 7.11.04






"BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN" Karlsruhe, 9.11.2004

Kreis Karlsruhe/Novi Sad. Der ergreifendste Moment war für Werner SCHÜSSLER der ökumenische Gottesdienst in der orthodoxen serbischen Kirche im ehemaligen Neusatz dem heutigen Novi Sad: "Dort hat der serbische Bischof seine Ansprache wegen unseres Besuchs sogar teilweise in Deutsch gehalten, ebenso wie die Liturgie", erzählt der Karlsruher. Und als eine Serbin ihn aufforderte, doch am Abendmahl teilzunehmen, war für SCHÜSSLER endgültig klar, dass die Deutschen in ihrer ehemaligen Heimat willkommen waren.
Knapp 200 Donauschwaben zum großen Teil noch aus der "Erlebnisgeneration" ‚ aber auch Kinder und Enkel hatten sich zu einer "Friedensfahrt" in ihre alten Siedlungsgebiete in der Vojvodina im heutigen Serbien aufgemacht, um so Organisator Herbert SCHÖN, "in Frieden von der Jugendheimat Abschied zu nehmen" (wir berichteten}. Dass dies gerade für die Älteren nicht einfach war, wusste auch das "Hilfskomitee für die deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien", das die Reise auf die Beine gestellt hatte. Zu schrecklich sind noch immer viele Erinnerungen an das unermessliche Leid bei der Vertreibung der Donauschwaben, zu viele Angehörige verloren damals ihr Leben.

"Ich war sehr positiv überrascht, wie gastfreundlich wir aufgenommen wurden", erzählt SCHÜSSLER, der gemeinsam mit seinem Bruder und der über 80-jährigen Mutter dabei war. Auf beiden Seiten - bei Deutschen wie Serben - sei nichts von Rachegefühlen oder ähnlichem zu spüren gewesen. "Wir wurden sogar mit Kirchengeläut und Kinderchören empfangen", bestätigt SCHÖN. Die Besucher hatte er im Vorfeld bei den serbischen Behörden und in den alten Heimatgemeinden angekündigt - "um jegliches Misstrauen von vornherein zu unterbinden", sagt er. Schließlich hatten radikale serbische Parteien bei den kurz vorher stattgetundenen Provinz- und Gemeinderatswahlen gegen die Donauschwaben gehetzt: "Die Schwaben kommen und wollen ihre Häuser zurück, hieß es da", sagt SCHÖN. Die Versöhnungsgesten und der gemeinsame Blick nach vorn - geplant sind Schüleraustauschprogramme. Deutsch als Fremdsprache im Kindergarten und europäische Jugendlager - bewiesen jedoch das Gegenteil.

Doch auch der Blick zurück und die Aufarbeitung der Vergangenheit sind kein Tabu mehr. So hat eine von serbischer Seite eingesetzte "Wahrheitskommission" zur Aufklärung der Geschichte zwischen 1944 und 1948 vor vier Wochen ihren Abschlussbericht vorgelegt. In dem wurden die Verbrechen an den Donauschwaben klar benannt "und nicht diplomatisch verklausuliert", sagt SCHÖN. Der will im Oktober 2005 die Fahrt wegen der großen Nachfrage wiederholen.
Von unserem Redaktionsmitglied Ulrich Schweizer





"MAGYAR SZO" Novi Sad 4./5. Dezember 2004

Treffen mit der Heimat

Vielerlei Gedanken bewegten die 200 unlängst auf dem bulgarischen Luxus dampfer "MS Sofia" Anreisenden von Ulm (besser Passau) bis Neusatz. Manche kamen zum ersten Male nach 60 Jahren wieder ins ehemalige Haus, in ihre Urheimat, die Vojvodina. Wie einzelne Reisende, die Leiter der Diakonie und des Hilfskomitees sowie deren Arbeitskollegen berichteten, haben 3 Generationen diese unvergeßliche Reise unternommen. Es gab Familien, die mit Großeltern, Eltern und Kindern angereist sind. Die Jüngsten sind schon in Deutschland, Amerika oder Kanada geboren. Nach Ankündigung der Schiffsreise sind auch Anmeldungen aus Übersee eingegangen, sagten Hildegard Gutekunst, Herbert Schön, die Vorstände des Hilfskomitees, und Manfred Wagner, evangelischer Prälaturpfarrer und Partnerschaftsbeauftragter für Osteuropa der Evang. Landeskirche in Württemberg - Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung. Am letzten Tage ihres Aufenthaltes in Neusatz und der Vojvodina haben sich die meisten darüber gefreut, das Wiedersehen mit der alten Heimat gewagt zu haben; es gab aber auch solche, die den Besuch im letzten Augenblick auf eine künftige Reisegelegenheit aufgeschoben haben. Manche blieben auf dem Schiff, ohne die ehemalige Wohnstätte aufzusuchen, um nicht mit den immer noch im Gedächtnis gebliebenen Nachkriegsereignissen konfrontiert zu werden. Die Mehrheit hat sich aber den organisierten Bus- bzw. Pkwfahrten in die Heimatorte angeschlossen. Die angekündigten Besucher wurden überall erwartet und sind zu einem erneuten Besuch eingeladen worden. Der herzliche Empfang wurde mit Freude vernommen, aber man beklagte den trostlosen Zustand der deutschen Friedhöfe. Diese müßten mit gemeinsamen Kräften wider instandgesetzt werden, zusammen mit den örtlichen Selbstverwaltungen und der Provinzregierung.
Schon am 1. Abend auf dem Schiff ist uns der Klang mehrerer Sprachen aufgefallen. An einzelnen Tischen wurde man auf Ungarisch oder Serbisch angesprochen, früher war das eine Selbstverständlichkeit. Man sprach in der Vojvodina 3, 4 sogar 5 Sprachen. Auf dem Wege nach Neusatz wurde die Erinnerung an die guten alten und friedlichen Zeiten aufgefrischt. Manche haben sich nach 60 Jahren zum ersten Male wiedergetroffen. Auf dem Schiff war auch Ria Schneider, Ballettlehrerin aus Köln, mit Tochter Sabine, Musiklehrerin. Viele erinnerten sich an Rias Vater, Zahnarzt Dr. Matthias Ackermann, bei dem sie in Behandlung waren. Vorher in Parabutsch (heute Ratkovo), dann ab 1934 hatte er seine Praxis im 1. Stock des Tanurdzić-Palais. Nach der Mutter, Annemarie Ackermann, haben viele sowohl auf dem Schiff als auch in Neusatz nachgefragt, ob sie 1954 - 64 als Abgeordnete im Deutschen Bundestag für Menschenrechte sowie für Rechte der Ausländer, der Frauen und der Behinderten gekämpft hätte. Hierbei hat Ria nur bescheiden geschmunzelt und zustimmend genickt. Vom internen Familienleben, auch von den schwersten Zeiten, hat sie ruhig und mit der Vergangenheit versöhnt gesprochen. Sie war sehr stolz darauf, Petöfis Gedicht "Vereitelter Vorsatz" (Füstbe ment terv) fehlerfrei auswendig vorgetragen zu haben. In der Familie wurde neben Deutsch auch Serbisch und Ungarisch gesprochen. Die Familie ist 1934 von Parabutsch nach Neusatz umgezogen. Ihr Bruder Otto war 4, Ria 2 Jahre alt. Damals haben sie begonnen, ihr eingeschossiges Haus in der Polit Desančić Gasse (sie heißt noch heute so) zu bauen. Herbert ist 1936, Schwester Friederike 1940 auch hier geboren und Haro 1944 auf der Flucht. Im letzten Augenblick hat sich die Familie zur Flucht entschlossen, obwohl sich niemand irgendeiner Schuld bewußt war, erzählten die Eltern später. Mutter hat den Pferdewagen gelenkt. Von Parabutsch durch Ungarn bis Wien. 40 Pferdewagen haben die Flucht angetreten. Vater und der 14-jährige Bruder Otto haben sich - mit Hilfe des Roten Kreuzes - uns angeschlossen. Das Schicksal hat uns vielfach herausgefordert. In Österreich haben sie uns zurückgewiesen, bis 1945 waren wir in Kúnszentmiklós. Hier ging ich auch in die ungarische Schule. In den Sommerferien versuchten wir erneut über Ödenburg (Sopron) in den Westen zu gelangen. Diesmal klappte es. Wir waren lange im Lager in Linz. Danach hat sich alles langsam eingependelt. Wir haben Familien gegründet, die 3. Generation wächst heran. Ich habe Tochter, Sohn und 3 Enkel.
Ob ich zufrieden bin? Bezüglich meiner Lebensauffassung, meines Credos und meines Glaubens, ja. Im allgemeinen gehe ich liebe- und verständnisvoll auf die Menschen zu.
Frau Schneider hält für Augenblicke inne, weil es Dinge gäbe, an die man den Glauben und vielleicht sogar deren Zauber verliert, wenn man darüber spricht. Tags darauf treffen wir uns zum vereinbarten Zeitpunkt im ehemaligen Wohnhaus. Die heutigen Besitzer haben in den 90er Jahren das Haus erworben. Das Treffen war vertraut freundschaftlich . Ria verheimlicht nicht ihre Freude darüber, dass gute Menschen jetzt das Haus bewohnen und es gut pflegen. Das Haus hat viel Unbill erlitten, es gab auch viele Mieterwechsel. Vom Mobiliar ist nichts mehr vorhanden, aber der Parkettboden ist der alte geblieben. Ria sagt lächelnd, die Wohnung strahle ein gemütliches Ambiente aus. Dabei schaut sie in die Ecke, wo das Klavier stand und in die andere Nische, einst der Platz für einen ovalen Tisch.
Mit dieser - noch zu Hause handgearbeiteten - leichten Tischdecke, die sie der Hausherrin, Frau Maria Stojšić, als Geschenk überreicht, war der Ovaltisch bedeckt. Ich meine, wenn auch der Tisch verschwunden ist, gehört diese Tischdecke in dieses Haus.
Wir schauen uns noch Haus und Garten an und vereinbaren ein Treffen für den Nachmittag, um nach Popovica, zum Standort des Wochenendhauses zu fahren. Mangels genauer Adresse haben wir das Haus nicht gefunden, aber die neuen Freunde wollen das in Kürze bewerkstelligen. Auf dem Rückweg zum Schiff unterhielten sich Ria und Maria schon wie altbekannte Freundinnen. Beim Abschied wurde ein längerer Besuchsaufenthalt vereinbart. Maria übergab eine Kalocsaer Tischdecke als Gegengeschenk. Mit kleinen Geschenken und vielen Erlebnissen sind auch die übrigen Reiseteilnehmer aufs Schiff zurückgekehrt. Ottilie Lang fuhr mit Taxi nach Beška und als sie auf dem Rückweg hört, dass ich von Feketić (lt. O. Lang Schwarzenberg!) stamme, fragt sie, ob mir die Familie Lackmann bekannt sei. Ich antwortete, dass ich nur mit der Familie des Ziegeleibesitzers Kinkel Anfang der 70er Jahre Kontakt hatte. Ich versprach aber beim Abschied, mich bis zum nächsten Besuch um das Schicksal der Fam. Lackmann zu kümmern.

Übersetzt aus dem Ungarischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim; Quelle: STANYÓ TÓTH Gizella,
"MAGYAR SZO" 4./5. Dezember 2004





Nach der Rückkehr:
Dank der Donauschwaben

An Herrn
Egeresi Sándor, Vizepräsident des Parlaments der Vojvodina

Für Frieden, für Versöhnung
Das Dankschreiben der ehemals in der Vojvodina lebenden Deutschen
an das Provinzparlament, an die Vojvodinaer Bevölkerung

Auf der Donau sind wir gekommen - wie einst unsere Ahnen - , um nach 60 Jahren Unbill unsere ehemaligen Nachbarn zu finden und um sich nach langem Schweigen friedlich zu unterhalten, im Interesse des Friedens. Genau wie die menschliche Seele hat auch die Volksseele durch schweres Schicksal gelitten. In der neuen Geschichte trifft es uns gemeinsam. Es kann sein, dass uns eben deshalb das Schicksal mit den tief mitfühlenden Menschen zusammengeführt hat, die gesagt haben: "Wenn sie auch gehen mußten, in unseren Herzen sind sie bei uns geblieben". Nach so langer Zeit haben viele kaum geglaubt, dass dies möglich sei. Als aber nach dem Anklopfen die Türen geöffnet wurden, flossen die Tränen und erklangen die Begrüßungslieder; auch die Skeptiker haben begriffen, dass wir gern gesehene Gäste sind.
Unsere Bitte und Botschaft sind einfach: Dialog, Frieden und Versöhnung. Wir wollen das uns zugefügte Unrecht nicht mit einem zweiten Unrecht vergelten. Daher beten wir dafür, dass die den Opfern zugefügten Wunden heilen und vernarben. Wir hoffen, unserer Jugend im gemeinsamen Europa Fortkommen und Heimat sichern zu können. Wir Donauschwaben tun all dies, weil wir Sie schätzen, Ihr Land lieben und unterstützen. Wir grüßen die Menschen in der Vojvodina und wünschen ein gutes Zusammenleben und Verständigung in guten wie in schlechten Zeiten.


Im Namen der Donauschwaben
Hildegard Gutekunst Herbert Schön
Vorsitzende des Hilfskomitees

Übersetzt aus dem Ungarischen: Herbert Heintz, vorm. Werbass/Neusatz heute Rüsselsheim; Quelle: STANYÓ TÓTH Gizella,
"MAGYAR SZO" 4./5. Dezember 2004





Auf Wiedersehen
bei der 3. Schiffsreise Passau-Neusatz/Novi Sad
vom 1. bis 10. November 2006


Schriftliche Anmeldung bitte an:
Schiffsreise/Hilfskomitee, Walter Köhl
Panoramastr. 35, D-71032 Böblingen

E-Mail: "Walter Köhl" walter.koehl@t-online.de


Heinrich Stephan