Dieses Bild aus den 30er Jahren zeigt die Bulkeser Deutsche Voksschule = Grund- und Hauptschule.
An ihrer Stelle wurde in den 70er Jahren ein modernistischer Supermarkt und das neue Maglićer Rathaus errichtet.
Anmerkung zur Herkunft des Bildes:
Die Aufnahme wurde von Michael Stefan, dem Urgroßvater des Verfassers dieser HP, nach Los Angeles zu Michaels Sohn Heinrich I. Stephan im Brief geschickt.
1948 hat die Witwe Heinrichs I. (2.oo Annette Küver aus Hamburg) das Foto mit anderen Erinnerungsstücken an den Sohn Heinrich II. Stephan zurück nach Karlsruhe gegeben.



Vorbemerkung:

Die deutschen Einwanderer hatten vielfach aus dem Mutterland Geistliche und Lehrer mitgebracht.
In jeder neuen Gemeinde wurde von Anfang an eine Schule erbaut und die Kinder der Ansiedler im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Diesen geduldigen Dorfschullehrern war es zu verdanken, daß es unter den Deutschen kaum Analphabeten gab, während der Prozentsatz bei den anderen Volksgruppen verhältnismäßig hoch war.
Mit der Schaffung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867) und besonders seit den Schulgesetzen des Ministers Aponyi wurde es immer arger mit den deutschen Schulen.
In den Lehrerbildungsanstalten erzog man ungarische Patrioten, und deshalb wurde der gesamte Unterricht ausschließlich in ungarischer Sprache erteilt. Die jungen Schwabensöhne lernten keine deutsche Rechtschreibung und konnten diese dann auch kaum den Kindern beibringen. Der ungarische Staat erfand außerdem noch ein Mittel, um die deutschen Schulen zu schließen: nur jene Schulen wurden als staatlich anerkannt, in denen ausschließlich in ungarischer Sprache unterrichtet wurde. Wohl hatte man das Recht, deutsche Schulen weiterhin zu halten, dann jedoch mußte man alle Ausgaben einschließlich Lehrergehalt selbst tragen. Die meisten deutschen Gemeinderäte stimmten aus diesen geldlichen Erwägungen einer Magyarisierung der Schulen zu.
Nach dem 1. Weltkrieg konnten die deutschen Schulen in Jugoslawien wieder eröffnet werden. Ihre Schulbücher kamen entweder aus Jugoslawien selbst oder aus dem Sudetenland.
Nur Physik- und Chemiebücher durften aus Deutschland oder Österreich bezogen werden. In Ungarn war man diesbezüglich etwas großzügiger.
Da es aber an deutschen Lehrern fehlte, wurde über eine von der deutschen Bevölkerung selbst finanzierte Deutsche Schulstiftung eine Deutsche Lehrerbildungsanstalt mit Öffentlichkeitsrecht 1930 gegründet.
Zunächst war diese Schule in Betschkerek im Banat, zwei Jahre später wurde sie nach Neu-Werbaß in die Batschka verlegt.
Das mittlere und höhere deutsche Schulwesen der Batschka war fernerhin mit Bürgerschulen, Gymnasien und landwirtschaftlichen Schulen vertreten. Schulen dieser Stufe gab es in Baja, Apatin, Hodschag, Palanka, Neu-Werbaß und Neusatz bzw. Futok.
Quelle: Josef Schramm "BATSCHKA"


Die schulische Entwicklung von der Ansiedlung bis zur Flucht

Text aus dem Beitrag Valentin BECKS im Heimatbuch 1984

".....Unsere Ahnen betrachteten den Kirchen- und Schulhausbau als eine vordringliche Aufgabe. Sofort, nachdem ihre Häuser standen, machten sie sich daran. Kaiserin Maria Theresia erließ die entsprechenden Gesetze, so im Jahre 1774 die "Allgemeine Schulordnung". Sie wurde dadurch zur Begründerin eines modernen Volksschulwesens. Bereits 1720 gab es eine deutsche Volksschule in Temeschburg.
Nach der "Allgemeinen Schulordnung" wurde mit der Normalschule eine planmäßige Lehrerausbildung in allen Ländern der Habsburger Monarchie durchgeführt und fand in Ungarn ihre praktische Anwendung in dem Schulgesetz vom Jahre 1777, der "Ratio educationis". Nach diesem Gesetz hatte der König die Aufsicht über das gesamte Schulwesen, der dieses in Ungarn durch die Stadthalterei ausübte.
Ungarn wurde in acht Schuldistrikte eingeteilt. An der Spitze eines Distrikts stand ein Studiendirektor. Die Ausbildung katholischer Lehrer für das Batscher Land (Batschka) erfolgte in Fünfkirchen, für Westungarn (Burgenland) in Preßburg, für die Militärgrenze in Weißkirchen. Die Normalschule erweiterte den Lehrstoff der Hauptschule und diente so auch als Bildungsstätte für Lehrer.
Josef Senz, der bekannte donauschwäbische Schulmann und Historiker, ist der Meinung, daß die Ausbildung der deutschen Lehrer bis 1848 für die damaligen Schulverhältnisse ausreichend war. Von 1800 -1870 waren die deutschen Schulen in Ungarn und Kroatien einer dauernden Überfremdung ausgesetzt. Die Schulen, gleich welcher Stufe, wurden so zu einem wirksamen Instrument der Madjarisierung ausgebaut. Die Werschetzer Lehrerbildungsanstalt wurde 1871 nach Segedin verlegt und auch bald madjarisiert. Den Höhepunkt in den Madjarisierungsbestrebungen brachte die Gesetzgebung des Unterrichtsministers Graf Albert Aponji im Jahre 1907. Madjarisch war nun die Unterrichtssprache in allen Schulen in Ungarn ohne Rücksicht auf die Muttersprache der Kinder. Nur die Siebenbürger Sachsen und die Serben konnten sich ihre Muttersprache bei der Lehrerausbildung lange Zeit bewahren. Das Ziel der Madjaren war nun beinahe erreicht, einen einheitlichen Nationalstaat zu schaffen, die Minderheiten ihrem Volkstum zu entfremden und durch die Namensmadjarisierung dem madjarischen Volkstum einzugliedern. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde unser Volksstamm dreigeteilt. Ein Teil blieb bei Ungarn, ein Teil kam zu dem neuen Staate der Serben, Kroaten und Slowenen, und ein Teil zu Rumänien.
Die Donauschwaben, die in Ungarn verblieben, sollten nach dem Trianoner Vertrag vom 4. Juni 1920 das Recht haben, Schulen zu errichten, zu leiten und zu beaufsichtigen und zwar in deutscher Sprache. Die Donauschwaben in Rumänien hatten die günstigsten Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Volksschulen in Jugoslawien wurden alle verstaatlicht und die höheren Schulen, die Gymnasien, wurden langsam slawisiert. Diese Entwicklung ist am Schicksal des Neuwerbaßer Gymnasiums abzulesen. Im Jahre 1926, als ich das Gymnasium besuchte, waren die vier unteren Klassen noch deutsch, geführt als Parallelklassen. Ab dem 5. Schuljahr wurden unsere Schüler in die serbischen Klassen verteilt. Das Ziel unserer Volksgruppe war eine Schulautonomie, wie sie die serbische Volksgruppe im Vorkriegsungarn hatte. Für unsere Volksschulen fehlten aber bis zum Jahre 1929 bereits 600 deutsche Lehrer.
In den Jahren 1930-1933 wurden verschiedene Verordnungen erlassen, die eine Erleichterung für uns brachten. Da eine Schulautonomie weder auf staatlicher noch auf privater Grundlage für ein entsprechendes und ausreichendes Schulwesen gewährt wurde, sollte die "Schulstiftung" dafür die rechtlichen "Grundlagen" bieten. 1930 wurde sie mit Sondergenehmigung der Regierung in Belgrad Trägerin der im selben Jahr eröffneten Lehrerbildungsanstalt sowie der Bürgerschule in Neuwerbaß 1932, des Gymnasiums in Neuwerbaß 1940 und des Gymnasiums in Apatin 1940. Die deutsch-evangelische Kirchengemeinde in Agram (Zagreb), die schon früher eine deutsche Volks- und Bürgerschule besaß, erhielt jetzt die Genehmigung zur Errichtung eines deutschen Gymnasiums.
Zwischen den beiden Weltkriegen war das deutsche Schulwesen in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien recht verschieden. Als wesentliches Merkmal wäre hervorzuheben, daß alle höheren deutschen Schulen in den drei Staaten Einrichtungen der deutschen Volksgruppen wurden und daß unsere Schulen sachlich und personell von den Volksgruppen erhalten werden mußten und von den drei Staaten in keiner Weise unterstützt wurden.
Nach dem jugoslawischen Feldzug 1941 fielen unsere Heimat, die Batschka, und die südliche Baranya an Ungarn zurück. Unsere Schule, wie unsere Kirche, standen vor einer neuen Lage. Es galt nun, die Rechte, die wir uns in Jugoslawien so schwer erkämpft hatten, nicht wieder aus der Hand nehmen lassen. Wir, meine Generation, wissen von den schweren Kämpfen, die unsere Väter durchzustehen hatten. Es gelang uns auch weitgehend alles zu bewahren, was wir auf schulischem Gebiet in Jugoslawien erreicht hatten; ja, wir konnten unser Schulwesen noch etwas mehr ausbauen.

Folgende deutsche höhere Schulen hatten wir in der Zeit von 1941-1944:
1. Lehrerbildungsanstalt in Neuwerbaß
2. Bürgerschule in Neuwerbaß
3. Gymnasium in Neuwerbaß
4. Gymnasium in Apatin
5. Landwirtsschule in Futog/Donau
6. Bürgerschule in Karol
7. Gymnasium in Budapest
8. Bürgerschule in Hidasch
9. Bürgerschule in Fünfkirchen
10. Bürgerschule in Frankenstadt (Baja)
11. Bürgerschule in Deutschbol
12. Bürgerschule in Neusatz
13. Bürgerschule in Hodschag
14. Bürgerschule in Ödenburg (Sopron)
15. Bürgerschule in Elek ,
16. Bürgerschule in Moor




Ergänzende Bemerkung:
In Peterwatz/Petrovac, dem slowakischen Nachbarort 4,5km entfernt von Bulkes, gab es ein Realgymnasium (im Bild rechts) mit slowakischer Unterrichtssprache.

Das war für die meisten der besten Bulkeser "Volksschüler" aus Kostengründen bis 1941 -die weiterführende Schule, weil Ihre Eltern nicht das nötige Geld hatten , um das teure Internat in Neuwerbass oder Apatin zu bezahlen.

Neben Slowakisch und Serbisch ist in Peterwatz 1940/1941 (nach der französischen Niederlage) bereits in der 1. Klasse Deutsch anstelle von Französisch unterrichtet worden, was für uns Bulkeser Sextaner eine Erleichterung war, da wir mit der slowakischen Unterrichtssprache und der serbischen Staatssprache ohnedies schon genug Fremdsprachen zu lernen hatten.

Zumal im rein deutschen Dorf Bulkes allenfalls serbisch geflucht aber weder serbisch noch slowakisch gesprochen wurde.


Oftmals wird der Ausbau der deutschen Schulen als "von außen her" aufgedrückt betrachtet und sollte daher auch nicht von Dauer sein. In den 12 Punkten des Selbstbestimmungsrechts der Völker des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Wilson wird jedem Volk zuerkannt, über seine staatliche Zugehörigkeit selbst zu entscheiden und da, wo eine staatsrechtliche Entflechtung durch das enge Beisammensein nicht möglich ist, sollten die nationalen Minderheiten durch völkerrechtliche Bestimmungen geschützt werden. Im Friedensvertrag von Trianon wurden diese Verpflichtungen von Ungarn übernommen, ebenso in den Minderheitsverträgen von Rumänien und Jugoslawien.
Jedenfalls wurde in dieser Zeit erreicht, daß auf dem Gebiet der drei Staaten, in denen Deutsche lebten, ihre Kinder eigene deutsche Schulen besuchen konnten. Nach dem 1. Weltkrieg konnten auch die Lehrer, die noch an ungarischen Lehrerbildungsanstalten ausgebildet worden waren, sich in der deutschen Sprache weiterbilden. Der jugoslawische Staat verlangte aber von ihnen Prüfungen in serbischer Sprache, was viel Not in die deutschen Lehrerfamilien brachte. Viele schafften es und konnten im Staatsdienst bleiben. Unsere Heimatgemeinde hatte in der Mehrzahl deutsche Lehrer und wenig serbische. Hier seien, stellvertretend für alle, zwei Lehrer aus der deutschen Lehrerbildungsanstalt genannt:
Wilhelm Kister und
Peter Hartmann.
Die schulischen Verhältnisse hatten sich immer mehr gebessert, denn jedes Jahr verließen eine stattliche Zahl Absolventen unsere deutsche Lehrerbildungsanstalt, zuerst für das Staatsgebiet von Jugolsawien und ab 1941 für die deutschen Volksschulen in Ungarn. Die Auswirkung dieser Tatsache konnten wir nicht mehr erleben, denn 1944 kam der Einmarsch der Tito-Partisa-nen und alles war vorbei. Für unser höheres Schulwesen ist abschließend zu sagen, daß es ganz und gar auf dem Gedanken der Selbsthilfe aufgebaut war. Jede Familie hatte Opfer dafür gebracht. Desgleichen muß ich anführen, daß nur im serbischen Banat erstmalig unter dem Einfluß der deutschen Volksgruppenführung in Groß-Betschkerek die Volksgruppen wirklich gleichberechtigt auf schulischem Gebiet waren - eine geschichtliche Tatsache, die niemand wegwischen kann.
Nur Toleranz und Verständnis für den anderen kann das Zusammenleben in diesem Raum erleichtern. Das Ende unserer Schulen in Jugoslawien war 1945 gekommen, während es in Ungarn und Rumänien noch heute deutsche Schulen unter kommunistischen Vorzeichen gibt.
Quellen: HÜGEL; SENZ, Schulwesen; BRÜCKER."




Das Werbaßer Deutsche Gymnasium (s. Bild oben)


wurde ursprünglich als private Anstalt der lutherischen Kirche gegründet, um dann allmählich zu der hervorragendsten Bildungsanstalt der Batschka und Südungarns bzw. Nordjugoslawiens zu werden.
Die deutsche Gemeinde Neu-Werbaß wurde immer mehr zu einer deutschen Schulstadt. In den dreißiger Jahren ist die Deutsche Lehrerbildungsanstalt aus Betschkerek hierher verlegt worden, dann wurde eine Bürgerschule (Mittelschule) eröffnet und schließlich das Gymnasium wiedereröffnet.
Die Schüler der Lehrerbildungsanstalt trugen blaue Studentenmützen, die der Bürgerschule braune und die des Gymnasiums grüne.
Quelle: Josef Schramm "BATSCHKA"





Die Neusatzer Deutsche Bürgerschule


Zusammenstellung und graphische Gestaltung der Broschüre "NEUSATZER KLASSENBUCH":
Helmut Bischof

Texte: Franz Bahl, Fritz Bechtold, Helmut Bischof, Franziska Eder-Wolf, Franz Greiling, Adam Simon und Käthe Stöffler-Wurtz.






Diese weiterführende deutsche Schule wurde erst nach der Besetzung der Batschka durch Ungarn (Balkanfeldzug) 1940 errichtet und mit Beginn des ersten Schuljahres im September 1940 eröffnet.
Darüber berichtete der Stellvertretende Schulleiter, Herr Jacob Schwindt (war Gesprächspartner von Albert Einstein kurz vor dessen Emigration), in einer Ansprache am 12. Oktober 1984 beim Klassentreffen der ehemaligen Schüler der Deutschen Bürgerschule Neusatz in Leonberg-Eltingen:

"...Unsere deutsche zweiklassige Schule hatte immer um die 90 bis 100 Kinder, aber immer nur zwei Lehrkräfte für 7 Jahrgänge. Die Lehrerin hatte die Klassen 1-3 und der Lehrer 4 bis 7.
Das war wohl auch auf den Lehrermangel zurückzuführen, denn zwölf Jahre dauerte es, bis man uns eine deutsche Lehrerbildungsanstalt bewilligte, eine private deutsche Lehrerbildungsanstalt.
Im Jahre 1930 wurde vom Unterrichtsministerium die Gründung erlaubt. Endlich war ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung gegangen, überall Freude und Zuversicht bis in die breitesten Kreise unserer deutschen Bevölkerung.
Doch galt es jetzt die finanzielle Basis zur Erhaltung der Lehrerbildungsanstalt zu schaffen; dazu wurde die Deutsche Schulstiftung ins Leben gerufen, als Hort unseres Schulwesens, denn der Staat gab uns keinerlei finanzielle Mittel dazu. Der Aufruf zum Zeichnen von Anteilen, Bausteine genannt, sowie die freiwilligen Sammlungen brachten ein überwältigendes Ergebnis. Fast 3,5 Millionen Dinar waren in einigen Monaten freiwillig aufgebracht.
Im Herbst konnte die deutsche Lehrerbildungsanstalt ihre Tore öffnen und zwar mit einer ersten, zweiten und dritten Klasse in Betschkerek, nach zwei Jahren wurde sie nach Werbaß verlegt.
Am 28. Juni 1934 konnten 18 Lehrerinnen und Lehrer mit dem Lehrerdiplom die Schule verlassen. Die nächsten Jahrgänge der Absolventen waren stärker, dazu kamen noch deutsche Absolventen der staatlichen Lehrerbildungsanstalten Sombor, Werschetz, Essegg, Belgrad und Sarajevo. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges konnte der Bedarf an deutschen Lehrkräften der Volksschulen fast gedeckt werden.

Die Deutsche Schulstiftung konnte nach der Rückgliederung unserer Batschkaer Heimat an Ungarn 1941 mit herübergerettet werden und ihre segensreiche Tätigkeit in der kurzen Zeit bis zur Flucht aus der Heimat erfolgreich fortsetzen. Nicht nur das:

Nachdem Ungarn 1941 in den Krieg als Verbündeter des Deutschen Reiches eingetreten war, konnten wir weitere Schulen errichten, darunter unsere uns liebgewordene Bürgerschule in Neusatz.

Von dieser Schule, der ich nur ein knappes Jahr angehörte, weil ich im Mai 1942 eine Einberufung zum Militärdienst erhielt, will ich kurz sprechen.
In den Sommerferien des Jahres 1941 wurde ich zu Herrn Matz Gilljum bestellt, den ich von früher aus meiner Tätigkeit im Kulturbund kannte. Er war der damalige Leiter des Kuratoriums der Deutschen Schulstiftung und machte mir den Vorschlag, mit Beginn des neuen Schuljahres an der neuzuerrichtenden Deutschen Bürgerschule in Neusatz zu unterrichten und mich um das geplante Internat zu kümmern, für welches ich als Erzieher vorgesehen war.
Ich stimmte gerne zu, zumal ich aus der Liste der vorgesehenen Lehrkräfte bereits mehrere kannte und schätzte. Ich war die jüngste Lehrkraft des Kollegiums und hatte gerade ein Jahr vorher meine Prüfung für das Fach Musik und Gesang an der Höheren Pädagogischen Schule in Belgrad bestanden, war aber an Volksschulen bereits seit 1936 tätig gewesen, seit 1938 gerade in Neusatz, wo ich auch die Kantorenstelle an der evangelischen Kirche innehatte.

Als ich mit den Herren Gilljum, Herrn Hoffmann, dem späteren Schulleiter, und Pfarrer Mornau den Bau an der Donau besichtigte - es war die frühere serbische kaufmännische Fortbildungsschule, wo auch Schaufenster dekorieren gelehrt wurde -, waren wir uns einig, daß dieses Gebäude sich vorzüglich für unser Vorhaben eignete.
Ich will jetzt nicht eingehen auf die große Arbeit, welche bis zur Eröffnung zu bewerkstelligen war, aber sie wurde soweit bewältigt, daß wir im Herbst die Tore öffnen konnten mit so vielen Anmeldungen aus der ganzen Batschka und sogar aus Syrmien, daß wir mit der Unterbringung und der Besetzung des Lehrkörpers fast in Schwierigkeiten gerieten.
Letztlich klappte es doch, und die Schule wurde uns vertraut und lieb..."

1943 SCHULABSCHLUSS Klasse IVa

Von links nach rechts:
1. Reihe, am Boden: Franz Korell, Neusatz/Semlin; Johann Hutterer, Futog; Franz Bahnweg, Neusatz; Franz Wituschek, Bukin; Franz Strauss, Gajdobra; Josef Marschall, Neusatz; Heinrich Tyrjan, Budisava.
2. Reihe, sitzend: Rudolf Kiefer, Neusatz; Viktor Sebele, Neusatz; Helmut Bischof, Neusatz; Bruno Putze, Neusatz; Prof. Julius Anika (Zeichenlehrer); Direktor Josef Zorn (+ 1969 in Cuxhaven); Stephan Badern, Neusatz; Josef Freund (1944 vermißt), Neusatz; Adam Simon, Budisava; Peter Bläsius + (1944 von Partisanen ermordet), Neusatz.
3. Reihe: Jakob Klaar, Neusatz; Franz Greiling, Neusatz; Erhardt Ebinger, Neusatz; Adam Weiß, Neusatz; Philipp Zeh, Budisava; Franz Mayer, Futog; Anton Greifenstein, Futog; Friedrich Bechtold, Neusatz; Franz Lasi, Katsch; Matthias Hubert, Tscheb; Franz Schön (1944 vermißt), Katsch; Valentin Teppert, Filipovo (1945 vermißt); Karl Marschall, Neusatz; Ladislaus Frei, Neusatz; Peter Klaus, Bulkes; Heinrich Gollmann + (1967 gestorben), Budisava.
4. Reihe: Valentin Eppli, Bukin; Georg Wurm-Trageiser + (gestorben am 2.1.1982), Palanka; Michael Helfrich, Futog; Heinrich Röhrig + (1943 in Torschau beim Dreschen verunglückt), Torschau; Franz Bahl, Tscheb; Karl Lotz, Neusatz; Heinrich Haller + (1944 gefallen), Budisava; Jakob Lottbrein (1944 vermißt), Jarek; Philipp Pfeiffer, Titel; Konrad Baumgartner, Futog; Josef Himmel, Neusatz.
Nicht abgebildet: Adalbert Burghardt, Neusatz; Nikolaus Habersack, Neusatz; Christian Hubert (gestorben am 1.3.1947), Titel; Karl Krieger, Neusatz; Karl Purpus, Neusatz.

1944 kam der Krieg nach Neusatz
Am 6. September 1944 wurde das HABAG-Haus, Kultur- und Genossenschaftszentrum ("AGRARIA") der Deutschen Jugoslawiens, von amerikanischen Bombern zerstört.

Links: Helmut BISCHOFs Skizze des zerstörten HABAG-Hauses/ Rechts: Das HABAG-Haus erbaut 1931

Sie mußten im II.Weltkrieg sterben:

Im Bild von links nach rechts:
Elisabeth Oppermann aus Sentiwan. Elisabeth starb am 7. Oktober 1945 im 17. Lebensjahr in einem Flüchtlingslager bei Bruck an der Leitha, in der damaligen sowjetischen Besatzungszone Österreichs, an Unterernährung.
Peter Blaesius aus Neusatz ist am 15. November 1944 zusammen mit seinem Vater in Palanka ermordet worden. Als man Peter sein Leben nahm, war er 16 Jahre alt.
Josef Freund aus Neusatz ist im Herbst 1944 eingezogen worden. Er ist vermißt. Als Josef starb, war er 16 Jahre alt.
Heinrich Haller aus Budisava ist 1944 Soldat geworden. Am 4. November 1944 wurde Heinrich bei Fünfkirchen verwundet. Er starb noch am gleichen Tag. Er war 17 Jahre alt, als er starb.


Im Bild von links nach rechts:
Jakob Lottbrein aus Jarek kam 1945 zum Militär. Seither haben seine Angehörigen nichts mehr von ihm gehört. Jakob war 17 Jahre alt, als er sterben mußte.
Franz Schön aus Katsch wurde eingezogen und mußte in Böhmen kämpfen. Seither ist er vermißt. Franz war 17 Jahre alt, als er starb.
Valentin Teppert aus Filipovo wurde nach der Flucht aus der Heimat Anfang 1945 in Schlesien eingezogen. Er fiel nach Angaben von Kameraden in den letzten Kriegstagen in Berlin-Wilmersdorf. Valentin war 16 Jahre, als er sterben mußte.

Zusammenfassung:
Sie sind verhungert, ermordet worden, im Krieg geblieben. Sie haben ihr Leben geopfert für eine Idee, die uns alle berauschte und blendete. Aus heutiger Sicht ist uns unbegreiflich, daß 16- und 17jährige in den Krieg mußten.
Nach über vierzig Jahren erst erfuhren wir vom schrecklichen Tod unserer Schulgefährten. Erst spät wurde uns bewußt, wie groß das Opfer auch unseres Jahrganges war. Wir müssen daran denken, daß dieses Schicksal auch uns selbst hätte widerfahren können. Wir denken an das Leid, das mit ihrem Tod über ihre Angehörigen gekommen ist.
Wir wollen hier nicht von Heldentum sprechen. Wir fragen nicht nach denen, die nicht bereit waren, den Weg auf den sie uns schickten, zu Ende zu denken. Wir fragen uns, warum wir nicht selbst sahen oder wenigstes erahnen konnten, welchem Verhängnis wir entgegengingen.
Wir trauern um Elisabeth, um Peter, Josef, Heinrich, Jakob, Franz, um Valentin.

Ein kurzer Blick nach Bulkes
Am Bahnhof 1942: Bürgerschüler vor der Abfahrt in die Neusatzer Schule.
Von links nach rechts:
Karl Wolf, Peter Schermann, Peter Bauer, Heinrich Bauer, Peter Schertz, Nikolaus Weber, Adolf Mischkowitsch, Philipp Bieber, Jakob Harfmann, Karl Koch, Salomon Gerholdt, Heinrich Stephan, Franz Jung, Jakob Hoffmann.




Das Treffen nach 40 Jahren
Absolventen der Klasse IVa, Schuljahr 1942/43

Reihe ganz oben, von links:
Karl Purpus, Michael Helfrich, Karl Lotz, Helmut Bischof, Herbert Heintz (Mitschüler im Schuljahr 1941/42, im folgenden Jahr Gymnasiast in Neu-Werbaß), Philipp Pfeiffer.
Mittlere Reihe:
Matthias Hubert, Konrad Baumgartner, Franz Bahl, Hans Hutterer, Franz Lasi.
Vordere Reihe:
Adam Simon, Fritz Bechtold, Franz Majer, Josef Himmel, Jakob Klaar, Franz Greiling.






Die DEUTSCHE SCHULE in Belgrad

Kurzfassung über die Geschichte dieser "reichsdeutschen" Schule von 1854 bis 1944

(Quelle: "DIE DEUTSCHE SCHULE IN BELGRAD"
Herausgegeben vom Freundeskreis Deutsche Schule in Belgrad unter der Schirmherrschaft von Direktor Dr. Heinrich Geißler
München/Sindelfingen 1986

Im Mai 1954 wäre es 100 Jahre her gewesen, daß eine deutsche Schule in Belgrad entstand. Mitten in die Vorbereitungen der 90-Jahr-Feier ihres Bestehens fielen im April 1944 die ersten schweren Bomben auf Belgrad, die die Schularbeit zum Erliegen brachten. Auch nach dem 1. Weltkriege war das deutsche Schulleben in der serbischen und später jugoslawischen Landeshauptstadt fast zehn Jahre lang, von 1918 bis 1927, unterbrochen. Während danach aber ein schnelles Aufblühen begann, ist heute an die Wiederaufnahme der Schularbeit noch nicht zu denken.
Die Deutsche Schule in Belgrad war eine Gründung der dortigen evangelischen Gemeinde. Die erste rechtliche Anerkennung durch staatliche Unterrichtsbehörden erhielt sie 1856. Gleichzeitig erfolgte die Aufnahme der ersten serbischen Kinder. Das serbische Fürsten- und spätere Königshaus Obrenowitsch übernahm das Patronat der Kir che und Schule. Diese "luteranska skola" erfreute sich auch unter der serbischen Bevölkerung einer zunehmenden Beliebtheit. Als erster Kindergarten in Belgrad wurde 1885 der deutsche eröffnet. Bis 1890 waren vier ebenerdige Klassenräume errichtet. 1899 wurde mit 336 Kindern die höchste Schülerzahl vor dem 1. Weltkriege erreicht. Für den größten Teil der deutschen Kinder hörte der Schulbesuch nach vier Jahren auf, da Serbien keine längere Schulpflicht kannte.

Der l. Weltkrieg unterbrach die friedvolle deutsche Bildungsarbeit in Belgrad. Während der österreichisch-ungarischen Besetzung der Stadt wurde die evangelische Schule auf Betreiben der Reichsvertretung wieder eröffnet. Die nötigen Lehrer wurden aus dem Heeresdienst herausgenommen. Eine höhere deutsche Schule sollte entstehen, auch um den Madjarisierungsbestrebungen der Ungarn entgegenzuwirken. Viele angesehene Serben gaben damals ihre Kinder in die Deutsche Schule, weil sie die einzige war, wo sie in ihrer Muttersprache unterrichtet und nicht zum Übertritt in ein fremdes Volkstum gedrängt wurden. Der Herbst 1918 brachte mit dem Zusammenbruch der Mittelmächte die Besetzung der Schule durch französische Marokkaner. Der 1924 berufene neue Pfarrer Turek aus Graz, ein sprachkundiger und gewandter Mann, erreichte 1926/27 die Wiedereröffnung der Schule. Sie war nur möglich, weil in Frau Andritsch-Bussler, einer Berliner Lehrerin, die mit einem höheren serbischen Offizier verheiratet war, eine deutsche Lehrkraft zur Verfügung stand, die schon in der Vorkriegszeit dort gewirkt hatte. Die Schule nahm einen schnellen Aufstieg. Sie zählte 1927: 48 Schüler, 1929: 162, 1932: 283, 1934: 341, 1938: 420. Neben Frau Andritsch ist dieser Aufstieg vor allem einer serbischen Lehrerin, Frau Pantitsch, zu danken, die bis zu ihrem Tode mit beispielhafter Hingabe und Liebe zu ihrem Volkstum in der Deutschen Schule unterrichtet hat.

Das Land befand sich infolge der bitteren Auseinandersetzungen der Parteien und Stämme in ständiger Unruhe. Erst nach der Schaffung der Militärdiktatur König Alexanders kam es zu leidlich gefestigten politischen Verhältnissen, aber auch zu streng nationalistischen Gesetzen, durch die ein jugoslawisches Staatsvolk geschaffen werden sollte. Privatschulen wurden verboten, hauptsächlich um den katholisch-kroatischen Selbständigkeitsbestrebungen entgegenzutreten. Der Gewandtheit Pfarrer Tureks gelang es, das Weiterbestehen der Gemeindeschule durchzusetzen. Doch drohte nun die Gefahr, daß die Schule in das Minderheitenschulwesen eingeordnet würde, das nach den Pariser Friedensverträgen für die völkischen Minderheiten des neuen Nationalstaates eingerichtet werden mußte. Doch blieb der Schule das Recht, auch serbische Schüler aufzunehmen. In Agram (Zagreb) dagegen, der kroatischen Hauptstadt, durften in die Deutsche Schule der evangelischen Gemeinde nur Kinder deutscher Volkszugehörigkeit europäischen Länder erfaßt hatte. Zu ihr gehörten sowohl die jungen deutschen Lehrer, die auf den neuen pädagogischen Hochschulen und Akademien im Reich vorgebildet waren, als auch viele serbische Lehrer. Die Schule blühte auf. Diejenigen Kreise Belgrads, die mit dem deutschen Wirtschafts- oder Geistesleben in Verbindung standen, hielten ihre Kinder zur Deutschen Schule. Es waren dies vor allem Ärzte, Offiziere, Wissenschaftler und Kaufleute. Wenn ihre Kinder mit elf Jahren die Deutsche Schule verließen, waren sie mit der deutschen Sprache wohlvertraut, und es wurden viele Lehrgänge und Zusammenkünfte unternommen, um sie weiterhin in Verbindung mit der Schule zu halten.
Die deutschen Lehrer hielten damals zusammen mit zwei Lektoren der Belgrader Universität verschiedene Deutschlehrgänge ab und beteiligten sich an den Bemühungen, der Entvolkung der zahlreichen Volksdeutschen entgegenzuwirken. Belgrad hatte damals eine Viertelmillion Einwohner, unter denen 10 000 bis 12 000 Deutsche waren.





An der Deutschen Schule wurden die volksdeutschen Kinder in eigenen Abteilungen zusammengefaßt und von jungen volksdeutschen Lehrern unterrichtet.


Unter den Schülern waren auch zwei Bulkeser Kinder:
Philipp und Elisabeth (im Bild unten rechts) FRANCK, deren Eltern vor dem 2. Weltkrieg in Belgrad arbeiteten und wohnten.





Das Minderheitsschulwesen Jugoslawiens baute sich in Parallelklassen auf; doch gab es für die 700 000 Deutschen des Landes keine deutschen höheren Schulen. An jedem Ort mußte eine staatssprachliche Volksschule vorhanden sein. Daneben konnten dann auf Antrag der Eltern deutschsprachliche Parallelklassen eingerichtet werden. Dies geschah aber so wenig, daß etwa die Hälfte aller deutschen Kinder des Landes keinerlei Unterricht in ihrer Muttersprache erhielt. Die Hauptnot bestand im Mangel an deutschen Lehrkräften. Die einzige im Jahre 1931 errichtete Private Deutsche Lehrerbildungsanstalt in Neu-Werbaß war nicht in der Lage, so viele Lehrer, wie nötig waren, heranzubilden. So konnte es nicht wunder nehmen, daß die Volksdeutschen Jugoslawiens eine Besserung ihrer Lage scnließlich nur noch von einer Vormachtstellung des Deutschen Reiches in Europa erwarteten und unbesehen dem Nationalsozialismus bei seiner Machtergreifung zustimmten.
Je mehr das Deutsche Reich nach 1925 wieder an wirtschaftlichem Einfluß auf dem Balkan gewann, um so deutlicher trat die Verschiedenheit der Lage der Volksund der Reichsdeutschen hervor. Bald sonderte sich in Belgrad eine betont reichsdeutsche Gruppe ab. In ihrer Hand lag die Führung des Deutschen Schulvereins, der mit Unterstützung der deutschen Gesandtschaft die Eröffnung einer deutschen Bürgerschule (5. bis 8. Schuljahr mit einer Fremdsprache) betrieb. Es entstand eine hochwertige Bildungsanstalt mit besten Lehrkräften, die auch den begabten volksdeutschen Kindern Belgrads, bald auch des breiten Landes mit Hilfe von Schülerheimen, zugute kam. Sie wurde außerdem von den begabten Kindern der russischen Emigranten gern besucht. Auch die Arbeit dieser Schule unter der Leitung des Studienrats Ernst Müller stand unter dem glücklichen Zeichen der pädagogischen Hochleistungen dieser Zeit.

Die Errichtung der Bürgerschule ging Hand in Hand mit der Aufführung eines neuzeitlichen Schulgebäudes, wozu die Mittel teils aus dem Verkauf des alten Kirchen-Grundstückes, teils aus Zuschüssen des Auswärtigen Amtes kamen.




Anmerkung zum Neubau der Deutschen Schule in Belgrad:
Nachdem im Jahre 1931 das Baugelände in der Zrinjskoga ulica 30 bis 32 erworben war, wurde nach Überprüfung und Durchberatung zahlreicher Projekte der Entwurf des Architekten Rudolf Noller aus Belgrad endgültig angenommen.

Es entstand ein stattlicher Neubau, ein schönes Zeugnis deutschen Schulbauens, lange Zeit der modernste Schulbau auf dem Balkan.
Am 23. April 1933 wurde er eingeweiht.




Die zuvor schon beträchtlich gewachsene Schülerzahl stieg ständig, so daß die Abnahme der jüdischen Schüler nach 1933 kaum ins Gewicht fiel. Im Jahre 1940 wurde bereits die Errichtung eines neuen Schulgebäudes und der Erwerb eines großen Grundstückes für ein neuzeitliches deutsches Gymnasium geplant; doch machte der Krieg auf dem Balkan im Frühjahr 1941 diesen Plänen und Hoffnungen ein Ende. Gleichzeitig erlosch auch die gesamte deutsche Bildungs- und Erziehungsarbeit in diesem Räume. Die zunehmend aggressive Politik des nationalsozialistischen Deutschlands brachte es mit sich, daß die außerschulischen Bemühungen um die Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur immer mehr auf Ablehnung stießen.
Das Ende war bitter. Nach dem schweren englischen Bombenangriff zu Ostern 1944 konnte kein regelmäßiger Unterricht in Belgrad mehr stattfinden. Am 7. September wurde das Schulgebäude durch einen Bombenvolltreffer zur Hälfte zerstört. Es soll heute (1986) wiederhergestellt sein und als Eliteschule dienen. Die letzten Lehrer verließen Belgrad, ehe die Stadt Ende Oktober 1944 von Partisanen und Russen nach harten Kämpfen erobert wurde. Das Volksdeutschtum Jugoslawiens erlebte einen erschütternden Untergang. Teilweise gelang es in Trecks zu fliehen, die dann noch in Schlesien und Böhmen in den Zusammenbruch des Reiches gerieten. Teilweise wurden die Volksdeutschen als Arbeitskräfte nach Rußland verschleppt, teilweise in jugoslawischen Hungerlagern vernichtet. Viele Kinder wurden in Zwangserziehung genommen. Sie wurden dann zu den ihnen völlig entfremdeten Eltern in die Bundesrepublik zurückgebracht.
In mühsamer Erziehertätigkeit mußten sie nun zu ihrer Muttersprache und deutscher Lebensart zurückgeleitet werden. Diese Arbeit, wie sie zum Beispiel von dem donauschwäbischen evangelischen Waisenhaus Siloah, das sich einst in Neupazova in Syrmien befand und heute in Eglofstal bei Wangen im Allgäu ist, für derartige Kinder getan wurde, war der letzte Rest der früheren deutschen Bildungsarbeit in Jugoslawien, von der die Deutsche Schule in Belgrad einen hervorragenden Teil getragen hatte.
Dr. Heinrich Geißler

(Heinrich Stephan)